Inflation Was bedeutet Inflation?

Eine junge Frau sitzt in einem Cafe und trinkt Kaffee
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Angesichts milliardenschwerer Rettungspakete und steigender Staatsverschuldung in Zeiten der Corona-Pandemie geht in Deutschland wieder einmal das Schreckgespenst der Inflation um. Aber was ist überhaupt eine Inflation, wie kommt es dazu und welche Auswirkungen hat eine solche Geldentwertung für den Privatverbraucher und den Staat?

In diesem Artikel lernen Sie außerdem verschiedene Arten der Inflation kennen und erfahren, was es mit einer Hyperinflation auf sich hat. Ist eine Inflation gut oder schlecht? Auch diese Frage werden wir in Bezug auf Privatverbraucher und den Staat beantworten. Schließlich beleuchten wir die verschiedenen Auswirkungen einer Geldentwertung auf Zinsen, Kredite und Schulden.

Definition: Was ist eine Inflation?

Der deutsche Begriff „Inflation“ leitet sich vom lateinischen Wort „inflare“ ab, was so viel wie „aufblähen“ oder „anschwellen“ bedeutet. Im volkswirtschaftlichen Sinne meint Inflation die anhaltende Preissteigerung von Gütern und Dienstleistungen. Dieser Prozess kann zwei verschiedene Gründe haben – entweder das Geld ist weniger wert oder Produkte werden teurer. Das Ergebnis ist in beiden Fällen dasselbe: Durch eine Inflation nimmt die Kaufkraft des Geldes ab, sodass sich Privatverbraucher für das gleiche Geld immer weniger kaufen können.

Inflationsarten und ihre Entstehung

Die Entstehung einer Inflation kann mehrere Ursachen haben. Im Wesentlichen wird unterschieden in drei Arten von Inflation: Angebotsinflation, Nachfrageinflation und Geldmengeninflation.

Was ist eine Angebotsinflation?

Bei einer Angebotsinflation steigt das allgemeine Preisniveau aufgrund gestiegener Kosten der Unternehmen, z. B. höhere Lohn- oder Rohstoffkosten. Bei dieser Inflationsart unterscheidet man weiter zwischen einer Kosteninflation (oder Kostendruckinflation) und einer Gewinninflation (bzw. Gewinndruckinflation).

Bei der Kosteninflation wälzen die Unternehmen ihre Mehrkosten auf die Preise für ihre Güter und Dienstleistungen ab, wodurch das Preisniveau steigt. Bei der Gewinn- oder Gewinndruckinflation hingegen nutzen Unternehmen auf Märkten mit begrenztem Wettbewerb ihre Marktmacht, um Preiserhöhungen durchzusetzen. Eine Kosteninflation (oder Kostendruckinflation) entsteht, wenn die Produktionskosten aufgrund steigender Löhne oder Rohstoffpreise z. B. für Rohöl) zunehmen. Die Unternehmen wälzen die gestiegenen Produktionskosten auf die Preise für ihre Güter und Dienstleistungen über ab und das Preisniveau steigt dadurch.

Was ist eine Nachfrageinflation?

Bei einer Nachfrageinflation wird die Preisniveausteigerung dadurch ausgelöst, dass die Nachfrage nach Gütern höher ist als das verfügbare Angebot. Herrscht gleichzeitig noch Vollbeschäftigung, sodass Unternehmen die überhöhte Nachfrage nicht kurzfristig durch eine Ausweitung ihrer Produktion befriedigen können, steigen die Preise der nachgefragten Waren.

Was ist eine Geldmengeninflation?

Eine dritte Ursache für ein steigendes Preisniveau ist die Erhöhung der Geldmenge, die sich im Geldkreislauf befindet. Hier spielen in der Regel die staatlichen Zentralbanken eine entscheidende Rolle. Denn diese haben die Möglichkeit durch verschiedene geldpolitische Maßnahmen mehr Geld in Umlauf zu bringen und so die Liquidität auf dem Markt zu erhöhen – beispielsweise durch Senkung der Leitzinsen oder durch Helikoptergeld.

Gut zu wissen: Je nach Geschwindigkeit der Geldentwertung (Inflationstempo) kann übrigens zwischen einer schleichenden, trabenden, galoppierenden oder einer Hyperinflation unterschieden werden.

Verschiedene Arten von Inflation

Verschiedene Arten von Inflation und ihre Ursachen

Was ist eine Hyperinflation?

Die schnellste Art der Inflation ist die sogenannte Hyperinflation. Grob gesagt handelt es sich dabei um eine unkontrollierte Geldentwertung mit extrem hohen monatlichen Inflationsraten: Der Wert des Geldes nimmt rapide ab und das Preisniveau steigt sehr schnell an. Eine weit verbreitete Faustregel besagt, dass es bei einer Hyperinflation zu monatlichen Inflationsraten von 50 % kommt. Auf dem Höhepunkt der deutschen Inflation von 1914 bis 1923 lag die monatliche Inflationsrate sogar bei mehreren Tausend Prozent. Eine Hyperinflation hat meistens keine reinen volkswirtschaftlichen Ursachen, sondern geht fast immer mit schwerwiegenden Erschütterungen durch Krieg oder gesellschaftlichen Umbrüche einher.

Wie lässt sich Inflation messen?

Gut zu wissen: Im September 2020 lag die Inflationsrate in Deutschland bei –0,2 % und fiel somit zum zweiten Mal in diesem Jahr unter null.

Um den aktuellen Verbraucherpreisindex und damit die Inflation bzw. Deflation zu ermitteln, wird in der Wirtschaftsstatistik auf einen imaginären Warenkorb zurückgegriffen. In Deutschland wird dieser vom Statistischen Bundesamt erstellt. Der deutsche Warenkorb setzt sich aus etwa 650 Gütern und Dienstleistungen zusammen – angefangen von Nahrungsmitteln über Tabakwaren und alkoholische Getränke bis hin zu Produkten und Leistungen in den Bereichen Gesundheit, Freizeit und Bildung. An den jährlichen Preisänderungen dieses repräsentativen Warenkorbs lässt sich die prozentuale Steigerung oder Senkung der Preise ablesen – also die Inflation bzw. Deflation messen.

Ist eine Inflation gut oder schlecht?

Durch eine Inflation nimmt die Kaufkraft des Geldes kontinuierlich ab. Steigen die Preise für Güter und Dienstleistungen dadurch schneller als die Löhne und Gehälter, bedeutet das für Privatpersonen, dass diese für ihr Geld weniger kaufen können.

Die zweite Folge einer Inflation ist, dass Ersparnisse weniger werden. Das gilt nicht nur für das sprichwörtliche Bargeld unterm Kopfkissen, sondern generell für Geld, das zu Zinssätzen unterhalb der Inflationsrate angelegt wird. Deshalb sollte die Verzinsung oder Rendite von Kapitalanlagen nach Möglichkeit höher sein als die Teuerungsrate.

Aus volkswirtschaftlicher Sicht führt eine steigende Inflation dazu, dass das nominale Bruttoinlandsprodukt zunimmt. Dieses gibt nämlich die Summe der Wertschöpfung eines Landes in aktuellen Marktpreisen an, selbst wenn die tatsächliche Menge der produzierten Güter bzw. erbrachten Dienstleistungen – also das reale BIP – nicht steigt. Für den Staat als Schuldner hat das unmittelbare vorteilhafte Auswirkungen auf die Schuldenquote, also dem Verhältnis der Staatsverschuldung zum nominalen Bruttoinlandsprodukt: Die Schuldenquote sinkt.

Auch private Schuldner profitieren von einer steigenden Inflation, denn während der Nennwert der Schulden gleichbleibt, nimmt ihr tatsächlicher Wert infolge der Geldentwertung ab.

Warum ist eine Inflation erwünscht?

Unabhängig von diesen Vor- und Nachteilen ist aus Sicht von Wirtschaftsexperten eine gewisse Inflation erwünscht. Seit 2003 strebt die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihrer expansiven Geldpolitik eine Inflationsrate von unter, aber nahe 2 % an. Dadurch sollen die Preise stabil gehalten und die Wirtschaft angekurbelt werden. Denn dauerhaft niedrige oder gar sinkende Preise gelten als Risiko für die Konjunktur. Unternehmen und Verbraucher könnten Anschaffungen aufschieben, weil sie erwarten, dass alles noch billiger wird. Das hätte zur Folge, dass die Wirtschaft nicht mehr wächst und die Arbeitslosigkeit steigt.

Was passiert mit den Zinsen bei einer Inflation?

Grundsätzlich hat eine Inflation keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Zinsen. Allerdings sind Inflation und Zinsen eng miteinander verwoben. Das hat mit dem sogenannten Leitzinsen zu tun. Denn der gehört traditionell zu den wirksamsten geldpolitischen Maßnahmen der Zentralbanken, um auf die Inflation einzuwirken. Senkt eine Zentralbank den Leitzins, können sich die Geschäftsbanken günstig Geld bei ihr leihen. In der Folge können die Banken ihrerseits ihren Kunden Kredite zu niedrigen Zinssätzen anbieten. Wenn sich mehr Menschen und Unternehmen einen Kredit leisten können, kann das geliehene Geld durch Einkäufe bzw. Investitionen zurück in die Wirtschaft fließen. Die Konjunktur wird angekurbelt, die Geldmenge nimmt zu und die Inflationsrate steigt – zumindest in der Theorie.

Was passiert mit meinem Kredit bei einer Inflation?

Tipp: Nützliche Tipps zum Thema Baufinanzierung finden Sie auch in unserem comdirect magazin.

Eine Inflation wirkt sich in der Regel nicht unmittelbar auf einen bestehenden Kredit aus. Bei einer Bau– oder Immobilienfinanzierung kommt es darauf an, ob mit der Bank ein variabler oder ein fester Zinssatz vereinbart wurde. Denn bei einem variablen Zinssatz wird die Bank den Zinssatz in der Regel an die Inflationsrate anpassen, sodass Kreditnehmer durch eine steigende Inflation keine Vorteile haben. Bei einem festen Zinssatz ist dies, zumindest innerhalb der Zinsbindungsfrist, nicht möglich. Hier können Kreditnehmer von Bau- oder Immobiliendarlehen also von einer steigenden Inflation profitieren, da der reale Wert der Kreditsumme durch die Geldentwertung sinkt. Bei einer Baufinanzierung kommt es also darauf an, optimale Bauzinsen für Ihre Immobilie zu vereinbaren und sich unabhängig vom Thema Inflation die Frage zu stellen: Was kann ich mir leisten? Das gilt natürlich auch für andere Kreditarten.

Was passiert mit den Schulden bei einer Geldentwertung?

Im Abschnitt über den Zusammenhang zwischen Inflation und Zinsen haben wir am Beispiel der Staatsverschuldung schon gesehen, dass Schuldner in der Regel von einer zunehmenden Geldentwertung profitieren, da dadurch eben auch der Wert der Kreditsumme real abnimmt, während er nominal gleichbleibt. Mit steigender Inflation sinkt also auch der „Wert“ von Schulden. Gerade für Privatverbraucher hat die Inflation aber auch eine Kehrseite. Denn die Geldentwertung schlägt sich gleichzeitig als erhöhtes Verbraucherpreisniveau nieder, sodass sich die Vor- und Nachteile einer Inflation schnell die Waage halten können.

Fazit: Was bedeutet eine Inflation für den Bürger?

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass eine Inflation sowohl positive als auch negative Auswirkungen für den Einzelnen haben kann. Auf der „Sollseite“ stehen zunächst einmal die Geldentwertung und die damit einhergehende Senkung der Kaufkraft: Der Bürger kann sich für das gleiche Geld weniger leisten als zuvor. Auch Ersparnisse, Bankguthaben und niedrig verzinste Geldanlagen wie Tages- und Festgeld nehmen langfristig ab.

Auf der „Habenseite“ profitieren vor allem Kreditnehmer von einer Inflation, da die Geldentwertung auch Schulden betrifft. Dieser Vorteil schlägt sich allerdings in erster Linie bei festem Zinssatz und dann wahrscheinlich auch nur für die Dauer der Zinsbindung nieder. Eine Prognose für Kreditzinsen und Tipps zur Zinsbindung finden Sie in unserem comdirect magazin.

Insgesamt wird festgehalten, dass die Auswirkungen einer Inflation sehr komplex sind und sich nicht ohne Weiteres als positiv oder negativ einschätzen lassen. So sind Bürger meistens Privatverbraucher und Kreditnehmer zugleich, sodass sich Vor- und Nachteile einer Inflation schnell aufheben können. Zudem ist eine Inflation im gewissen Rahmen aus volkswirtschaftlicher Sicht wünschenswert, um die Konjunktur anzukurbeln und Arbeitsplätze zu erhalten – und davon profitieren letztlich alle.

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