Infos & Tipps zur Finanzierung Was kostet ein Studium?

Studenten sitzen auf Bänken in der Universität und schauen auf ihre Handys oder Laptops.
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Ob Elektrotechnik, Jura oder Lehramt – viele Schüler träumen nach dem Abschluss von einem Studium in Deutschland oder im Ausland. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren allein in Deutschland im Jahr 2019 2.891.049 Studenten an einer Hochschule immatrikuliert. Doch was kostet ein Studium? Wir zeigen, wie hoch die Kosten für ein Studium im Durchschnitt sind und mit welchen Ausgaben Studenten rechnen müssen. Zudem stellen wir verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten, wie Studien- und Bildungskredite, vor.

Kosten eines Studiums

Studium ist nicht gleich Studium – dementsprechend unterscheiden sich auch die Kosten. Denn Studenten haben sowohl in Deutschland als auch im Ausland die Möglichkeit, an privaten oder staatlichen Hochschulen zu studieren. Ob und in welcher Höhe Kosten oder Entgelte verlangt werden, unterscheidet jedoch die staatlichen von den privaten Hochschulen.

Kosten für ein Studium in Deutschland

Die Studiengebühren wurden in Deutschland bereits im Jahr 2014 für das Erststudium an einer staatlichen Hochschule abgeschafft. Für ein Zweitstudium müssen Studenten hingegen in einigen Bundesländern weiterhin Studiengebühren zahlen. Egal, ob Erst- oder Zweistudium – alle Studenten müssen einen Semesterbeitrag bezahlen. Dieser liegt in der Regel zwischen 150 und 300 Euro pro Semester. In einigen Bundesländern ist im Semesterbeitrag jedoch bereits der Preis für das im öffentlichen Nahverkehr gültige Semesterticket enthalten.

Studierende haben in Deutschland zudem die Möglichkeit, an privaten Hochschulen zu studieren. Die Studiengebühren sind dort in der Regel deutlich teurer und unterscheiden sich je nach Fachrichtung. So kann ein Studium an der Hertie School of Governance oder der Bucerius Law School bis zu 50.000 Euro kosten. Von Seiten der Universität stehen den Studenten häufig verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten zur Wahl. Eine weitere Möglichkeit stellt ein Fernstudium dar. Die Kosten für einen Bachelorstudiengang belaufen sich dabei in der Regel zwischen 8.000 und 15.000 Euro.

Gut zu wissen: Ausländische Studierende aus einem Nicht-EU-Land zahlen nur in Baden-Württemberg Studiengebühren. In Sachsen legen hingegen die Universitäten fest, ob sie für ausländische Studenten eine Studiengebühr erheben. In allen anderen Bundesländer zahlen ausländische Studierende keine Studiengebühren.

Kosten für ein Studium im Ausland

Gut zu wissen: Besonders beliebt ist bei deutschen Studierenden das Medizinstudium im Ausland – die Studiengebühren können sich dort allerdings auf bis zu 12.000 Euro pro Jahr belaufen.

Ebenso unterscheiden sich die Kosten für ein Studium im Ausland je nach Land und Fachrichtung. Wer sein Studium im Ausland absolvieren möchte, muss in der Regel mit Studiengebühren von mindestens 1.000 Euro pro Jahr rechnen. Wer im englischsprachigen Raum studieren will, muss zumindest 4.000 Euro jährlich einkalkulieren.

Lebenshaltungskosten für Studenten

Die monatlichen Kosten für ein Studium unterscheiden sich je nach Studiengang und Studienort. Denn neben den „reinen“ Kosten für das Studium, also eventuellen Studiengebühren und dem Semesterbeitrag, haben Studenten zahlreiche weitere Ausgaben. Dazu zählen insbesondere: Miete, Lebensmittel und Verpflegung, Krankenversicherung, Freizeit- und Fahrtkosten sowie Kosten für Lern- und Studienmaterialien. Nach Angaben des Deutschen Studentenwerks addieren sich diese Ausgaben bei einem Studium von 10 Semestern auf 36.000 bis 75.000 Euro (Stand: Dezember 2020).

Allerdings unterscheiden sich die monatlichen Lebenshaltungskosten je nach Studienort. So sind die Mietpreise in großen Universitätsstädten, wie Hamburg, Freiburg oder München, deutlich teurer als in kleineren Städten. Um die Lebenshaltungskosten von Studenten besser einschätzen zu können, befragt das Deutsche Studentenwerk seit mehr als 65 Jahren Studenten nach ihren wirtschaftlichen Verhältnissen. An der letzten Sozialerhebung beteiligten sich 2016 rund 67.000 Studenten von 248 Hochschulen. Das Ergebnis: 867 Euro benötigte ein Student in Deutschland im Durchschnitt im Jahr 2016 für die monatlichen Lebenshaltungskosten.

Diagramm zur Übersicht der monatlichen Kostenverteilung von Studenten.
Mit der Sozialerhebung 2016 hat das Deutsche Studentenwerk die durchschnittlichen monatlichen Kosten von Studenten ermittelt. Quelle: http://www.sozialerhebung.de/download/21/Soz21_zusammenfassung.pdf

Gut zu wissen: Seit 2016 wurde keine neue Sozialerhebung durchgeführt. Es ist zu erwarten, dass insbesondere der Anteil der Mietkosten in den vergangenen Jahren nochmals gestiegen ist. Mit unseren cleveren Finanztipps für Studenten können Studierende ihre monatlichen Lebenshaltungskosten überprüfen.

Studium finanzieren: Infos und Möglichkeiten

Die Möglichkeiten ein Studium zu finanzieren sind vielfältig. Für die Frage, wer das Studieren bezahlt, sind auch die persönlichen Verhältnisse entscheidend. So können beispielsweise die Eltern oder Großeltern einspringen, Studenten das Studium aus eigenen Ersparnissen finanzieren oder aber auf Finanzierungsmöglichkeiten, wie Kredite, zurückgreifen.

Kindergeld im Studium

Die Altersgrenze für das Kindergeld liegt in Deutschland bei 18 Jahren. Was viele Studenten jedoch nicht wissen – bis zum vollendeten 25. Lebensjahr oder dem vorherigen Abschluss der Ausbildung erhalten Eltern weiterhin Kindergeld, um ihre Kinder bei einem Studium zu unterstützen. Im Jahr 2021 erhalten Eltern für das erste und zweite Kind je 219 Euro und für das dritte Kind 225 Euro pro Monat. Ein entsprechender Antrag kann bei der zuständigen Familienkasse gestellt werden.

Studienfinanzierung mit Bafög

In Deutschland besteht für das Studium eine staatliche Förderung, die zur Hälfte aus einem reinen Zuschuss und zur anderen Hälfte aus einem zinslosen Darlehen besteht – das sogenannte Bafög (Abkürzung für Bundesausbildungsförderungsgesetz). Der Staat gewährt dabei monatlich bis zu 861 Euro (Stand Wintersemester 2020/2021). Allerdings nur, wenn keine Familienversicherung mehr besteht und Studenten nicht mehr bei den Eltern wohnen. Wohnen Studenten hingegen noch Zuhause, so beträgt der Höchstsatz 592 Euro.

Voraussetzungen Bafög

Um Bafög zu erhalten, müssen Studierende einige Voraussetzungen erfüllen:

  • Studium in Vollzeit
  • Alter unter 30 Jahren und deutsche Staatsbürgerschaft oder Verbleib nach dem Studium in Deutschland
  • Einnahmen aus Nebenjobs unter 450 Euro und Vermögen unter 8.200 Euro (Stand August 2020) – auch Stipendien werden bei den Einnahmen berücksichtigt
  • Gemeinsames Nettoeinkommen verheirateter Eltern liegt unter 1.890 Euro (Stand August 2020) (für andere Familienverhältnisse gelten gesonderte Beträge)

Auch wenn die Voraussetzungen nicht erfüllt werden, beispielsweise weil das Vermögen der Eltern höher ist, kann anteilig Bafög gewährt werden. Die Förderungsmöglichkeit kann beim jeweiligen Studentenwerk der Universität beantragt werden.

Gut zu wissen: Studenten erhalten Bafög immer nur für ein Jahr. Der Antrag muss damit jährlich neu gestellt werden.

Studium finanzieren ohne Bafög

Doch nicht alle Studierenden haben einen Anspruch auf Bafög. Wir zeigen verschiedene Möglichkeiten, wie man auch ohne Bafög ein Studium finanzieren kann.

KfW-Förderung für das Studium

Für die Finanzierung des Studiums können Studenten auch eine KfW-Förderung in Anspruch nehmen. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (kurz KfW) bietet für Studenten zwei verschiedene Kreditmöglichkeiten an – den KfW-Studienkredit und den KfW-Bildungskredit.

Was ist ein KfW-Studienkredit?

Zur Finanzierung von Studium oder Promotion bietet die KfW den sogenannten Studienkredit an. Dabei handelt es sich um einen Kredit, der unabhängig vom Einkommen ausgezahlt wird und gleichzeitig eine flexible Rückzahlung bietet. Monatlich können Studenten zwischen 18 und 44 Jahren, die maximal im 10. Fachsemester studieren, mit Hilfe eines KfW-Studienkredits auf Wunsch bis zu 650 Euro erhalten. Für Erst- oder Zweistudium beträgt die maximale Förderdauer 14 Semester – bei einer Promotion bis zu 6 Semester. Der Zinssatz liegt auf Grund der Corona-Pandemie im Jahr 2021 bei 0 % – ab 2022 greifen wieder die regulären Zinssätze, die halbjährlich festgelegt werden. Sicherheiten sind für den KfW-Studienkredit nicht erforderlich.

Was ist ein KfW-Bildungskredit?

Eine weitere Möglichkeit der KfW-Förderung für das Studium bildet der sogenannte Bildungskredit. Die KfW zahlt auf Wunsch innerhalb eines Ausbildungsabschnittes und maximal bis zu 2 Jahre monatlich höchstens 300 Euro aus. Auch eine Einmalauszahlung ist möglich – allerdings nicht in Höhe des Gesamtbetrages. Der variable Zinssatz wird halbjährlich. Die Tilgung erfolgt in einem festgelegten Rahmen – die erste Rückzahlung muss 4 Jahre nach der ersten Auszahlung erfolgen und beträgt monatlich stets 120 Euro. Damit hängt die Dauer der Rückzahlung von der Kreditsumme ab. Sicherheiten sind ebenso, wie beim KfW-Studienkredit, nicht erforderlich.

Frühzeitiger Vermögensaufbau

Eine andere Möglichkeit zur (teilweisen) Finanzierung des Studiums ist ein frühzeitiger Vermögensaufbau. Je früher beispielsweise Eltern, Großeltern oder Schüler mit einer Geldanlage beginnen, desto geringer kann später die monatliche Belastung sein. Einige Eltern oder Verwandte zahlen deshalb bereits ab der Geburt eine festgelegte Summe auf ein Spar- oder Festgeldkonto ein.

Unser Tipp: Ein frühzeitiger Vermögensaufbau ist zudem für den sogenannten Notgroschen wichtig. Außerdem kann durch eine vorzeitige Geldanlage auch der Grundstein für das Sparen fürs Alter gelegt werden.

Der klassische Studienkredit

Neben der KfW bieten auch viele Banken Studienkredite an. Damit können Studenten monatlich zwischen 100 und 650 Euro erhalten. Wichtig: Ein Studienkredit beeinfluss weder die Förderungsfähigkeit bei Bafög noch bei Stipendien. Die Höhe der Zinsen und Rückzahlungsmodalitäten richten sich nach den jeweiligen Konditionen der Bank. Oft bieten auch Hochschule in Kooperation mit Banken spezielle Studienkredite und vergünstigte Konditionen an. Gleiches gilt für bestimmte Studiengänge.

Fazit: Die Möglichkeiten ein Studium zu finanzieren sind vielfältig

Egal, ob ein Studium an einer staatlichen Hochschule, einer Privatuni oder als Fernstudium – mittlerweile haben Studenten zahlreiche Möglichkeiten, die Studienkosten zu finanzieren. Sparen ist dabei längst nicht mehr die einzige Möglichkeit, das Studium zu finanzieren. Mittlerweile gibt es zahlreiche Kreditmodelle, die genau auf die Bedürfnisse von Studenten zugeschnitten sind.

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