Einfach erklärt: Passivhaus

Holzrahmen eines im Bau befindlichen Hauses.
© diyanadimitrova via Adobe Stock

In Zeiten des Klimawandels und steigender Energiepreise steht energieeffizientes Bauen und Sanieren weit oben auf der Agenda. Das Passivhaus ist ein Konzept, das hohe Energieeinsparungen und ganzjährigen Wohnkomfort verspricht. Wir erklären, wann ein Wohngebäude ein Passivhaus ist, was es kostet und welche Vor- und Nachteile der Passivhausstandard mit sich bringt.

Was ist ein Passivhaus einfach erklärt?

Ein Passivhaus ist per Definition ein Wohngebäude, das „passiv“ geheizt und gekühlt wird – ein klassisches Beispiel für nachhaltiges Bauen. Für eine ganzjährig angenehme Raumtemperatur kommt also weder eine klassische Heizung noch eine Klimaanlage zum Einsatz. Laut dem Passivhausstandard des Passivhaus Instituts in Darmstadt gelten für den Bau eines Passivhauses 5 Grundprinzipien:

  1. Wärmedämmung: Wände und Dach eines Passivhauses sind so gut gedämmt, dass sie kaum Wärme nach außen lassen.
  2. Luftdichtheit: Die Gebäudehülle eines Passivhauses ist luftdicht konstruiert.
  3. Passivhaus-Fenster: Passivhaustaugliche Fenster bieten ebenfalls einen sehr hohen Wärmeschutz.
  4. Lüftungswärmerückgewinnung: Passivhäuser sind mit einer Lüftungsanlage ausgestattet, die für frische Luft sorgt und im Winter warme Luft in die Wohnräume leitet.
  5. Wärmebrückenfreiheit: Bei der Planung von Passivhäusern wird versucht, Wärmebrücken, z. B. an Kanten, Ecken und Anschlüssen, möglichst zu vermeiden.
Grafische Darstellung der Grundprinzipien beim Bau eines Passivhauses
Die 5 Grundprinzipien beim Bau eines Passivhauses

Passivhausstandard: Wann ist ein Wohngebäude ein Passivhaus?

Laut Passivhausstandard ist ein Wohngebäude ein Passivhaus, wenn es drei Anforderungen erfüllt:

  1. Ein behagliches Innenklima im Sommer und Winter, ohne separate Heizung und Klimaanlage (Jahresheizwärmebedarf von max. 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr).
  2. Die Behaglichkeitskriterien müssen im Sommer und Winter in jedem Wohnraum erfüllt sein. Daraus ergeben sich konkrete Anforderungen an die verschiedenen Bauteile.
  3. Der Gesamtbedarf an erneuerbarer Primärenergie für Heizung, Warmwasser und Strom darf 60 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr nicht überschreiten.
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Gut zu wissen: Beim Passivhaus handelt es sich nicht um eine Bauweise, sondern um einen Standard. Das bedeutet, dass Passivhäuser sowohl in Leichtbauweise aus Holz als auch in Massiv- oder Mischbauweise ausgeführt werden können.

Hat ein Passivhaus eine Heizung?

Auf eine konventionelle Heizung kann bei einem Passivhaus zumeist verzichtet werden. Die Wärmeverluste sind aufgrund der besonders guten Wärmedämmung so gering, dass sie sich fast vollständig durch passive Heizenergie ausgleichen lassen. Zum Heizen nutzen Passivhäuser:

  • passive Wärmequellen (einfallende Sonne, Abwärme von Personen und Geräten)
  • kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung

Laut dem Passivhaus Institut in Darmstadt verbrauchen Passivhäuser im Durchschnitt 80 % weniger Heizwärme als Neubauten, welche nicht dem Passivhausstandart entsprechen.

Wie viel Energie braucht ein Passivhaus?

Ein Passivhaus verbraucht besonders wenig Energie. Der größte Posten bei den Einsparungen ist die Heizenergie. Um den Passivhausstandard zu erfüllen, darf der Heizwärmebedarf eines Wohngebäudes 15 Kilowatt pro Quadratmeter und Jahr nicht überschreiten. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Jahresheizwärmebedarf liegt in Deutschland bei 160 Kilowattstunde pro Quadratmeter. Normale Neubauten mit Wärmedämmung erzielen einen Wert von maximal 70 Kilowattstunde pro Quadratmeter und Jahr.

Neben der Heizenergie haben Gebäuden generell weiteren Energiebedarf, z. B. Haushaltsstrom und Warmwasser. Bei einem Passivhaus kommt der Strom für die Lüftungsanlage dazu. Laut dem Passivhaus Institut in Darmstadt ist der Primärenergiebedarf – also die tatsächlich verbrauchte Energie in einem Haus – dennoch um über 70 % niedriger als bei modernen energieeffizienten Neubauten (EnEV).

Was ist der Unterschied zwischen einem Passivhaus und einem Niedrigenergiehaus?

Der größte Unterschied zwischen einem Passivhaus und einem Niedrigenergiehaus besteht im Heizwärmebedarf. Während Niedrigenergiehäuser einen relativ geringen jährlichen Heizwärmebedarf von 35 bis 70 Kilowattstunden pro Quadratmeter haben, verbrauchen Passivhäuser noch weniger Energie: Ihr Heizwärmebedarf darf laut Passivhausstandard nicht höher als 15 Kilowattstunde pro Quadratmeter und Jahr liegen.

Ist ein KfW-40-Haus ein Passivhaus?

Häufig liest man, dass das Passivhaus von den Bedarfswerten her ungefähr dem KfW-Effizienzhaus 40 entspricht. Tatsächlich lassen sich die beiden Standards nur schwer miteinander vergleichen. Während ein Passivhaus feste Grenzwerte einhalten muss, gibt die Effizienzhaus-Stufe an, wie effizient ein Gebäude im Vergleich zu einem Neubau gemäß Gebäudeenergiegesetz (GEG) ist. So liegt der Primärenergiebedarf eines KfW-40-Hauses beispielsweise bei 40 % eines Neubaus – ist also um 60 % besser. Für die Förderung spielt das üblicherweise keine Rolle. Wer sich entscheidet, ein Passivhaus zu bauen, hat in der Regel die Möglichkeit, sein Bauvorhaben im Rahmen der Immobilienfinanzierung als KfW-Effizienzhaus fördern zu lassen.

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Gut zu wissen: Informieren Sie sich im comdirect magazin, welches KfW-Förderprogramm sich für Ihre Immobilienfinanzierung eignet. Einen Ratgeber und Tipps für Ihren Immobilienkredit findet Sie ebenfalls dort. Sie fragen sich rund um die Baufinanzierung: Was kann ich mir leisten? Nutzen Sie für Ihre Planung unseren Finanzierungsrechner und verschaffen Sie sich einen transparenten Überblick über Ihre finanziellen Möglichkeiten.

Warum benötigt man in Passivhäusern eine Lüftungsanlage?

Ein Passivhaus ist ein luftdichtes Wohngebäude. Aus diesem Grund ist eine kontrollierte Wohnraumlüftung nötig. Die Lüftungsanlage in einem Passivhaus dient 2 Zwecken:

  • Sie leitet verbrauchte Luft und Wasserdampf nach draußen und sorgt für konstante Frischluftzufuhr.
  • Im Winter gelangt Wärme mittels Wärmerückgewinnung ins Haus.

Kann man im Passivhaus die Fenster öffnen?

Trotz der luftdichten Konstruktion der Gebäudehülle kann man auch im Passivhaus die Fenster öffnen. Zum Lüften ist das Öffnen der Fenster aufgrund der Lüftungsanlage in Passivhäusern zwar theoretisch nicht nötig. Dennoch kann es auch im Passivhaus sinnvoll sein, die Fenster kurz zu öffnen. Etwa um tagsüber oder nachts kühle Luft hereinzulassen, wenn sich die Innenräume durch passive Energiequellen stark erwärmt haben – oder um einfach nur die Geräuschkulisse draußen zu genießen.

Sind Passivhäuser gesund?

Allgemein gelten Passivhäuser als gesund. Über die Lüftungsanlage wird dauerhaft frische Luft in die Innenräume geleitet. Anhänger des Passivhausstandards verweisen zudem gerne darauf, dass die einströmende Luft gefiltert wird, sodass keine Schadstoffe und Pollen ins Gebäude gelangen können. Bei korrekter Dämmung und funktionierender Lüftung ist schließlich auch das Risiko von Schimmelbildung in einem Passivhaus gering, da feuchte Luft konstant nach außen geführt wird. Zu einem behaglichen Raumklima trägt auch die Raumtemperatur bei, die das ganze Jahr über angenehm warm bleibt – wobei sich ein Passivhaus im Sommer und bei hoher Personenzahl im Gebäude auch schnell überheizen kann.

Was ist ein Passivhaus-Fertighaus?

Auch wenn der Passivhausstandard keine bestimmte Bauweise vorschreibt: Die meisten Passivhäuser werden in Leichtbauweise aus Holz gebaut. Deshalb werden Passivhäuser häufig als Holz-Fertighaus errichtet. Bei einem Fertighaus werden die Teile vorgefertigt und anschließend nur noch auf dem Grundstück endmontiert. Die Bauzeit ist deshalb in der Regel deutlich kürzer als bei einem Stein auf Stein erbautem Haus.

Wie viel kostet ein Passivhaus?

Wie viel ein Passivhaus kostet, hängt von verschiedenen Faktoren wie der Größe und Bauweise ab und lässt sich nicht pauschal beantworten. Generell sollte man bedenken, dass die anfänglichen Investitionskosten bei einem Passivhaus höher sein können als bei einem Standardhaus. Die Mehrinvestitionen ergeben sich aus den Kosten für das Dämmmaterial, die passivhaustauglichen Fenster und die Lüftungsanlage.
Andererseits entfallen bei einem Passivhaus die Kosten für eine separate Heizanlage. Schließlich lassen sich bei Passivhäusern langfristig Energiekosten einsparen, da der Heizwärmebedarf im Vergleich zu anderen Gebäuden besonders gering ist.

Warum kann sich ein Passivhaus lohnen und welche Vor- und Nachteile haben Passivhäuser?

Wer ein Passivhaus bauen möchte, denkt sicherlich zunächst an die Energieeinsparungen, den Wohnkomfort und den Beitrag zum Klimaschutz. Dennoch ist es wichtig, sich vor dem Bau in Ruhe mit den Vor- und Nachteilen von Passivhäusern vertraut zu machen.

Vorteile eines PassivhausesNachteile eines Passivhauses
Unabhängigkeit vom Energiemarkt:
Der Heizwärmebedarf eines Passivhauses ist sehr gering und kann in der Regel ohne klassische Heizung gedeckt werden. Daher ist man als Eigentümer eines Passivhauses weitgehend unabhängig von der Entwicklung der Heizkosten.
Höhere Erstinvestitionskosten:
Die besonderen Anforderungen des Passivhausstandards an die Wärmedämmung, die Fenster und die Lüftungsanlage gehen häufig mit Mehrinvestitionen einher.
Behaglichkeit:
Ein ganzjährig behagliches Innenklima ist eine der Anforderungen, die an ein Passivhaus gestellt werden. Der Wohnkomfort eines Passivhauses gilt deshalb als hoch.
Beschränkte Gestaltungsmöglichkeiten:
Passivhäuser sind in der Regel kompakt, da die Außenfläche im Verhältnis zum Volumen möglichst klein sein muss. Auch die Raumaufteilung und die Ausrichtung der Fenster richtet sich nach den Erfordernissen des energieeffizienten Bauens.
Bessere Energiebilanz:
Aufgrund des niedrigen Energiebedarfs kann die Ökobilanz eines Passivhauses sogar besser sein als bei einem Effizienzhaus.
Schnelles Aufheizen im Sommer:
Im Sommer und wenn sich viele Personen im Gebäude aufhalten, kann es vorkommen, dass sich ein Passivhaus etwas überheizt.

Fazit: Passivhaus bauen – energieeffizient und komfortabel

Ein Passivhaus ist ein Konzept für nachhaltiges Bauen, das Energieeffizienz mit Wohnkomfort verbindet. Eine spezielle Förderung für Passivhäuser gibt es in Deutschland nicht. Wer ein Passivhaus bauen und im Rahmen der Baufinanzierung mit einem KfW-Kredit oder -Zuschuss fördern lassen möchte, kann sich bei seiner Bank über die verschiedenen Fördermöglichkeiten für Effizienzhäuser informieren.

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