Nachhaltiges Bauen Übersicht zu Baustoffen und Förderungs­möglichkeiten

Eine junge Mutter gießt mit ihrem Kind auf dem Arm den Garten
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Der Begriff Nachhaltigkeit findet sich mittlerweile in vielen Bereichen unseres Alltags wieder. Ob bei Lebensmitteln, Verpackungsmaterialien oder im Transportwesen – eine Schonung der Umweltressourcen gelangt immer stärker ins Bewusstsein von Privatpersonen und Unternehmen. Auch in der Baubranche findet das Thema Nachhaltigkeit mehr Anklang. Nachhaltige Gebäude aus natürlichen Baustoffen und ökologische Energieerzeugung sind so beliebt wie nie zuvor. Das liegt auch an der staatlichen Förderung. Wir erklären, was nachhaltiges Bauen ist und geben Beispiele für ökologische Baustoffe und Materialien. Zudem gehen wir auf die unterschiedlichen Förderungsmöglichkeiten ein und erläutern, wie Bauherren eine Nachhaltigkeitszertifizierung erhalten können.

Was ist nachhaltiges und ökologisches Bauen oder Renovieren?

Ziel des nachhaltigen Bauens oder Renovierens ist die Schonung der vorhandenen Ressourcen und die Reduzierung des Energieverbrauchs. Dabei beginnt nachhaltiges Bauen bereits bei der Planung der zu verwendenden Materialien. Klassische Baustoffe, wie Glaswolle, werden beispielsweise durch nachhaltige und ökologische Stoffe, wie etwa Hanffasern, ersetzt. Diese können auf natürlichem Weg zurück in den Umweltkreislauf geführt werden und verursachen in der Herstellung oder Gewinnung deutlich weniger CO2 als vergleichbare Materialien. Nachhaltiges Bauen oder Renovieren profitiert jedoch nicht nur von ökologischen Baustoffen, sondern auch von umweltfreundlichen Energieträgern. So werden bei ökologischen Immobilien zum Heizen statt Öl oder Gas immer häufiger Solarthermen oder Wärmepumpen eingesetzt. Die nötige Energie kann beispielsweise Ökostrom, der direkt von eigenen Solarpanels auf dem Hausdach bezogen werden kann, liefern.

Gut zu wissen: Das Bundesumweltministerium hat einen eigenen Leitfaden zum nachhaltigen Bauen entwickelt. Darin werden neben den Grundsätzen des nachhaltigen Bauens auch zahlreiche nachhaltige Baumaßnahmen und Nutzungsmöglichkeiten erläutert.

Viele Bauherren befürchten beim nachhaltigen Bauen im Rahmen der Baufinanzierung deutlich höhere Kosten als bei herkömmlichen Bauprojekten. Eine Studie von Buus Consult aus dem Jahr 2020 hat dazu 37 von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (kurz DGNB) zertifizierte Gebäude überprüft und dabei keine Anhaltspunkte für höhere Baukosten gefunden. Im Gegenteil: die Ausgaben für nachhaltige Immobilien waren sogar insgesamt geringer. Denn Nachhaltigkeit wird bei Immobilien immer stärker finanziell gefördert. So können Bauherren auch bei Einzelmaßnahmen, wie dem Einbau moderner Energieanlagen, von Zuschüssen profitieren.

Einzelne Aspekte des Nachhaltigen Bauens in der Übersicht.
Nachhaltiges Bauen basiert auf verschiedenen Aspekten.

Was versteht man unter Nachhaltigkeit?

Der Begriff Nachhaltigkeit ist keine Schöpfung unserer modernen Gesellschaft – vielmehr wurde er bereits vor über 300 Jahren zum ersten Mal verwendet. Damals beschrieb Carl von Carlowitz in seinem 1713 veröffentlichen Buch „Sylvicultura oeconomica“ das Ziel der Forstwirtschaft sei es, ein stabiles Gleichgewicht zu schaffen. Seine Idee: Es sollten in einem Wald nur so viele Bäume abgeholzt werden, wie auch wieder nachwachsen können. An dieser Definition hat sich im Grunde bis heute nichts geändert. Denn Nachhaltigkeit bedeutet die Schonung der vorhandenen Ressourcen und die Wahrung der Regenerationsfähigkeit aller beteiligten Ökosysteme.

Was sind ökologische Baustoffe?

Nachhaltige oder ökologische Bauprodukte zeichnen sich durch verschiedene Aspekte aus. So sind sie beispielsweise recyclebar – sie können also nach ihrer Nutzung in den Ökokreislauf zurückgeführt werden. So kann Holz beispielsweise als Baumaterial für Gebäude oder aber nach dem Rückbau zum Heizen genutzt werden. Außerdem ist es kompostierbar. Der Lebenszyklus des Materials kann also vollständig ausgeschöpft werden. Ferner handelt es sich bei ökologischen Materialien um nachwachsende Rohstoffe mit guter Ökobilanz. Zur Gewinnung oder Herstellung wird regelmäßig weniger CO2 freigesetzt als bei klassischen Baumaterialen.

Zu ökologischen Baumaterialien zählen neben Holz beispielsweise:

  • Kork
  • Lehm
  • Ton
  • Ziegel
  • Naturstein
  • Farben auf Kalk- oder Kreidebasis

Bei Dämmstoffen sind vor allem synthetische Materialien beliebt. Diese sind in der Regel günstiger und schnell verfügbar, dafür jedoch nicht nachhaltig. Mittlerweile gibt es auf dem Markt zahlreiche nachhaltige Alternativen für eine gute Wärmedämmung. Dazu zählen beispielsweise nachhaltige Dämmstoffe wie Hanf, Holzwolle, Zellulose oder Jute.

Gut zu wissen: Auch vermeintlich nachhaltige Baustoffe können durch weite Transportwege oder chemische Zusätze ihre eigentlich positive Ökobilanz verlieren. Bauherren sollten deshalb neben der Qualität unbedingt die Transportwege, Zusätze und Produktionsstandards im Blick behalten.

DGNB-Zertifizierung der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen

Wer in Deutschland nachhaltig baut, kann das Gebäude von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen prüfen lassen. Das von der DGNB 2009 entwickelte Bewertungssystem prüft sowohl Großbauprojekte als auch kleinere private Bauvorhaben anhand verschiedener Kriterien für eine Nachhaltigkeitszertifizierung. Die zahlreichen Bewertungskriterien werden in drei Oberkategorien eingeteilt: Ökologie, Ökonomie und Soziokultur. Neben umfassenden städtebaulichen Kriterien, wie sozialen und funktionalen Aspekten, werden auch der Standort des Gebäudes, die Prozesse und die Technik betrachtet. Dabei werden die Punkte nicht einzeln bewertet, sondern die insgesamt daraus resultierende Gesamtperformance der Immobilie.

Gut zu wissen: Die DGNB-Zertifizierung ist mittlerweile auch international anerkannt. Darüber hinaus existieren allerdings auch internationale Bewertungssysteme, wie das US-amerikanische LEED-System oder die britische BREEAM-Methode.

Das DGNB-Zertifikat gibt es in vier verschiedenen Varianten mit unterschiedlichen Prüfkriterien und Maßstäben: Platin, Gold, Silber und Bronze. Wer ein Gebäude zertifizieren lassen möchte, muss das gesamte Bauvorhaben von einem DGNB-Auditor begleiten lassen, der gleichzeitig auch die Ziele für die entsprechende DGNB-Zertifizierung festlegt. Er berät zudem zu allen Fragen rund um das Thema nachhaltiges Bauen und führt bereits während der Planung ein sogenanntes Pflichtenheft, was er später der DGNB vorlegt. Nach der Fertigstellung überprüft die DGNB anhand des Pflichtenhefts, ob die Zertifizierungskriterien erreicht wurden. Je nach Erfüllungsgrad der Kriterien wird dann das entsprechende DGNB-Prüfsiegel verliehen.

Vorteile einer DGNB-Zertifizierung

Eine DGNB-Zertifizierung bringt für Bauherren, Investoren und Nutzer verschiedene Vorteile mit sich.

Vorteile für Bauherren und Investoren
  • Qualitätssicherung: Schon in der Planungsphase kann sichergestellt werden, dass die gewünschten Ziele mit der Fertigstellung auch erreicht werden.
  • Wertchancen: Eine DGNB-Zertifizierung steigert die Chance auf eine Vermietung oder einen Verkauf, da die hohe Qualität verifiziert ist. Zudem werden nachhaltige Immobilien bei Mietern und Käufern immer beliebter. Somit kann auch das Leerstandsrisiko minimiert werden.
  • Finanzierung: Mit einer Zertifizierung der DGNB erhalten Bauherren und Investoren im Vergleich zu herkömmlichen Immobilien in der Regel schneller einen günstigeren Kredit.
Vorteile für Nutzer
  • Gesundheitsaspekte: Mit dem DGNB-System wird die Gesundheit und das Wohlbefinden der Nutzer in den Mittelpunkt gestellt und gefördert.
  • Kostenfaktor: Im Rahmen der Zertifizierung der DGNB wird der komplette Lebenszyklus des Gebäudes berücksichtigt. So können Prozesse optimiert und die Nebenkosten langfristig minimiert werden.
  • Umweltschutz: Nachhaltige Baustoffe im Sinne der DNGB-Zertifizierung können zum großen Teil wieder in den Rohstoffkreislauf zurückgeführt werden und tragen so zum nachhaltigen Umweltschutz bei.

Finanzierung einer DGNB-Zertifizierung

Bauherren können die DGNB-Zertifizierung im Rahmen einer KfW-Förderung bezuschussen lassen. Der Zuschuss „Energieeffizient Bauen und Sanieren – Zuschuss Baubegleitung“ umfasst derzeit 50 % der Kosten eines Experten für Energieeffizienz und ist auf maximal 4.000 Euro gedeckelt (Stand Januar 2021). Von der KfW-Förderung können Bauherren profitieren, die nachhaltig bauen oder sanieren. Allerdings ist der Zuschuss an einen der KfW-Förderkredite gebunden. Damit können den Zuschuss nur Bauherren erhalten, die gleichzeitig einen der KfW-Förderkredite zum nachhaltigen Bauen in Anspruch nehmen.

Weitere Förderungsmöglichkeiten

Gut zu wissen: Ab 01.07.2021 erhöht sich die Summe der förderfähigen Kosten von 120.000 auf 150.000 Euro pro Wohneinheit. Und auch der Tilgungszuschuss erhöht sich noch einmal um 2,5 %.

Bauherren stehen neben einem KfW-Zuschuss oder einem Kredit noch weitere Förderungsmöglichkeiten zur Verfügung. So vergibt beispielsweise das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (kurz BAFA) Fördergelder im Rahmen der „Bundesförderung für effiziente Gebäude“ (kurz BEG). Die Fördermöglichkeiten für nachhaltiges Bauen und Sanieren bestehen als Zuschuss oder in Form eines Kredits. Mit dem BEG-Förderprogramm werden die bisherigen Fördermöglichkeiten unter einem Dach vereint und der Zugang und bürokratische Aufwand für Bauherren deutlich vereinfacht.

Neben den Förderungen auf Bundesebene kommen für nachhaltige Bauprojekte auch Fördergelder der Länder oder Kommunen infrage. Teilweise bieten einzelne Bundesländer oder Kommunen Förderungsmöglichkeiten in Kombination mit einem KfW-Kredit an. So gibt es in einigen Bundesländern sogenannte Wohnraumförderungsprogramme, die beispielsweise selbst genutzten nachhaltigen Wohnraum fördern oder Zinsverbilligungen bei der Eigentumsfinanzierung anbieten. Kommunale Fördermöglichkeiten können Bauherren hingegen im örtlichen Rathaus erfragen.

Unser Tipp: Mit dem praktischen comdirect Finanzierungsrechner können Sie Ihr Immobilienvorhaben ganz einfach kalkulieren und Ihre persönlichen finanziellen Möglichkeiten berechnen. In unserem comdirect magazin erhalten Sie zudem spannende Tipps zur Baufinanzierung , einen Überblick über die verschiedenen KfW-Förderprogramme zur Immobilienfinanzierung und Antworten auf die Frage, was Bauherren sich bei der Baufinanzierung leisten können.

Fazit: Ein nachhaltiges Haus schont die Umwelt und kann gefördert werden

Auch beim Thema Bauen spielt Nachhaltigkeit eine immer wichtigere Rolle. In den letzten Jahren wurden deshalb immer mehr Baustoffe, Dämmmaterialien und ökologische Energietechnologien entwickelt, die das nachhaltige Bauen erleichtern. Wer beim Bau oder der Sanierung einer Immobilie auf nachhaltige Materialien setzt, schont Ressourcen, trägt einen Teil zum Umweltschutz bei und kann zusätzlich von der Langlebigkeit der verwendeten Materialien, einem gesunden Wohnklima und einer Vielzahl von staatlichen Förderungsmöglichkeiten profitieren.

Sie haben weitere Fragen zur Immobilienfinanzierung, KfW-Förderung oder zu weiteren Kreditangelegenheiten? Sie können jederzeit unsere Kundenbetreuer kontaktieren – per Telefon unter 04106 – 708 25 00, über unser Kontaktformular oder per Live-Chat. Unsere Kundenbetreuer sind rund um die Uhr für Sie erreichbar – 7 Tage die Woche, 24 Stunden am Tag.