Internationaler Währungsfonds Aufgaben des Internationalen Währungsfonds

Personengruppe im Konferenzzentrum
© gremlin via Getty Images/iStockphoto

Der Internationale Währungsfonds wurde bereits 1945 gemeinsam mit der Weltbank gegründet mit dem Ziel, das internationale Finanzsystem und die internationale Währungspolitik zu fördern und zu stärken. Wir erklären, welche konkreten Aufgaben der IWF hat, wie viele Mitgliedsstaaten dem IWF angehören und warum Ökonomen und Nichtregierungsorganisationen Kritik üben.

Was ist der Internationale Währungsfonds?

Der Internationale Währungsfonds – auch IWF genannt (englisch: International Monetary Fund) – ist per Definition eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen. Der IWF wurde am 27.12.1945 gemeinsam mit der Weltbank errichtet, hat seinen Sitz in Washington D.C. (USA) und umfasst 190 Mitgliedsstaaten (Stand März 2020).

Gut zu wissen: Laut Satzung des IWF muss der Sitz in dem Mitgliedsstaat liegen, der die meisten Stimmrechte hat.

Geschichte des IWF

Die Weltwirtschaftskrise und der Zweite Weltkrieg ließen die Weltwirtschaft, den internationalen Handel und den Kapitalverkehr zusammenbrechen. Das hatte auch zur Folge, dass internationale Währungen nicht mehr untereinander austauschbar waren. Die USA und Großbritannien verhandelten deshalb im Juli 1944 in Bretton-Woods (USA) über ein neues, internationales Währungssystem, das für den Wiederaufbau der Weltwirtschaft sorgen sollte. In der Folge wurde am 27.12.1945 der Internationale Währungsfonds als Sonderorganisation der Vereinten Nationen ins Leben gerufen, um die internationale Währungspolitik zu beobachten. In den folgenden Jahren unterstützte der IWF seine Mitgliedsländer durch Kredite beim Aufbau eines immer weiterwachsenden globalen Handels.

Gut zu wissen: Deutschland trat dem Internationalen Währungsfonds am 14. August 1953 bei.

Geschichte des Internationalen Währungsfonds

Die Geschichte des Internationalen Währungsfonds in der Übersicht.
Die Geschichte des Internationalen Währungsfonds in der Übersicht.
Die Geschichte des Internationalen Währungsfonds in der Übersicht.
Die Geschichte des Internationalen Währungsfonds in der Übersicht.

Organisation des IWF

Der Internationale Währungsfonds wird von einem geschäftsführenden Direktor geleitet und besteht aus 5 verschiedenen Organen:

  • Gouverneursrat: Er stellt das oberste Gremium mit je einem Vertreter aus jedem Mitgliedsstaat (in der Regel Finanzminister oder Leiter der Zentralbank) dar.
  • Exekutivdirektorium: Es besteht aus 24 Mitgliedern, die die 190 Mitgliedsländer repräsentieren, und führt die Tagesgeschäfte des IWF.
  • Internationaler Währungs- und Finanzausschuss: Ein Beratungsgremium, welches den Gouverneursrat berät und aus je einem Vertreter der Länder (oder Ländergruppen), die im Exekutivdirektorium vertreten sind, besteht.
  • Entwicklungsausschuss: Das Gremium kümmert sich um Fragen rund um die Entwicklungspolitik.
  • IWF-Verwaltungsgericht: Das Gericht ist für arbeitsrechtliche Streitigkeiten zwischen dem IWF und seinen Mitarbeitern (Arbeitsverhältnisse unterliegen auf Grund der Stellung des IWF als internationale Organisation nicht dem nationalen Arbeitsrecht) zuständig.

Gut zu wissen: Laut einer informellen Vereinbarung zwischen den USA und einigen westeuropäischen Ländern stellt Europa stets den Direktor, während der stellvertretende Direktor stets ein US-Amerikaner ist.

Mitgliedsstaaten des IWF

Der IWF umfasst 190 Mitgliedsländer (Stand März 2020). Die Anteile und entsprechenden Stimmrechte errechnen sich nach den Einlagen der Mitglieder. Da Entwicklungs- und Schwellenländer dadurch benachteiligt werden, trat 2016 eine umfassende Reform in Kraft. Dadurch wurden die Stimmrechte von Entwicklungs- und Schwellenländern umverteilt. Zudem hat die EU-Kommission vorgeschlagen, die Stimmenanteile der 18 EU-Mitgliedsstaaten zusammenzufassen.

Diagramm zur Stimmenverteilung der Mitgliedsstaaten des IWF.
Die Stimmenverteilung der einzelnen Mitgliedsstaaten in der Übersicht.

Gut zu wissen: Wichtige Beschlüsse müssen mit einer Mehrheit von 85 % getroffen werden. Da die USA und die Länder Europas (gemeinsam) über 15 % der Stimmrechte halten, kommt ihnen eine sogenannte Sperrminorität zu, weshalb wichtige Beschlüsse stets mit Zustimmung der USA und den Ländern Europas getroffen werden müssen.

Finanzierung des IWF

Gut zu wissen: Der IWF beschäftigt rund 2.700 Mitarbeiter aus 150 verschiedenen Staaten.

Der Internationale Währungsfonds finanziert sich über die Einlagen seiner Mitgliedsstaaten. Die Höhe (sogenannte Quote) richtet sich, genau wie das Stimmrecht, nach der Finanzkraft der einzelnen Mitglieder. Alle 5 Jahre überprüft der IWF die Quotenverteilung und passt diese gegebenenfalls an. Die Quote für Deutschland beträgt derzeit 5,6 % (Stand März 2020).

Aufgaben und Ziele des IWF

Der Internationale Währungsfonds hat unterschiedliche Aufgaben:

Beratung der Mitgliedsstaaten:

Der IWF berät seine Mitgliedsländer umfassend zur Währungspolitik und allen wirtschaftlichen, geld- und fiskalpolitischen Fragen.

Beurteilung der Weltwirtschaftslage:

Seit der Gründung in der Zeit der Weltwirtschaftskrise beobachtet der IWF die ständige Weltwirtschaftslage und ermittelt Rezessionen und Inflationen.

Vergabe von Sonderziehungsrechten:

Mitgliedsstaaten in finanzieller Not können beim IWF Hilfe in Form von Krediten erhalten.

Kreditvergabe des IWF

Einer der Schwerpunkte des IWF liegt auf der Vergabe von Krediten. Ist ein Mitgliedsstaat in Zahlungsschwierigkeiten, kann er beim IWF Hilfe in Form von Krediten in Anspruch nehmen. Die Kreditvergabe ist allerdings mit bestimmten Auflagen verbunden. So wird ein Kredit nur vergeben, wenn beispielsweise Staatsausgaben gekürzt werden oder eine Liberalisierung des Bankwesens angestrebt wird. Sogenannte Strukturanpassungsprogramme schreiben individuelle Vorgaben fest. Dazu kann etwa die Privatisierung von öffentlichen Institutionen zählen.

Vergabe von Sonderziehungsrechten

Gut zu wissen: Der Wechselkurs der SZR richtet sich nach den international wichtigsten Währungen: US-Dollar, japanischem Yen, Euro und britischen Pfund Sterling.

Mit den Sonderziehungsrechten (kurz SZR) führte der IWF 1969 eine künstliche Währung ein, die als internationale Währungsreserve dient. Die Sonderziehungsrechte werden nicht auf Finanz- oder Devisenmärkten gehandelt, sondern werden ausschließlich auf Sonderkonten des IWF geführt. Jeder Mitgliedsstaat erhält einen Anteil an Sonderziehungsrechten gemäß seiner Quote, die auch die Stimmenverteilung bestimmt. Mit den Sonderziehungsrechten können in finanzielle Not geratene Mitgliedsstaaten andere Währungen erwerben – allerdings maximal begrenzt auf das Zweifache der eigenen SZR-Reserven.

Aufgaben und Pflichten Deutschlands im IWF

Deutschland ist mit 5,6 % (Stand März 2020) der viertgrößte Anteilseigner am Internationalen Währungsfonds. Vertreten wird die Bundesrepublik im Gouverneursrat vom Präsidenten der Deutschen Bundesbank und dem Bundesfinanzminister. Zu den Hauptaufgaben zählt die Überwachung aller Transaktionen mit dem IWF sowie die Zahlung der Quote.

Kritik am Internationalen Währungsfonds

Immer wieder steht der Internationale Währungsfonds in der Kritik. Ökonomen, Globalisierungsgegner und Nichtregierungsorganisationen kritisieren vor allem folgende Punkte:

  • Stimmenverteilung: Bemängelt wird die unausgewogene Stimmenverteilung, denn ökonomisch starke Länder haben auf Grund ihrer hohen Einlagen auch eine entsprechend starke Entscheidungsgewalt. Entwicklungs- und Schwellenländer sind im Vergleich dazu mit ihren Stimmrechten stark unterrepräsentiert.
  • Verteilung von Nothilfen: Ökonomen kritisieren zudem häufig die Bereitstellung von Nothilfen. Diese seien zwar sinnvoll, allerdings würden finanziell schwache Schwellenländer dazu verleitet, viel zu hohe Schulden aufzunehmen.
  • Strukturanpassungsprogramme: Mit längerfristigen Krediten werden häufig auch strenge Auflagen verbunden. Diese Strukturanpassungsprogramme sehen eine Privatisierung staatlicher Bereiche und eine Liberalisierung der Wirtschaft vor. Kritiker sehen darin jedoch keine Maßnahme, die das Wachstum steigen lässt, sondern oftmals eher das Gegenteil bewirken. Damit drohe ein noch größeres Wachstum der Armut.

Fazit: Der Internationale Währungsfonds ist noch immer gefordert

Der Internationale Währungsfonds wurde im Rahmen der Wirtschaftskrise in den 1930er Jahren gegründet. Sein Ziel: Die Überwachung und Regelung der internationalen Währungspolitik. Zwar erholte sich die Weltwirtschaft von der damaligen Krise – es folgten jedoch zahlreiche neue Krisen, die bis heute andauern. Immer wieder muss der IWF in Zahlungsschwierigkeiten geratene Mitglieder mit Krediten unterstützen, um die Zahlungsbilanz der Länder verbessern zu können.

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