Europäische Zentralbank Welche Aufgaben hat die EZB

Eine Frau geht eine Mauer an einer Straße entlang.
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Die Europäische Zentralbank (EZB) wurde 1998 gegründet und ist heute als Zentralbank für die 19 Länder des Euroraums zuständig. Zu ihren Aufgaben zählen unter anderem die Wahrung der Preisstabilität, die Bankenaufsicht sowie die Autorisierung der Ausgabe von Banknoten. Wir erklären, die einzelnen Aufgaben der EZB und wie sie allgemein aufgebaut ist.

Die Geschichte der EZB

Mit der Einigung auf den Euro als gemeinsame Währung, galt es auch die Voraussetzungen für eine gemeinsame Geld- und Währungspolitik im Euroraum zu schaffen. Seit dem 1. Januar 1999 ist die Europäische Zentralbank für die Gestaltung der Geldpolitik innerhalb des Eurosystems zuständig. Zu unterscheiden sind allerdings das Europäische System der Zentralbanken (ESZB) und das Eurosystem:

  • Das ESZB setzt sich zusammen aus der Europäischen Zentralbank und den Zentralbanken aller nationalen EU-Zentralbanken.
  • Das Eurosystem umfasst hingegen die EZB und die nationalen Zentralbanken jener Länder, die den Euro als Währung eingeführt haben.

Gut zu wissen: Als Zentralbank bezeichnet man eine Institution, die neben der Geldversorgung auch für die Währung eines bestimmten Landes zuständig ist. Zentralbanken sind zudem keine Geschäftsbanken bei denen Privatpersonen Konten eröffnen oder Kredite beantragen können.

Für welche Länder ist die EZB zuständig?

Die Europäische Zentralbank ist für die 19 Länder der sogenannten Eurozone zuständig. Dazu gehören neben Deutschland:

  • Belgien, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, die Niederlande, Österreich, Portugal, die Slowakei, Slowenien, Spanien und die Republik Zypern.

Die EZB ist die gemeinsame Währungsbehörde der Mitgliedstaaten der Europäischen Währungsunion, also allen Ländern, die den Euro als offizielle Währung nutzen. Die EZB verwaltet den Euro und ist für die Gestaltung und Durchführung der Wirtschafts- und Währungspolitik zuständig.

Wem gehört die EZB?

Die Europäische Zentralbank gehört den Zentralbanken der verschiedenen Mitgliedsländer der Eurozone. Jede dieser nationalen Zentralbanken besitzt einen Anteil am Gesamtkapital der EZB. Mit Hilfe des verfügbaren Kapitals soll die EZB das vorrangige Ziel der Preisstabilität für die Länder der Eurozone gewährleisten. 

Gut zu wissen: Die staatliche Eigentümerstruktur stellt auch sicher, dass die Europäische Zentralbank unabhängig von privaten finanziellen Zielsetzungen agieren kann.

Wie ist die Europäische Zentralbank aufgebaut?

Die Europäische Zentralbank setzt sich aus 3 Gremien zusammen: dem EZB-Rat, dem Direktorium und dem sogenannten Erweiterten Rat.

  • EZB-Rat: Er stellt das wichtigste Gremium für die Entscheidungen der EZB dar und umfasst alle Präsidenten der nationalen Zentralbanken der Länder des Euroraums sowie die 6 Mitglieder des EZB-Direktoriums. Der Rat entscheidet grundsätzlich über die Leitlinien der Geldpolitik.
  • EZB-Direktorium: Das Direktorium besteht aus EZB-Präsidentin Christine Lagarde (Frankreich) (Stand Juni 2021), Vizepräsident Luis de Guindos (Spanien) (Stand Juni 2021), sowie 4 weiteren Mitgliedern, die von den nationalen Regierungen der Mitgliedstaaten des Euroraums ernannt werden. Es überwacht überwiegend die Tagesgeschäfte der EZB.
  • Erweiterter Rat: Der Erweiterte Rat übernimmt hingegen eher beratende Aufgaben und besteht aus Präsident und Vizepräsident der EZB sowie den Präsidenten der Zentralbanken aller EU-Mitgliedstaaten.

Gut zu wissen: Die Europäische Zentralbank hat ihren Sitz in Frankfurt am Main.

Welche Ziele hat die Europäische Zentralbank?

Das wichtigste Ziel der EZB ist die Preisstabilität. Sie ist in Artikel 127 Absatz 1 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEU-Vertrag) geregelt. In diesem Zusammenhang dient die Europäische Zentralbank als unterstützende Institution für die allgemeine Wirtschaftspolitik der Europäischen Union. Ausgehend von der Wahrung der Preisstabilität soll die Wettbewerbsfähigkeit der sozialen Marktwirtschaft gefördert werden und damit in weiterer Folge die Vollzeitbeschäftigung und der soziale Fortschritt. Auch für die allgemeine nachhaltige Entwicklung Europas gilt die Preisstabilität als wesentlicher Faktor.

Was bedeutet Preisstabilität?

Bei der Preisstabilität soll nicht die Stabilität der einzelnen Preise gesichert werden, sondern vielmehr der Durschnitt aller Preise. Für die Berechnung werden bestimmte Waren und Dienstleistungen gewählt, die für viele Menschen eine wichtige Rolle im Alltag spielen. So wird jeden Monat ein aktueller Wert für diesen statistisch festgelegten Warenkorb berechnet und so die Entwicklung des Preisniveaus abgelesen. Mittelfristiges Ziel der EZB ist es, den jährlichen Anstieg des Preisniveaus unter 2 % zu halten.

Gut zu wissen: Sinkt das Preisniveau über eine längere Zeit, so spricht man von einer Deflation – steigt es hingegen, so spricht man von einer Inflation.

Warum ist die Preisstabilität so wichtig?

Mit der Preisstabilität erhält man die sogenannte Kaufkraft des Geldes. Kommt es beispielsweise zu einer Inflation, steigen die Preise für das gleiche Produkt (möglicherweise rasant) an. Der Anstieg wirkt sich auch auf Gehälter, Löhne und Renten aus. Und auch Unternehmen profitieren von der Preisstabilität. Denn bei stabilen Preisen ist es einfacher Preisschwankungen zu erkennen und Angebot und Nachfrage besser einzuschätzen. Die Produktion und Investitionen von Unternehmen hängen damit auch maßgeblich von der Preisstabilität ab.

Weitere Aufgaben der EZB

Neben der Preisstabilität übernimmt die Europäische Zentralbank weitere Aufgaben:

  • Festlegung der Leitzinsen: Mit der Festlegung der Leitzinsen kann die Europäische Zentralbank die Inflation und die Geldmenge im Umlauf kontrollieren.
  • Währungsreserven und Banknoten: Sie verwaltet die Währungsreserven der EU und ist für die Genehmigung der Ausgabe von Banknoten an die Euro-Länder zuständig. Durch An- und Verkauf von Währungen kann die EZB die Wechselkurse im Gleichgewicht halten.
  • Statistiken: Gemeinsam mit den nationalen Zentralbanken erstellt die EZB wichtige Statistiken. Diese benötigen die nationalen Zentralbanken beispielsweise für die Wahrnehmung ihrer Aufgaben als Zentralbanken.
  • Finanzaufsicht: Die EZB übernimmt zudem die allgemeine Überwachung der nationalen Zentralbanken hinsichtlich der Einhaltung der Bankenaufsichtspflicht.
Übersicht zu den einzelnen Aufgaben der EZB.
Die EZB hat verschiedene Aufgaben im Rahmen der Geld- und Währungspolitik.

Was kann die Europäische Zentralbank direkt kontrollieren?

Regelmäßig werden von der EZB Beschlüsse zur Geldpolitik gefasst. Dabei werden Maßnahmen festgelegt, um die Inflation unter dem Richtwert von 2 % zu stabilisieren. Die Europäische Zentralbank bestimmt dafür die Höhe des Leitzinses. Das ist jener Zinssatz, zu dem Kreditinstitute ihre Konditionen festlegen. Ist der Leitzins der EZB niedrig, können Kredite an Firmen oder Privatpersonen mit entsprechend niedrigen Zinsen vergeben werden. Gleichzeitig bleiben dann auch die Zinsen auf Sparguthaben niedrig. Ein weiteres Instrument für die Steuerung der Zinssätze sind Offenmarktgeschäfte – also Käufe oder Verkäufe von Wertpapieren durch die EZB selbst. Auf diese Weise erhalten die Banken Kapital und leisten im Gegenzug eine Verpfändung in Form von Wertpapieren.

Welchen Einfluss hat die EZB auf private Geldanlagen?

Mit der Festlegung des Leitzinses kann die EZB auch auf private Geldanlagen Einfluss nehmen und so unter Umständen auch das Verhalten von Anlegern beeinflussen. Denn bei einem hohen Leitzins wird die Aufnahme von Krediten teurer, Anlagen werden gleichzeitig aber höher verzinst. Demzufolge steigt die Sparrate, während die Investitionsrate sich nach unten bewegt.

Umgekehrt führt ein niedriger Leitzins dazu, dass Kredite in verstärktem Maße in Anspruch genommen, die Zinsen auf Sparguthaben sind hingegen auf einem niedrigen Niveau. Konventionelle Sparkonten werden weniger in Anspruch genommen, viele Anleger überlegen, in Fonds oder Aktien zu investieren. Diese Form der Investition ist wiederum mit einem höheren Verlustrisiko verbunden als klassische Sparkonten.

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