Disagio Was ist das Disagio beim Kredit?

Ein Mann im Anzug sitzt vor einem Bankgebäude auf der Treppe und liest auf seinem Handy.
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Das Disagio oder Damnum begegnet uns bei verschiedenen Finanzgeschäften – vor allem aber bei Krediten. In diesem Artikel zeigen wir, was ein Disagio im Kreditgeschäft ist, welche Bedeutung es hat und wie es sich berechnet. Zudem informieren wir über den steuerlichen Umgang mit dem Abschlag und erklären, was bei vorzeitiger Beendigung eines Darlehens mit dem Disagio passiert.

Disagio – Definition und Erklärung

Der Begriff „Disagio“ stammt aus dem Italienischen und bedeutet im Deutschen wörtlich „Unannehmlichkeit“. Im Finanzwesen ist damit ein Abschlag oder Abgeld vom Nennwert eines Betrags gemeint. Im Kreditgeschäft etwa zieht die Bank bei Auszahlung der Kreditsumme einen bestimmten Prozentsatz von der Nettokreditsumme ab, um damit einen Teil der anfallenden Kreditkosten zu decken.

Gut zu wissen: Das Disagio wird häufig auch als Damnum bezeichnet.

Was ist ein Disagio im Kreditgeschäft?

Wer beispielsweise im Rahmen der Baufinanzierung einen Kredit mit Disagio aufnimmt, bekommt nicht die komplette Kreditsumme ausbezahlt. Die Bank behält bei Auszahlung einen Abschlag ein, der als eine Art von Zinsvorauszahlung gesehen werden kann und bei der Ermittlung des Effektivzinses auch so eingerechnet wird. Durch das Disagio verringern sich die laufenden Zinszahlungen und damit die monatlichen Raten. Je höher der Abschlag, desto geringer die weiteren Zinszahlungen. Das Disagio wird immer als prozentualer Anteil des Nennwerts angegeben. Angenommen, ein Darlehensnehmer nimmt einen Kredit über 100.000 Euro auf. Als Disagio wird ein Satz von 5 % vereinbart. Die tatsächlich ausgezahlte Kreditsumme beträgt dann 95.000 Euro. Zurückzahlen muss der Kreditnehmer dennoch den kompletten Kreditbetrag von 100.000 Euro.

Bei einem Kredit mit Disagio ist der ausgezahlte Betrag niedriger als die Kreditsumme.

Das Disagio bei Wertpapieren

Auch im Wertpapierhandel stößt man auf den Begriff des Disagios. So geben manche Emittenten ihre Anleihen mit einem Abschlag – also unter Nennwert – aus. Der Anleihekäufer kann hier von einer höheren Rendite profitieren, da der Anleiheemittent dennoch den vollständigen nominalen Wert der Anleihe verzinst zurückzahlen muss. Anleger, die Aktien kaufen, können indes nicht mit einem Disagio rechnen. Bei Neuemissionen von Aktien ist ein Abschlag vom Nennwert sogar gesetzlich verboten.

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Das Disagio im Devisengeschäft

Auch bei Devisen spielt das Disagio eine Rolle. Denn in der Regel kaufen Banken Fremdwährungen mit einem Abschlag von 2 bis 4 % vom amtlichen Wechselkurs der Zentralbanken ein. Diese Differenz schlagen die Banken beim Verkauf der Devisen jedoch meist auf den Kurswert der Sorten auf. In Abgrenzung vom Disagio spricht man hier vom Agio.

Was ist der Unterschied zwischen Agio und Disagio?

Während das Disagio einen Abschlag bezeichnet, definiert sich das Agio als Aufschlag auf den Nennwert. Ein übliches Beispiel ist die Neuemission eines Wertpapiers wie einer Anleihe, die entweder mit Agio oder mit Disagio ausgegeben werden kann. Auch bei Aktien ist eine Emission über Nennwert – also mit Agio – möglich. Bei Fonds wird für den Kauf von Fondsanteilen in der Regel ebenfalls ein Ausgabeaufschlag erhoben.

Was bringt Kreditnehmern ein Disagio?

Da mit einem Disagio bereits zu Beginn der Kreditlaufzeit ein Teil der Kreditkosten an die Bank zurückgezahlt wird, reduzieren sich die laufenden Zinszahlungen und dadurch auch die monatlich zu zahlenden Raten. Denn mit dem Disagio wird ein bestimmter Prozentsatz der anfallenden Zinsen für das Darlehen im Voraus gezahlt. Dies ist vor allem dann sinnvoll, wenn der Darlehensnehmer unsicher ist, ob sein Einkommen zukünftig weiter so hoch bleiben wird wie bisher.

Steuerliche Abschreibung des Disagios

Kapitalanleger können ein Disagio steuerlich in voller Höhe als Werbungskosten geltend machen, wenn sie mit dem Kredit eine Immobilie finanzieren, die vermietet wird. Voraussetzung dafür ist, dass das Abgeld „marktüblich“ ist. In diesem Fall kann das Disagio in voller Höhe in dem Jahr abgeschrieben werden, in dem es gezahlt wird.

Wie berechnet man das Disagio?

Bei einem Kredit mit Disagio müssen Kreditnehmer häufig eine höhere Kreditsumme aufnehmen, um den anfänglichen Abschlag zu kompensieren und den Finanzierungsbedarf zu decken.

Das Disagio berechnet sich als prozentualer Anteil vom Nennwert eines Betrages. Bei einem Kreditbetrag in Höhe von 100.000 Euro und einem vereinbarten Disagio von 5 % beläuft sich der Abschlag also auf 5.000 Euro. Dem Kreditnehmer steht somit nur ein Auszahlungsbetrag von 95.000 Euro zur Verfügung. Der Rückzahlungsbetrag beträgt dennoch 100.000 Euro. Die folgende Tabelle zeigt zudem, dass der Zinsaufwand beim Beispielkredit mit Disagio insgesamt höher ausfällt als ohne Disagio. Der effektive Jahreszins – der auch einen möglichen Abschlag berücksichtigt – fällt im Beispiel mit Disagio höher aus. Lediglich der Sollzins und die monatliche Rate sind beim Kredit mit vereinbartem Damnum niedriger.

BeispielkreditOhne DisagioMit Disagio
Kreditbetrag100.000 €100.000 €
Disagio0 %5 %
Sollzins2,5 %2,0 %
Laufzeit15 Jahre15 Jahre
Monatliche Rate666,79 €643,51 €
Zinsaufwand20.022,06 €20.831,57 €
Effektiver Jahreszins2,529 & p. a.2,758 % p. a.
Anhand der Beispielrechnung erkennt man den Unterschied zwischen einem Kredit mit und ohne Disagio.

Warum bieten Banken ein Disagio an?

Für Banken hat das Disagio beispielsweise den Vorteil, dass sie einen niedrigen Nominalzinssatz anbieten können, um sich so gegenüber Wettbewerbern abzuheben. Zudem profitiert die Bank davon, dass Sie einen Teil der Zinskosten sofort bei Auszahlung des Kredites einbehalten kann.

Was passiert bei vorzeitiger Beendigung eines Kredits mit dem Disagio?

Was mit dem gezahlten Disagio passiert, wenn der Kreditnehmer seinen Kredit vorzeitig ablösen möchte, hängt vor allem davon ab, ob nach Vertragsbeendigung noch ein Rechtsgrund für den unverbrauchten Abschlag vorliegt. Bei einer fristgerechten ordentlichen Kündigung des Kreditvertrags durch den Darlehensnehmer liegt ein solcher Rechtsgrund nicht mehr vor: Die Bank muss dem Kunden das Disagio anteilig zurückzahlen. Wenn die Bank den Kreditvertrag einseitig fristlos fällig stellt, ist der Kreditnehmer in der Regel seinen vertraglichen Pflichten nicht nachgekommen. In diesem Fall hat er keinen Anspruch auf eine Rückzahlung des unverbrauchten Disagios.

Fazit: Disagio bei Krediten auf einen Blick

Das Disagio bezeichnet einen prozentual angegebenen Abschlag von einem Nennwert und spielt in verschiedenen Bereichen des Finanzwesens eine Rolle. Im Kreditgeschäft behält die Bank einen Teil der Kreditsumme als Zinsvorauszahlung ein. Der Kreditnehmer bekommt dann nicht die volle Summe ausgezahlt, muss jedoch den kompletten Kreditbetrag zurückzahlen. Dafür profitiert er in der Regel von einem geringeren Sollzins und einer niedrigeren Monatsrate. Noch nicht immer lässt sich dadurch Geld sparen. Um den tatsächlichen Zinsaufwand und die jährlichen Gesamtkosten für einen Kredit zu ermitteln, sollte immer der effektive Jahreszins herangezogen werden.

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