Deutsche Bundesbank Aufgaben und Bedeutung für das Finanzsystem

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Als Zentralbank der Bundesrepublik Deutschland erfüllt die Deutsche Bundesbank viele wichtige Aufgaben. Sie sorgt unter anderem für eine geregelte Geldpolitik und soll die Finanzstabilität Deutschlands aufrechterhalten – teils in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen. Welche Funktionen und Aufgaben die Deutsche Bundesbank sonst noch wahrnimmt, erfahren Sie in unserem Überblick.

Deutsche Bundesbank im Kurzporträt

Bei der Deutschen Bundesbank handelt es sich um die zuständige Zentralbank der Bundesrepublik Deutschland. Zentralbanken unterscheiden sich grundsätzlich von Geschäftsbanken, die für den gewöhnlichen Zahlungs-, Kredit- und Kapitalverkehr vieler Bundesbürger verantwortlich sind. Sie übernehmen stattdessen Aufgaben, die der Wahrung der Finanzstabilität eines Landes dienen. Geschäftskunden können sich beispielsweise bei der Deutschen Bundesbank Geld leihen, um ständig liquide zu sein. Im Gegenzug müssen sie dafür Sicherheiten hinterlegen. Privatpersonen können keine Konten bei der deutschen Zentralbank eröffnen oder dort Kredite beantragen. Daher werden Zentralbanken wie die Deutsche Bundesbank auch als Bank der Banken bezeichnet.

Die Deutsche Bundesbank kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie als Bank der deutschen Länder gegründet und hat unter anderem jahrzehntelang die Stabilität der D-Mark gewährleistet. Mit der Einführung des europäischen Währungssystems und des Euro musste die Deutsche Bundesbank einige ihrer Kompetenzen an die neugegründete Europäische Zentralbank (EZB) abgeben. Gemeinsam mit der EZB und anderen Zentralbanken ist die Deutsche Bundesbank heute für die Stabilität des Euro verantwortlich. Hauptsitz der Bundesbehörde ist seit ihrer Gründung im Jahr 1957 Frankfurt am Main.

Gut zu wissen: Die Deutsche Bundesbank verfügt über eigenes Vermögen, das nicht in Euro, sondern ausschließlich in anderen Währungen bzw. Gold vorliegt. Das gesamte Vermögen bildet die Währungsreserve der Bundesrepublik Deutschland. Ihre Verwaltung gehört ebenfalls zu den zentralen Aufgaben der Bank.

Aufgaben der Deutschen Bundesbank

Als Zentralbank der Bundesrepublik Deutschland ist die Deutsche Bundesbank ein integraler Bestandteil des Europäischen Systems der Zentralbanken (ESZB). Sie beteiligt sich an der Erfüllung vielfältiger Aufgaben mit dem vorrangigen Ziel, die Preisstabilität des Euro und die bankmäßige Abwicklung des Zahlungsverkehrs im Inland sowie dem Ausland zu gewährleisten. Höchstes Verwaltungsorgan ist dabei der Zentralbankrat, der maßgeblich die Geschäftspolitik der Deutschen Zentralbank bestimmt. In den Bundesländern wird die Deutsche Bundesbank durch die jeweiligen Landeszentralbanken vertreten.

Aufgaben der Deutschen Bundesbank im Überblick
Die Deutsche Bundesbank erfüllt mit ihren Aufgaben mehrere Funktionen.
Geldpolitik

Um die Preisstabilität des Euro zu erreichen, können die Bundesbank und andere Zentralbanken, sowie die EZB, den Leitzins anheben oder absenken. Dabei handelt es sich um den Preis, den Geschäftsbanken zahlen müssen, wenn sie sich bei der Bundesbank Geld leihen wollen. Je geringer der Leitzins, desto günstiger können sich Banken Geld leihen und dieses an Kunden weitergeben. Die Deutsche Bundesbank berechnet nach den gesetzlichen Vorgaben auch den Basiszinssatz.

Mit ihren geldpolitischen Mitteln haben Zentralbanken wie die Deutsche Bundesbank demnach einen entscheidenden Einfluss auf die Konditionen, zu denen Geschäftsbanken Kredite an Privatpersonen und Unternehmen vergeben. Mit einer Anhebung oder Absenkung des Leitzinses kann die Bundesbank außerdem je nach Lage die Konjunktur ankurbeln oder eine Inflation vorbeugen. So senkten beispielsweise im Zuge der Finanzkrise im Jahr 2008 viele internationale Zentralbanken die Leitzinsen, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Unter anderem aufgrund dieser Niedrigzinspolitik konnte nach Einschätzung von Experten die Stabilität des internationalen Finanzsystems gewahrt und die Insolvenz von Staaten vermieden werden.

Finanz- und Währungsstabilität

Auf nationaler Ebene wird der Deutschen Bundesbank eine besondere Rolle zuteil: Sie hat Einsicht in die Geschäftsunterlagen aller deutschen Kreditinstitute und kann diese somit jederzeit kontrollieren. Da neben den inländischen Finanzdienstleistern naturgemäß auch ausländische Finanzbehörden Einfluss auf die Stabilität des europäischen Finanzsystems haben, ist die Deutsche Bundesbank darüber hinaus in zahlreichen nationalen und internationalen Institutionen und Gremien vertreten.

Darüber hinaus beteiligt sich die Deutsche Bundesbank am Internationalen Währungsfonds und stellt damit im Verbund mit ihren Partnern auch die Finanz- und Währungsstabilität auf globaler Ebene sicher. Mögliche Risiken der deutschen Finanzstabilität werden alljährlich im Finanzstabilitätsbericht aufgezeigt und bewertet. Die Monatsberichte der Deutschen Bundesbank behandeln zusätzlich diverse volkswirtschaftliche Themen und sind für alle Interessenten einsehbar. In der Devisenkursstatistik der Deutschen Bundesbank werden dagegen aktuelle und historische Devisenkurse dokumentiert.

Bankenaufsicht

Gemeinsam mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ist die Deutsche Bundesbank die oberste Bankenaufsicht in Deutschland. Sie kann also die Bücher der Finanzdienstleister einsehen und bestimmte Rahmenbedingungen vorgeben, nicht aber direkt in die Bankgeschäfte eingreifen.

Aufsicht über Bargeld- und Zahlungsverkehr

Neben der Aufsicht über Geschäftsbanken unterliegt der Bundesbank auch die Aufsicht über den Bargeld- und Zahlungsverkehr und damit über den physischen Geldumlauf. Sie ist dazu berechtigt, Münzen und Scheine in Umlauf zu bringen, indem sie den Geschäftsbanken zur Verfügung gestellt werden. Außerdem kann die Bundesbank beschädigte Geldscheine und Münzen austauschen und Falschgeld sicherstellen.

Auch die Beaufsichtigung aller Transaktionen im nationalen und internationalen Zahlungsverkehr fällt in den Aufgabenbereich der Deutschen Bundesbank. Denn Beeinträchtigungen können unmittelbare Auswirkungen auf die Stabilität des gesamten Finanzsystems haben. Daher wirkt die Bundesbank auch maßgeblich an der Standarisierung von Zahlungsvorgängen mit und bietet Dienstleistungen an, die die Abwicklung und Verrechnung betreffen.

Exkurs: Woher kommt eigentlich unser Bargeld?

Ob Privatpersonen oder Unternehmen – für die unterschiedlichsten Zahlungen wird tagtäglich Bargeld von Bankkonten abgehoben. Doch woher stammen die Geldscheine eigentlich? Und was machen Banken, wenn ihre Kunden mehr ausgezahlt haben möchten, als insgesamt eingezahlt wird? Um den Bargeldbedarf ihrer Kunden grundsätzlich nachkommen zu können, bedienen sie sich bei den zuständigen Zentralbanken. In Deutschland ist das die Deutsche Bundesbank.

Gut zu wissen: Für die Herausgabe der Euro-Münzen ist das Bundesfinanzministerium zuständig. Das Ministerium verkauft die Münzen aber an die Bundesbank, die sie wiederum in Umlauf bringt.

Um an das Bargeld zu kommen, entnehmen es die Banken ganz einfach ihrem Konto bei der jeweiligen Zentralbank oder nehmen einen Kredit auf. In dem Moment, in dem die Zentralbanken das Bargeld herausgeben, wird aus dem bedruckten Papier ein gesetzliches Zahlungsmittel. Die Geldscheine werden umgehend zu den Banken transportiert, wo es die Banken ihren Kunden dann aushändigen können. Ausschließlich Zentralbanken des Eurosystems wie die Deutsche Bundesbank dürfen neue Banknoten herstellen lassen. Sie haben das sogenannte Notenmonopol.

Zwar verursacht die Herstellung der Banknoten Kosten, allerdings erzielt die Deutsche Bundesbank durch Zinssätze für Kredite auch Erträge. Der dabei entstehende Gewinn wird jährlich an das Bundesministerium der Finanzen und damit an den Staat ausgeschüttet.

Fazit zu den Aufgaben der Deutschen Bundesbank

Sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen kommen für ihre finanziellen Angelegenheiten in der Regel nicht direkt mit der Deutschen Bundesbank in Berührung. Und doch nimmt sie mit ihren Aufgaben großen Einfluss auf die Finanzsituation vieler Bundesbürger und Betriebe. Allen voran die Geldpolitik bestimmt maßgeblich mit, wie sich unter anderem das Konsumklima entwickelt oder zu welchen Konditionen Kredite vergeben werden. Darüber hinaus besitzt die Deutsche Bundesbank als oberste Aufsichtsbehörde eine wichtige Kontrollfunktion und bringt Bargeld in Umlauf.

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