Bürgschaftsarten – ein Mann im Rollstuhl und eine Frau genießen den Sonnenuntergang am Strand.
Bürgschaftsarten – ein Mann im Rollstuhl und eine Frau genießen den Sonnenuntergang am Strand.
© Nejron Photo via Adobe Stock

Bürgschaftsarten: Wohnung oder Kredit mit Bürgen

Key Takeaways
  • Mit einer Bürgschaft haftet eine Person für die Schulden einer anderen Person.
  • Bei Zahlungsausfall des Schuldners muss der Bürge für ihn einspringen.
  • Eine Bürgschaft kann z. B. als Kreditsicherheit oder Mietkaution dienen.
  • Eine Bürgschaft birgt Vor- und Nachteile für Schuldner, Gläubiger und Bürgen.

Definition: Was ist eine Bürgschaft?

Wenn du einen Kredit aufnehmen möchtest, verlangt die Bank von dir Kreditsicherheiten in Form von Rücklagen oder Immobilien. Sind diese nicht vorhanden oder reichen sie dem Kreditgeber nicht aus, kann auch eine Bürgschaft als Sicherheit dienen.

Bei einer Bürgschaft verpflichtet sich eine Person (Bürge), für den Schuldner einzuspringen, wenn dieser seinen Zahlungsverpflichtungen gegenüber dem Gläubiger nicht mehr nachkommen kann. Das heißt: Der Bürge haftet also für die Schulden eines Dritten.

Beispiel: Wie funktioniert eine Bürgschaft?

Einer der häufigsten Anwendungsbereiche für Bürgschaften ist das Mietverhältnis. Nehmen wir an, du hast deine erste eigene Wohnung gemietet und deine Eltern bürgen gegenüber deinem Vermieter für finanzielle Forderungen aus dem Mietverhältnis. Wenn du nun aus einer finanziellen Notlage heraus deine Miete nicht mehr zahlen kannst, darf dein Vermieter als Gläubiger unter bestimmten Bedingungen deine Eltern als Bürgen für die Zahlung in Anspruch nehmen.

Denkbar ist auch, dass du gegenüber einer Bank für einen nahen Verwandten bürgst, der einen Kredit aufnehmen möchte, aber nicht über ausreichende Kreditsicherheiten verfügt. Mit einer Bürgschaft erklärst du dich gegenüber der Bank als der Gläubigerin bereit, die Tilgungs- und Zinszahlungen deines Verwandten zu übernehmen, falls dieser zahlungsunfähig sein sollte.

Bürgen kann jede volljährige Person, die in Deutschland wohnt. Damit eine Bürgschaft als ausreichende Sicherheit akzeptiert wird, muss der Bürge zudem in der Regel nachweisen, dass er über ein regelmäßiges Einkommen oder ausreichende Finanzmittel verfügt.

In welcher Form werden Bürgschaften geschlossen?

Eine Bürgschaft ist ein Vertrag zwischen dem Bürgen und dem Gläubiger. Dazu genügt eine einseitige Bürgschaftserklärung des Bürgen. Man spricht auch von der Bürgschaftsurkunde. Diese muss nur vom Bürgen eigenhändig unterschrieben werden – nicht auch vom Gläubiger. Gültig ist die Bürgschaft erst nach Übergabe an den Gläubiger.

Zudem muss eine Bürgschaftserklärung bestimmte Pflichtangaben enthalten. Dazu zählen:

  • Name und Anschrift des Bürgen, des Gläubigers und des Schuldners
  • Datum
  • Art der Bürgschaft
  • die zu sichernde Forderung
  • rechtliche Besonderheiten
  • geltendes Recht
  • eigenhändige Unterschrift des Bürgen
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Wenn du für eine andere Person bürgen möchtest, solltest du bedenken, dass du mit einer Bürgschaft das finanzielle Risiko dieser Person übernimmst und einseitig Pflichten eingehst. Eine Gegenleistung für die Bürgschaft bekommst du nicht.

Was ist der Unterschied zwischen Bürgen und 2 Kreditnehmern?

Der Unterschied zwischen einem Bürgen und einem zweiten Kreditnehmer besteht darin, dass der Bürge keinerlei Rechte hat, sondern nur Pflichten eingeht. So steht der Bürge nicht im Kreditvertrag und springt nur ein, wenn der Schuldner seinen finanziellen Verpflichtungen nicht nachkommen kann.

Im Gegensatz zum Bürgen steht der zweite Kreditnehmer im Kreditvertrag und ist dem ersten Kreditnehmer oder Hauptschuldner gleichgestellt. Das heißt, dass er neben den eingegangenen Pflichten auch dieselben Rechte genießt und z. B. über die Höhe und Verwendung des aufgenommenen Darlehens mitentscheiden kann.

Welche Arten von Bürgschaft gibt es?

Es gibt verschiedene Arten von Bürgschaften. Wir stellen dir die wichtigsten Bürgschaftsarten für Privatpersonen vor, die für dich im Alltag relevant sein können.

Einfache Bürgschaft

Die einfache oder gewöhnliche Bürgschaft wird auch als Ausfallbürgschaft bezeichnet. Bei dieser Art der Bürgschaft steht dem Bürgen die sogenannte Einrede der Vorausklage zu. Das heißt, der Bürge kann die Zahlung bis zum endgültigen Zahlungsausfall des Schuldners verweigern. Um den Bürgen für die Zahlung in Anspruch nehmen zu können, muss der Gläubiger zuerst nachweisen, dass er erfolglos versucht hat, eine Zwangsvollstreckung gegen den Hauptschuldner einzuleiten.

Selbstschuldnerische Bürgschaft

Die selbstschuldnerische Bürgschaft kommt in der Praxis am häufigsten vor. Bei dieser Art der Bürgschaft muss der Bürge sofort einspringen, wenn der Schuldner seine Forderungen nicht mehr begleichen kann oder will.

Die Einrede der Vorausklage ist bei der selbstschuldnerischen Bürgschaft ausgeschlossen. Das heißt: Anders als bei der Ausfallbürgschaft kann der Bürge die Zahlung nicht verweigern, bis der Gläubiger nachweislich alle ihm zur Verfügung stehenden Rechtsmittel ausgeschöpft hat.

Bürgschaft auf erstes Anfordern

Auch bei der Bürgschaft auf erstes Anfordern hat der Bürge keine Möglichkeit, die Inanspruchnahme auf Zahlung abzuwehren: Die Einrede der Vorausklage ist ausgeschlossen. Tatsächlich muss der Bürge bei Zahlungsausfall des Schuldners sofort einspringen. Dabei spielt es nicht einmal eine Rolle, ob die Hauptforderung gegenüber dem Schuldner gerechtfertigt ist oder nicht.

Der Bürge muss erst zahlen und kann anschließend vor Gericht ziehen, um die rechtliche Situation klären zu lassen und das gezahlte Geld ggf. zurückzufordern. Diese Art der Bürgschaft privilegiert den Gläubiger und ist für den Bürgen mit hohen Risiken verbunden, da dieser ebenso bedingungslos haftet wie der Hauptschuldner.

Globalbürgschaft

Eine Globalbürgschaft bezieht sich nicht auf eine einzelne Forderung, sondern der Bürge verpflichtet sich, auch alle weiteren Verpflichtungen des Schuldners gegenüber dem Gläubiger abzusichern, z. B., wenn der Gläubiger bei der Bank einen weiteren Kredit aufnimmt.

Höchstbetragsbürgschaft

Bei der Höchstbetragsbürgschaft haftet der Bürge in der Regel nur bis zu einem bestimmten Betrag. Dieser wird in der Bürgschaftserklärung festgelegt. Für alle darüber hinaus gehenden Forderungen an den Hauptschuldner kann der Gläubiger den Bürgen nicht in Anspruch nehmen.

Mietbürgschaft

Wenn du eine Wohnung mietest, musst du bei deinem Vermieter in der Regel eine Mietsicherheit in Form einer Barkaution hinterlassen. Dieses Geld darf der Vermieter einbehalten, wenn du deine Miete nicht zahlen kannst oder Schäden an der Wohnung verursachst. Wenn du die Mietkaution nicht zahlen kannst, kommt als Alternative eine Mietbürgschaft infrage. Mit einer Mietbürgschaft verpflichtet sich der Bürge – z. B. eine Bank – einzuspringen, wenn du deine Miete oder andere Verpflichtungen gegenüber dem Vermieter nicht zahlen kannst.

Elternbürgschaft

Eine besondere Art der Mietbürgschaft ist die Elternbürgschaft. Damit bürgen beide Eltern oder ein Elternteil gegenüber dem Vermieter für das Kind, das als Mieter auftritt. Eine Elternbürgschaft kann freiwillig erteilt werden, wird aber manchmal auch zusätzlich zur üblichen Barkaution vom Vermieter verlangt.

Bei einer nicht freiwilligen Elternbürgschaft gilt wie bei der Kaution der Höchstbetrag von 3 Monatskaltmieten.

Kreditbürgschaft

Ob Ratenkredit oder Baufinanzierung – auch als Kreditsicherheit ist eine Bürgschaft in der Praxis weit verbreitet. Der Bürge verpflichtet sich bei Zahlungsausfall des Schuldners, den Kredit für diesen zurückzuzahlen. Er haftet für die Schulden bei der Bank.

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Was sind die Vor- und Nachteile einer Bürgschaft?

Eine Bürgschaft bringt für alle 3 Parteien – Schuldner, Gläubiger und Bürgen – sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich. Die wichtigsten Vor- und Nachteile einer Bürgschaft haben wir in der folgenden Tabelle für dich zusammengefasst.

Vorteile einer Bürgschaft

  • Kreditnehmer (Schuldner):
    Eine Bürgschaft erhöht die Chancen auf eine Kreditvergabe auch bei schlechter Bonität und kann als zusätzliche Sicherheit die Kreditbedingungen verbessern (z. B. günstigere Zinsen).
  • Kreditgeber (Bank):
    Der Kreditgeber profitiert mit einer Bürgschaft von einer (weiteren) Kreditsicherheit und kann bei Zahlungsausfall des Hauptschuldners einen Dritten für die Zahlung in Anspruch nehmen.
  • Bürge:
    Als Bürge kannst du eine dir nahestehende Person z. B. dabei unterstützen, einen Kredit zu bekommen oder die erste eigene Wohnung zu mieten.

Nachteile einer Bürgschaft

  • Kreditnehmer (Schuldner):
    Bei Zahlungsausfall kann eine Bürgschaft das persönliche Verhältnis zwischen Kreditnehmer und Bürge belasten.
  • Kreditgeber (Bank):
    Auch bei guter Bonität kann der Bürge ausfallen. Bei einer Ausfallbürgschaft muss die Bank zudem eine erfolglose Zwangsvollstreckung nachweisen, bevor sie den Bürgen für die Zahlung in Anspruch nehmen kann.
  • Bürge: Der Bürge geht mit einer Bürgschaft einseitig Verpflichtungen ein und übernimmt das finanzielle Risiko einer anderen Person, die u. U. eine schlechte Bonität aufweist.

Fazit: Bürgschaft ­– ein persönlicher Gefallen mit Vorteilen und Risiken

Eine Bürgschaft hat ihre positiven Seiten, weil sie eine in der Regel nahestehende Person mit mangelnder Bonität dabei unterstützt, einen Kredit zu bekommen oder eine Wohnung zu mieten. Da es sich bei einer Bürgschaft um einen einseitig verpflichtenden Vertrag handelt, geht der Bürge allerdings ein hohes Risiko ein.

Wenn du vor der Entscheidung stehst, für eine dir nahestehende Person zu bürgen, solltest du beachten, dass der Gläubiger dich bei Zahlungsausfall dieser Person für alle offenen Forderungen in Anspruch nehmen kann. Daher solltest du eine Bürgschaft nur eingehen, wenn du die Forderungen im Notfall auch wirklich bedienen kannst. Darüber hinaus kann es sinnvoll sein, die Höhe und Dauer der Bürgschaft durch eine Höchstbetragsbürgschaft oder eine zeitlich befristete Bürgschaft zu begrenzen.

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