Digitaler Euro: Was bringt die Einführung Verbrauchern und Unternehmen?

Gebäude der EZB in Frankfurt am Main.
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Geht es nach dem Willen der Europäischen Zentralbank (EZB), soll in Europa der digitale Euro eingeführt werden. Verbraucher und Unternehmen erhielten damit ein digitales Zahlungsmittel, das Transaktionen in Echtzeit ermöglicht. Gleichzeitig hätte die digitale Währung aber auch Einfluss auf die Stabilität der Geschäftsbanken.

Was ist der digitale Euro?

Mit dem digitalen Euro will die Europäische Zentralbank ihre eigene europäische Kryptowährung einführen. Sie soll das Bargeld im europäischen Zahlungsverkehr ergänzen. Mit dem elektronischen Euro (E-Euro) stünde Privatpersonen und Unternehmen ein zusätzliches sicheres und besonders schnelles Zahlungsmittel in Form von digitalem Zentralbankgeld (Central Bank Digital Currency, kurz CBDC) zur Verfügung. Die Digitalwährung würde eine direkte Forderung gegenüber der Europäischen Zentralbank darstellen. Damit wäre der Kurs des digitalen Euro identisch mit dem Wert des Bargeldes. Die Ausgabe des digitalen Euro soll über die Europäische Zentralbank erfolgen.

Gut zu wissen: Die Europäischen Zentralbank (EZB) wurde 1998 als gemeinsame Währungsbehörde der Mitgliedstaaten der Europäischen Währungsunion gegründet und bildet gemeinsam mit den nationalen Zentralbanken der EU-Staaten das Europäische System der Zentralbanken. Zu ihren Aufgaben zählen unter anderem die Wahrung der Preisstabilität, die Bankenaufsicht sowie die Autorisierung der Ausgabe von Banknoten.

Wann kommt der digitale Euro?

Ob und wann der digitale Euro eingeführt wird, ist noch unklar. Die EZB prüft gemeinsam mit den nationalen Zentralbanken in Europa die Chancen und Risiken der Einführung. Ebenfalls noch unklar ist, wie die Ausgabe des digitalen Euros an Unternehmen und private Verbraucher erfolgen soll. Denkbar wäre es, die digitale Währung separat vom Buch- oder Giralgeld, also dem Guthaben auf Girokonten oder Geschäftskonten, zu verbuchen.

Funktionsweise von Kryptowährungen

Vergleichbar mit Kryptowährungen wie Bitcoin, Litecoin oder Ethereum ist der digitale Euro eine virtuelle Währung, die nicht wie herkömmliche Währungen auf dem Bankkonto, sondern in einer virtuellen Geldbörse, dem sogenannten Wallet, aufbewahrt wird. Die Digitalwährung wird beim Bezahlen auf elektronischem Wege mittels einer App oder einem QR-Code vom Wallet des Käufers in das Wallet des Verkäufers übertragen.

Darstellung der Übertragung des digitalen Euro zwischen zwei Wallets.
Über eine App oder einen QR-Code wechselt der digitale Euro vom Wallet des Käufers in das Wallet des Verkäufers.

Riesige Datenmengen

Digitale Währungen beruhen auf der Blockchain-Technologie: Die Daten sämtlicher Transaktionen werden verschlüsselt in Datenblöcken abgespeichert. Ist einer dieser Blöcke voll, wird ein neuer Block eröffnet. Der neue Block enthält Informationen über den vorherigen Block. Aneinandergereiht ergeben diese Blöcke die sogenannte Blockchain. Dieses Vorgehen ist notwendig, da die anfallenden Datenmengen so groß sind, dass sie nicht in einer einzigen Datenbank aufbewahrt werden könnten. Jeder, der einen Anteil an einer Kryptowährung besitzt, hat Zugang zu den Daten, die in der Blockchain gespeichert sind. Man bezeichnet sie daher auch als Kassenbuch.

Warum ist die Einführung des digitalen Euros notwendig?

Als verlässliche Währung soll der digitale Euro den Zahlungsverkehr im Euroraum für die breite Bevölkerung effizienter gestalten. Dabei soll das digitale Zentralbankgeld das Vertrauen von Verbrauchern und Unternehmen in digitale Zahlungsmittel stärken. Gleichzeitig will die EZB mit der Einführung des digitalen Euro die finanzielle Stabilität innerhalb Europas gewährleisten. So soll verhindert werden, dass die geldpolitische Souveränität Europas durch Kryptowährungen, die außerhalb des Euroraums ausgegeben und kontrolliert werden, untergraben wird.

Was unterscheidet den digitalen Euro von anderen Kryptowährungen?

Im Unterschied zu Bitcoin und Co, die unabhängig von Banken und staatlicher Kontrolle existieren, wird der digitale Euro von der Europäischen Zentralbank (EZB) ausgegeben, geschützt und reguliert werden. Die EZB nimmt damit Einfluss auf die Währung: Sie legt fest, wieviel Geld im Umlauf ist und sichert sich so die Hoheit über die Geldmenge.

Digitales Geld vermehren

Die Menge der Bitcoins wird durch das Mining von den aktiven Nutzern der Währung vermehrt. Die sogenannten Miner bilden mit der Rechenleistung ihrer Computer eine Art dezentrales Rechenzentrum. Sie helfen dabei, sämtliche Daten zu Transaktionen in der Blockchain zu speichern, verwalten und zu verschlüsseln. Für diese Arbeit erhalten sie neue Bitcoins, die sie als Zahlungsmittel nutzen. Im Gegensatz dazu wird beim digitalen Euro zusätzliches Geld nach dem Prinzip der Geldschöpfung von der Europäischen Zentralbank und den Geschäftsbanken geschaffen.

Keine vollständige Anonymität

Sicherheit und Transparenz im Zahlungsverkehr sind beim digitalen Euro ebenfalls der EZB vorbehalten. Einerseits bietet die Erfassung der Transaktionsdaten in einem elektronischen Register Sicherheit und sorgt dafür, dass der digitale Euro nicht kopiert und mehrfach in Umlauf gebracht werden kann. Andererseits gewährt die Europäische Zentralbank keine hundertprozentige Anonymität bei der Bezahlung. Sie stellt damit die Verhinderung von Geldwäsche und der Terrorismusfinanzierung über den Schutz der Privatsphäre.

Welche Vorteile bringt der digitale Euro Verbrauchern?

Der digitale Euro ermöglicht Bürgern bargeldloses, sicheres Bezahlen mit Zentralbankgeld. Die Zahlung soll sowohl in Läden, Restaurants oder auch im Onlinehandel möglich sein. Der Vorteil ist, dass Zahlungen verglichen mit einer SEPA-Überweisung deutlich schneller durchgeführt werden können. Während Online-Überweisungen innerhalb eines Bankarbeitstages ausgeführt werden müssen, können Überweisungen mit einem Überweisungsvordruck aus Papier bis zu 2 Bankarbeitstage dauern. Mit dem digitalen Euro geht es erheblich schneller. So können sich auch die Lieferzeiten im Onlinehandel verkürzen – der Händler verzeichnet den Zahlungseingang in Echtzeit und veranlasst umgehend den Versand der Ware. Zudem müssen Kunden keine zahlungsrelevanten Daten mit den Händlern teilen.

Wie könnten Unternehmen vom digitalen Euro profitieren?

Die Überweisung in Echtzeit macht den Zahlungsverkehr von Unternehmen ebenfalls erheblich effizienter. Insbesondere Überweisungen in Drittländer sind häufig länger unterwegs als die Lieferungselbst. Darüber hinaus profitieren Unternehmen im Zeitalter der Digitalisierung von einem weiteren wesentlichen Vorteil. Im Internet der Dinge (Internet of Things, kurz IoT) kommunizieren Maschinen selbstständig miteinander. Denkbar wäre also, Prozesse so anzupassen, dass Bestell- und Bezahlvorgänge im B2B-Bereich vollständig automatisiert stattfinden. Im B2C-Bereich wäre ebenfalls die noch engere Vernetzung von intelligenten Geräten im Haushalt (Smarthome) möglich. So meldet beispielsweise eine intelligente Heizungsanlage ihren Bedarf an Heizöl automatisch an den Lieferanten. Die Bezahlung erfolgtdannebenfalls automatisch.

Diagramm über den automatisierten Prozess von Bestellung, Lieferung und Bezahlung.
Die Bestellung, Lieferung und Bezahlung erfolgen automatisiert, indem die Systeme der Unternehmen miteinander kommunizieren.

Welche Gefahren sehen Experten bei der Einführung des digitalen Euros?

Die Chancen, die sich mit der Einführung der Digitalwährung ergeben, sind vielfältig. Allerdings birgt der digitale Euro auch Nachteile. Experten sehen beispielsweise mögliche Auswirkungen auf die Liquidität der Geschäftsbanken. Ziehen Verbraucher und Unternehmen ihre Gelder von ihren Konten oder einer Geldanlage ab, um es in den digitalen Euro zu investieren, wäre die Rolle der Banken als Vermittler zwischen den Zentralbanken und den Kunden in Gefahr. Da der Wert des digitalen Euro identisch mit dem Euro in Form von Bargeld wäre, würde er zudem keinen Schutz gegen Inflation bieten und würde damit die Geldpolitik und die Finanzstabilität in Europa beeinträchtigen.

Digitaler Euro der EZB: Einführung noch Zukunftsmusik

Ob und wann der digitale Euro bei der Europäischen Zentralbank oder den Geschäftsbanken gekauft werden kann, steht aktuell noch in den Sternen. Im Oktober 2021 startet zunächst eine zweijährige Untersuchungsphase, die Klarheit im Hinblick auf Gestaltung und Verteilung des digitalen Euros bringen soll. Hier geht es unter anderem um die Erarbeitung eines tragfähigen Geschäftsmodells unter Berücksichtigung geltender Anforderungen an den Datenschutz und IT-Sicherheit auf Basis einer sicheren technische Infrastruktur. Ziel ist es jedoch, den digitalen Euro als zusätzliches sicheres und effizientes Zahlungsmittel für Verbraucher und Unternehmen in Europa zu etablieren.

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