Rentenpapiere

Wenn die Aktienmärkte wie beim Ausbruch der Corona-Krise in die Knie gehen, schlägt die Stunde der Rentenpapiere. Zumindest für die Anleger, denen Sicherheit wichtig ist. Schließlich muss das aus den Aktien abgezogene Geld irgendwo platziert werden. Also flüchten die Anleger zu Rentenpapieren wie Bundesanleihen oder US-Staatsanleihen.

Denn Rentenpapiere heißen so, weil die Anleger regelmäßig einen zuvor festgelegten Zins überwiesen bekommen – zumindest, als es noch Zinsen gab. Eine der Börsenlegende André Kostolany zugeschriebene Börsenweisheit besagt: „Wer gut schlafen will, investiert in Rentenpapiere; wer lieber gut essen und trinken will, sollte Aktien kaufen.“

Rentenpapiere verbriefen einen Kredit

Unter dem Sammelbegriff Rentenpapiere werden Anleihen, Obligationen und Pfandbriefe zusammengefasst. All diese Papiere sind im Prinzip nichts anderes als ein an der Börse gehandelter Kredit. Der Anleger stellt dem Kreditnehmer für einen zuvor definierten Zeitraum Geld zur Verfügung. Dafür erhält er in der Regel im Jahresrhythmus den Kupon (Zinszahlungen). Am Ende der Laufzeit wird der Kredit zurückgezahlt. Die meisten Rentenpapiere werden wie Aktien börsentäglich gehandelt. So bleiben Anleger liquide und kommen jederzeit an ihr Geld.

Die Höhe des Kupons hängt bei Rentenpapieren vor allem von drei Faktoren ab: Der erste ist das allgemeine Zinsniveau. Wenn die Marktzinsen hoch liegen, müssen auch Kreditnehmer höhere Zinsen zahlen. Aktuell jedoch sind sie extrem niedrig. Zum Zweiten steigt der Kupon mit der Laufzeit eines Rentenpapiers. Denn nur bei entsprechend höheren Zinsen verleihen die Anleger ihr Geld längerfristig. Schließlich zählt die Bonität des Schuldners. Gute Schuldner wie etwa Deutschland oder die Schweiz müssen weniger Zinsen zahlen als schlechte Schuldner, die den Kredit möglicherweise nicht zurückzahlen können.

Darum schwanken Anleihenkurse

Mit Rentenpapieren kann man kurzzeitig auch Geld verlieren. Denn sie schwanken im Kurs. An der Börse werden sie nicht in Euro, sondern in Prozent ihres Nennwertes gehandelt. Der Nennwert ist der Betrag, zu dem die Anleihe zurückgezahlt wird, meist 1.000 Euro. Die Kursausschläge von hochwertigen Rentenpapieren sind aber zumeist geringer als bei Aktien. Der Kurs pendelt je nach Zinsentwicklung in der Regel zwischen 90 und 110 Prozent. Der Kurs von Anleihen hängt in erster Linie von zwei Komponenten ab: der feststehenden Höhe des Zinskupons der Anleihe im Vergleich zum aktuellen Marktzinsniveau für Anleihen mit gleicher Laufzeit sowie Veränderungen der Bonität.

Dabei gilt: Die effektive Rendite von Anleihen gleicher Bonität und Laufzeit ist immer annähernd gleich. Ein Beispiel: Eine Bundesanleihe mit einjähriger Restlaufzeit hat einen Kupon von 1 %. Der aktuelle Marktzins für Bundespapiere mit einjähriger Laufzeit liegt aber bei minus 0,5 %. Notierte die 1,0-%- Anleihe bei 100 %, würden sich alle Anleger darauf stürzen und die Anleihe mit Minuszins links liegen lassen. Durch die Nachfrage nach der höher verzinsten Anleihe steigt deshalb der Kurs auf etwa 101,5 %. Anleger zahlen dann 1.015 Euro, kassieren zehn Euro Zinsen und nach einem Jahr bei der Rückzahlung den Nennwert von 1.000 Euro. Die Rendite beträgt minus 0,5 % – genau wie bei einem Papier mit einem Zinskupon von minus 0,5 %.

Dieser Mechanismus gilt für alle Anleihen guter Bonität. Anders kann es jedoch aussehen, wenn die Kuponzahlungen oder gar die Rückzahlung der Anleihe in Gefahr geraten – zum Beispiel aktuell bei argentinischen Staatsanleihen. Sie notieren trotz vergleichsweise üppiger Kupons wegen des Ausfallrisikos weit unter 100 %. Ähnliches gilt für Unternehmensanleihen, deren Emittenten nahe der Insolvenz sind.

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