Inflation

Ältere können sich noch gut erinnern: In den 1970er-Jahren stiegen die Preise für Lebensmittel, Mieten und Benzin im Durchschnitt jährlich um 5 % und mehr. Inzwischen kennen wir das nicht mehr auf so breiter Front. Nur in einigen Bereichen wie etwa bei Immobilien mussten Käufer Jahr für Jahr deutlich mehr hinlegen. Häufig wird dann davon gesprochen, dass sich eine „Preisblase“ gebildet hat. Und in der Tat kommt das Wort Inflation vom lateinischen Wort für „aufblähen“ (inflare).

Wann spricht man von Inflation?

Inflation ist nicht gleich Inflation: Eine leichte Teuerung ist volkswirtschaftlich erwünscht. Denn bei leicht steigenden Preisen werden Anpassungen im Produktions- und Konsumverhalten erleichtert. Deshalb hat auch die Europäische Zentralbank als Ziel eine Inflationsrate von „knapp unter 2 %“ festgesetzt. Inflationsraten zwischen 2 % und 5 % sind zumindest für kürzere Zeiträume durchaus tolerierbar. Gefährlicher werden Inflationsraten in einem höheren einstelligen oder zweistelligen Bereich, weil sie oft zu einer Lohn/Preis-Spirale führen. Die extreme Geldentwertung in einer „Hyperinflation“ schließlich ist nicht mehr kontrollierbar und führt in der Regel über kurz oder lang zu einem Währungsschnitt wie im Jahr 1923 in Deutschland.

Wann und wie kann Inflation entstehen?

Inflation kann verschiedene Gründe haben. Bei einer sogenannten Nachfrageinflation verlangen Verbraucher mehr Güter, als angeboten werden. Diese höhere Nachfrage treibt die Preise. Bei einer Angebotsinflation dagegen erhöhen Unternehmen ihre Preise. Grund dafür können steigende Kosten für Energie oder Arbeitskraft sein. Eine Grundlage für eine inflationäre Entwicklung ist die Erhöhung der Geldmenge. Wenn die Notenbanken wie in den vergangenen Jahren durch Senkung der Leitzinsen und Ankäufe von Wertpapieren die Geldmenge erhöhen, sollten eigentlich die Preise folgen. Seit der Finanzkrise jedoch hat dieses Rezept nicht das gewünschte Resultat erreicht, weil die Nachfrage nicht ausreichend angestiegen ist.

Wie wird die Inflationsrate gemessen?

Die Höhe der Inflation wird mit Preisindizes gemessen. Der wichtigste in Europa ist der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI). Er spiegelt die Preise für einen Warenkorb mit rund 700 Waren und Dienstleistungen für einen privaten Haushalt wider. In diesem Warenkorb sind Produkte aus dem alltäglichen Konsum, Dienstleistungen oder auch langlebige Konsumgüter in verschiedener Gewichtung enthalten. Tendenziell haben sich in den vergangenen Jahren vor allem langlebige Konsumgüter wie Computer und Elektrogeräte verbilligt. Alltagsprodukte dagegen wurden tendenziell teurer. Die sogenannte „gefühlte Inflationsrate“ lag deshalb oft höher als die tatsächlich gemessene Inflationsrate. Neben dieser wird vom Statistischen Bundesamt auch noch die sogenannte „Kerninflationsrate“ berechnet. Bei ihr werden die besonders volatilen Preise für Energie und Nahrungsmittel nicht berücksichtigt.

Wer verliert und wer gewinnt in der Inflation?

Wenn wie in den vergangenen Jahren die Dinge des täglichen Lebens teurer werden, leiden darunter insbesondere Geringverdiener und Rentner. Denn ihre Einkommen steigen in der Regel nur unterdurchschnittlich. Auch die Sparer haben in den vergangenen Jahren reale Einbußen gehabt, weil die Verzinsung für sichere Anlagen noch deutlich unterhalb der geringen Inflationsrate lag. Sparer sparen sich in einer solchen Konstellation somit ärmer.

Als Profiteure gelten dagegen Schuldner: Der Staat, die Unternehmen, aber auch private Bauherren konnten zu niedrigen Zinsen Kredite aufnehmen. Für Geldanleger lohnten sich Sachwerte. Dazu gehören Immobilien und Edelmetalle wie Gold oder Platin. Insbesondere Gold gilt traditionell als sicherer Hafen gegen eine schleichende Geldentwertung. Auch Aktien entwickelten sich historisch in leicht inflationären Zeiten meist positiv, weil Unternehmen gestiegene Kosten auf die Kunden überwälzen können. Das gilt zumindest bei einer moderaten Inflationsrate von etwa 2 bis 5 %. In einer galoppierenden Inflation oder Hyperinflation dagegen leiden die gesamte Wirtschaft und nahezu alle Vermögenswerte.

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