Diversifikation

Eine der ältesten Börsenweisheiten lautet: „Lege nie alle Eier in ein Nest.“ Das bedeutet: Anleger sollten ihr Geld nicht nur in eine einzige Aktie oder Anleihe investieren. Denn wenn es bei diesem einen Wertpapier zu gravierenden Problemen kommt, kann das gesamte Anlagevermögen in kurzer Zeit dahinschmelzen. Das Gegenrezept lautet: Risikostreuung oder Diversifikation. Bei der Diversifikation geht es darum, das Gesamtrisiko eines Portfolios zu minimieren. Dafür teilen Anleger ihr Vermögen in verschiedene Anlageklassen auf. Dazu gehören in erster Linie Aktien, Anleihen und Cash, bei größeren Vermögen auch Immobilien, alternative Anlagen, Derivate, Rohstoffe und Edelmetalle.  

Jede Anlageklasse hat ein spezifisches Chance-Risiko-Profil. Besonders renditeträchtige Anlagen wie Aktien oder gar Hebelzertifikate haben entsprechend hohe Verlustrisiken, bei renditeärmeren Papieren sind die Schwankungen und Verlustrisiken in der Regel geringer. Durch die Diversifikation sollen riskantere Titel durch weniger riskante ausgeglichen werden. Anleger können durch entsprechende Wertpapierauswahl ihr gewünschtes Risikoprofil optimieren. Der Nobelpreisträger Harry Markowitz hat in seiner modernen Portfoliotheorie festgestellt, dass ein Portfolio effizient ist, wenn bei gleichem Risiko keine höhere Rendite beziehungsweise bei gleicher Rendite kein niedrigeres Risiko erzielt werden kann. 

Diversifikation im Aktiendepot

Diversifikation ist nicht nur im Gesamtportfolio wichtig, sondern auch im Aktiensegment. Eine eindeutige Fixierung auf bestimmte Branchen bietet zwar große Renditechancen (so zuletzt im Technologiesektor), kann aber auch zu sehr hohen Verlusten führen. Wer etwa vor zehn bis 15 Jahren einseitig auf deutsche Solarenergiewerte gesetzt hat, musste mitunter einen Totalverlust hinnehmen. Nicht ganz so schlimm ging es deutschen Anlegern nach der Finanzkrise mit Bankaktien, nach Fukushima mit Energieversorgern oder zuletzt mit den vom Dieselskandal gebeutelten Automobilherstellern. Für eine effiziente Risikostreuung im Aktienmarkt sollte die gesamte Anlagesumme so auf die einzelnen Aktienwerte verteilt werden, dass sich die verschiedenen Gefahren der jeweiligen Einzeltitel möglichst ausgleichen. 

Dazu müssen verschiedene Risiken berücksichtigt werden. Das wichtigste ist das sogenannte titelspezifische Risiko. Ein Start-up-Unternehmen mit einem einzigen Produkt in der Entwicklung hat ein größeres Risiko als ein breit diversifizierter DAX-Wert. Zur Bewertung des Titelrisikos sind Kennziffern wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis, das Kurs-Buchwert-Verhältnis oder die Dividendenentwicklung, aber auch die Managementqualität und die Zukunftsaussichten des Unternehmens zu berücksichtigen. Bei Anlagen in fremden Währungen gibt es zudem ein Währungsrisiko. Wenn etwa der Wert des US-Dollars gegenüber dem Euro fällt, gibt auch der Kurs eines amerikanischen Wertes in Euro gerechnet nach. Schließlich gibt es noch das sogenannte Marktrisiko. Wenn etwa wie beim Ausbruch des Corona-Virus nahezu alle Aktienmärkte und alle Einzelwerte einbrechen, kann in einem reinen Aktienportfolio auch die beste Diversifikation den Schaden nur mildern. 

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