Dachfonds – einfach erklärt

Eine Frau blickt über die Dächer einer Großstadt.
© NAYUKIFILMS via AdobeStock

Seit 1999 können Investoren in Deutschland in Dachfonds investieren. Ein Dachfonds gilt als flexible Anlagemöglichkeit für Kleinanleger, die ihr Risiko breiter streuen möchten. Doch wie genau funktioniert ein solcher funds of funds und welche Risiken und Kosten sind damit verbunden? In diesem Artikel haben wir die wichtigsten Informationen für Sie zusammengefasst.

Was sind Dachfonds?

Bei Dachfonds handelt es sich per Definition um aktiv gemanagte Investmentfonds, die nicht in einzelne Wertpapiere, sondern ausschließlich in ausgewählte andere Fonds investieren. Dachfonds bezeichnet man deshalb auch als „Fonds der Fonds“ (engl. funds of funds). Die Fonds, in die ein Dachfonds investiert, werden Zielfonds genannt. Je nach Risikogewichtung sind das Aktienfonds, Anleihefonds, Immobilienfonds oder Rohstofffonds, die ebenfalls aktiv verwaltet werden. Dachfonds können aber auch in passive Exchange Traded Funds (ETFs) investieren, die nicht aktiv von einem Fondsmanager gemanagt werden.

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Wie funktioniert ein Dachfonds?

Im Grunde funktionieren Dachfonds wie klassische Investmentfonds: Sie sammeln Geld von Anlegern ein und geben dafür Fondsanteile aus. Das Fondsmanagement investiert die Anlegergelder dann in bestimmte Anlage- und Wertpapierklassen. Der Unterschied zu anderen Fonds ist, dass ein Dachfonds keine Wertpapiere wie Aktien oder Anleihen kauft, sondern ausschließlich in andere Einzelfonds investiert.

Infografik zur Definition eines Dachfonds
Ein Dachfonds investiert ausschließlich in andere Investmentfonds oder ETFs.

Was sind Dach- und Mischfonds?

Dach- und Mischfonds sind beides aktiv gemanagte Fonds, die mehrere Anlageklassen abdecken. Während Aktienfonds ausschließlich in Aktien und Anleihefonds ausschließlich in Rentenpapiere investieren, legen Mischfonds gleichzeitig in verschiedene Assets an, mischen also beispielsweise Aktien und Anleihen. Anders als Dachfonds kaufen Mischfonds die Wertpapiere direkt und investieren nicht in andere Fonds.

Welche Formen von Dachfonds gibt es?

Bei Dachfonds unterscheidet man nicht unbedingt zwischen verschiedenen Formen, sondern geht eher von der jeweiligen Struktur und Risikogewichtung aus. Ob ein Dachfonds eher konservativ oder spekulativ ausgerichtet ist, hängt von der Aktienquote ab. Das hat folgenden Grund: Aktien gelten – etwa im Vergleich zu Anleihen – als Wertpapierklasse mit hohen Renditechancen, denen allerdings erhebliche Verlustrisiken gegenüberstehen. Die höchstmögliche Aktienquote eines Dachfonds muss deshalb im Verkaufsprospekt angegeben und darf nicht überschritten werden. Darüber hinaus spielt für das Chance-Risiko-Verhältnis von Dachfonds eine Rolle, ob der Fonds in dynamische Märkte wie Schwellenländer oder bestimmte Branchen- und Themenfonds investieren darf.

Was sind ETF-Dachfonds?

Die meisten Dachfonds investieren in andere aktiv verwaltete Fonds. Inzwischen legen aber auch immer mehr Dachfonds in börsengehandelte Indexfonds oder ETFs an, die ohne aktives Management auskommen. Diese Dachfonds sind für Anleger meistens günstiger, da sie von den vergleichsweise niedrigen Kosten von ETFs profitieren. Die meisten ETF-Dachfonds werden allerdings auch aktiv verwaltet. Das heißt, dass der Fondsmanager die Asset-Allocation sowie die Aktienquote innerhalb des im Prospekt gesteckten Rahmens anpassen darf. Dafür zahlen Investorinnen und Investoren neben dem üblichen Ausgabeaufschlag Managementgebühren, die bei einer Direktinvestition in Indexfonds nicht anfallen.

Lohnt sich eine Investition in Dachfonds?

Über einen Dachfonds können Anleger auch mit relativ kleinem Anlagevermögen gleich in mehrere Einzelfonds investieren und somit eine breitere Risikostreuung erzielen. Zum Teil eröffnet sich so auch für private Kleinanleger die Möglichkeit, Anteile von Fonds und Hedgefonds zu erwerben, die aufgrund sehr hoher Mindestanlagen oder sehr hoher Risikoklassen normalerweise institutionellen Investoren und Profis vorbehalten sind.

Doppelte Risikostreuung

Ein weiteres Merkmal von Dachfonds, das als Vorteil betrachtet werden kann, ist die doppelte Risikostreuung. Denn ein Dachfonds verteilt die Anlagegelder auf verschiedene Einzelfonds, die wiederum in mehrere Anlageklassen investieren. Diversifikation schützt jedoch nicht vor Kursschwankungen, die Anleger ebenso aushalten müssen wie mögliche Kursverluste bis hin zum Totalverlust ihres angelegten Kapitals.

Gesetzliche Auflagen

Aus Gründen des Anlegerschutzes gelten für alle in Deutschland zugelassenen Dachfonds klare gesetzliche Regeln:

  • Dachfonds dürfen nicht in Einzeltitel investieren.
  • Ein Dachfonds darf nicht mehr als 20 % seines Volumens in einen einzelnen Zielfonds investieren.
  • Ein Dachfonds darf nicht mehr als 10 % der Anteile eines Zielfonds halten.
  • Dachfonds dürfen nicht in andere Dachfonds investieren.

Potenzielle Abhängigkeit des Fondsmanagements

Bei manchen Dachfonds hat das Management die Vorgabe, auch in konzerneigene Zielfonds anzulegen. Das bedeutet: Ein Teil der Anlagegelder muss in Fonds aus dem Haus investiert werden, das auch den Dachfonds aufgelegt hat. Diese mangelnde Unabhängigkeit kann dazu führen, dass nicht alle Anlageentscheidungen auf dem Best-Select-Prinzip basieren, sondern teilweise zu Ungunsten des Dachfonds und somit der Investoren getroffen werden.

Welche Kosten und Gebühren fallen bei Dachfonds an?

Der wohl größte Nachteil eines Dachfonds ist, dass die Investition häufig mit doppelten Gebühren verbunden ist. Grund dafür ist die zusätzliche Managementebene. Denn neben dem Dachfonds selbst werden auch die jeweiligen Zielfonds aktiv verwaltet – und diese lassen sich das Management ebenfalls bezahlen. Außer den Managementgebühren fallen in der Regel noch ein Ausgabeaufschlag und weitere laufende Kosten wie z. B. Depotbankgebühren an. Die spezielle Kostenstruktur von Dachfonds ist der Grund dafür, dass diese Anlageform allgemein als teuer gilt.

Vor- und Nachteile von Dachfonds

Vorteile von DachfondsNachteile von Dachfonds
Doppelte RisikostreuungDoppelte Gebühren
Vergleichsweise geringe MindestanlageMögliche Abhängigkeit des Fondsmanagements
Zugang zu SpezialfondsPotenzielle Kursschwankungen bis zum Totalverlust

Fazit: Dachfonds bieten eine breitere Risikostreuung zu hohen Gebühren

Als „Fonds der Fonds“ bieten Dachfonds Anlegern die Möglichkeit, entsprechend ihrer Risikoneigung gleichzeitig in mehrere Einzelfonds zu investieren und ihre Geldanlage so breiter zu diversifizieren. Die doppelte Risikostreuung geht jedoch auch mit doppelten Gebühren einher, die eine mögliche Rendite deutlich mindern können. Zudem gehen Anleger trotz der breiteren Diversifikation auch bei Dachfonds ein erhebliches Risiko von Kursverlusten bis hin zum Totalverlust des angelegten Geldes ein.

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