Überblick: Wie funktioniert die Börse?

Ein Geschäftsmann schaut beim Gehen auf sein Smartphone.
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New York, Shanghai, London, Frankfurt. Sie zählen zu den bekanntesten Börsenplätzen der Welt. Dort werden regelmäßig Wertpapiere, Waren, Devisen oder Rohstoffe gehandelt. Das Grundprinzip, das hinter einer Börse steht, ist kaufen und verkaufen. Aber wie genau funktioniert eigentlich die Börse und welche Grundregeln sollten Anleger beachten, um mögliche Gewinne zu erzielen?

Kurz erklärt: Was ist die Börse?

Die Börse (Englisch: Stock Exchange) ist per Definition ein regulierter Marktplatz, der Käufer und Verkäufer zusammenbringt, um unterschiedliche Wertpapiere, Vermögenswerte oder Waren zu handeln. Dabei wird zwischen unterschiedlichen Börsenarten unterschieden. An der Wertpapierbörse findet unter anderem der Handel mit Aktien, Anleihen oder Fonds statt. Zu den weiteren Arten zählen die Devisenbörse, an der Fremdwährungen gehandelt werden, Warenbörsen für Waren, Produkte und Rohstoffe sowie Terminbörsen, an denen Warentermingeschäfte abgewickelt und Derivate gehandelt werden. Eines haben die unterschiedlichen Börsenarten gemeinsam: Die gehandelten Waren und Werte sind dort nicht physisch vorhanden, sondern werden in verbriefter Form über Mittelsmänner, sogenannte Broker, ausgetauscht. Den Preis oder auch den Börsenkurs bestimmen dabei Angebot und Nachfrage.

Börsenplätze in Deutschland

In Deutschland gibt es insgesamt acht Börsenplätze, an denen der Parkett- oder auch Präsenzhandel mit Aktien stattfindet. Hierzu zählen die:

  • Frankfurter Wertpapierbörse (Xetra als elektronisches Handelssystem)
  • Börse Berlin 
  • Börse Düsseldorf (Quotrix als elektronisches Handelssystem)
  • Börse Hamburg
  • Börse Hannover
  • Börse München (Gettex als elektronisches Handelssystem)
  • Börse Stuttgart (Euwax als elektronisches Handelssystem)

Gut zu wissen: Die weltweit größte Wertpapierbörse, die New York Stock Exchange, befindet sich in der Wall Street im New Yorker Stadtbezirk Manhattan.

Handelszeiten an der Börse

Die weltweiten Börsen öffnen zu unterschiedlichen Zeiten. Man spricht von den sogenannten Handelszeiten.

BörseHandelszeiten (MEZ)
New York Stock Exchange15:30-22:00 Uhr
London Stock Exchange09:00-17:30 Uhr
Tokyo Stock Exchange01:00-3:30 Uhr, 04:30-07:00 Uhr
Shanghai Stock Exchange02:30-04:30 Uhr, 06:00-08:00 Uhr
Hong Kong Stock Exchange02:30Uhr-05:00, 06:00-09:00 Uhr
Frankfurter Börse08:00-22:00 Uhr

Die Geschichte der Börse

Die Entstehung der Börse geht bis in das Mittelalter zurück. Damals trafen sich Kaufleute auf öffentlichen Marktplätzen, um Waren oder Schuldscheine zu tauschen. Mit der Zeit stieg die Zahl der teilnehmenden Händler sowie das Volumen der gehandelten Waren und Wechsel. Dieser Anstieg machte es notwendig, feste Regeln für den Handel aufzustellen. Gleichzeitig wurde mit einem Handelsgebäude auch ein fester Ort geschaffen, um Tauschgeschäfte abzuschließen.

Gut zu wissen: Der Begriff Börse stammt vermutlich von der in Brügge ansässigen Kaufmannsfamilie Van ter Beurze ab, deren Wappen drei Geldbeutel, niederländisch beurs, zierten.

Börsenhandel heute

Die Parkett- oder Präsenzbörse ist weitgehend vom computergestützten Börsenhandel verdrängt worden. Während Händler an der New York Stock Exchange Käufe und Verkäufe persönlich durch Zuruf abwickeln, findet der überwiegende Teil des Börsenhandels mittlerweile online statt. Dabei werden sämtliche Kauf- und Verkaufsaufträge in ein Computersystem eingegeben, das den Handel schnell und automatisch ohne Zwischenhändler abwickelt und die Aktienkurse berechnet.

Welche Aufgabe erfüllt die Börse?

Betrachtet man die Wertpapierbörse, besteht ihre zentrale Aufgabe darin, eine Handelsplattform in einem kontrollierten Umfeld zur Verfügung zu stellen, um Käufer und Verkäufer von Waren oder Wertpapieren zusammenzubringen. Die Börse ist für die Zulassung von Unternehmen zum Börsenhandel (Neuemissionen) zuständig. Unternehmen, die zusätzliches Kapital benötigen, können sich durch den Gang an die Börse Liquidität für Investitionen verschaffen.

Regulierter Handel

Anleger, die Geld in Unternehmen investieren möchten, können sich darauf verlassen, dass der Handel an der Börse zu festgelegten Handelszeiten nach bestimmten Regeln abläuft. Es gelten für alle Marktteilnehmer die gleichen Bedingungen. Die Kurse an der Börse sind zudem für jedermann transparent. Außerdem ist die Börse für die Berechnung der Aktienindizes verantwortlich.

Was ist ein Aktienindex?

Der Aktienindex fasst Aktien ausgewählter Unternehmen nach Branchen, Märkten, Ländern oder einer bestimmten Investmentstrategie zusammen und bildet deren Kurs- oder Wertentwicklung ab. Zu den bekanntesten Börsen-Indizes zählen der Deutsche Aktienindex (DAX), der US-amerikanische Dow Jones, der westeuropäische Euro STOXX oder der japanische Nikkei-Index. Sie dienen Anlegern und Fondsmanagern dazu, Werte miteinander zu vergleichen.

Gut zu wissen: Punkte oder Zähler bilden den Wert eines Index im Vergleich zu seinem Ausgangswert ab. Beim Dax wurde beispielsweise der Ausgangswert bei 1.000 Punkten angesetzt. Liegt der Dax bei Börsenschluss bei 950 Punkten, hat sich sein Wert verringert. Liegt er über 1.000 Punkten, ist der Wert der darin enthaltenen Unternehmen gestiegen. Die Veränderung bezieht sich auf den Stand des Vortages und wird in Prozent angegeben.

So funktioniert die Börse – einfach erklärt

Die Funktionsweise der Börse folgt einem einfachen Prinzip: Angebot und Nachfrage. Verkäufer treffen hier auf Käufer. Dabei ist der Preis umso höher, je mehr Nachfrage besteht. Entsprechend ändern sich die Preise bzw. die Kurse ständig. Diese Kursschwankungen werden genutzt, um an der Börse Gewinne zu erzielen.

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Kein Handel ohne Depot und Broker

Privatpersonen, die mit Wertpapieren an der Börse handeln möchten, benötigen zwingend ein Wertpapierdepot bei einer Bank. Darin werden die Wertpapiere verwahrt und verwaltet. Mittlerweile sind Depots online einsehbar. Anleger erhalten dadurch einen Überblick über ihre Wertpapierbestände. Zudem werden Käufe und Verkäufe über das Depot getätigt. Allerdings findet der Handel an der Börse nicht direkt zwischen Anlegern und Unternehmen statt. Käufe und Verkäufe werden vielmehr von den sogenannten Brokern an einen Handelsplatz weitergeleitet und dort vom Handelssystem vermittelt. Makler erhalten dafür bei jeder Transaktion eine Vermittlungsgebühr, die Courtage, deren Höhe je nach angebotener Leistung unterschiedlich ausfallen kann.

Gewinne und Verluste

Wer am Börsenhandel teilnimmt, muss sich darüber im Klaren sein, das Börsengeschäfte zu finanziellen Verlusten führen können. Neben Angebot und Nachfrage haben weitere Faktoren Einfluss auf den Aktienkurs. Hierzu zählen beispielsweise die Zinsentwicklung, kursrelevante Nachrichten aus dem Unternehmen, die Inflation oder die Konjunktur. Im schlimmsten Fall müssen Anleger mit dem kompletten Verlust ihres eingesetzten Kapitals rechnen.

Gut zu wissen: Investmentfonds enthalten viele verschiedene Wertpapiere. Dazu können neben Aktien auch Staatsanleihen, also öffentliche Anleihen, bei denen ein Staat als Schuldner fungiert, sowie weitere Finanzinstrumente zählen. Mithilfe dieser Mischung soll das Verlustrisiko für den Anleger gemindert werden.

Wie läuft ein Börsengang ab?

Als Börsengang oder Börseneinführung wird die Aufnahme von Aktien eines Unternehmens in den Handel einer Börse bezeichnet. Für den Börsengang, Englisch initial public offering (IPO), müssen Unternehmen ihre Börsenreife nachweisen und bestimmte rechtliche Voraussetzungen erfüllen. Dabei handelt es sich um gesetzliche und satzungsrechtliche Zulassungsvoraussetzungen und Folgepflichten. Unternehmen, die diese rechtlichen Kriterien nicht vollständig erfüllen, bleibt der Weg an die Börse verwehrt.

Wie entsteht der Kurs einer Aktie?

Der Preis, mit dem eine Aktie an der Börse gehandelt wird, wird als Aktienkurs bezeichnet. Dieser Kurs ergibt sich aus dem Angebot und der Nachfrage einer Aktie. Dieser Kurs befindet sich immer zwischen dem Preis, den Käufer maximal bereit sind, für die Aktie zu bezahlen und dem Preis, zu dem der Verkäufer minimal bereit ist, seine Aktie zu verkaufen. Die Ermittlung des Aktienkurses wird vom Skontroführer, früher Börsenmakler, vorgenommen.

Was beeinflusst den Kurs einer Aktie?

Neben Angebot und Nachfrage haben auch unternehmensbezogenen Faktoren wie die finanzielle Lage oder zukünftige Ertrags- und Gewinnaussichten Einfluss auf den Wert einer Aktie. Hinzu kommen finanz- und wirtschaftspolitische Einflüsse.

Übersicht zu verschiedenen Faktoren, die den Aktienkurs beeinflussen können.
Welche Faktoren haben neben Angebot und Nachfrage Einfluss auf den Aktienkurs?

Kursschwankungen

Ein Beispiel: Ein Unternehmen stellt emissionsarme Fahrzeuge her und liegt damit im Trend. Zusätzlich wird der Bau dieser Fahrzeuge subventioniert. Die Produktion wird erhöht, das Fahrzeug zu attraktiven Preisen angeboten. Die Aussicht auf hohe Gewinne überzeugt zahlreiche Anleger vom Kauf der Aktie. Damit verringert sich das Angebot und der Preis steigt. Entscheidet sich die Bundesregierung plötzlich, die Subventionen zu streichen, verteuert sich die Produktion, Absatz und Gewinn verringern sich. Diese Entwicklung hat Auswirkungen auf die Nachfrage der Aktie: Viele Aktionäre trennen sich von ihren Aktien, neue Kaufinteressenten sind nicht in Sicht. In der Folge fällt der Aktienkurs.

Gut zu wissen: Die Frankfurter Börse veranstaltet seit mehreren Jahren den „Tag der Aktie“, um die Aufmerksamkeit für die Aktie als alternative Anlageform zu erhöhen.

Wie verdienen Börsen ihr Geld?

Börsen erhalten für jede durchgeführte Transaktion eine Gebühr, die sogenannte Börsenkommission. Darüber hinaus bieten sie zahlreiche Dienstleistungen im Zusammenhang mit dem Börsenhandel an. Diese Leistungen lassen sie sich entsprechend von Anlegern und Unternehmen, die ihr Unternehmen an die Börse bringen wollen, bezahlen.

Die Gruppe Deutsche Börse beispielsweise deckt mit ihren Produkten, Dienstleistungen und Technologien die gesamte Wertschöpfungskette im Finanzgeschäft ab. Zudem treten viele Börsen selbst als börsennotierte Aktiengesellschaften auf und finanzieren sich mit dem Kapital ihrer Aktionäre.

Gut zu wissen: Der Börsenhandel hat großen Einfluss auf den Kapitalmarkt und Arbeitsplätze. Entsprechend streng werden die Börsen überwacht, um Manipulationen zu verhindern. In Deutschland wird die Börse von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) überwacht. Zudem sammelt die Handelsüberwachungsstelle (HÜSt) alle Daten über den Börsenhandel und wertet diese aus.

Börse für Anfänger: Wie mischt man an der Börse mit?

Für den Einstieg an der Börse, benötigen Privatanleger zunächst einen Broker, der in ihrem Auftrag am Börsenhandel teilnimmt. Mittlerweile haben Anleger die Wahl zwischen der klassischen Hausbank und einem Online-Broker. Anschließend wird ein Depot eröffnet, über das die Käufe und Verkäufe abgewickelt werden. Zusätzlich zu dem Depot wird ein Verrechnungskonto eröffnet, auf das sich das Geld für die Transaktionen an der Börse befindet.

Fundierte Anlageentscheidungen treffen

Die Börse verpflichtet Unternehmen dazu, Anlegern Informationen zur Verfügung zu stellen, die Einfluss auf eine mögliche Wertentwicklung haben. Entsprechend sollten sich Anleger ausführlich informieren, bevor sie in eine Aktie investieren.

Risiko minimieren

Trotz ausführlicher Recherchen muss die eigene Anlagestrategie nicht zwingend aufgehen. Es kann daher ratsam sein, nicht sämtliches Kapital in eine Aktie zu investieren, sondern das Kapital zu streuen. So kann beispielsweise eine Investition in einen Investmentfonds sinnvoll sein. Der Handel mit Aktien (und anderen Wertpapieren) kann stets zu Verlusten führen. Entsprechend wird empfohlen, nur mit dem Geld an der Börse zu spekulieren, dass Anleger tatsächlich und auch langfristig entbehren können.

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