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Was sind Derivate? – Morgendlicher Blick aus einem Zelt in den Bergen.
Was sind Derivate? – Morgendlicher Blick aus einem Zelt in den Bergen.
© Georg via Adobe Stock

Was sind Derivate einfach erklärt? Infos & Tipps für Anlegende

  • Derivate sind Finanzprodukte, die sich von einem sogenannten Basiswert ableiten.
  • Basiswerte können z. B. Aktien, Anleihen, Indizes, Rohstoffe oder Kryptowährungen sein.
  • Viele Derivate sind mit einem Hebel ausgestattet.
  • Derivate bieten sowohl Chancen als auch Risiken, die Anlegende kennen sollten.

Definition: Was sind Finanzderivate?

Derivate sind Finanzprodukte, die sich von sogenannten Basiswerten ableiten (lat. derivare). Basiswerte können z. B. Aktien, Anleihen, Indizes wie der Dax oder Dow Jones oder Rohstoffe sein. Ein Derivat hat keinen eigenen Wert: Wie viel ein Derivat kostet und wie sich sein Wert entwickelt, hängt im Wesentlichen davon ab, ob der Preis des zugrunde liegenden Basiswerts steigt oder fällt. Mit Derivaten investierst du also indirekt in unterschiedliche Basiswerte.

Die wichtigsten Basiswerte von Derivaten sind:

  • Aktien
  • Anleihen/Zinsen
  • Indizes
  • Devisen/Währungen
  • Kryptowährungen (z. B. Bitcoin, Ethereum)
  • Rohstoffe (z. B. Öl, Weizen, Mais, Kakao)
  • Edelmetalle (z. B. Gold)

Informative Expertengespräche rund um Derivate findest du in unserem Derivate Round Table auf dem comdirect YouTube-Kanal.

Wie funktioniert ein Derivat bei Aktien?

Derivate beziehen sich stets auf einen Basiswert. Das bedeutet: Wie viel ein Derivat kostet, hängt im Wesentlichen davon ab, wie sich der Preis des Basiswerts entwickelt. Dabei gibt es sowohl Derivate mit Hebelwirkung als auch ohne.

Das comdirect Depot

Mit dem comdirect Depot investierst du einfach, flexibel und zu attraktiven Konditionen.

Nehmen wir an, du erwirbst ein Derivat auf eine Aktie ohne Hebelwirkung. Dieses Derivat bildet die Wertentwicklung des Basiswerts annähernd im Verhältnis 1:1 ab. Wenn sich die Aktie um 10 % verteuert, steigt auch der Wert des Derivats um 10 %. Fällt der Basiswert um 10 %, fällt auch das Derivat um 10 %.

Wie funktioniert ein Derivat mit Hebelwirkung?

Ein Derivat mit Hebelwirkung bildet die Wertentwicklung des Basiswertes überproportional ab. Wie genau, hängt von der Höhe des Hebels ab. So kannst du mit geringem Kapitaleinsatz noch deutlich größere Handelspositionen eingehen.

Nehmen wir an, du erwirbst ein Derivat mit einem Hebel von 1:10. Dann bildet das Derivat die Kursveränderungen des Basiswerts um den Faktor 10 ab. Mit einem Kapitaleinsatz von 10 Euro kannst du eine Handelsposition im Basiswert über 100 Euro eingehen. Dies wirkt sich auf die prozentuale Veränderung des Derivatpreises aus. Legt der Basiswert um 10 % zu, steigt der Wert des Derivats um das Zehnfache – also 100 %. Der Hebel wirkt jedoch auch in die entgegengesetzte Richtung: Fällt der Kurs des Basiswertes um 10 %, verringert sich der Wert des Derivats um 100 %. Hierbei handelt es sich allerdings um ein vereinfachtes Beispiel, das lediglich die Funktionsweise eines Hebels veranschaulichen soll. In der Praxis kommt es auf die Struktur des jeweiligen Derivats an. Bei Optionsstrukturen zum Beispiel ist es meist so, dass ein Derivat die Wertentwicklung des Basiswerts nicht 1:1 abbildet und der Preis des Derivats nicht exakt um den angegebenen Hebel steigt oder sinkt.

Grafik zur Funktionsweise von Derivaten mit und ohne Hebelwirkung
Es gibt Derivate mit und ohne Hebelwirkung.
Icon Ausrufezeichen

Derivate mit Hebelwirkung bieten einerseits überproportionale Renditechancen, gehen aber auch mit überproportionalen Verlustrisiken einher, da das Derivat auch Kursverluste des Basiswerts um den jeweiligen Faktor vergrößert abbildet.

Für wen sind Derivate geeignet?

Derivate eignen sich in erster Linie für erfahrene und informierte Anlegende. Wenn du mit Derivaten handeln möchtest, solltest du dich vorher eingehend mit den Risiken und der Funktionsweise von Derivaten vertraut machen und ein fundiertes Verständnis für die zugrunde liegenden Basiswerte erlangen.

Derivate werden im Wesentlichen zu 2 Zwecken gehandelt:

  1. Spekulation: Im Grunde genommen ist ein Derivat, wie der Basiswert selbst auch, eine Wette, bei der du darauf spekulierst, dass ein Basiswert entweder im Wert steigt oder sinkt. Mit dem Derivat kaufst du in der Regel noch Zusatzfunktionen wie z. B. einen Hebel oder eine Verzinsung (Aktienanleihen) dazu. Diese Wette kannst du gewinnen oder verlieren.
  2. Absicherung: Gerade professionelle und institutionelle Anlegende nutzen Derivate, um Positionen vor Kursverlusten zu schützen. Dazu gehen sie in der Regel mit gehebelten Derivaten ein gegenläufiges Geschäft mit weniger Kapitaleinsatz, aber ähnlichen Wertveränderungen zur ursprünglichen Investition ein. Beispiel: Du erwirbst eine Aktie, um Kursgewinne zu erzielen, und kaufst gleichzeitig ein Derivat, das von fallenden Kursen derselben Aktie profitieren würde. Du schaffst damit sozusagen ein Gegengewicht.

Welche Arten von Derivaten gibt es?

Der Begriff „Derivate“ fasst eine ganze Gruppe von Finanzinstrumenten zusammen. Die wichtigsten Arten von Derivaten stellen wir dir hier kurz vor:

  • Zertifikate
  • Optionen
  • Optionsscheine
  • Swaps
  • Futures
  • CFDs

Zertifikate

Zertifikate zählen zu den Derivaten, da ihr Preis von der Wertentwicklung eines anderen Basiswerts abhängig ist. Mit einem Zertifikat kannst du z. B. auf die Wertentwicklung von Aktien, ganzer Indizes oder des Goldpreises spekulieren.

Zertifikate werden von Banken (Emittent) begeben und sind rechtlich gesehen Schuldverschreibungen, also Wertpapiere. Mit dem Handel von Zertifikaten gehst du daher ein Emittentenrisiko ein, denn der Emittent eines Zertifikats kann insolvent gehen, wie es 2008 bei der ehemaligen US-Investmentbank Lehman Brothers passierte.

Es gibt viele verschiedene Arten von Zertifikaten, z. B.:

Bei comdirect kannst du auch sparplanfähige Zertifikate wählen und in deinen Wertpapier-Sparplan integrieren. Mit unserem Zertifikate-Finder kannst du gezielt nach Zertifikaten suchen.

Optionen

Mit dem Kauf einer Option sicherst du dir das Recht, einen bestimmten Basiswert – z. B. eine Aktie oder einen Rohstoff – zu einem bestimmten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Der Kauf oder Verkauf erfolgt innerhalb eines bestimmten Zeitraums oder zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft. Deshalb zählen Optionen zu den sogenannten Termingeschäften und sind keine Wertpapiere. Als Käuferin oder Käufer einer Option bist du nicht verpflichtet, die Option auszuüben. Anders sieht es auch, wenn du als Verkäuferin oder Verkäufer einer Option ein sogenanntes „Stillhaltergeschäft“ eingehst. In diesem Fall verpflichtest du dich, den Basiswert zu kaufen bzw. zu liefern.

Je nachdem, ob eine Option ein Kauf- oder ein Verkaufsrecht verbrieft, unterscheidet man zwischen Put-Optionen (Verkauf) und Call-Optionen (Kauf). Optionen werden häufig genutzt, um eine Position gegen Wertverluste abzusichern. Im Börsenjargon spricht man vom sogenannten „Hedging“. Optionen werden als sogenannte „Kontrakte“ an speziellen Derivatbörsen gehandelt.

Optionsscheine

Optionsscheine verbriefen das Recht, einen bestimmten Basiswert nach einem bestimmten Bezugsverhältnis innerhalb oder nach Ende der Laufzeit zu einem bestimmten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Es gibt sowohl Put-Optionsscheine als auch Call-Optionsscheine. Einfach gesagt, spekulierst du auch mit Optionsscheinen auf steigende oder sinkende Kurse von Basiswerten wie z. B. Aktien oder Rohstoffe. Optionsscheine sind normalerweise mit einem Hebel ausgestattet.

Im Gegensatz zu Optionen werden Optionsscheine von einem Emittenten wie z. B. einer Bank herausgegeben und sind Wertpapiere. Wie bei Zertifikaten gehst du mit dem Handel von Optionsscheinen also ein Emittentenrisiko ein. Verkaufs- bzw. „Stillhalterpositionen“, die zum Kauf oder zur Lieferung des Basiswertes verpflichten können, sind bei Optionsscheinen für dich als Anlegerin oder Anleger nicht möglich.

Mit dem Optionsschein Finder von comdirect suchst du gezielt und effizient nach Optionsscheinen, die zu deinem Depot, deinem Anlagehorizont und deiner Risikobereitschaft passen.

Swaps

Swaps sind Tauschgeschäfte, bei denen 2 Parteien künftige Zahlungsströme (Cashflows) tauschen. Es gibt verschiedenen Arten von Swaps, z. B. Zinsswaps oder Währungsswaps. Mit einem Swap versuchen die Vertragsparteien, sich z. B. gegen das Risiko von Zins- oder Wechselkursänderungen abzusichern.

Futures

Futures funktionieren im Grunde wie Optionen: 2 Parteien kommen überein, einen beliebigen Basiswert zu einem bestimmten Zeitpunkt und Preis zu kaufen bzw. zu verkaufen. Auch bei Futures handelt es sich also um derivative Termingeschäfte, also keine Wertpapiere. Anders als bei einer Option sind beide Kontrahenten zum Geschäftsabschluss verpflichtet. Futures zählen zu den Hebelprodukten. Anders als bei den meisten anderen Derivaten kann bei Futures eine sogenannte Nachschusspflicht entstehen. Das bedeutet, dass du weiteres Kapital „nachschießen“ musst, um Verluste zu decken, die über das eingesetzte Kapital hinausgehen. Das heißt: Mit Futures kannst du theoretisch unbegrenzt mehr Geld verlieren als du eingesetzt hast.

Um Kleinanlegende vor unbegrenzten Verlusten beim Future-Handel zu schützen, hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) den Handel mit Futures für Kleinanlegende beschränkt. Als Kleinanlegerin oder Kleinanleger darfst du Futures nur noch handeln, wenn du damit realwirtschaftliche Preisrisiken absicherst oder wenn das Wertpapierhandelsunternehmen eine Nachschusspflicht explizit ausschließt.

CFDs

CFDs oder Differenzkontrakte bilden ebenfalls ähnlich wie Futures die Wertentwicklung eines Basiswerts ab. Du handelst sie in der Regel direkt mit einer Bank. CFDs sind ebenfalls keine Wertpapiere. Mit CFDs kannst du schon mit geringem Kapitaleinsatz große Handelspositionen eröffnen. CFDs sind in der Regel mit einem Hebel handelbar. Den erhöhten Renditechancen von CFDs stehen erhebliche Verlustrisiken bis hin zum Totalverlust deines eingesetzten Kapitals gegenüber. Außerhalb Europas werden CFDs teilweise sogar mit Nachschusspflichten gehandelt.

Der CFD-Trader von comdirect unterstützt dich mit vielen hilfreichen Details beim CFD-Trading. Passe die Handelsplattform an deine persönlichen Tradingbedürfnisse an, um CFDs optimal online handeln zu können.

Wie handelt man Derivate?

Derivate kannst du sowohl börslich als auch außerbörslich im OTC-Handel (Over-the-Counter) handeln. Für manche Arten von Derivaten gibt es auch spezielle Börsen, z. B. die Eurex für Futures und Optionen.

Um mit derivativen Wertpapieren zu handeln, benötigst du ein Wertpapierdepot. Eine weitere Voraussetzung für den Handel von Derivaten mit Hebel sind entsprechende Kenntnisse und Erfahrungen in den betreffenden Produkten, die entweder schon bei der Abfrage im Rahmen der Depoteröffnung, später im persönlichen Bereich unter „Verwaltung“ / „Wertpapierkenntnisse“ oder, sofern nicht schon vorhanden, spätestens direkt vor dem Handel angegeben und bestätigt werden müssen.

Was sind die Vor- und Nachteile von Derivaten?

Pro Derivate

  • Indirektes Investment:
    Mit Derivaten kannst du auf die Wertentwicklung von Basiswerten wie Aktien, Anleihen oder Rohstoffe spekulieren, ohne den Basiswert selbst kaufen zu müssen.
  • Renditechancen:
    Insbesondere mit Hebel bieten Derivate überproportionale Renditechancen, da du schon mit geringem Kapitaleinsatz große Handelspositionen eröffnen kannst.
  • Hedging:
    Mit Derivaten kannst du Positionen – z. B. eine Direktinvestition in eine Aktie – gegen fallende Kurse absichern. Der Fachbegriff dafür lautet „Hedging“.
  • Flexible Anlagestrategie:
    Mit Derivaten kannst du sowohl auf steigende als auch fallende Kurse spekulieren und so flexible Anlagestrategien umsetzen, z. B. eine Long-Short-Strategie.

Contra Derivate

  • Komplexität:
    Derivate sind hochkomplexe Finanzinstrumente und eignen sich daher nur für erfahrene und informierte Anlegende, die wissen, wie Derivate funktionieren und welche Risiken damit einhergehen.
  • Verlustrisiken:
    Derivate gelten oft als hochspekulative Finanzprodukte und gehen mit einem hohen Verlustrisiko bis hin zum Totalverlust deines eingesetzten Kapitals einher. Gerade bei Hebelprodukten wie z. B. CFDs gehst du ein überproportionales Verlustrisiko ein.
  • Emittentenrisiko:
    Bei Derivaten wie Zertifikaten und Optionsscheinen, die von Kreditinstituten ausgegeben werden, trägst du neben dem Kursänderungsrisiko noch ein Emittentenrisiko, das dann eintritt, wenn das herausgebende Institut insolvent geht.

Fazit: Derivate – oft hochspekulative Finanzinstrumente für erfahrene Anlegende

Derivate leiten sich stets von einem Basiswert ab. Mit Derivaten kannst du also z. B. in Wertpapiere, Rohstoffe oder Kryptowährungen investieren, ohne diese selbst kaufen zu müssen. Im Grunde wettest du mit einem Derivat mit „Zusatzfunktion“ darauf, dass der Preis des Basiswerts in Zukunft steigen oder sinken wird.

Derivate sind häufig mit einem Hebel ausgestattet. Das bedeutet, dass du überproportional an der Kursentwicklung des Basiswerts partizipierst. Daraus ergeben sich höhere Renditechancen, aber auch erhebliche Verlustrisiken bis hin zum Totalverlust deines Kapitaleinsatzes. In wenigen Fällen – z. B. im Future-Handel – können durch eine sogenannte Nachschusspflicht sogar unbegrenzte Verluste entstehen. Derivate eignen sich daher vor allem für erfahrene und informierte Anlegende, die sich eingehend mit den Risiken und der Funktionsweise der verschiedenen Arten von Derivaten beschäftigt haben.

Auswirkung von Inflation: Grundsätzlich beeinflusst die Entwicklung der Inflationsrate deinen Anlageerfolg. Ein daraus resultierender Kaufkraftverlust betrifft sowohl die erzielten Erträge als auch dein investiertes Kapital.

Die steuerliche Behandlung hängt von den persönlichen Verhältnissen der jeweiligen Kundin oder des jeweiligen Kunden ab. Die Rechtsgrundlagen für die Besteuerung von Kapitaleinkünften können sich ändern. Die Commerzbank AG übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen auf dem Gebiet des Steuerrechtes. Die zur Verfügung gestellten Informationen ersetzen keine persönliche Steuer‐ oder Rechtsberatung.

Wenn du noch Fragen zu den Themen Anlegen und Investieren hast, kannst du gerne unsere Kundenbetreuer kontaktieren – per Telefon unter 04106 – 708 25 00 oder über unser Kontaktformular. Unsere Kundenbetreuer sind rund um die Uhr für dich erreichbar – 7 Tage die Woche, 24 Stunden am Tag.

Autor
comdirect Redaktion
Finanzen selbstbestimmt – Finanzthemen müssen nicht kompliziert sein. Unsere Expertinnen und Experten fassen hier alles Wissenswerte rund um das Thema Anlegen & Investieren zusammen, damit du eigenständig Finanzentscheidungen treffen kannst.
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