Branchen-ETFs Was sind Branchen-ETFs und wie können Anleger diese nutzen?

Windkraftanlage im Sonnenuntergang
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Die globale Wirtschaft entwickelt sich immer schneller und diverser. Von dieser Entwicklung profitieren auch sogenannte Branchen-ETFs. Mit nur einem Branchen-ETF-Kauf können Anleger die Wertentwicklung einer ganzen Branche in ihr Portfolio aufnehmen und so für zusätzliche Vielfalt und Diversität sorgen. Allerdings sind auch Branchen-ETFs nicht ohne Risiko, da starke Schwankungen im Konjunkturzyklus oder unvorhergesehene Wirtschaftscrashs sich auch gezielt auf einzelne Branchen auswirken können.

Was sind Branchen-ETFs und wie funktionieren sie?

So vielfältig die globale Wirtschaft auch ist – letztlich lässt sie sich in verschiedene Branchen (auch Sektoren genannt) einteilen. Egal ob Automobil- oder Gesundheitsbranche, Unternehmen derselben Wirtschaftsbranche unterliegen in der Regel den gleichen Schwankungen z. B. durch Gesetzesänderungen, politische Entwicklungen oder steigende Rohstoffpreise. Branchen-ETFs knüpfen genau daran an.

Wie bei herkömmlichen ETFs handelt es sich bei Branchen-ETFs um börsengehandelte Investmentfonds – mit dem Unterschied, dass ein Branchen-ETF nur die Entwicklung von Wertpapieren innerhalb einer bestimmten Branche erfasst. Der zugrundeliegende Index der Branchen-ETFs spiegelt so die Wertentwicklung einer Branche ab.

Klassifizierung von Branchen-ETFs

Gehandelt werden Branchen-ETFs nach 2 verschiedenen Methoden:

  • „Industry Classification Benchmark“ (ICB): Als Basis bietet dieses Klassifikationsschema 75.000 Wertpapiere, welche in 10 Industrien, 19 Supersektoren, 41 Sektoren und 114 Teilsektoren unterteilt sind.
  • „Global Industry Classification Scheme“ (GICS): Als Basis bietet dieses Klassifikationsschema 51.000 Wertpapiere, welche in 11 Sektoren, 24 Industriegruppen, 68 Industrien und 157 Teilindustrien unterteilt werden.
Klassifizierungsmethoden von Branchen-ETFs; Quelle: https://www.justetf.com/de/news/etf/was-sie-ueber-branchen-etfs-und-deren-klassifizierung-wissen-sollten.html/ MSCI; ICB Benchmark; Stand: 03/2018

In der Praxis besteht zwischen beiden Klassifikationsmethoden nahezu kein Unterschied. MSCI Indizes basieren beispielsweise auf der GICS-Klassifizierung, STOXX-Indizes auf der ICB-Klassifizierung. Fast alle Branchen-ETFs sind außerdem weltweit oder für bestimmte Regionen verfügbar. Anleger können die gewünschten Branchen so noch flexibler eingrenzen.

Zudem sind eine Vielzahl der Branchen-ETFs UCITS-zertifiziert. Entsprechend einerEU-Richtlinie, die dem Anlegerschutz dienen soll, werden bei UCITS-zertifizierten Fonds eine Reihe von Pflichtinformationen veröffentlicht, wie beispielsweise ausführliche Verkaufsprospekte, aber auch halbjährliche Berichte.

Derzeit bietet allein der größte ETF-Anbieter Ishares rund 50 verschiedene Branchen-ETFs an, darunter Branchen-ETFs aus dem Bereich Pharma, Rohstoffe, Lebensmittel, Energie, Konsumgüter und Technologien.

Welche Branchen-ETFs gibt es und welche sind sinnvoll?

Grundsätzlich lässt sich die globale Wirtschaft in folgende große Branchen unterteilen:

  • Bauwesen
  • Finanzdienstleistungen
  • Gesundheitswesen
  • Grundstoffe
  • Haushaltsartikel
  • Industriegüter
  • Medien
  • Telekommunikation
  • Versorger
  • Verbrauchsgüter

Die verschiedenen Branchen sind dabei nur grob zusammengefasst und unterscheiden sich auch je nach Klassifizierungsschema des Branchen-ETF. So laufen Branchen-ETFs im Bereich Immobilien in der ICB-Klassifizierung unter der Überkategorie Finanzdienstleistungen, während die GICS-Klassifizierung Immobilien als eigene Branche definiert.

Abhängig vom jeweiligen Konjunkturzyklus verzeichnet jede Branche andere Werteentwicklungen und Trends. Dabei entwickeln sich alle Branchen unterschiedlich und die Entwicklung jeder einzelnen Branche ist so dynamisch und von äußeren Einflüssen abhängig, dass sich keine pauschalen Empfehlungen aussprechen lassen. Welche Branchen-ETFs sinnvoll sind, hängt auch von dem jeweiligen Vorwissen und den persönlichen Motiven der Anleger ab. Gerade bei Branchen-ETFs verfolgen jedoch viele Anleger aus persönlichem Interesse bestimmte Branchen.

Welche Rolle spielt die Branchenrotation bei Investments in Branchen-ETFs?

Wer sich mit dem Thema Branchen-ETF beschäftigt, wird schnell auf die Begriffe Branchenrotation (auch Sektorenrotation genannt) und Branchen-Rotations-Strategie stoßen. Entscheidend dafür sind die Konjunkturphasen, die die Wirtschaft im Laufe der Zeit durchläuft.

Als Konjunkturphasen bezeichnet man die 4 verschiedenen Stadien der Konjunktur:

  1. Aufschwung (Expansion)
  2. Hochkonjunktur (Boom)
  3. Abschwung (Rezession)
  4. Tiefphase (Depression)

Die verschiedenen Branchen entwickeln auf Grund der Konjunkturphasen entweder steigende oder fallende Trends. Genau diese machen sich Anleger bei der Branchenrotation zu Nutze, indem sie nur temporär in bestimmte Branchen investieren, um dann bei einem wirtschaftlichen Abschwung ihr Portfolio entsprechend umzuschichten. Verspricht eine Branche hingegen eine steigende Wertentwicklung und Gewinne, wird das Portfolio wieder entsprechend angepasst.

Wer sich die Branchen-Rotations-Strategie zu Nutze machen will, sollte das Risiko einkalkulieren, das mit dieser Strategie einhergeht. Denn wie sich einzelne Branchen entwickeln, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Wer einfach blind in eine Branche investiert und auf einen Wirtschaftsaufschwung hofft, muss unter Umständen hohe Verluste verzeichnen. Die Branchen-Rotations-Strategie eignet sich daher nur für erfahrenere Anleger, die ein Gespür für die wirtschaftlichen Entwicklungen auf dem Markt haben.

Was sind die Vor- und Nachteile von Branchen-ETFs?

Wie alle ETFs unterliegen auch Branchen-ETFs den marktüblichen Schwankungen und können neben Gewinnen auch starke Verluste verzeichnen. Wer in Branchen-ETFs investieren möchte sollte die Vor- und Nachteile und das einhergehende Risiko kennen.

VorteileNachteile
Investments in eine komplette Branche können stabiler als Investments in ein einzelnes Unternehmen sein„Klumpenrisiko“ durch Fokussierung auf eine komplette Branche
Flexibilität bei Kauf- und VerkaufInvestition in gesamte Branche und damit auch in Unternehmen mit fallenden Kursen
Niedrigere Kosten im Vergleich zum Kauf von AktienpaketenEher ungeeignet für Einsteiger, da Branchen- und Finanzwissen benötigt wird

Vorteile von Branchen-ETFs

Wer einen Branchen-ETF kauft, investiert in eine komplette Branche. Dadurch können hohe Wertverluste eines einzelnen Unternehmens innerhalb der Branche unter Umständen nicht so stark ins Gewicht fallen. Anleger, die hingegen einzelne Aktienpakete innerhalb der Branche kaufen, bekommen einen starken Wertverlust einer Aktie im Depot deutlicher zu spüren. Zudem sind Anleger, die in einen einzelnen Branchen-ETF investieren flexibler, da sich ein einzelner Branchen-ETF schneller kaufen bzw. verkaufen lässt als mehrere einzelne Aktien von Unternehmen innerhalb der Branche. Mit Branchen-ETFs können Sie also wirtschaftliche Trends schneller und unkomplizierter verfolgen als mit verschiedenen Aktien einer Branche. Entsprechend niedriger sind auch die Kosten, da Sie mit nur einem Kauf in die Aktien einer gesamten Branche investieren. Anleger, die hingegen in Einzelaktien der Branche investieren möchten, müssen die Aktien einzeln kaufen und dadurch höhere Gebühren zahlen.

Nachteile von Branchen-ETFs

Branchen-ETFs bringen ein „Klumpenrisiko“ mit. Wer ausschließlich auf eine Branche setzt, trägt gleichzeitig auch das Risiko, dass sich die komplette Branche schwach entwickelt und Verluste verzeichnet. Durch die Investition in eine komplette Branche wird gleichzeitig auch in schwache Unternehmen mit fallenden Kursen investiert. Wer in Branchen-ETFs investieren möchte, sollte außerdem ein Grundwissen über mögliche wirtschaftliche Entwicklungen im Konjunkturzyklus mitbringen. Anleger, die „blind“ in eine Branche investieren, riskieren leicht Verluste im Depot.

Zudem gilt es bei negativen Trends einer Branche schnell zu reagieren und das Portfolio umzuschichten. Branchen-ETFs eignen sich daher eher für erfahrenere Anleger.

Fazit

Branchen-ETFs stellen eine interessante Alternative zu herkömmlichen ETFs dar, da sie eine komplette Branche abdecken. Sie bieten mehr Flexibilität, erfordern aber auch entsprechendes Wissen, um Wirtschaftstrends, die sich im Konjunkturzyklus widerspiegeln, erkennen zu können.

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