Rezession Was ist eine Rezession und wie wirkt Sie sich aus – an der Börse und bei Geldanlagen

Ein besorgter Seniorchef Koch in der Küchentheke
© FG Trade via Getty Images/iStockphoto

Rezessionen treten im Rahmen von Konjunkturzyklen immer wieder auf. Es gibt starke und schwache, kurze und längere Rezessionen. Doch was ist eigentlich eine Rezession? Der folgende Beitrag gibt Antwort auf diese Frage und zeigt, was ein Abschwung für Ihre Geldanlagen und das Geschehen an der Börse bedeutet.

Der Begriff „eine Rezession“ einfach erklärt

Wirtschaftliche Entwicklung verläuft in der Regel zyklisch. Auf Phasen wirtschaftlichen Aufschwungs und der Hochkonjunktur folgt oftmals eine wirtschaftliche Schwächephase – der Abschwung. Dieser kann in eine Rezession und schlimmstenfalls in eine Depression führen, die irgendwann wieder in einen Aufschwung übergeht. Ein neuer Konjunkturzyklus beginnt.

Der Abschwung wird auch als Rezession bezeichnet (von lateinisch: recedere = zurückgehen, zurückweichen). Es gibt unterschiedliche Definitionen für Rezessionen. Eine gängige lautet: Eine Rezession liegt vor, wenn eine Volkswirtschaft in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen schrumpft. Meist geht der Schrumpfung ein längerer Zeitraum mit niedrigerem Wirtschaftswachstum voraus.

Beschränkt sich die Rezession auf eine kurze Phase mit negativen Wachstumsraten, wird von einer „technischen Rezession“ gesprochen. Sie ist in der Regel durch vorübergehende wirtschaftliche Störungen bedingt. Oft erstrecken sich Rezessionen in einer Volkswirtschaft über längere Zeiträume. Münden sie in eine sich hinziehende wirtschaftliche Stagnation, nennt man diesen Zustand Depression. Rezession und Depression sind nicht gleichzusetzen, es besteht aber ein fließender Übergang.

Infografik Konjunkturzyklus mit Rezession

Was ist eine Rezession in der Wirtschaft?

In einer Rezession verschlechtern sich die Geschäftsaussichten der Unternehmen. Die Auftragsbücher sind weniger gut gefüllt, die Nachfrage nach Gütern wird schwächer. Stimmungsbarometer wie der bekannte ifo-Geschäftsklimaindex oder Einkaufsmanagerindizes fallen. Infolge der schlechteren Auftragslage bzw. Nachfrage entstehen Produktions-Überkapazitäten und volle Lager.

Die Unternehmen reagieren darauf mit Produktionseinschränkungen, Kurzarbeit oder betriebsbedingten Kündigungen. Investitionen werden zurückgestellt. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen steigt. Durch vermehrte Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit erleiden die Verbraucher Einkommenseinbußen, die Verunsicherung wächst. Der private Konsum geht zurück. Dadurch wird der Abschwung verstärkt.

In einer Rezession kommt es oft zur Verlangsamung des Preisauftriebs, im Extremfall sogar zur Deflation. Deflation kann eine Volkswirtschaft in eine tiefe Depression führen. Diesen Zustand versuchen Notenbanken durch lockere Geldpolitik zu bekämpfen, um eine Deflationsspirale zu vermeiden.

Was bedeutet eine Rezession für Aktien?

Am Aktienmarkt zeigt sich eine Rezession in fallenden Kursen, aber nicht notwendigerweise in einem Crash. Viele Anleger schichten dann in sicherere Anlagen, zum Beispiel Anleihen, um. Die Baisse ist eine typische Erscheinung in Rezessionszeiten. Allerdings muss die Kursentwicklung bei Aktien nicht parallel zum Konjunkturzyklus verlaufen.

Rechnet man an der Börse mit einer baldigen wirtschaftlichen Erholung, können die Kurse bereits steigen, wenn die aktuellen Wirtschaftsdaten noch schlecht sind. Erwartet man einen länger dauernden Abschwung oder gar eine Depression, ist eine anhaltende Baisse möglich. Die größere Unsicherheit in der Rezession bewirkt meist eine höhere Volatilität der Kurse. Die Börse schwankt zwischen Bangen und Hoffen – je nach Nachrichtenlage.

Wie sehen die deutschen Erfahrungen mit Rezessionen aus?

Die Wirtschaftsgeschichte der Bundesrepublik kennt vor 2020 sechs Rezessionen. Die erste Rezession gab es Mitte der 1960er-Jahre – aus heutiger Sicht nur eine Delle in Zeiten mit starkem Wirtschaftswachstum. Der bisher heftigste Abschwung erfolgte im Zuge der Finanzkrise 2007/2008. Im Jahr 2009 sank die deutsche Wirtschaftsleistung um 5,7 %.

Rezessionen in der Bundesrepublik Deutschland1

RezessionAnlassZeitraum
1Stabilisierungskrise 1966/1967Abklingendes „Wirtschaftswunder“, steigende Zinsen1966-3 bis 1967-5
2Erste Ölkrise 1974/75Drastische Ölpreiserhöhung wegen Jom-Kippur-Krieg1973-3 bis 1975-7
3Zweite Ölkrise 1980Erneuter Ölpreisschock, anhaltende Wirtschaftsschwäche1980-1 bis 1982-10
4Einigungskrise 1991Anpassungsschwierigkeiten nach deutscher Wiedervereinigung1991-1 bis 1994-4
5High-Tech-Krise 2002/2003Platzen der Dotcom-Blase, Anschläge vom 11. September 2001 und ihre Folgen2001-1 bis 2003-8
6Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09Subprime-Krise in den USA, Lehman-Pleite und die Folgen2008-4 bis 2009-1
7Corona-Krise 2020/?Ausbruch der Corona-Pandemie2020/3 bis ?

1 Nach Angaben bei Economic Cycle Research Institute (ECRI) 2018

Die Erholung nach Rezessionen dauerte unterschiedlich lange. In der Finanzkrise folgte auf einen scharfen Einbruch ein schneller Aufschwung. In der Rezession auf den Ölpreisschock 1973 brauchte es mehrere Jahre, bis die deutsche Wirtschaft wieder ansehnliche Wachstumsraten aufwies. Für jede Rezession gelten eigene „Gesetzmäßigkeiten“ – daher lassen sich nur bedingt Rückschlüsse für ein aktuelles Rezessionsgeschehen ziehen.

Was bedeutet eine Rezession für Anleger?

Für Besitzer von Aktien oder Aktienfonds ist eine Rezession meist mit Kursverlusten verbunden. Auf andere Geldanlagen wirkt sich die Rezession weniger stark aus. Das hängt von der Ausgestaltung der Finanzprodukte, aber auch von den jeweiligen Rahmenbedingungen ab. Anleihen oder Edelmetalle werden bei krisenhaften Entwicklungen gerne als „sicherer Hafen“ gesucht. Dies zeigt sich dann in höheren Anleihekursen oder einem steigenden Goldpreis. Das ist aber kein „Naturgesetz“ – es lassen sich auch Gegenbeispiele finden.

Am Aktienmarkt bestätigt die Erfahrung, dass auf jede Baisse irgendwann wieder eine Hausse folgt. Bei früheren Rezessionen wurden Kursverluste später mehr als ausgeglichen. In Angst und Panik zu verfallen, ist selten ein guter Rat. Oft hat sich bei Aktien Durchhaltevermögen als überlegene Strategie bewährt.

Gut zu wissen: Wenn bestehende Aktien-, Fonds- und ETF-Sparpläne bei passivem Investieren einfach weiter bespart werden, können die Anteile dann bei niedrigen Kursen besonders günstig erworben werden. Es lässt sich vom Cost-Average-Effekt profitieren.

Wie investiere ich in einer Rezession aktiv?

Eine rezessionsbedingte Baisse enthält natürlich auch Ansätze für Spekulation – durch antizyklisches Verhalten. Einsteigen wenn die Kurse besonders niedrig sind und später mit Gewinn verkaufen – das setzt allerdings fortlaufende Marktbeobachtung, vertiefte Marktkenntnisse und eine Portion Glück beim Treffen des richtigen Zeitpunkts voraus.

Auch Umschichtungen im Aktienportfolio können eine Überlegung wert sein. Gesucht sind in der Rezession gerne Aktien, die sich am Aktienmarkt überdurchschnittlich gut behaupten oder sogar besonders erfolgreich sind:

  • Defensive Werte: So werden Aktien von Unternehmen bezeichnet, deren Geschäft wenig konjunkturabhängig ist. Dazu zählen zum Beispiel Energieversorger, Telekommunikations-Anbieter oder viele Konsumwerte (Nahrungsmittelbranche, Hersteller von Produkten des täglichen Grundbedarfs);
  • „Krisenprofiteure“: Damit sind Werte gemeint, die in der Rezession besonders gut performen. Grund: die Krise verhilft den betreffenden Unternehmen zu mehr Geschäft. Das können zum Beispiel Pharma- und Biotech-Firmen in einer durch Pandemie ausgelösten Rezession sein. Sind stark ansteigende Rohstoffpreise Ursache für die Krise, profitieren womöglich Minengesellschaften, Rohstoffhändler oder Förderunternehmen stark.

Gut zu wissen: Bei sich abzeichnenden finanziellen Engpässen sollten Sie immer frühestmöglich das Gespräch mit Ihrer Bank suchen. Sehr oft lassen sich einvernehmliche Lösungen finden – durch Umschuldung, Ratenanpassungen oder andere Möglichkeiten.

Wie bereite ich mich finanziell auf eine Rezession vor?

Für viele Arbeitnehmer droht in einer Rezession Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit. Der eigene Arbeitsplatz ist jedenfalls nicht mehr so sicher wie im Aufschwung oder in einer Boom-Phase. Wie bereiten Sie sich finanziell am besten vor, wenn Sie betroffen sind?

  1. Liquiditätsreserve: Bilden Sie ein Liquiditätspolster, auf das Sie im Notfall zurückgreifen können. Dafür sollten Sie Anlagen wählen, die jederzeit ohne Verlust verfügbar sind – zum Beispiel Tagesgeld.
  2. Schuldenabbau: Bauen Sie Schulden ab und verzichten Sie auf neue Kredite. Eine schnelle Entschuldung ist immer eine gute Entscheidung, Sie verschaffen sich damit zusätzliche finanzielle Spielräume – gut, wenn Einkommenseinbußen zu erwarten sind oder das Einkommen wegbricht.
  3. Flexibel und sicher anlegen: Setzen Sie bei Ihren Anlagen verstärkt auf Sicherheit und verzichten Sie auf langfristige Festlegungen. Risikostreuung ist noch wichtiger als sonst. Die Renditen bleiben zwar ein Auswahlkriterium, besitzen jetzt aber nicht oberste Priorität. 

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