Mit der Momentum-Strategie wollen Anleger profitieren, indem sie vermeintliche Trends bei Wertpapieren erkennen.
Autofahrer kennen das: Je schneller man fährt, desto länger wird der Bremsweg. Diese simple Erklärung macht sich auch die Momentum-Strategie zu Nutze. Momentum-Investoren setzen auf Wertpapiere, die bereits Fahrt aufgenommen haben, weil diese Werte in der Regel nicht so schnell ausgebremst werden. Im Gegenteil: Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sie auch für längere Zeit auf der Überholspur bleiben werden. Wie bei allen Anlagestrategien ist jedoch auch hier Vorsicht geboten. Denn auch die Momentum-Anlagestrategie bringt ein gewisses Risiko mit sich. Wir erklären, was es mit der Strategie auf sich hat und erläutern die Rolle im Zusammenhang mit Aktien und ETFs. Zudem zeigen wir mögliche Risiken und Schwachstellen bei der Umsetzung auf.
Definition der Momentum-Strategie
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Getreu dem Motto „The trend is your friend.“ (dt: Der Trend ist dein Freund.) nutzen Anleger die Momentum-Strategie, um neue Wertpapiertrends auszumachen. Denn Momentum-Anleger setzen auf Statistiken, denen zufolge Aktien und Wertpapiere, die in der Vergangenheit gestiegen sind, auch in der Zukunft weiter ansteigen können. Strategen beobachten deshalb neben Trendkanälen und Chartformationen das sogenannte Momentum, das Auskunft über die Kursbewegungen und mögliche Trendwenden geben kann.
Die Momentum-Investmentstrategie wird häufig auch als Relative-Stärke-Theorie bezeichnet, da sie sich auf den Ansatz der „relativen Stärke“ des US-Amerikaners Robert A. Levy bezieht. Um eine möglichst hohe Rendite zu erzielen investierte er jeweils in die 10 % der Aktien, die sich vereinfacht gesagt in der Vergangenheit am besten entwickelt hatten. Gerade in schwachen Märkten, die durch politische oder wirtschaftliche Schocks beeinflusst werden, ist das jedoch eine gewagte Strategie. Denn Bullen- und Bärenmärkte können sich plötzlich und entgegen der Vorhersagen ändern. Und manchmal sind die größten Verlierer dann jene Aktien, die in der vorherigen Aufschwungphase am besten abgeschnitten haben. Dafür gab es in der Vergangenheit bereits mehrere bekannte Beispiele.
Wie wird das Momentum berechnet?
Zur Errechnung des Momentums wird der aktuelle Kurswert ins Verhältnis zu einem durchschnittlichen Kursniveau der Vergangenheit gesetzt. Als Vergleichsmaßstab kann beispielsweise der Halbjahresschnitt dienen. Allerdings gilt in der Regel: Je kürzer der Vergleichszeitraum, desto ungenauer ist auch eine mögliche Aussage.
Für die konkrete Berechnung wird vom heutigen Schlusskurs der Schlusskurs vor „n“ Tagen subtrahiert. Für dieses „n“ können verschiedene Zahlen eingesetzt werden. Bei 0,20 oder 30 Tagen wird eher ein kurzfristiges Momentum gemessen. Bei 3, 6 oder 12 Monaten handelt es sich hingegen um ein längerfristiges Momentum. Das Ergebnis ist eine Linie, die um eine Nullachse schwankt. Liegt ein Punkt auf der Linie über null, sind die Kurse aktuell höher als vor n Tagen oder Monaten. Liegt der Punkt unterhalb der Mittellinie, lag der Kurs vor n Tagen oder Monaten höher als heute – das Kursniveau hat sich also verschlechtert.
Einige Analysten berechnen den Momentum-Indikator auch durch eine Division des aktuellen Schlusskurses durch den Schlusskurs vor n Tagen oder Monaten und multiplizieren anschließend mit 100. Die Mittelpunkt-Linie liegt dann bei 100, die Kernaussage ändert sich jedoch nicht.

Berechnung des Momentums:
Momentum = Aktueller Kurs – Kurs am tag n
oder
Momentum = (Aktueller Kurs / Kurs an Tag n) x 100
Was sagt das Momentum aus?
Liegt der aktuelle Kurs über dem Kurs der Vergangenheit, ist das Momentum größer 1 – die Aktie befindet sich demnach in einem Aufwärtstrend. Analog signalisiert ein Momentum kleiner 1 einen Abwärtstrend. Mit Hilfe der Momentum-Strategie können Anleger positive Aufwärtstrends, die sich zuletzt noch beschleunigten oder abbremsten erkennen und mögliche Trendwenden ausmachen. Gleiches funktioniert auch mit möglichen Abwärtstrends. Allerdings ist die Aussagekraft von möglichen Trendwenden bei einer Betrachtung von 12 oder weniger Monaten durchaus beschränkt.
Ist das Momentum gering, wird darin häufig ein Warnsignal gesehen: Oft wird der Schwung einer Aufwärtsbewegung mit dem eines Ballwurfs verglichen. Die Beschleunigung eines senkrecht geworfenen Balles ist zunächst sehr hoch, nimmt aber zunehmend ab. Schließlich kehrt sich der Schwung aufgrund der Erdanziehungskraft um und der Ball fällt zunehmend schnell zur Erde zurück. Ähnlich ist es an der Börse beim Steigen des Börsenkurses, der irgendwann wieder an Kraft verliert. Der Schwung der Aktienkurse kann mit dem Momentum-Indikator analysiert werden. Er kann die Richtung, aber auch die Geschwindigkeit der Auf- oder Abwärtsbewegung anzeigen.
Wie kann die Momentum-Strategie bei der Auswahl von Wertpapieren helfen
Der Momentum-Indikator lässt sich für fast alle Wertpapiere bestimmen, ganz egal ob Aktie, ETF oder Rohstoffe und Devisen.
Aktien
Die Momentum-Strategie hat sich ursprünglich als Anlagestrategie für den Aktienkauf entwickelt. Um gewinnbringende Aktien zu finden, setzen Anleger häufig auf die Technische Analyse, bei der das Momentum als wichtiger Indikator dient. Dabei wird die Entwicklung des Aktienkurses in der Vergangenheit ausgewertet. Da die Auswertung häufig anhand von Charts erfolgt, spricht man auch von Chartanalysen. Allerdings sind auch vergangene Wertentwicklungen kein zuverlässiger Indikator für die Vorhersage künftiger Entwicklungen.
Liegt der Wert über 1, sehen Anleger darin eine kaufenswerte Aktie. Liegt der Wert hingegen darunter, sollte die Aktie verkauft werden oder erst gar nicht als kaufenswert in Frage kommen. Als Vergleichswert wird von Momentum-Strategen häufig der 6-Monats-Wert genommen. Diesen hat schon der Gründer Robert A. Levy als ideal angewendet, um Aktien zu analysieren und zu vergleichen. Im Rahmen der Momentum-Strategie werden Aktien damit nicht mit einem Index, sondern mit sich selbst verglichen.

Gut zu wissen:
Anhänger des Value Investing setzen bei der Aktienauswahl eher auf die Fundamentanalyse, die sich an der Prognose künftiger Kurswerte orientiert.
ETFs
Mittlerweile lässt sich die Momentum-Strategie auch mit ETFs umsetzen. Spezielle Momentum-ETFs setzen dabei auf Industrieländer-Aktien, die in den letzten 6 bis 12 Monaten besonders hohe Kursanstiege verzeichneten. Dabei umfassen die Momentum-ETFs häufig um die zwischen 300 und über 1000 Titeln, die beispielsweise aus der USA, Kanada, Australien oder Japan stammen. Insbesondere die Gesundheitsbranche, aber auch die IT- und Kommunikationsbranche sind dabei überdurchschnittlich häufig vertreten.
Momentum-Strategie umsetzen
Viele Anleger versprechen sich durch den Einsatz der Momentum-Strategie hohe Gewinne und Renditen. Wie jede Anlagestrategie bringt sie jedoch auch ein gewisses Risiko mit sich. Denn wirtschaftliche oder globale Einflüsse sorgen dafür, dass die Kurse fallen. Auch ein vermeintlich positives Momentum kann schnell für Verluste im Portfolio sorgen. Zudem ist die Momentum-Strategie im Hinblick auf Aktien aufwändig, da die einzelnen Schlusswerte über Monate hinweg analysiert werden müssen. Erfahrene Momentum-Anleger verfügen in der Regel zudem über ein großes Portfolio, was das regelmäßige Umschichten im Sinne der Momentum-Strategie möglich macht.
Privatanleger verfügen in der Regel jedoch meist nur über Einzelaktien. Das macht es schwieriger regelmäßig schwächere Anteile gegen stärkere zu tauschen. Wer die Momentum-Strategie mit DAX-Aktien umsetzen will, wird hier schnell an Grenzen stoßen, da im DAX „nur“ 30 Aktien gelistet sind. Außerdem ist es für Börseneinsteiger oft schwierig, die Signale des Momentums richtig zu deuten. Hier ist Börsenwissen und ein gutes Trendgefühl durchaus von Vorteil. Allerdings kann auch das vermeintlich positive Trendgefühl trügen und später zu Verlusten führen.

Gut zu wissen:
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Fazit
Die Momentum-Strategie kann Anlegern die Möglichkeit bieten, die einzelnen Kursphasen verschiedenster Wertpapiere besser vorhersehen zu können. Wie jede Anlagestrategie bringt auch die auf dem Momentum basierende Strategie Risiken mit sich. Börsenprofis setzen daher verstärkt auf die Kombination mehrerer Anlagestrategien. So lassen sich beispielsweise die Value-Strategie und die Momentum-Strategie kombinieren, um eventuelle Trendwenden möglicherweise besser zu erkennen.
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