Verbraucherschutz Was ist der Anlegerschutz und wen schützt er genau?

Ein junges Paar sitzt an einem Tisch mit Unterlagen und einem Laptop und lacht.
© Paperkites via GettyImages/iStockphoto
Der Anlegerschutz ist ein wichtiges Instrument für den Verbraucherschutz im Finanzbereich.

Wer auf dem Kapitalmarkt investieren möchte, wird schnell von der Vielzahl an Wertpapieren und Investitionsmöglichkeiten überwältigt. Für Privatanleger ist es dabei oft schwierig, transparente Informationen zu erhalten und Risiken richtig einzuschätzen. Genau deshalb wurden verschiedene Maßnahmen zum Anlegerschutzes getroffen. Wir zeigen, wie dieser funktioniert und wie er in Deutschland umgesetzt wird

Mögliche Gefahren für Anleger

Mittlerweile können Privatanleger aus immer mehr Vermögensanlagen wie zum Beispiel Fonds, Aktien oder Crowdinvesting wählen. Häufig unterschätzen sie dabei jedoch die Gefahren und Risiken des Finanzmarkts. Denn gerade auf dem Grauen Kapitalmarkt locken Finanzberatungen oft mit hohen Renditeversprechen – über die Risiken wird jedoch oft geschwiegen. Nicht selten führt das zu hohen Verlusten. Zu den allgemeinen Gefahren für Anleger zählen beispielsweise:

  • Mangelndes Wissen: Viele Privatanleger verfügen nicht über ausreichendes Finanzwissen und vertrauen daher „blind“ auf die Angebote und Versprechen der Finanzdienstleister.
  • Dubiose Angebote und Fehlinformationen: Gerade auf dem Grauen Kapitalmarkt wird häufig eine hohe Rendite versprochen, die Risiken werden jedoch oftmals verschwiegen.
  • Kosten: Für Privatanleger sind die Kosten von Anlageprodukten nicht immer leicht erkennbar. So können unter Umständen hohe Renditen durch Abschlussprovisionen oder Verwaltungs- und Beratungsentgelte getrübt werden.

Definition Anlegerschutz

Der Verbraucherschutz spielt auch im Finanzbereich eine große Rolle. Denn in der Regel verfügen gerade Privatanleger nicht über ausreichend fundiertes Wissen über den Finanzmarkt, um Risiken von Anlage- und Finanzprodukten einzuschätzen und bedürfen daher einem höheren Schutz als professionelle oder institutionelle Anleger. Gerade auf dem Grauen Kapitalmarkt sind die Risiken beim Anlegen im Vergleich zum Weißen Kapitalmarkt deutlich höher. Mit Hilfe des Anlegerschutzes sollen Anleger vor dubiosen und unseriösen Geschäftspraktiken geschützt werden. Dabei sind die grundlegenden Ziele des Anlegerschutzes:

  • Transparenz als Schutz vor Falschinformationen
  • Schutz vor unseriösen und dubiosen Angeboten
  • Zulassungspflichten für Finanzdienstleister
  • Schutz vor Kostenfallen und Zusatzkosten
  • Umfassende Beratungsangebote

Gut zu wissen: Der Anlegerschutz dient jedoch nicht als Garantie für eine bestimmte Rendite oder Gewinne – vielmehr unterliegen alle Kapitalanlagen verschiedenen Risiko, was auch durch den Anlegerschutz nicht ausgeschlossen werden kann. Im Rahmen des Anlegerschutzes sollen Privatanleger jedoch besser über die einzelnen Anlageprodukte informiert und aufgeklärt werden, sodass sie Risiken besser einschätzen können.

Exkurs: Weißer, Grauer und Schwarzer Kapitalmarkt

Wer auf dem Kapitalmarkt investieren möchte, wird häufig mit den Begriffen Weißer, Grauer oder Schwarzer Kapitalmarkt konfrontiert. Dafür stehen die einzelnen Kapitalmärkte:

  • Weißer Kapitalmarkt: Er unterliegt der staatlichen Finanzaufsicht oder anderen vergleichbaren Regulierungen. Finanzdienstleister und Unternehmen müssen für ihre Tätigkeiten im Bereich des Weißen Kapitalmarkts eine Genehmigung vorweisen.
  • Grauer Kapitalmarkt: Er stellt eine legale Mischung aus dem Weißen und Schwarzen Kapitalmarkt dar, da er nicht unter staatlicher Aufsicht steht, aber gesetzliche Vorgaben eingehalten werden müssen. Beispiele für Anlageprodukte des Grauen Kapitalmarkts sind Crowdinvesting, hybride Anleiheformen der Direktinvestments in Rohstoffe, wie Holz oder Edelmetalle.
  • Schwarzer Kapitalmarkt: Diese in Deutschland illegale Form des Kapitalmarkts entzieht sich jeder Aufsicht oder Regulation – erlaubnispflichtige Geschäfte werden ohne Genehmigung und damit illegal abgewickelt.
Grafische Darstellung von den Kapitalmärkten
Der Kapitalmarkt lässt sich in drei wesentliche Bereiche unterteilen.

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Wie wird der Anlegerschutz umgesetzt?

Der Gedanke, dass Finanzanleger schutzwürdig sind, kam in Deutschland erst Mitte der 60er-Jahre auf. Dabei stand zunächst der Aktionärsschutz im Vordergrund. Ende der 70er wurde der Anlegerschutz mit zahlreichen Richtlinien in der Europäischen Gemeinschaft gestärkt. Für die Europäische Ausgestaltung sind neben der französischen und belgischen Bankenaufsicht auch die Deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin zuständig.

Ausgestaltung des Anlegerschutzes in Deutschland

In Deutschland wird der Anlegerschutz, an dem sich Banken und Finanzdienstleister orientieren müssen, in verschiedenen Gesetze geregelt. Dazu zählen beispielsweise das Wertpapierhandelsgesetz, das Aktiengesetz, das Börsengesetz, das Kapitalanlagegesetzbuch und das Gesetz zur Stärkung des Anlegerschutzes und Verbesserung der Funktionsfähigkeit des Kapitalmarktes (kurz Anlegerschutzgesetz). Zu den Maßnahmen des Anlegerschutzes zählen beispielsweise:

  • Prospektpflichten für Anlageprodukte: Finanzdienstleister müssen für jedes angebotene Produkt umfangreiche Informationen zur Verfügung stellen.
  • Zulassungspflichten: Anbieter von Finanzdienstleistungen müssen bei den zuständigen Aufsichtsbehörden eine entsprechende Zulassung beantragen.
  • Aufzeichnung telefonischer Beratungsgespräche zum Thema Wertpapiere: Für mehr Transparenz soll auch die Aufzeichnung von telefonischen Beratungsgesprächen im Zusammenhang mit Wertpapieren sorgen. Diese sollen mindestens 7 Jahre gespeichert werden.
  • Kostentransparenz: Zusätzlich müssen Finanzdienstleister detailliert aufschlüsseln, welche Kosten beim Kauf und Verkauf von Wertpapiertransaktionen anfallen. Dadurch soll mehr Transparenz geschaffen werden.
  • Geeignetheitserklärung: Finanzdienstleister müssen im Rahmen der Anlageberatung eine Geeignetheitserklärung erstellen, die darlegt, warum das entsprechende Finanzprodukt zum Kunden passt und warum es empfohlen wurde.
  • Sachkundenachweis für Finanzberater: Anlageberater sollen zudem eine Erfahrung von mindestens 5 Jahren nachweisen.

Gut zu wissen: Neben aktiv gemanagten Fonds, ETFs und Aktien fallen auch außerbörslich gehandelte Wertpapiere unter die verschiedenen Maßnahmen zum Anlegerschutz.

Was tun bei Verstößen gegen den Anlegerschutz?

Als Privatanleger kann man sich bei möglichen Verstößen oder Fragen zum Anlegerschutz an verschiedene Stellen wenden. Vereinigungen wie die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DWS) oder örtliche Anlegerschutzvereine setzen sich deutschlandweit für den Anlegerschutz ein und beraten umfassend zum Thema. Daneben können auch die Verbraucherzentralen helfen. Bei konkreten Fragestellungen oder Problemen können Privatanleger zudem einen Rechtsanwalt beauftragen.

Diagramm zur Übersicht von Hilfsangeboten beim Anlegerschutz.
Privatanleger können bei verschiedenen Stellen Hilfe zum Anlegerschutz suchen.

Fazit: Anlegerschutz als wichtiges Instrument für mehr Transparenz am Kapitalmarkt

Nachdem immer mehr Privatanleger auf dem Kapitalmarkt investieren, rückte in den vergangenen Jahren auch der Verbraucherschutz stärker in den Vordergrund. Der Anlegerschutz soll Privatanleger vor unseriösen Kapitalanlagen, irreführenden Angeboten und Betrug schützen. Denn in der Regel kennen nur die wenigsten Anleger die Risiken und Gefahren des Kapitalmarkts und der jeweiligen Finanzprodukte. Allerdings können die Anlegerschutzmaßnahmen, die für mehr Transparenz und Beratung sorgen sollen, nicht vor Verlusten schützen. Denn auch bei einer ausführlichen Beratung und Aufklärung über die Risiken sind diese nicht ausgeschlossen.

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