Geldanlagen bergen Risiken
Verlustaversion – Ein Mädchen steht im strahlenden Sonnenlicht und wirft einen langen Schatten.
Verlustaversion – Ein Mädchen steht im strahlenden Sonnenlicht und wirft einen langen Schatten.
© raja via Adobe Stock

Was ist Verlustaversion im Aktienhandel?

  • Verlustaversion besagt, dass Anlegende Verluste stärker gewichten als Gewinne.
  • Gewinne werden zu früh realisiert oder verlustreiche Positionen zu lange gehalten.
  • Mit einer klaren Anlagestrategie kannst du Fehlentscheidungen vermeiden.

Definition: Was ist Verlustaversion einfach erklärt?

Verlustaversion (engl. „loss aversion“) ist ein Konzept aus der Verhaltensökonomik. Es beschreibt das Phänomen, dass Verluste psychologisch stärker wiegen als Gewinne.

Bezogen auf den Wertpapierhandel bedeutet das: Der psychologische Schmerz über einen Verlust von 100 Euro ist in der Regel größer als die Freude über einen Gewinn in gleicher Höhe.

Verlustaversion ist eine Form der kognitiven Verzerrung. Kognitive Verzerrung ist eine unbewusste Wahrnehmungsverzerrung, bei der das Gehirn mentale Abkürzungen nimmt, um schneller zu entscheiden. Sie kann dazu führen, dass Anlegende irrationale Entscheidungen treffen, statt objektiv zu handeln. So gehen Anlegerinnen und Anleger mit hoher Verlustaversion häufig nur geringe Risiken ein, um Gewinne zu sichern, während sie sich zu höheren Risiken verleiten lassen, um Verluste zu vermeiden.

Die menschliche Angst vor Verlusten lässt sich aus der menschlichen Evolution heraus erklären. In einer von Unsicherheit geprägten Welt war es für den frühen Menschen überlebenswichtig, den Verlust von vorhandenen Ressourcen wie beispielsweise Nahrung zu vermeiden.

Sind Verlustaversion und Risikoaversion dasselbe?

Verlustaversion und Risikoaversion sind nicht dasselbe. Risikoaverse Menschen vermeiden Unsicherheit und wählen eher sichere 50 Euro als eine 50-%-ige Chance auf 100 Euro. Verlustaverse Menschen dagegen gewichten Verluste stärker als Gewinne und gehen teils sogar höhere Risiken ein, um Verluste zu vermeiden.

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Prospect Theory: Woher kommt die Verlustaversion?

Die Verlustaversion ist ein zentrales Konzept der Prospect Theory (dt. „Neue Erwartungstheorie“), die von Daniel Kahneman und Amos Tversky entwickelt wurde. Die beiden Psychologen fanden heraus, dass

  • Verluste psychologisch etwa doppelt so stark gewichtet werden wie Gewinne und
  • Menschen Gewinne und Verluste immer relativ zu einem Ausgangswert bewerten, zum Beispiel ihrem aktuellen Vermögen.

Diagramm zur Veranschaulichung von Verlustaversion im Aktienhandel
Nicht nur an der Börse werden Verluste häufig höher gewichtet als Gewinne.

Welche Anlegenden sind besonders anfällig für Verlustaversion?

Grundsätzlich ist Verlustaversion ein menschliches Grundmuster, das in gewissem Maße auf alle Anlegenden zutrifft. Wie stark die Verlustaversion individuell ausgeprägt ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab – etwa Einkommen, Vermögen, Alter, Erfahrung und Persönlichkeit.
Besonders anfällig für verlustaverse Entscheidungen sind:

  • unerfahrene Anlegende
  • sicherheitsorientierte Personen
  • Menschen mit geringem Einkommen oder Vermögen
  • Investierende in späteren Lebensphasen (z. B. kurz vor der Rente)

Als Anlegerin oder Anleger solltest du dein persönliches Risikoprofil kennen. Es zeigt dir, wie viel Risiko du tragen kannst und welche Anlageziele zu dir passen. Gleichzeitig hilft es dir zu erkennen, wie stark deine Verlustaversion ausgeprägt ist – und wie du bewusster und rationaler entscheidest.

Beispiele: Wie beeinflusst Verlustaversion Anlegerinnen und Anleger?

Grundsätzlich führt Verlustaversion dazu, dass Anlegende Wertpapiere wie Aktien oder die Geldanlage insgesamt als riskanter einschätzen. Hier sind verschiedene Beispiele für Verhaltensweisen, die beim Aktienhandel aus Verlustaversion entstehen:

  1. Gewinne zu früh realisieren: Anlegende verkaufen gut gelaufene Aktien häufig vorschnell, um Gewinne zu „sichern“ – auch wenn es aus fundamentaler Sicht sinnvoll sein könnte, die Position weiter zu halten.
  2. Verluste zu lange halten: Verlustreiche Positionen werden oft nicht verkauft, weil Anlegende Verluste nicht realisieren möchten. Stattdessen hoffen sie auf eine Erholung, selbst wenn diese unwahrscheinlich ist.
  3. Zu geringe Risikobereitschaft: Aus Angst vor Verlusten verzichten viele Menschen ganz auf Investitionen in Aktien oder Fonds und setzen stattdessen auf vermeintlich risikoarme Anlagen wie Tages- oder Festgeld, obwohl die Rendite teilweise unterhalb der Inflationsrate liegt.
  4. Panikverkäufe in Krisenzeiten: Bei starken Kursrückgängen oder negativen Nachrichten reagieren manche Anlegende mit impulsiven Verkäufen, anstatt an ihrer langfristigen Anlagestrategie festzuhalten.

An den Finanzmärkten lässt sich Verlustaversion auch im großen Maßstab beobachten: In fallenden Märkten sind die Kursschwankungen häufig stärker als in steigenden Märkten. Diese höhere Volatilität deutet darauf hin, dass viele Anlegende in Verlustphasen emotional reagieren und eher verkaufen – statt rational an ihrer Strategie festzuhalten.

4 Tipps: Wie kann man Verlustaversion überwinden?

Verluste gehören zum Investieren dazu. Wichtig ist, sie rational einzuordnen und im Kontext der eigenen langfristigen Anlageziele zu bewerten. Prüfe insbesondere die Fundamentaldaten: Haben sich die ursprünglichen Annahmen verändert, kann ein Verkauf sinnvoll sein. Bleiben sie intakt, spricht vieles dafür, an der Strategie festzuhalten.

Tipp 1: Verluste analysieren

Verluste gehören zum Investieren dazu. Wichtig ist, sie rational einzuordnen und im Kontext der eigenen langfristigen Anlageziele zu bewerten. Prüfe insbesondere die Fundamentaldaten: Haben sich die ursprünglichen Annahmen verändert, kann ein Verkauf sinnvoll sein. Bleiben sie intakt, spricht vieles dafür, an der Strategie festzuhalten.

Tipp 2: Langfristig investieren

Wenn die Fundamentaldaten stimmen, kann eine langfristige Anlagestrategie – etwa im Sinne der Buy-and-Hold-Strategie – helfen, vorübergehende Verluste auszusitzen oder sogar gezielt nachzukaufen.

Tipp 3: Sparplan einrichten

Mit einem Wertpapiersparplan investierst du regelmäßig einen festen Betrag in Aktien, Fonds oder ETFs. So profitierst du langfristig möglicherweise vom Cost-Average-Effekt, da du in schwachen Marktphasen mehr Anteile erwirbst als in starken.

Tipp 4: Diversifizieren

Eine bekannte Börsenweisheit lautet: „Lege nicht alle Eier in einen Korb“. Mit einem breit gestreuten Portfolio oder einem Investment in einen Welt-ETF verteilst du dein Risiko auf mehrere Anlagen und reduzierst so die Auswirkungen einzelner Verluste.

Mit der comdirect Akademie lernst du bequem online, eigenständige Finanzentscheidungen zu treffen, dein Geld erfolgreich anzulegen und Anlagefehler zu vermeiden.

Fazit: Verlustaversion – mit einer klaren Anlagestrategie rationaler entscheiden

Verlustaversion ist tief in der menschlichen Natur verankert und beeinflusst Anlageentscheidungen oft stärker als vielen bewusst ist. Besonders unerfahrene Anlegende und Investierende in späteren Lebensphasen neigen dazu, Verluste stärker zu gewichten als Gewinne.

Um Fehlentscheidungen zu vermeiden, ist es entscheidend, Risiken realistisch einzuschätzen und eine klare, langfristige Anlagestrategie zu verfolgen. Von dieser solltest du nur abweichen, wenn sich die fundamentalen Rahmenbedingungen tatsächlich verändern.

Auswirkung von Inflation: Grundsätzlich beeinflusst die Entwicklung der Inflationsrate deinen Anlageerfolg. Ein daraus resultierender Kaufkraftverlust betrifft sowohl die erzielten Erträge als auch dein investiertes Kapital.

Wenn du noch Fragen zu den Themen Anlegen und Investieren hast, nutze gerne unsere Volltextsuche auf www.comdirect.de. Dort findest du schnell und einfach viele Antworten auf die häufigsten Fragen. Solltest du dort keine passende Antwort finden, stehen wir dir gerne zur Verfügung – entweder über unser Kontaktformular auf der Website oder telefonisch unter 04106 – 708 25 00. Als comdirect Kundin oder Kunde halte bitte deine Zugangsdaten bereit.

Autor
comdirect Redaktion
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