Value Investing Die Grundsätze der Anlagestrategie einfach erklärt

Eine junge Familie mit zwei kleinen Kindern steht am Fluss und spielt mit dem Wasser.
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Beim Value Investing geht es darum, unterbewertete Aktien zu kaufen und langfristig auf deren positive Entwicklung zu setzen. Dafür werden börsennotierte Unternehmen nach umfassenden betrieblichen und finanzwirtschaftlichen Kennzahlen bewertet und ins Verhältnis zu ihrem Aktienkurs gesetzt. Damit ist Value Investing das Gegenmodell zur kurzfristigen Börsenspekulation.

Was ist Value Investing?

Value Investing sieht Aktien nicht vorrangig als Spekulationsobjekt, sondern als das, was sie eigentlich sind: Anteile eines Unternehmens. Da der Preis einer Aktie aber durch den freien Handel an der Börse festgelegt wird, hängt er allein von Angebot und Nachfrage unter den privaten und institutionellen Investoren ab. Er ist also nicht direkt an die Leistung eines Unternehmens gekoppelt, obwohl er sich oft daran orientiert.

Diese Differenz zwischen dem Börsenwert und dem tatsächlichen Wert eines Unternehmens macht man sich beim Value Investing zu Nutze. Man setzt die beiden Werte ins Verhältnis zueinander und kann so Unternehmen identifizieren, deren Anteile an der Börse unterbewertet sind. Der Investor entscheidet also aufgrund seiner Analyse, dass ein bestimmtes Unternehmen mehr Wert sei, als sein Börsenwert und prognostiziert, dass der Aktienwert aus diesem Grund langfristig steigen werde.

Beim Value Investing hat man es also nur auf unterbewertete Aktien abgesehen. Man spekuliert nicht auf rasante Kurssteigerungen, sondern auf eine solide Wertentwicklung. Deshalb ist Value Investing ein Ansatz, der mindestens auf einige Jahre angelegt ist. So verdienen Value Investoren nicht nur an der Differenz von Ein- und Verkaufswert, sondern auch an Dividenden und möglichen Aktienrückkäufen oder Unternehmensabspaltungen (Spin-Offs). Erfolgreiche Investoren wie etwa Warren Buffett sind zum Beispiel Anhänger von Value Investing.

Die Grundprinzipien des Value Investing

Value Investing umfasst im Grunde eine ganze Anlage-Philosophie, die sich nur schwer auf wenige Grundprinzipien reduzieren lässt. Die wichtigsten Kerngedanken zu kennen ist dennoch hilfreich, um Value Investing zu verstehen.

Preis ≠ Wert: Die Sicherheitsmarge

Ohne umfassende Fundamentalanalysen der Unternehmen hinter den Aktien ist Value Investing nicht möglich. Denn nur so lässt sich erkennen, ob ein Unternehmen an der Börse unter- oder überbewertet wird. Die Differenz aus dem eigentlichen Unternehmenswert (intrinsischer Wert, fairer Wert) und dem tatsächlichen Börsenwert wird als „Sicherheitsmarge” bezeichnet.

Die Differenz aus tatsächlichem Wert und Börsenwert ist die Sicherheitsmarge.

Der Gewinn liegt im Einkauf: Unterbewertet Kaufen

Der Value Investor geht davon aus, dass seine Analysen ihm einen Wissensvorteil verschaffen. Um diesen möglichst gut einzusetzen investiert er in Aktien, die möglichst stark unterbewertet sind bzw. über eine hohe Sicherheitsmarge verfügen. Das steigert die Gewinnchancen und senkt das Risiko.

Buy & Hold: Langfristige Anlagen führen zum Erfolg

Beim Value Investing wird davon ausgegangen, dass auf lange Sicht die Aktien erfolgreicher Unternehmen im Kurs steigen, obwohl sie aktuell weniger wert sind. Schwer vorherzusagen ist aber, wann das passieren wird bzw. wie schnell der Kurs steigen wird. Deshalb müssen Aktien über etliche Jahre hinweg gehalten werden. Sie werden idealerweise erst verkauft, wenn die Bewertung des Unternehmens im Vergleich zum Börsenwert deutlich schlechter ausfällt und die Aktien deshalb als aktuell überbewertet gelten. Denn dann lässt ein längeres Halten der Aktien nur Verluste erwarten.

Die Vor- und Nachteile von Value Investing

Beim Value Investing geht es darum, Unternehmen mit Potenzial zu erkennen und dieses auszuschöpfen. Value Investing steht und fällt also mit intensiven Analysen von Unternehmen, ihren Wettbewerbern und Märkten. Im Unterschied zu kurz- und mittelfristigen Spekulationen benötigt Value Investing damit eine größere Datengrundlage.

Gut zu wissen: Die tiefgehende Bewertung eines Unternehmens wird „Fundamentalanalyse” genannt.

Nachteile beim Value Investing gibt es aber auch. Zunächst einmal kann eigenständiges Value Investing nur schwer von Privatpersonen betrieben werden. Man muss sich sehr intensiv mit den Unternehmen beschäftigen, Grundlagen unternehmerischen Handelns aneignen und verinnerlichen. Erst dann ist man in der Lage eine fundamentale Analyse zu erstellen, sie zu bewerten und im Anschluss ein vielversprechendes Investment zu erkennen – und auch dann gibt es keine Garantie für ein erfolgreichen Investment, denn in die Zukunft sehen kann keiner. Zudem fehlen zumeist das Vorwissen und die entsprechenden Kapazitäten zur Analyse – immerhin gibt es weltweit über 50.000 börsennotierte Unternehmen. Über die entsprechenden Kapazitäten verfügen Großinvestoren, Fonds-Manager und Investmentbanken. Außerdem ist Value Investing immer ein langfristiger Ansatz und setzt deshalb voraus, dass die investierten Mittel auf längere Sicht im Investment verbleiben können.

Für wen eignet sich Value Investing?

Value Investing oder nicht? Das ist eine Grundsatzfrage, die jeder Anleger für sich entscheiden muss. Wir haben eine Checkliste zusammengestellt, mit der Sie prüfen können, ob dieser Ansatz für Sie passend ist.

Checkliste: Value Investing kommt für Anleger in Frage, …

  • … die bereit sind, langfristig Geld anzulegen.
  • … die Fonds in Betracht ziehen oder selbst über große Vermögen verfügen.
  • … die sich nicht von Emotionen, sondern Daten leiten lassen wollen.
  • … die über entsprechendes Fachwissen und ausreichend Kapazitäten verfügen.
  • … die das Risiko am Aktienmarkt nicht scheuen.

Value Investing für Privatanleger

Gut zu wissen: Hier finden Sie weitere Informationen zum Thema Geldanlagen bei comdirect.

Privatinvestoren können Fonds erwerben, die sie nach dem Value-Investing-Ansatz auswählen. Der Anleger setzt dann also sein Vertrauen in das Fonds-Management, gute Analysen anzufertigen und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Zu beachten bleibt dabei, dass solche Fonds vor allem auf mögliche langfristigen Gewinne abzielen. Für kurzfristige Spekulationen sind sie kaum geeignet.

Benjamin Graham: Der Erfinder des Value Investing

Als „Erfinder” des Value Investing gilt der US-amerikanische Wirtschaftswissenschaftler und Investor Benjamin Graham (1894–1976). Zusammen mit David Dodd veröffentlichte er 1934 das Buch „Security Analysis”, das bis heute als Standardwerk zum Thema Value Investing gilt.

Graham gab selbst das beste Beispiel für den Erfolg seiner Methode ab, indem er durch seine profunden Unternehmensanalysen große Erfolge an der Börse feierte. Einer der Schüler Grahams an der New Yorker Columbia University war übrigens Warren Buffett – einer der erfolgreichsten Investoren aller Zeiten.

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