Trading Risiko- und Money-Management: Definitionen, Unterschiede und Tipps

Junge Frau mit Hut und Rucksack spaziert über Steg am See vor Bergkulisse
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Wer an der Börse Gewinn machen will, muss auch mögliche Verluste einkalkulieren. Kursausschläge „in die falsche Richtung“ kommen häufiger vor als manchem Börsenakteur lieb ist. Risiko- und Money-Management sollen dazu beitragen, dass Verluste nicht ins Abseits führen. Man muss nur wissen, wie’s geht. Mehr Infos dazu gibt es hier.

Money- und Risiko-Management: Warum wir es im Börsenhandel auch für unsere Psyche brauchen

Verluste sind an der Börse besonders schmerzlich und gerade für Börsenneulinge oft ein Problem. Denn sie begünstigen Fehlverhalten, das in vielen Fällen zu noch größeren Verlusten führt. Unsere Psyche steht uns nämlich bei dem richtigen Umgang mit Verlusten im Weg. Wir wollen den Erfolg und daher Verluste unter allen Umständen vermeiden. Daher tun wir uns schwer mit dem Eingeständnis, „auf das falsche Pferd“ gesetzt zu gaben. Zwei typische Verhaltensmuster sind:

  • Eine Position wird trotz Verlusten weiter gehalten in der Hoffnung, es kommt zu einer Gegenbewegung, die das Minus wieder ausgleicht
  • Es wird eifrig zugekauft, um an anderer Stelle Gewinn einzufahren, der entstandene Verluste wieder ausgleichen soll

Beides ist nicht in jedem Fall falsch, kann sich aber trotzdem als verhängnisvoll erweisen, wenn ein Trader unüberlegt agiert, eine zu hohe Positionsgröße wählt und keine Reißleine zieht, um sich von einem definitiv erfolglosen Engagement zu trennen. Genau das ist der Grund für Risiko- und Money-Management.

Risiko-Management und Diversifikation

Risiko-Management ist zunächst ein ganz allgemeiner und übergreifender Begriff. Bezogen auf Geldanlagen – zum Beispiel Aktien – bezeichnet es die systematische Risikobegrenzung und Risikosteuerung in dem Bewusstsein, dass es bei Anlagen verschiedene Risiken gibt. Bei Börseninvestments ist Diversifikation bzw. Risikostreuung für Anleger eine gängige Strategie des Risiko-Managements. Durch Verteilung auf verschiedene Aktien und Anlageklassen kann ein Teil des Risikos „wegdiversifiziert werden“. Das hat bereits Harry M. Markowitz mit seiner berühmten Portfolio-Theorie in den 1950er-Jahren bewiesen.

Diese Art des Risiko-Managements empfiehlt sich immer und gilt sowohl in der langfristigen als auch in der kurzfristigen Perspektive und unabhängig davon, ob man als Anleger investiert oder spekuliert. Sie ist ein Grundprinzip. Risiko- und Money-Management in diesem Beitrag bezieht sich allerdings mehr auf das kurzfristige und spekulative Handeln an Börsen – das Trading. Das heißt nicht, dass es nicht auch „auf längere Sicht“ anwendbar ist. Die Grenzen zwischen Spekulieren und Investieren sind bekanntlich fließend.

Warum sind Money-Management und Risiko-Management so wichtig?

Risiko- und Money-Management sind zwei Ansätze, um das Verlustrisiko beim Börsenhandel in Grenzen zu halten. Der Grundgedanke besteht darin, mit klar definierten vernünftigen „Spielregeln“ unsere Psyche zu überlisten und dadurch „übergroße“ Verluste zu vermeiden. Es geht um eine Strategie, als Trader nur (gut) kalkulierte Risiken einzugehen und rechtzeitig die Reißlinie zu ziehen, statt sich von „Verlustängsten“ leiten zu lassen.

Nicht immer wird trennscharf zwischen Risiko-Management und Money-Management beim Trading unterschieden. Dabei geht es um unterschiedliche Ansatzpunkte, die sich allerdings nicht ausschließen, sondern zusammengehören. Der Unterschied ist:

  • Risiko-Management bezieht sich auf die Verlustbegrenzung bei einem einzelnen Trade
  • Money-Management zielt auf die richtige Positionsgröße bzw. Positionsanzahl bei Trades, um ein angemessenes Verhältnis von Verlustrisiken und Gewinnchancen zu wahren

Schon daraus wird deutlich: die Kombination aus beiden Ansätzen ist sinnvoll.

Was ist Risiko-Management?

Beim Risiko-Management wird entschieden, bei welchen Kursen verkauft wird, um Verluste zu realisieren oder das Entstehen von Verlusten zu vermeiden.

Verluste durch Stoppkurse begrenzen

Verluste können bei einer Position in zweifacher Hinsicht auftreten. Die komfortablere Situation ist: Ein Gewinn wird in der „Hoffnung auf noch mehr“ nicht realisiert und geht durch gegenläufige Kurse wieder verloren. Unangenehmer: es entwickeln sich „echte“ Verluste durch einen anderen Kursverlauf als gedacht. Um die Verluste in beiden Fällen in Grenzen zu halten, empfiehlt es sich Ausstiegskurse festzulegen, bei denen Gewinne bzw. Verluste tatsächlich realisiert werden. Gewinnbezogen bezeichnet man einen solchen Ausstiegskurs auch als Gewinn- oder Kursziel (Take-Profit), verlustbezogen als Verlustgrenze (Stop-Loss). Das ist der Sinn und Zweck von Risiko-Management beim Trading.

Wie gehe ich beim Risiko-Management vor?

Die Kunst für Trader besteht darin, die „richtigen“ Ausstiegskurse festzulegen. Eine allgemeingültige Grenze gibt es nicht und gute Ausstiegkurse sind auch nicht statisch. Kommt es zu grundlegenden Veränderungen bei den charttechnischen oder fundamentalen Daten, kann sich eine Anpassung empfehlen. Und ein Take oder Stop hängt immer davon ab, welche Gewinnchancen noch bestehen und wie viel Verlust man verkraften kann.

Würde man bei einem Stop-Loss-Kurs beispielsweise den Stoppkurs 10 % bis 15 % unterhalb des Kaufpreises festsetzen, so wäre bei einem Kaufkurs von 250 Euro der Stoppkurs bei 225 Euro (10 %) bzw. 191,25 Euro (15 %).

Ein komplexerer Ansatz ist, den Stop-Loss-Kurs am Chance-Risiko-Verhältnis – kurz CRV – zu orientieren. Die Grundempfehlung dabei lautet: begrenze deine Verluste auf maximal die Hälfte deiner Gewinnchance.

Das CRV ergibt sich aus folgender einfachen Formel: CRV = (Kursziel-Kaufkurs) : (Kaufkurs-Stoppkurs)

Bei einem Kaufkurs von 250 Euro und ein Kursziel von 300 Euro, sollte der Stoppkurs so festgesetzt werden, dass mindestens ein Verhältnis von 2:1 gegeben ist bzw. der Verlust höchstens die Hälfte des angestrebten Gewinns erreichen kann.

2/1 = (300 Euro-250 Euro) : (250 Euro-225 Euro)

Verhältnis Kaufkurs, Kursziel, Stoppkurs bei CRV 2:1

Manchmal wird auch ein CRV von 3:1 empfohlen, der Verlust sollte danach ein Drittel der Gewinnchance nicht übersteigen. Auch hier gilt: es gibt kein allgemeingültiges Verhältnis. Wichtiger ist, sich als Trader „im Ernstfall“ auch an den Stoppkurs zu halten.

Anmerkung: Der gewünschte Stoppkurs lässt sich durch Umformung der Formel wie folgt berechnen:

Stoppkurs = Kaufkurs – (Kursziel-Kaufkurs) : CRV

Stoppkurs = 250 Euro – (300 Euro-250 Euro) : 2 = 250 Euro- 25 Euro = 225 Euro

Was ist Money-Management?

Während das Risiko-Management beim Ausstieg aus einer Position greift, geht es beim Money-Management um den richtigen Einstieg. Der Trader legt fest, in welcher Größenordnung Trades bzw. Wertpapierkäufe im Hinblick auf Verlustbegrenzung eingegangen werden sollten.

Verluste durch richtigen Kapitaleinsatz begrenzen

Die Grundüberlegung ist, das frei verfügbare Kapital so aufzuteilen, dass auch bei Verlusten genug Kapital für Folgetrades übrig bleibt, um eine realistische Chance zu haben, diese wieder auszugleichen. Umgangssprachlich könnte man auch formulieren: es geht darum, sein Pulver nicht auf einmal zu verschießen, sondern auch noch einen zweiten, dritten oder vierten Schuss frei zu haben, um ins Schwarze zu treffen.

Beispiel: Pro Trade werde ein Verlustrisiko von 10 % des einsetzbaren Kapitals eingegangen. Dann wäre nach 5 Verlustrades in Folge nur noch die Hälfte des ursprünglich einsetzbaren Kapitals vorhanden. Beim weiteren Trading müsste dieses (Rest-)Kapital verdoppelt werden, um die Verluste wieder auszugleichen. Das gelingt erfahrungsgemäß nur wenigen Tradern. Ist das Verlustrisiko dagegen auf 1 % des einsetzbaren Kapitals begrenzt, sind nach 5 Verlusttrades noch 95 Prozent des Kapitals übrig. Von dieser Basis aus wieder auf die 100 %zu kommen, ist natürlich sehr viel einfacher. Der Preis dafür: auch die Gewinnchancen sind entsprechend kleiner.

Wie viel Prozent muss ich auf mein Restkapital zugewinnen, um x Prozent Verlust auszugleichen?

prozentualer Verlusterforderlicher prozentualer Zugewinn
11,01
55,26
1011,11
2533,33
50100
75300

Wie gehe ich beim Money-Management vor?

Die Frage, die sich stellt: Was ist die „richtige“ Aufteilung? Auch hier gibt es keine allgemeingültige Antwort. Bewährt hat sich die sogenannte Prozentregel. Dabei wird der maximale Verlust eines Trades/Wertpapierkaufs festgelegt und in Abhängigkeit davon berechnet, wie viele Positionen/Wertpapierstücke man eingehen/kaufen kann. Die Formel dafür lautet:

Positionszahl o. Stückzahl = (Verlustrisiko pro Trade o.Kauf) : (Kaufkurs-Stoppkurs)

Beispiel: Angenommen sei frei einsetzbares Kapital von 10.000 Euro. Das Verlustrisiko solle auf 1 % = 100 Euro begrenzt sein (eine Empfehlung lautet: maximal 2 % des einsetzbaren Kapitals an Verlusten in Kauf zu nehmen). Der Einstiegskurs betrage 150 Euro, der Stoppkurs sei bei 140 Euro festgelegt. Dann ergibt sich:

Positionszahl o. Stückzahl = (100 Euro) : (150 Euro-140 Euro) = 10

Man könnte also 10 Positionen pro Trade eingehen bzw. 10 Wertpapiere kaufen, das heißt, es ist ein Engagement in Höhe von 1.500 Euro möglich. Von Transaktions­gebühren wird im Beispiel abstrahiert.

Gut zu wissen: An dem Beispiel wird deutlich, wie Risiko-Management und Money-Management in-einander greifen. Der Stoppkurs zeigt den Ausstiegskurs zur Verlustbegrenzung bei einer einzelnen Position an und lässt sich nach der oben dargestellten CRV-Formel bestimmen (Risiko-Management). Die Anwendung der optimalen Stückzahl durch einen Trader ist Money-Management.

Money- und Risiko-Management – ein Fazit

Effizientes Money- und Risiko-Management beim Trading erfordert kein mathematisches Spezialwissen. Entscheidend ist die Selbstdisziplin, sich auch an die gesetzten Spielregeln zu halten. Dann ist eine gute Grundlage gegeben, dass Verluste nicht aus dem Ruder laufen und Trading mit Erfolg möglich ist. Mehr Infos zum Thema Börsenhandel und Trading-Strategien gibt es in der comdirect Akademie.

Bei comdirect finden Sie außerdem interessante Angebote und Konditionen für Ihr Trading und den Börsenhandel. Sie können dazu auch jederzeit unsere Kundenbetreuer kontaktieren – per Telefon unter 04106 – 708 25 00, über unser Kontaktformular oder per Live-Chat. Unsere Kundenbetreuer sind rund um die Uhr für Sie erreichbar – 7 Tage die Woche, 24 Stunden am Tag.