Geldanlage Stop Loss richtig setzen

Verschwommene Bewegung von Menschen auf Spiraltreppe
© coldsnowstorm via Getty Images/iStockphoto

Die Schwankungen an den Börsen in Corona-Zeiten sind nichts für schwache Nerven. Anleger sollten sich deshalb mit Strategien beschäftigen, wie Sie Stop-Loss-Order richtig setzen, um das Risiko größerer Verluste zu verringern. Im Grunde ist das Modell denkbar einfach: Fällt der Kurs einer Aktie auf oder unter die Stop-Loss-Marke, löst das Überwachungssystem Ihres gewählten Handelsplatzes automatisch den Verkauf zum nächsten handelbaren Kurs aus. So werden Sie als Anleger von der Notwendigkeit entlastet, ständig eine bestimmte Aktie beobachten zu müssen, um den gewünschten Verkaufszeitpunkt nicht zu verpassen. Mithilfe von Trailing Stops lässt sich die Stop-Loss-Marke dynamisch an steigende Kurse anpassen.

Mit Stop Loss die untere Kursgrenze festlegen

Mit Stop Loss legen Sie eine bestimmte Kursuntergrenze für ein Wertpapier aus Ihrem Portfolio fest. Wird diese Grenze am Markt erreicht oder sogar unterschritten, löst das Überwachungssystem Ihres gewählten Handelsplatzes automatisch einen Verkaufsauftrag aus. Technische Grundregel: Soll der Verlust einer Wertpapier-Investition einen bestimmten Prozentsatz möglichst nicht überschreiten, setzen Sie den Stop-Kurs um diesen Prozentsatz unter den Kurs, zu dem Sie das Wertpapier erworben haben. So lässt sich das Risiko größerer Verluste bis zu einem gewissen Grad eingrenzen – aber Achtung: Der Verkauf im Stop-Loss-Fall erfolgt immer zum nächsten handelbaren Kurs. Bei Aktien mit geringem Umsatzvolumen oder starken Kurssprüngen kann der tatsächlich realisierbare Verkaufspreis im Stop-Loss-Fall möglicherweise nur zu Kursen ausgeführt werden, die mittlerweile unterhalb der gesetzten Stop-Loss-Barriere liegen.

Beispiel: Sie kaufen 125 Stück einer Aktie zum Kurs von 40 Euro, insgesamt investieren Sie also 5.000 Euro. Bei ungünstiger Kursentwicklung möchten Sie mit dieser Position nicht deutlich mehr als 10 % Verlust machen. Den Stop Loss setzen Sie deshalb auf 36 Euro, also auf 10 % unter den Kaufpreis der Aktie. Als der Kurs tatsächlich auf die Stop-Loss-Grenze sinkt, wird der Verkaufsauftrag zum nächsten handelbaren Kurs, zum Beispiel von 35,45 Euro, ausgeführt. Der Verlust beträgt in diesem Szenario 568,75 Euro.

Übrigens: Das Setzen eines Stop Loss ist in der Regel kostenfrei, bei Ausführen der Order fallen lediglich die üblichen Verkaufsgebühren an.

Stop-Loss-Marke setzen: aber wo?

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Auf welchen Kurs setze ich den Stop Loss im Einzelfall? Diese Frage stellt sich nach jedem Wertpapierkauf. Sitzt der Stop-Kurs zu nah unterhalb des aktuellen Marktkurses, könnte die Aktie an einem vorübergehend schwachen Börsentag zu schnell abgestoßen werden, obwohl sie sich anschließend rasch erholt und ihren Anstieg kräftig fortsetzt. Bleibt man weiterhin von dem Wertpapier überzeugt, müsste man es dann zu einem über dem Verkaufskurs (Stop Loss) liegenden und ggf. sogar höheren Preis als ursprünglich nachkaufen. Ärgerlich aber auch, wenn die Stop-Loss-Marke zu tief unterhalb des Kaufkurses sitzt und bei Kursabstürzen unnötig hohe Verluste entstehen. Pauschal beantworten lässt sich die Frage nach dem „richtigen“ Stop-Loss-Wert deshalb nicht. Die Antwort hängt von der persönlichen Risikobereitschaft des Anlegers ab, aber auch von der aktuellen Marktlage und von der Volatilität der Aktie, also von der Schwankungsbreite ihres Kurses.

So agieren erfahrene Anleger

Bei einem schwankungsstarken Wert macht es natürlich wenig bzw. nur mit sehr kurzen Anlagehorizonten (intraday) Sinn, enge Stops von wenigen Prozent unterhalb des Kaufkurses zu setzen. Zu groß wäre die Gefahr, dass die Position gleich wieder abgestoßen wird, auch wenn der Stop Loss nur kurz gerissen wird. Das gleiche gilt umgekehrt für Stopmarken weit unterhalb des Kaufkurses bei Papieren mit erfahrungsgemäß geringer Volatilität. Auch wenn vergangene Wertentwicklungen kein zuverlässiger Indikator für zukünftige Wertentwicklungen sind, kann hier ein Blick in den Chart erste Hinweise geben: Schauen Sie sich die Kursentwicklung des favorisierten Wertpapiers in der Vergangenheit und seine charakteristischen Tiefpunkte an. Eine gängige Praxis unter erfahrenen Anlegern ist es, den Stop Loss etwas unter diese Tiefs zu setzen. So kommt es nicht vorschnell zum Verkaufsauftrag, bevor der Kurs sich nach einem vorübergehenden Tiefpunkt wieder erholen kann. Dieses Risiko besteht allerdings bei jedem Wertpapierverkauf.

Faustregel

Für Standardwerte setzen Trader häufig eine Stop-Marke von 10 oder 15 % unter den aktuellen Kurs. Bei schwankungsstärkeren Papieren wird oft ein höheres Limit gewählt, zum Beispiel 20 oder 25 %. Ist der Kurs seit dem Kauf eines Wertpapiers gestiegen, lässt sich das Verlustrisiko verringern, wenn Sie die Stop-Loss-Order beim ursprünglichen Einstandskurs setzen. In jedem Fall gilt auch hier: Der nach Erreichen der Stop-Loss-Marke tatsächlich erzielbare Verkaufskurs kann niedriger als der festgelegte Stop-Wert sein, da die Ausführung bei Stop Loss erst zum nächstmöglichen Kurs erfolgt.

Übrigens: Wenn Sie gedanklich bereits eine Stop-Loss-Marke gesetzt und sich auf einen Maximalverlust festgelegt haben, lässt sich leicht ermitteln, welche Stückzahl des betreffenden Wertpapiers Sie ordern können. Grundsätzlich gilt: Je geringer der Abstand des Stop Loss zum Kaufkurs ist, desto mehr Aktien können Sie kaufen ¬und umgekehrt.

Beispiel: Soll der mögliche Verlust rund 900 Euro nicht übersteigen und ein Wertpapier, das Sie für 80 Euro kaufen, möglichst bei 65 Euro gestoppt werden, entspricht das einem Verlust von 15 Euro pro Stück. Setzen Sie den Maximalverlust von 900 Euro zu diesen 15 Euro Verlust pro Stück ins Verhältnis, können Sie also 60 Stück erwerben. Doch auch hier gilt: Da der Verkauf erst zum nächsten handelbaren Kurs erfolgt, kann der Wert trotz gesetzter Grenze unterschritten werden und das Risiko höherer Verluste nicht ausgeschlossen werden.

Trailing Stop: Stop-Marke dynamisch an Kurssteigerung anpassen

Wichtig: Beim comdirect Trailing Stop handelt es sich um eine Komfortorder-Funktionalität, die Sie vor der ersten Nutzung online freischalten müssen. Beachten Sie bitte auch die genaue Produktbeschreibung und die Nutzungsbedingungen, die Ihnen in der Ordermaske angezeigt werden. Dieser Service ist für Sie kostenlos.

Der Trailing Stop ist eine dynamische Variante der klassischen Stop-Loss-Order. Wenn Sie bei positiver Kursentwicklung von einem Aufwärtstrend profitieren wollen, können Sie den Stop-Kurs schrittweise nach oben anpassen, um die Lücke zum gestiegenen Kursniveau nicht zu groß werden zu lassen. Dazu geben Sie als “Trailing Stop” einfach den Abstand zum aktuellen Kurs bei Orderaufgabe ein. Bei fallenden Kursen verändert sich der Stop-Preis dagegen nicht. Grundgedanke ist, die „Winner“ laufen zu lassen und bei einer Gegenbewegung möglichst wenig Gewinn wieder abzugeben. Beim Trailing Stop gibt es 2 Möglichkeiten: ein feste oder eine prozentuale Grenze. Der Verkauf wird dann entweder ausgelöst, wenn der Kurs zum Beispiel um 20 Euro oder um 15 % fällt. Soll das Wertpapier aus strategischen Gründen auch bei sinkenden Kursen gehalten werden, lässt sich die Stop-Marke natürlich auch wieder nach unten korrigieren.

An welchem Börsenplatz den Stop Loss platzieren?

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Stop-Loss-Orders lassen sich an unterschiedlichen Börsen platzieren. Der Verkauf wird dann zum nächsten handelbaren Kurs der Aktie ausgelöst, wenn dieser am ausgewählten Börsenplatz das festgelegte Niveau erreicht. Bei illiquiden Handelsplätzen mit geringen Umsätzen kann es bei starken Marktbewegungen zu Kurslücken kommen, so dass die Verkaufsorder erst realisiert wird, wenn der Kurswert durch die Entwicklung am allgemeinen Markt längst unter den gesetzten Stop Loss gefallen ist.

Gerade an umsatzschwächeren Börsenplätzen kann es also passieren, dass der Ausführungskurs weiter unter den gewählten Stop-Kurs sinkt, als Ihnen lieb ist. Auch liquidere Börsenplätze wie beispielsweise Xetra sind wegen der kürzeren börsentäglichen Handelszeit von 9.00 bis 17.30 Uhr jedoch nicht unproblematisch: Kommt eine Gewinnwarnung nach Börsenschluss, wird die Stop-Loss-Order hier erst am nächsten Tag zu einem unter Umständen weiter gefallenen Kurs berücksichtigt. Für Stop-Loss-Marken bieten sich deshalb umsatzstarke Börsenplätze mit Order-Ausführungen auch im Abendhandel an.

Tipp: Zusätzlich zur Stop-Loss-Marke können Sie eine so genannte Stop-Loss-Limit-Order setzen. Ergänzend zum Stop-Kurs geben Sie noch ein Limit unterhalb des Stop Loss an. Der Verkauf wird dann nicht zu jedem gerade gültigen Preis ausgelöst, sondern nur, wenn auch das gesetzte Limit nicht unterschritten wird. Damit kann vermieden werden, dass die Aktie weit unter dem gesetzten Wert verkauft wird. Gleichzeitig ergibt sich bei dauerhaft tiefen Kursen das Risiko, dass die Verkaufsorder damit nie ausgeführt wird, selbst wenn der Stop-Kurs erreicht wird. Dadurch könnte es sein, dass Anleger die Gelegenheit zum gewünschten Verkauf verpassen.