Stagflation – ein vollbeladenes Containerschiff auf dem Meer.
Stagflation – ein vollbeladenes Containerschiff auf dem Meer.
© Kalyakan via Adobe Stock

Inflation ohne Wachstum – Stagflation einfach erklärt

Key Takeaways
  • Von Stagflation spricht man, wenn die Preise steigen, ohne dass die Wirtschaft wächst.
  • Eine Stagflation entsteht, wenn Rohstoffe wie z. B. Gas und Öl knapp oder teurer werden.
  • Im schlimmsten Fall mündet eine Stagflation in eine Lohn-Preis-Spirale.
  • Auch in einer Stagflation kann es sinnvoll sein, Geld zu sparen und anzulegen.

Definition: Was ist Stagflation – einfach erklärt?

„Stagflation“ setzt sich aus den Begriffen Stagnation und Inflation zusammen. Stagnation bezeichnet in der Wirtschaft eine konjunkturelle Phase, in der sich das Wirtschaftswachstum verlangsamt oder verringert. Von Inflation oder Teuerung spricht man, wenn das allgemeine Preisniveau steigt. Es werden also nicht nur einzelne Produkte oder Dienstleistungen teurer, sondern die privaten Verbrauchsausgaben steigen insgesamt.

Stagflation beschreibt also eine konjunkturelle Phase, in der Stagnation und Inflation gleichzeitig auftreten. Stagflation bedeutet, dass die Preise steigen, ohne dass die Wirtschaft wächst. Eine Stagflation geht in der Regel auch mit steigender Arbeitslosigkeit einher, da die Unternehmen mitunter versuchen, ihre Kosten durch Stellenabbau zu senken.

Was sind die Ursachen für eine Stagflation?

Der Auslöser für eine Stagflation ist zumeist ein Angebotsschock. Das bedeutet, dass bestimmte Güter oder Rohstoffe aufgrund eines externen Ereignisses nicht mehr in der gewohnten Menge vorhanden oder deutlich teurer sind als bisher. Ein aktuelles Beispiel sind die Preise für Gas und Öl, die infolge des Ukraine-Krieges stark gestiegen sind.

Durch die höheren Rohstoffkosten steigen die Produktionskosten für viele Güter und damit letztlich die Verbraucherpreise – es kommt zur Inflation. In der Folge reduzieren Unternehmen ihr Angebot und schieben Investitionen auf; der Privatkonsum geht ebenfalls zurück – das Wirtschaftswachstum stagniert. Um Kosten zu senken, bauen Unternehmen bei einer Stagflation außerdem häufig Stellen ab. In der Folge nimmt die Arbeitslosigkeit zu.

Warum ist eine Stagflation gefährlich?

Eine Stagflation kann vor allem dann gefährlich werden, wenn es zu einer Lohn-Preis-Spirale kommt. Eine solche Situation entsteht, wenn die Beschäftigten aufgrund der steigenden Inflation höhere Löhne fordern. Dies setzt die Unternehmen wirtschaftlich zusätzlich unter Druck. Denn mit den Löhnen steigen die ohnehin schon hohen Produktionskosten.

Diese Mehrkosten geben die Unternehmen in der Regel an die Verbraucher weiter – die Inflation zieht weiter an, was weitere Forderungen nach Lohnerhöhungen nach sich ziehen kann. Es entsteht eine Lohn-Preis-Spirale, die in eine Rezession und im schlimmsten Fall in eine Hyperinflation münden kann.

Die letzte Stagflation in den westlichen Industrieländern trat während der Ölpreiskrise 1973/74 auf. Damals drosselten die Mitglieder der OPEC (Organisation erdölexportierender Länder) im Zuge des Jom-Kippur-Krieges die Ölfördermengen, wodurch sich die Rohölpreise innerhalb kurzer Zeit vervielfachten. In Deutschland dauerte die Stagflation damals 8 Jahre.

Geldanlage: Was tun bei einer Stagflation?

Wenn es deine finanzielle Situation zulässt, solltest du auch während einer Stagflation weiterhin Geld sparen oder anlegen, um der Geldentwertung durch Inflation entgegenzusteuern und langfristig Vermögen aufzubauen. Wenn du dich z. B. für den Wertpapierhandel mit Aktien entscheidest, kannst du dich auch fragen: Wer profitiert überhaupt von einer Stagflation?

Was passiert mit Aktien bei einer Stagflation?

Während einer Stagflation geraten viele Unternehmen aufgrund der höheren Produktionskosten, des nachlassenden Konsums und der stagnierenden Wirtschaft unter Druck. Es gibt jedoch auch Unternehmen, die von einer Stagflation profitieren und deren Aktienkurse sich dementsprechend positiv entwickeln können.

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Von einer Stagflation profitieren in der Regel Unternehmen, die unverzichtbare Dinge des Alltags anbieten. Dazu zählen z. B. Nahrungsmittel und Getränke, Gebrauchsgüter, Medikamente oder Energie. Denn diese werden trotz der steigenden Preise weiterhin gekauft. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von defensiven Unternehmen oder Branchen. Wenn du in einer Stagflation in solche defensive Aktien investierst, kannst du als Anleger davon profitieren. Beachte jedoch, dass der Aktienhandel generell mit hohen Verlustrisiken bis zum Totalverlust deines eingesetzten Kapitals einhergeht.

Sollte ich bei einer Stagflation in ETFs oder Fonds investieren?

Im Gegensatz zu Einzelaktien kannst du dein Geld mit ETFs und Fonds breit gestreut in eine Vielzahl von Unternehmen und Branchen anlegen und dein Risiko somit diversifizieren. Allerdings zeichnet sich eine Stagflation ja gerade durch Stagnation aus – d. h., die gesamte Wirtschaft eines Landes oder einer Region stagniert oder rutscht sogar in eine Rezession. Dies wirkt sich in der Regel auch negativ auf die Wertentwicklung von ETFs und Fonds aus.

Andererseits kannst du mit speziellen Themen- oder Branchen-ETFs gezielt in ganze defensive oder antizyklische Branchen investieren, die möglicherweise von einer Stagflation profitieren. Bedenke jedoch, dass auch die Geldanlage mit ETFs und Fonds mit zum Teil erheblichen Verlustrisiken verbunden ist. Speziell bei Themen- oder Branchen-ETFs setzt du einseitig auf Unternehmen eines einzelnen Wirtschaftszweigs und gehst damit ein hohes Klumpenrisiko ein.

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Was bedeutet Stagflation für Gold?

Gold gilt grundsätzlich als wertstabile Geldanlage und „sicherer Hafen“. Gerade in Krisenzeiten wie einer Stagflation wird Gold als Geldanlage daher von vielen Anlegern bevorzugt. Tatsächlich konnte Gold historisch betrachtet in Zeiten der Stagflation und Inflation seine Wertaufbewahrungsfunktion erfüllen. Auch während der ersten Ölpreiskrise in den 1970er-Jahren legte der Goldpreis deutlich zu.

Experten weisen jedoch auch darauf hin, dass sich Kriege wie aktuell in der Ukraine weniger stark auf den Goldpreis auswirken als z. B. die Geldpolitik von Notenbanken wie der Europäischen Zentralbank. Gold birgt daher immer Verlustrisiken – auch bei einer Stagflation.

Was bedeutet Stagflation für Immobilien?

Als Sachwerten spricht man Immobilien einen gewissen Inflationsschutz zu. Tatsächlich bezeichnet man Immobilien auch als „Betongold“. In Krisenzeiten wie einer Stagflation können Immobilien als Kapitalanlage oder Wertaufbewahrungsmittel daher eine sinnvolle Alternative zu Investments in Aktien oder andere stark schwankenden Anlageklassen sein.

Ein wichtiger Faktor für die Entwicklung der Immobilienpreise ist jedoch das allgemeine Zinsniveau. Im Kampf gegen die hohe Inflation hat die EZB die Leitzinsen seit 2022 zehn Mal erhöht. Aktuell liegen sie bei 4,5 % (Stand: Januar 2024). Die hohen Leitzinsen wirken sich auch auf die Preise für Kredite aus, z. B. eine Immobilienfinanzierung oder Baufinanzierung. Je höher die Zinsen, desto geringer ist in der Regel auch die Nachfrage nach Immobilien, sodass die Immobilienpreise sinken.

Vor allem Häuser mit hohem Energieverbrauch sind von den sinkenden Immobilienpreisen betroffen. Dagegen fällt der Wertverlust von energieeffizienten Immobilien wie z. B. Passivhäusern (Niedrigenergiehäusern) oder nachhaltig gebauten Gebäuden deutlich weniger stark aus. Übrigens kannst du mit Immobilienfonds auch in Immobilien investieren, ohne diese selbst zu besitzen.

Fazit: Stagflation – mit einem langen Anlagehorizont Krisen trotzen

Im Zuge der Corona-Pandemie und des Ukraine-Krieges geht auch in Deutschland wieder die Gefahr einer Stagflation um. Auch wenn die Inflation inzwischen rückläufig ist, rechnen manche Experten auch für 2024 hierzulande mit einer Rezession.

Trotz der düsteren Aussichten kann es auch in einer Stagflation sinnvoll sein, Geld zu sparen oder anzulegen. Erstens gibt es in jeder Krise Unternehmen, die als Gewinner hervorgehen. Und zweitens haben sich z. B. die Aktienmärkte historisch betrachtet nach Krisenzeiten immer wieder erholt. Um als Anleger Krisen wie einer Stagflation zu trotzen, solltest du einen möglichst langen Anlagehorizont und einen ausgewogenen Mix aus Anlageklassen wählen, der deinem individuellen Risikoprofil entspricht.

Wenn du noch Fragen zu den Themen Anlegen und Investieren hast, kannst du gerne unsere Kundenbetreuer kontaktieren – per Telefon unter 04106 – 708 25 00 oder über unser Kontaktformular. Unsere Kundenbetreuer sind rund um die Uhr für dich erreichbar – 7 Tage die Woche, 24 Stunden am Tag.

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Auswirkung von Inflation: Grundsätzlich beeinflusst die Entwicklung der Inflationsrate deinen Anlageerfolg. Ein daraus resultierender Kaufkraftverlust betrifft sowohl die erzielten Erträge als auch dein investiertes Kapital.

Autor
comdirect Redaktion
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