Skurrile Geldanlagen: Kann man mit LEGO, Whiskey und Co Geld verdienen?

Ein Mann betrachtet Bilder einer Ausstellung.
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Die Idee, in begehrte Sammlerstücke zu investieren, ist nicht neu. Im Kunstmarkt ist es sogar üblich, Werke unbekannter Künstler günstig zu erwerben, um sie später mit einer Wertsteigerung zu verkaufen. Mittlerweile gibt es zahlreiche skurrile Anlagen – LEGO, Whiskey oder Sneaker sind nur einige davon. Wir zeigen, wie man in Sachwerte investieren kann und worauf man achten sollte.

Außergewöhnliche materielle Geldanlagen

Es muss nicht immer die klassische Geldanlage sein: Neben Tages- oder Festgeld, Immobilien oder Wertpapiere gelten mittlerweile auch Sachwerte wie LEGO-Sets, Whiskey oder Oldtimer als gefragte Anlagen. Dass sich Investition in diese Sachwerte durchaus lohnen können, zeigt sich bei den Online-Marktplätzen. Die Online-Handelsplattform eBay bietet begehrte Sammlerstücke beispielsweise in einer eigenen Rubrik an. Hochpreisige Objekte werden hingegen häufig über Auktionshäuser angeboten.

Qualität und Quantität als Anhaltspunkte

Die Wertsteigerung materieller Anlagen ist zum Teil enorm. Grundsätzlich gilt: Je seltener ein Objekt und je höher seine Qualität, desto höher kann der Preis steigen. Sein Alter macht einen Whiskey oder einen Wein also nicht automatisch besonders wertvoll. Das Gleiche gilt für ein originalverpacktes LEGO-Set oder Sneakers. Anleger, die mit skurrilen Geldanlagen tatsächlich Geld verdienen möchten, sollten sich im Vorfeld sorgfältig mit dem Markt und seinen Mechanismen auseinandersetzen. Denn Gewinne sind keinesfalls garantiert, da sich Märkte und Prognosen irren können. Deshalb sollten Anleger die Verlustrisiken berücksichtigen und nur Geld anlegen, dass sie entbehren können.

LEGO als Wertanlage

Kinder lieben die Bausteine des dänischen Herstellers, mit denen sie die Welten ihrer Kinohelden aus Star Wars, Batman oder Harry Potter nachbauen und ihre Abenteuer nachspielen können. Bei Erwachsenen stehen die LEGO-Sets aus ganz anderen Gründen ebenfalls hoch im Kurs: als Investition mit einer lohnenden Wertsteigerung. So lag die unverbindliche Preisempfehlung (UVP) des Herstellers für den LEGO Star Wars Ultimate Collector’s Millennium Falcon 10179 UCS bei 549,99 Euro. Mittlerweile ist das Set im Handel nicht mehr erhältlich. Auf verschiedenen Online-Marktplätzen werden die begehrten Sets mittlerweile zum Vierfachen des Originalpreises angeboten.

Wann steigt LEGO im Wert?

LEGO trägt als Hersteller entscheidend zur Verknappung des Angebots und damit zur teils steigenden Preisentwicklung bei. Denn die begehrten Sets werden zum Teil nur in geringen Mengen produziert und nach einer bestimmten Zeit wieder vom Markt genommen. Durch diese Verknappung sorgt LEGO dafür, dass bestimmte Produkte schnell Kultstatus erlangen.

Wie jede Investition bergen jedoch auch LEGO-Sets ein gewisses Risiko. So kann beispielsweise die Neuauflage eines Produkts, das im Vergleich zur Erstausgabe nur minimal verändert wurde, deren Preis nach unten drücken.

Welche LEGO-Sets steigen im Wert?

LEGO bietet Sets an, die sich speziell an Erwachsene und Sammler richtet. Dafür gibt es sogar eine eigene Bezeichnung: Adult Fans of LEGO (kurz AFOL). Zu den teuersten Sets zählen: der AT-AT, der Millenium Falcon und der Imperiale Sternenzerstörer. Ihr Originalpreis liegt zwischen 699,99 und 799,99 Euro. Ob ihr Wert tatsächlich steigt, hängt jedoch nicht nur vom Originalpreis ab. Es spielt auch eine Rolle, in welchen Stückzahlen ein Set produziert wurde. Zudem ist für Anleger, die mit LEGO-Sets Gewinn machen wollen, der richtige Zeitpunkt entscheidend. Endet der Lebenszyklus eines Produkts, ist eine Wertsteigerung wahrscheinlich. Spezielle Webseiten informieren Interessierte darüber, welche Sets voraussichtlich im Wert steigen werden. Allerdings sind diese Aussagen nicht verlässlich.

Whiskey als Geldanlage

Laut dem „Luxury Investment Index 2020“ des britischen Maklerunternehmens Knight Frank zählt Whiskey zu den lohnendsten Geldanlagen. In den letzten 10 Jahren wurde eine Wertsteigerung von 483 Prozent erzielt. Dabei erzielen insbesondere die Whiskey-Raritäten der schottischen Brennerei Macallan immer wieder Höchstpreise. Angeboten werden sie meist über die großen internationalen Auktionshäuser wie Christies oder Sotheby‘s. 2019 wurde mit dem 60 Jahre alten „The Macallan 1926 Fine & Rare“ der teuerste Whiskey der Welt bei Sotheby‘s für 1.452.000 GBP (umgerechnet rund 1.692.722 Euro) ersteigert.

Wann ist ein Whiskey wertvoll?

Ein Whiskey, der sich als Geldanlage eignet, muss besondere Kriterien erfüllen. Denn teuer allein ist hier noch keine Garantie für eine Wertsteigerung. Vielmehr bestimmen Qualität und Seltenheit den Preis. Ein echter Whiskey hat einen Alkoholgehalt von mindestens 40 Volumenprozent und muss mindestens 3 Jahre lang in Holzfässern gereift sein. Bei einem Single Malt gelten sogar noch strengere Bestimmungen: Er wird ausschließlich aus Wasser und gemälzter Gerste destilliert, stammt aus nur einer Brennerei und wird in Kupferbrennblasen hergestellt.

Stammt ein Whiskey aus einer Destillerie, die es mittlerweile nicht mehr gibt, wurde er in einer limitierten Auflage hergestellt und ist er beispielsweise nur in ausgewählten Ländern erhältlich, macht ihn dies häufig zu einer seltenen Spezialität, die sich entsprechend im Preis niederschlägt.

Welche Whiskeys steigen im Wert?

Wer in Whiskey investieren möchte, findet die geeigneten Sorten nicht im Supermarkt, sondern im Fachhandel oder bei Auktionen. Hier können Anleger sich einen Eindruck verschaffen, welche Sorten als Geldanlage infrage kommen. Viele Anleger setzen auf Whiskey aus dem Hause Macallan. Der Macallan Aera beispielsweise wird ausschließlich für den taiwanesischen Markt produziert und ist in Europa nur schwer zu bekommen. Orientierung bietet auch die Whiskey-Bibel des Experten John Murray.

Infografik zur Wertsteigerung verschiedener materieller Anlagen.
Betrachtet man die Wertsteigerung der letzten 10 Jahren, kann sich die Investition in materielle Wertanlagen lohnen.

Uhren als Wertanlage

Obwohl die durchschnittliche Wertsteigerung von Uhren laut „Luxery Investment Index 2021“ in den letzten 10 Jahren bei 87 % lag, ist es selbst für Experten schwer zu sagen, welche Luxusuhren nicht an Wert verlieren und sich als Kapitalanlage eignen. Bei einem Kauf stehen häufig auch der persönliche Geschmack und der uhrmacherische Wert im Vordergrund. Zudem gilt auch hier, dass die Chancen auf eine Wertsteigerung bei limitierten Auflagen höher sind. Uhren von Rolex, Omega oder Patek Philippe sind häufig als Wertanlage gefragt.

Gut zu wissen: Der Markt ist aber weder transparent noch homogen. Entsprechend kommt es bei Uhren als Wertanlage darauf an, den richtigen Zeitpunkt abzuwarten und die Preisunterschiede in den unterschiedlichen Märkten zu nutzen.

Uhren mit Wertsteigerung

Die besten Preise lassen sich über die großen Auktionshäuser erzielen. Nicht selten übertreffen die erzielten Preise hier den geschätzten Wert. So erzielte beispielsweise eine goldene Taschenuhr der Marke Rolex bei einer Auktion bei Christies im November 2021 mit 125.000 CHF (rund 120.000 Euro) den vier- bis fünffachen Preis des zuvor geschätzten Wertes.

Sneakers als Geldanlage

Sneakers sammeln ist schon lange ein Trend und mittlerweile sind sie auch eine beliebte Wertanlage. Das Modell Converse Chuck Taylor All Star mit der Unterschrift des Nirvana Sängers Kurt Cobain wird beispielsweise für 220 Euro bei eBay gehandelt – getragen. Sogar Aktionshäuser bieten gebrauchte Schuhe an. So schätzt Sotheby’s den Wert für ein paar Nike Moon Shoes, einem Laufschuh, der erstmals zur Olympiade 1972 auf den Markt kam, auf 150.000 USD (rund 133.000 Euro).

Welche Sneakers werden teuer?

Ob sich Sneakers tatsächlich als Kapitalanlage lohnen, hängt von mehreren Faktoren ab. Auch hier sorgen die Hersteller mit limitierten Auflagen für eine künstliche Verknappung und damit für eine Wertsteigerung. Ungetragene und originalverpackte Modelle erzielen in der Regel bessere Preise als getragene Sneakers. Und sogar die Schuhgröße kann Einfluss auf den Wert der Turnschuhe haben. Der wohl aber wichtigste Faktor ist das richtige Timing ab, denn der Markt ist extrem schnelllebig: Sneakers, die heute in Mode sind, können morgen schon nicht mehr gefragt sein.

Wein als Wertanlage

Gute Weine gehören zu den begehrtesten Sammlerstücken. Statt den edlen Tropfen zu trinken, lagern die Schätze weltweit in den Weinkellern ihrer Besitzer. Dass sich Weine als Wertanlage lohnen, bestätigt der „Luxery Investment Index 2021“: Wein hat in den vergangenen 10 Jahren eine durchschnittliche Wertsteigerung von fast 120 % erfahren.

Wie kann man in Wein investieren?

Wer in Aktien investiert, benötigt Fachwissen. Gleiches gilt für die Investition in Wein. Der Preis hängt stark vom Produzenten und dem Jahrgang ab. Aber auch die richtige Lagerung, Vertrieb und der Zustand des Weines spielen eine wichtige Rolle. Für Händler kann es sich bereits lohnen, einen preiswerten Flaschenwein in großen Mengen einzukaufen und ihn mehrere Jahre aufzubewahren. In jedem Fall lohnt sich der Kontakt zu einem Weinhändler oder Wein-Broker, der im entscheidenden Moment einen Anlagewein besorgen kann. Denn auch beim Weininvestment sind Weine, die nur in geringer Menge produziert wurden, besonders begehrt.

Welcher Wein ist wertvoll?

Weine aus berühmten Weingütern wie dem französischen Château Smith Haut Lafitte südlich von Bordeaux sind weltberühmt und entsprechend begehrt. Ihre Bordeaux-Weine erzielen regelmäßig hohe Gewinne. Grundsätzlich sollten Anleger bei einem Investment darauf achten, dass die Weine in Originalkartons und Originalkisten angeboten werden und ihr Etikett unbeschädigt ist. Investoren setzen zudem häufig auf größere Flaschen, die zwischen 1,5 und 12 Litern fassen. Der Wein reift in den Großflaschen besser und sie kommen meist nur in geringen Stückzahlen auf den Markt.

Kunst als Geldanlage

Wer auf eine schnelle Rendite aus ist, ist im Kunstmarkt eher fehl am Platz. Um in Kunst zu investieren, müssen Anleger neben Fachwissen meist sehr viel Geduld mitbringen. Um so wichtiger ist es, das investierte Kapital tatsächlich zur Verfügung zu haben. Gerät ein Anleger unter Druck und muss verkaufen, wird ein Investment in Kunst schnell zum Verlust. In welche Werke ein Anleger investiert, hängt also nicht nur vom Budget ab, sondern sollte auch seinen ureigenen Zweck erfüllen und den Anleger erfreuen.

Kann Kunst an Wert verlieren?

Die Bewertung von Kunst ist eine komplexe Angelegenheit. Werke bereits bekannter Künstler werden meist hochgehandelt. Werke noch unbekannter Künstler können mit der Zeit aber auch enorme Wertsteigerungen erfahren. Bei älteren Werken kommt es natürlich immer auch auf den Zustand eines Objekts an. Und auch das Motiv kann den Preis durchaus in die Höhe treiben. Eine Garantie, dass der Wert eines Kunstwerks steigt, gibt es wie bei allen anderen Investments nicht. Allerdings kann Kunst eigentlich auch nicht an Wert verlieren, solange Anleger in Werke investieren, die ihnen gefallen – so bleibt dem Sammler immer noch die Freude beim Betrachten des Kunstwerks.

Fazit: Skurrile Geldanlagen sind gefragt

In den vergangenen Jahren haben viele materielle Geldanlagen eine Wertsteigerung erfahren. Wer beispielsweise in Wein, Whiskey oder Uhren investieren möchte, sollte sich vorab umfassend informieren. Denn nicht immer ist der Preis entscheidend – auch Hersteller, Verfügbarkeit und Lagerung spielen beispielsweise bei Wein und Whiskey eine Rolle. Mittlerweile beschäftigen sich auch immer mehr Experten mit den materiellen Geldanlagen, sodass sich Interessierte auch im Internet umfassend informieren können. Allerdings können auch die Einschätzungen der Experten falsch liegen und das Investment letztlich zum Verlust werden.

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