Risikoprofil Geldanlage – Surfer in Portugal aus der Vogelperspektive.
Risikoprofil Geldanlage – Surfer in Portugal aus der Vogelperspektive.
© Sergej via Adobe Stock

Dein Risikoprofil für die Geldanlage erstellen

  • Dein Risikoprofil zeigt, wie viel Risiko du bei der Geldanlage tragen kannst und willst.
  • Für dein Risikoprofil musst du deine Risikofähigkeit und -bereitschaft bestimmen.
  • Mit dem passenden Anlagemix kannst du dein Portfolio auf dein Risikoprofil zuschneiden.

Definition: Was ist ein Risikoprofil für Anlegerinnen und Anleger?

Jede Form der Geldanlage birgt Risiken. Denn Renditechancen gehen immer mit Verlustrisiken bis hin zum Totalverlust deines eingesetzten Kapitals einher. Bevor du beginnst, Geld in Aktien, ETFs, Fonds oder andere Wertpapiere zu investieren, solltest du daher dein persönliches Risikoprofil bestimmen.

Das Risikoprofil in der Geldanlage sagt aus, wie viel Risiko du als Anlegerin oder Anleger einzugehen bereit bist. Das Risikoprofil bildet die Basis für dein Risiko- und Money-Management. In das Risikoprofil fließen sowohl objektive als auch subjektive Kriterien ein.

So hängt dein Risikoprofil beispielsweise von deinen finanziellen Möglichkeiten ab – aber auch von der Frage, ob du bei fallenden Kursen nachts noch ruhig schlafen kannst. Aus all diesen Faktoren ergibt sich, welcher Anlagetyp du bist.

Icon Glühbirne

In Deutschland genießt du als Privatanlegerin oder -anleger besonderen Anlegerschutz. So hast du beispielsweise die Möglichkeit, dich über die Chancen und Risiken von Finanzprodukten zu informieren und bezüglich deiner persönlichen Risikoeinschätzung beraten zu lassen. Zum Beispiel sind Anbieter von Anlageprodukten in der EU verpflichtet, sogenannte Basisinformationsblätter (BIB) zur Verfügung zu stellen. Diese weisen unter anderem einen festen Risikoindikator für das entsprechende Produkt aus.

5 Anlagetypen: Welche Risikoprofile gibt es?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Anlagetypen zu klassifizieren. Die folgende Einteilung bietet eine mögliche Orientierung – sie ist allerdings kein einheitlicher Standard. Welcher Anlagetyp du bist, hängt von deiner persönlichen Risikofähigkeit und Risikobereitschaft ab. Diese basieren – wie bereits erwähnt – auf verschiedenen objektiven und subjektiven Faktoren und führen dazu, dass dein Risikoprofil immer individuell ist.

In der folgenden Tabelle stellen wir dir fünf Risikoprofile beziehungsweise Anlagetypen vor – von konservativ bis spekulativ.

AnlagetypMerkmaleAnlageklassen (Beispiele)
Typ 1: VorsichtigLegt hohen Wert auf Sicherheit
Möchte Risiken und Schwankungen möglichst vermeiden
Geringe Erwartungen an die Rendite
Bevorzugt hohe Liquidität
Tagesgeld
Festgeld
Anleihen
Typ 2: KonservativLegt Wert auf eine robuste Geldanlage
Setzt auf risikoarmen Anlagemix
Niedrige bis moderate Rendite-Erwartungen
Legt Wert auf Liquidität
Fonds
Mischfonds
Rentenfonds
(zusätzlich zu den risikoärmeren möglich)
Typ 3: BodenständigNimmt moderate Risiken in Kauf
Mittlere Rendite-Erwartungen
Diversifizierter Mix aus stabilen und renditestarken Anlagen  
Investmentfonds
Aktienfonds
(zusätzlich zu den risikoärmeren möglich)
Typ 4: RisikofreudigStrebt nach attraktiven Renditen
Akzeptiert Risiken und Schwankungen als unvermeidlich
Nutzt Trading-Instrumente, die eher für kurzfristiges Handeln ausgelegt sind und hohe bis sehr hohe Verlustrisiken mit sich bringen
Aktienfonds
ETFs
Einzelaktien
(zusätzlich zu den risikoärmeren möglich)
Typ 5: SpekulativStrebt nach maximaler Rendite
Sicherheit und Liquidität sind weniger wichtig
Nutzt Trading-Instrumente, die eher für kurzfristiges Handeln ausgelegt sind und hohe bis sehr hohe Verlustrisiken mit sich bringen
Einzelaktien
Derivate
Kryptowährungen
Krypto-ETFs
NFTs
(zusätzlich zu den risikoärmeren möglich)
Welche Anlagetypen oder Risikoprofile gibt es?

Das comdirect Depot

Für das comdirect Depot zahlst du in den ersten 3 Jahren keine Entgelte für die Depotführung.

Welcher Anlagetyp bin ich? Wie kann ich mein Risikoprofil erstellen?

Um dein persönliches Risikoprofil für die Geldanlage zu erstellen, kannst du dich an den nachfolgenden Fragen orientieren. Wir unterscheiden zu diesem Zweck zwischen objektiven und subjektiven Kriterien, die bestimmen, welchem Anlagetyp du dich zuordnen kannst.

Risikoprofil erstellen: Risikofähigkeit oder Risikotoleranz bestimmen

Im 1. Schritt widmen wir uns deiner Risikofähigkeit oder Risikotoleranz. Dabei geht es vor allem um Fragen, die deine finanziellen Möglichkeiten betreffen, Verluste auszusitzen oder hinzunehmen.

Die 1. Frage betrifft deinen Anlagehorizont. Setzt du auf die Buy-and-Hold-Strategie, um dein Geld bis zur nächsten größeren Anschaffung oder sogar bis zur Rente anzulegen? Oder strebst du stattdessen nach schnellen Gewinnen? Grundsätzlich gilt: Je länger dein Anlagehorizont, desto mehr Risiko kannst du eingehen, weil du mehr Zeit hast, Verluste und Schwankungen „auszusitzen“. Dabei gilt ein Anlagehorizont bis 5 Jahre als kurz, von 5 bis 10 Jahren als mittel und von über 10 Jahren als lang.

Falls du ein Darlehen für eine Baufinanzierung oder einen Ratenkredit aufgenommen hast, solltest du den Fokus zunächst darauf legen, deine Schulden abzubauen, denn Kreditzinsen sind häufig teuer. Möchtest du trotz Schulden einen Teil deines Geldes anlegen, solltest du die Risiken möglichst gering halten.

Deine Risikofähigkeit hängt stark davon ab, wie viel Vermögen und finanzielle Rücklagen du besitzt. Berücksichtige bei deiner Bestandsaufnahme ruhig auch Geld, das du bereits in sichere Anlageklassen wie Tagesgeld oder die Festgeldanlage investiert hast.

Je mehr Vermögen dir zur Verfügung steht, desto mehr Risiko kannst du bei der Geldanlage eingehen, da du auch bei möglichen Verlusten abgesichert bist und länger auf dein investiertes Geld verzichten kann.

Deine berufliche Sicherheit und die Höhe deines Einkommens spielen für dein Risikoprofil eine wichtige Rolle. So kannst du als angestellte oder verbeamtete Person mehr Risiko bei der Geldanlage eingehen als eine selbstständige Person mit schwer planbaren oder schwankenden Einkünften.

Schließlich ist auch dein Anlageziel für deine Risikofähigkeit oder -toleranz von Bedeutung. Wenn du beispielsweise Geld fürs Alter anlegst, um deine Rentenlücke zu schließen, solltest du nicht zu hohe Risiken eingehen. Denn wenn du kurz vor Renteneintritt hohe Verluste verbüßt, kann sich deine Situation im schlimmsten Fall noch verschlechtern.

Risikoprofil bestimmen: Risikobereitschaft ermitteln

Im 2. Schritt solltest du dich mit deiner persönlichen Risikobereitschaft beschäftigen. Gemeint sind deine emotionale Fähigkeit und Bereitschaft, Wertschwankungen und Verluste hinzunehmen.

Icon Glühbirne

Auch dein Alter spielt für dein persönliches Risikoprofil eine Rolle. Eine Faustformel ist die „100 minus Lebensalter“-Regel. Die besagt: Wenn du dein Lebensalter von 100 abziehst, erhältst du einen groben Richtwert für den prozentualen Anteil von Aktien in deinem Portfolio. Dazu können z. B. Einzelaktien und Aktienfonds zählen oder auch andere vergleichbare, stark schwankende Anlagen. Die Theorie dahinter: Je jünger du bist, desto mehr Zeit hast du, Verluste schwankungsanfälliger Anlageklassen auszusitzen.

In der Geldanlage bezeichnet man das Risiko auch als Renditeprämie. Die Idee dahinter: Die Rendite ist eine „Belohnung“ für das eingegangene Risiko. Das heißt: Je höher das Risiko, desto höher auch die mögliche Rendite.

Hier spielen deine persönlichen Renditeerwartungen eine Rolle: Geht es dir eher um den Vermögenserhalt oder möchtest du dein Geld vermehren und bist bereit, für attraktive Renditen auch höhere Risiken einzugehen und Schwankungen in Kauf zu nehmen?

Was du als Anlegerin oder Anleger berücksichtigen musst: Wertpapiere wie Aktien (Einzelaktien aber auch Aktien-ETFs und Aktien-Fonds) unterliegen dem ständigen Auf und Ab der Börsen. Für dein persönliches Risikoprofil solltest du einschätzen können, wie du auf zwischenzeitliche Verluste reagierst.

Neigst du in Krisenzeiten zu schlaflosen Nächten und Panikverkäufen? Oder bist du mental in der Lage, bei einem Börsen-Crash an deiner Anlagestrategie festzuhalten oder Kursrutsche sogar zum Nachkaufen zu nutzen?

Schließlich sollten auch deine Kenntnisse und Erfahrungen mit der Geldanlage in dein Risikoprofil einfließen. Kennst du dich mit den unterschiedlichen Anlageklassen aus und verstehst du deren Funktionsweise und Risiken? Bist du bereit, das Marktgeschehen regelmäßig zu verfolgen oder fühlst du dich mit passivem Investieren wohler?

Was sind Beispiele für das Risikoprofil in der Geldanlage?

Anhand von 2 Beispielen wollen wir dir zeigen, wie die individuelle Risikofähigkeit und -bereitschaft in das Risikoprofil für die Geldanlage einfließen. Bei den farblichen Markierungen in der nachfolgenden Tabelle steht Grün für ein niedriges, Lila für ein mittleres und Rot für ein hohes Risiko. Die Einordnung erfolgt nicht nach einem offiziellen Schema, sondern eher nach gängigen Orientierungshilfen.

KriterienBeispiel 1: JuleBeispiel 2: Florian
Anlagehorizont> 10 Jahre5–10 Jahre
SchuldenKeineGering
VermögenMittelHoch
Berufliche SicherheitMittelHoch
AnlageschwerpunktSicherheit und LiquiditätRendite
RisikobereitschaftNiedrigHoch
ErfahrungNiedrigSehr erfahren
RisikoprofilNiedrig bis mittelHoch

Bei Jule überwiegen die Kriterien, die für ein niedriges oder mittleres Risiko sprechen – trotz Schuldenfreiheit und langem Anlagehorizont. Folglich sollte sie bei der Geldanlage sicherheitsorientiert bis konservativ vorgehen.

Im Gegensatz dazu erfüllt Florian viele Kriterien des risikofreudigen Anlagetyps. Seine hohe Risikobereitschaft entspricht seinen Renditeerwartungen, seiner Börsenerfahrung und seinem hohen, sicheren Einkommen. Der mittlere Anlagehorizont und die geringen Schulden sprechen zwar eher für ein mittleres Risikoprofil, fallen aber nicht so stark ins Gewicht.

Was bedeutet mein Risikoprofil für meine Vermögensaufteilung?

Dein Risikoprofil bildet die Basis für deine Asset Allocation. So lautet der Fachbegriff dafür, wie du dein Vermögen auf verschiedene Anlageklassen aufteilst, um ein Portfolio aufzubauen, das deinem persönlichen Risikoprofil für die Geldanlage entspricht.

Wie so oft im Leben, kommt es auch beim Investieren auf den richtigen Mix an. Das Stichwort lautet Diversifikation: Je nach Risikoprofil solltest du dein Vermögen auf Anlagen unterschiedlicher Risikoklassen aufteilen. Einen Teil deines Kapitals investierst du in riskante, aber potenziell renditestarke Assets wie z. B. Aktien. Den anderen Teil „parkst“ du in sicheren, aber renditearmen Anlageklassen wie z. B. Tages- oder Festgeld.

Icon Glühbirne

Informiere dich im comdirect Magazin auch über die unterschiedlichen Risikoklassen bei Fonds und ETFs.

Was ist das magische Dreieck der Geldanlage?

Um zu bestimmen, wie „sicher“ oder „spekulativ“ eine Anlageform ist, kannst du das magische Dreieck der Geldanlage zurate ziehen. Das magische Dreieck beschreibt die 3 wichtigsten Kriterien bei der Geldanlage: Rendite, Sicherheit und Liquidität bzw. Verfügbarkeit. Dabei stehen alle 3 Aspekte stets in Wechselwirkung zueinander.

Die perfekte Geldanlage ist sicher, wirft hohe Renditen ab und ist zugleich jederzeit schnell verfügbar. Der Haken daran: Eine solche Anlageform gibt es nicht. Tatsächlich konkurrieren bei jeder Anlageform mindestens 2 Ziele miteinander, sodass keine Assetklasse alle 3 Kriterien des magischen Dreiecks erfüllt.

Grafische Darstellung des magischen Dreiecks der Geldanlage
Das magische Dreieck der Geldanlage hilft dir bei der Auswahl der passenden Anlageklassen.
Icon Glühbirne

Mit Discount-Zertifikaten können risikofreudige Anlegende von starken Schwankungen an den Börsen zu profitieren.

Fazit: Das Risikoprofil in der Geldanlage – Basis für dein passend diversifiziertes Portfolio

Jede Anlegerin und jeder Anleger ist anders: Die einen legen Wert auf Sicherheit, die anderen streben möglichst hohe Renditen an. Diese Individualität spiegelt sich in deinem Risikoprofil für die Geldanlage wider.

Wie viel Risiko du tragen kannst und willst, hängt von verschiedenen objektiven und subjektiven Kriterien ab. Bevor du dein Geld anlegst, solltest du dir deshalb die richtigen Fragen stellen, um herauszufinden, welcher Anlagetyp du bist.

Dein so ermitteltes Risikoprofil bildet die Basis für die Vermögensaufteilung. Mit dem passenden Anlagemix kannst du dir ein Portfolio aufbauen, das deiner individuellen Risikofähigkeit und -bereitschaft entspricht. In jedem Fall ist Diversifikation stets der Schlüssel, um die richtige Balance aus sicheren und renditeorientierten Anlageklassen zu finden.

Auswirkung von Inflation: Grundsätzlich beeinflusst die Entwicklung der Inflationsrate deinen Anlageerfolg. Ein daraus resultierender Kaufkraftverlust betrifft sowohl die erzielten Erträge als auch dein investiertes Kapital.

Wenn du noch Fragen zu den Themen Anlegen und Investieren hast, kannst du gerne unsere Kundenbetreuerinnen und Kundenbetreuer kontaktieren – per Telefon unter 04106 – 708 25 00 oder über unser Kontaktformular. Unsere Kundenbetreuerinnen und Kundenbetreuer sind rund um die Uhr für dich erreichbar – 7 Tage die Woche, 24 Stunden am Tag.

Autor
comdirect Redaktion
mehr verstehen. mehr vermögen. – Finanzthemen müssen nicht kompliziert sein. Unsere Expertinnen und Experten fassen hier alles Wissenswerte rund um das Thema Anlegen & Investieren zusammen, damit du eigenständig Finanzentscheidungen treffen kannst.
top