Anlagestrategien Rebalancing: So funktioniert Umschichten bei Anlagestrategien

Symbolbild für Rebalancing: Ein Mann balanciert auf einem Seil zwischen zwei Felsvorsprüngen bei Sonnenaufgang.
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Zocken, Traden, Hedging — für manche Anleger ist das viel zu hektisch. Oft stellen sie ihr Depot lieber gemäß der persönlichen Risikoneigung zusammen und ändern dieses nach dem Kauf der Anlagen nicht mehr. Diese sogenannte Buy-and-Hold-Strategie bringt allerdings hinsichtlich einer Wertentwicklung nicht die optimalen Erfolge. Denn im Zeitverlauf kann die Gewichtung einzelner Anlageklassen von der ursprünglichen Depotstruktur erheblich abweichen und dadurch das Anlagerisiko zunehmen. In diesem Artikel erläutern wir, wie Sie mit Rebalancing Ihr Risiko besser steuern und so Ihr Portfolio stabilisieren können. Erfahren Sie zudem, welche Rebalancing-Strategien es gibt und was dabei jeweils zu beachten ist.

Was ist Rebalancing?

Beim Rebalancing setzen Anleger ihr Portfolio durch Umschichtung der Geldanlagen auf die zu Beginn festgelegte Gewichtung zurück, also auf die ursprüngliche Aufteilung des Gesamtportfolios. Dies kann in einem breit diversifizierten Portfolios die Wiederherstellung der ursprünglichen Gewichtung von verschiedene Assetklassen wie Aktien, Anleihen, Immobilien oder Rohstoffe meinen. Denkbar ist zum Beispiel auch das Rebalancen eines reinen Aktienportfolios. Abweichungen zur Zielgewichtung können im Laufe der Zeit entstehen, da sich durch unregelmäßige Wertentwicklungen infolge von Kursschwankungen die Gewichtung einzelner Anlageklassen verändern kann.

Gut zu wissen: Das Rebalancing eignet sich nicht nur für die Buy-and-Hold-Strategie, sondern auch für andere Strategien wie das Value Investing oder Stockpicking.

Kurzer Exkurs: Asset Allocation und Rebalancing

Die Asset Allocation, auf Deutsch auch Vermögensaufteilung, macht für das Rebalancing in zweifacher Hinsicht Sinn: Zum einen kann ein Investor so leichter feststellen, ob sein Portfolio im Zeitablauf von einer festgelegten Zielstruktur abgewichen ist und inwieweit ein Rebalancing-Bedarf besteht. Zum anderen verteilt der Anleger im Rahmen der Asset Allocation sein Vermögen auf unterschiedliche Anlageklassen mit dem Ziel, möglichst hohe Renditen bei möglichst geringem Risiko zu erzielen.

Hintergrund: Einzelne Anlageklassen besitzen ein unterschiedliches Risiko-Rendite-Profil. Investments mit hohen Renditechancen wie Aktien, Aktienfonds oder ETFs unterliegen höheren Kursschwankungen (Volatilität) und dem Risiko zwischenzeitlicher Kursverluste. Anleihen sowie Fest-, Tages- und kurzlaufende festverzinsliche Wertpapiere (Geldmarktanlagen) bieten moderate bis wenig Rendite und unterliegen nur mittleren bis geringen Kursschwankungen. Sie korrelieren in der Regel negativ mit den Aktienanlagen undgleichen so deren Volatilität.

Warum ist Rebalancing sinnvoll?

Einzelne Anlageklassen unterliegen also einer hohen Volatilität und können im Laufe der Zeit im Portfolio ein wesentlich höheres Gewicht einnehmen als vielleicht ursprünglich geplant. Anleger gehen unbeabsichtigt Risiken ein, wenn sie ihre Wertpapiere nach dem Kauf im Depot einfach liegen lassen.

Regelmäßiges Rebalancing kann sogar gegenüber anderen Strategien wie der Buy-and-Hold-Strategie zu langfristig zusätzlichen Renditen führen und das Anlagerisiko senken. Zusammengefasst lässt sich also sagen, dass Anleger mithilfe von Rebalancing:

  • das Risiko ihrer Anlagen verringern,
  • durch antizyklische Käufe ggf. eine zusätzliche Rendite (Rebalancing-Bonus) erzielen und
  • unerwartete Übertreibungen vermeiden können.

Wie funktioniert Rebalancing?

Beim Rebalancing schichten Investoren ihr Kapital zwischen den einzelnen Anlageklassen ihres Portfolios so um, dass dessen Zusammensetzung wieder dem Ausgangszustand entspricht. Das Rebalancing kann dabei nach drei verschiedenen Ansätzen erfolgen: nach Gewichtung, mit frischem Geld oder mit geänderten Sparplänen.

Rebalancing nach Gewichtung

Bei einem Portfolio-Rebalancing nach Gewichtung gilt es zunächst zu überprüfen, inwieweit die einzelnen Anlagen des Depots von der ursprünglichen Vermögensallokation abweichen. Anschließend werden Anteile in Positionen verkauft, die sich im Vergleich zu ihrer anfänglichen Gewichtung besser entwickelt haben. Gleichzeitig stockt man Positionen auf, die eine vergleichsweise schlechtere Wertentwicklung verzeichnen.

Beispiel: Anlagestruktur von 50 % Aktien und 50 % Anleihen

Wenn die Aktien eines Depots durch eine starke Wertenwicklung 65 % des Portfolios ausmachen, liegt der Anleiheanteil nur noch bei 35 %. Anleger können durch den Verkauf von Aktien oder Anteilen ihrer Aktienfonds bzw. ETFs die Aktienquote wieder auf 50 % reduzieren. Gleichzeitig können Investoren den Rentenanteil durch Zukäufe wieder auf 50 % erhöhen.

Rebalancing mit frischem Geld

Ist die Gewichtung der Aktienanlagen aus dem Ruder gelaufen, können Anleger deren Quote auch verringern, indem sie zum Beispiel mit frischem Geld risikoarme Anlagen hinzukaufen. Als zusätzliches Bargeld eignen sich etwa Ausschüttungen aus nicht thesaurierenden Aktien-ETFs. Mit diesen Beträgen können dann weitere Anteile von Renten-ETFs oder Geldmarktanlagen gekauft werden.

Rebalancing durch Sparplanänderung

Besitzt ein Anleger einen Sparplan für Aktien- und Anleihen-ETFs, bei dem sich das Gewicht der Aktien-ETFs erhöht hat, kann der Ansparbetrag entweder verringert oder der Sparplan eine Weile ausgesetzt werden. Die so freigewordenen Ansparbeträge könnten in schwankungsarme ETFs umgeleitet werden.

Rebalancing: Wie es in 3 Schritten abläuft.

Wie oft ist Rebalancing notwendig?

Rebalancing macht nur Sinn, wenn es regelmäßig durchgeführt wird. Am besten werden die einzelnen Positionen gegenüber der anfänglichen Depotaufteilung einmal jährlich zu einem bestimmten Zeitpunkt überprüft. Bei größeren Vermögen kann sogar eine viertel- oder halbjährliche Anpassung Sinn machen. Große Publikumsfonds balancieren ihr Fondsvermögen permanent oder mindestens monatlich aus, da deren Performance an einem Index gemessen wird.

Vor allem bietet sich Rebalancing an, wenn:

  • erhebliche Abweichungen der Asset Allocation vom ursprünglichen Zustand vorliegen. Beispielsweise, wenn Positionen ihre ursprüngliche Gewichtung um 20 % überschreiten.
  • sich die Zusammensetzung der Börsenindizes verändert und Anleger mit ihren Aktien einen Index nachgebildet haben.
  • wenn sich Lebensumstände ändern. Beispielsweise, wenn der Ruhestand näher rückt und risikoärmere Geldanlagen höher gewichtet werden sollten.

Gut zu wissen: Bei der Geldanlage mit cominvest erfolgt täglich automatisch ein Rebalancing des Portfolios, ohne dass Anleger eingreifen oder für die zusätzlichen Transaktionen bezahlen müssen.

Was ist beim Rebalancing zu beachten?

Anleger sollten sich bewusst sein, dass eine Umschichtung beim Rebalancing in der Regel mit Kosten verbunden ist. Das können beispielsweise Transaktionskosten oder Steuern auf realisierte Gewinne sein. Beim Fonds-Rebalancing kommen zudem noch Ausgabeaufschläge hinzu. Beachtet werden sollte auch, dass es zum Beispiel bei Dachfonds zu doppelten Transaktionskosten kommen kann – bei der Investition des Dachfonds in seine Zielfonds und beim Kauf beziehungsweise Verkauf des Dachfonds durch den Anleger.

Bei kleineren Depots können die Kosten eines Rebalancings die angefallenen Kursgewinne aufzehren, daher macht es in diesen Fällen keinen Sinn. Als Faustregel gilt: Das Umschichten rentiert sich nicht, wenn die Kosten mehr als 1 % des Anlagebetrags ausmachen. Auch für Portfolios mit physischen Edelmetallen oder Kryptowährungen ist das Rebalancing in der Regel zu teuer.

Sie haben noch Fragen rund um das Thema Rebalancing oder zu Geldanalgen und Sparplänen? Bei comdirect finden Sie viele weiterführende Informationen zu Anlagestrategien, zum Investieren mit ETFs oder zum Value Investing. Bei individuellen Fragen können Sie jederzeit unsere Kundenbetreuer kontaktieren – per Livechat, per Telefon unter 04106 – 708 25 00 oder über unser Kontaktformular. Unsere Kundenbetreuer sind rund um die Uhr verfügbar.