Alle Infos Was ist eine Nichtveranlagungs­bescheinigung?

Ein älteres Pärchen läuft Arm in Arm am Strand entlang.
© kate_sept2004 via iStockphoto/Getty Images

Mit einer Nichtveranlagungs­bescheinigung kann man sich per Definition von der Abgeltungssteuer auf Kapitalerträge freistellen lassen. Doch wer hat Anspruch auf eine sogenannte NV-Bescheinigung und wann lohnt sich der Antrag? Diese und weitere Fragen beantworten wir für Sie in diesem Artikel. Außerdem erklären wir unter anderem auch, wie und wo Sie eine Nichtveranlagungs­bescheinigung bekommen, wie lange eine NV-Bescheinigung gültig ist und ob auch die Möglichkeit besteht, die Bescheinigung rückwirkend zu beantragen.

Wofür braucht man eine Nichtveranlagungs­bescheinigung?

Eine Nichtveranlagungs­bescheinigung bestätigt dem Inhaber, dass dessen Einkünfte so geringfügig sind, dass keine Einkommenssteuer abgeführt werden muss und deshalb keine jährliche Einkommenssteuererklärung abgeben werden muss. Konkret ist das der Fall, wenn das Einkommen unter dem Grundfreibetrag liegt. Dieser bemisst sich am Existenzminimum und soll sicherstellen, dass der notwendige Lebensunterhalt bestritten werden kann – also jedem Deutschen genügend Geld für Nahrung, Kleidung und Miete zur Verfügung steht. Der Grundfreibetrag wird jedes Jahr vom Bundesfinanzministerium an die Entwicklung der Lebenshaltungskosten angepasst. Für 2021 beträgt er 9.744 Euro bei Einzelveranlagung bzw. 19.488 Euro bei zusammenveranlagten Personen.

Wer hat Anspruch auf Nichtveranlagungs­bescheinigung?

Anspruch auf eine Nichtveranlagungs­bescheinigung hat also nur, wer mit seinen Einkünften unter dem jährlichen Grundfreibetrag liegt. Das allein bedeutet allerdings nicht, dass es sich in jedem Fall auch lohnt, eine NV-Bescheinigung zu beantragen.

Wann lohnt sich eine Nichtveranlagungs­bescheinigung?

Interessant ist eine Nichtveranlagungs­bescheinigung vor allem für Kapitalanleger mit ansonsten keinen oder nur niedrigen Einkünften. Von einer NV-Bescheinigung können häufig beispielsweise Rentner, Studenten oder Geringverdiener, die durch langjähriges Sparen bereits Vermögen aufgebaut haben und Gewinne bzw. Dividenden durch ein Wertpapierdepot erzielen, profitieren. Banken sind nämlich verpflichtet, auf Kapitalerträge Abgeltungssteuer in Höhe von 25 % einzubehalten und an das Finanzamt abzuführen.

Gut zu wissen: Wenn Ihre Kapitalerträge in einem Jahr unter dem Sparer-Pauschbetrag von 801 Euro (Stand Dezember 2020) liegen, reicht es aus, Ihrer Bank einen Freistellungsauftrag zu erteilen.

Selbst wenn keine Einkommenssteuer fällig wird, kann es also sein, dass Steuern auf Kapitaleinkünfte wie Zinsen, Dividenden und realisierte Kursgewinne erhoben werden – und zwar, wenn diese über dem Sparer-Pauschbetrag liegen. Dieser sieht vor, dass Kapitaleinkünfte bis 801 Euro (bzw. 1.602 Euro bei zusammenveranlagten Personen) pro Jahr steuerfrei sind (Stand Dezember 2020). Erst wenn dieser Betrag überschritten wird, fällt für den überschreitenden Teil die Kapitalertragssteuer an. Mit einer NV-Bescheinigung kann man auch bei Kapitaleinkünften, die den Sparer-Pauschbetrag überschreiten, verhindern, dass die Abgeltungssteuer automatisch abgeführt wird. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die eigenen Einkünfte – einschließlich der Kapitalerträge – den Grundfreibetrag nicht übersteigen.

Beispiel: Als Rentner unterschreiten Sie mit Ihrer monatlichen Rente den Grundfreibetrag. Zusätzlich können Sie jedoch durch den Handel mit Aktien und das Sparen mit ETFs Einkünfte aus Kapitalvermögen erzielen und dadurch den Sparer-Pauschbetrag womöglich überschreiten. Insgesamt liegen Sie mit Rente und Kapitalerträgen allerdings unter dem Grundfreibetrag. Sie könnten eine NV-Bescheinigung beantragen und sich dadurch von der Abgeltungssteuer freistellen lassen.

Übersicht über die Voraussetzungen für eine NV-Bescheinigung.
Wann lohnt sich eine Nichtveranlagungsbescheinigung?

Wo bekomme ich eine Nichtveranlagungs­bescheinigung?

Um eine Nichtveranlagungs­bescheinigung zu bekommen, müssen Sie beim zuständigen Finanzamt einen „Antrag auf Ausstellung einer Nichtveranlagungs­bescheinigung“ stellen. Auf dem zweiseitigen Vordruck sind neben den allgemeinen Angaben zur Person wie Name, Geburtsdatum, Adresse und Steuer-ID folgende Informationen bereitzustellen:

  • Angaben zur bisherigen Steuerveranlagung
  • die Anzahl der benötigten Bescheinigungen
  • vollständige Auflistung der voraussichtlichen Einkünfte in allen Einkunftsarten

Wie können Kapitalerträge ohne Abzug der Abgeltungssteuer ausgezahlt werden?

Gut zu wissen: Wenn das Finanzamt Ihnen eine Nichtveranlagungs­bescheinigung ausstellt und sie diese bei Ihrer Bank vorlegen, erübrigt sich ein Freistellungsauftrag.

Seit 2009 behalten Kreditinstitute automatisch 25 % Abgeltungssteuer auf Kapitalerträge ein. Damit eine Bank berechtigt ist, Kapitalerträge ohne Abzug von Abgeltungssteuer an Anleger auszuzahlen, muss ihr eine Nichtveranlagungs­bescheinigung vorliegen.

Muss ich die NV-Bescheinigung bei der Bank abgeben?

Gut zu wissen: Wenn Sie bei mehreren Banken Kapitalerträge erzielen, müssen Sie bei jeder Bank eine NV-Bescheinigung vorlegen, um den automatischen Steuerabzug zu verhindern.

Sobald das Finanzamt Ihnen die Nichtveranlagungs­bescheinigung ausgestellt hat, müssen Sie diese an Ihre Bank weiterleiten. Damit ist die Bank berechtigt, Kapitalerträge ohne Abzug von Abgeltungssteuer auszuzahlen. Die Vorlage der NV-Bescheinigung beim Kreditinstitut muss im Original erfolgen – eine Kopie oder eingescannte Kopie der Bescheinigung reicht nicht aus.

Wie lange ist die NV-Bescheinigung gültig?

Gut zu wissen: In unserem comdirect magazin finden Sie zahlreiche spannende Ratgeber mit nützlichen Tipps rund um das Investment – beispielsweise zum Investmentsteuer­reformgesetz oder zu Immobilien als Kapitalanlage.

Die Nichtveranlagungs­bescheinigung wird für drei Jahre ausgestellt und endet am Schluss des dritten Kalenderjahres. Sofern die Einkünfte nach Ablauf der Bescheinigung den Grundfreibetrag weiterhin unterschreiten, muss eine neue NV-Bescheinigung beantragt werden. Außerdem gilt: Wenn das Finanzamt die Nichtveranlagungs­bescheinigung zurückfordert oder Sie selbst als Inhaber einer NV-Bescheinigung erkennen, dass die Voraussetzungen für die Erteilung weggefallen sind, müssen Sie die NV-Bescheinigung sofort an das Finanzamt zurückgegeben.

Kann man eine Nichtveranlagungs­bescheinigung rückwirkend beantragen?

Gut zu wissen: Bei comdirect können Sie eine Nichtveranlagungs­bescheinigung ebenso wie einen Freistellungsauftrag bis zum 31.01. des Folgejahres für das abgelaufene Geschäftsjahr einreichen. Für die Berücksichtigung in 2020 muss die Bescheinigung demzufolge bis 31.01.2021 vorliegen.

Rückwirkend kann eine Nichtveranlagungs­bescheinigung beim Finanzamt nicht beantragt werden. Es besteht jedoch die Möglichkeit, bereits bezahlte Abgeltungssteuer im Rahmen einer Steuererklärung vom Finanzamt erstatten zu lassen. Normalerweise muss die NV-Bescheinigung dem Kreditinstitut vorliegen, bevor die Kapitalertragssteuer abgeführt worden ist. Viele Banken sind jedoch kulant und berücksichtigen auch eine nachträglich vorgelegte NV-Bescheinigung. Die bis dahin getätigten Geschäfte werden steuerlich nachberechnet und die bereits abgeführten Steuern erstattet.

Grafik mit den wichtigsten Infos zur Nichtveranlagungsbescheinigung.
Die wichtigsten Infos zur Nichtveranlagungsbescheinigung.

Sie haben noch Fragen rund um das Thema Nichtveranlagungs­bescheinigung oder zu anderen Bankangelegenheiten? Bei Fragen können Sie jederzeit unsere Kundenbetreuer kontaktieren – per Telefon unter 04106 – 708 25 00, über unser Kontaktformular oder per Live-Chat. Unsere Kundenbetreuer sind rund um die Uhr für Sie erreichbar – 7 Tage die Woche, 24 Stunden am Tag.

Die steuerliche Behandlung hängt von den persönlichen Verhältnissen des jeweiligen Kunden ab. Die Rechtsgrundlagen für die Besteuerung von Kapitaleinkünften können sich ändern. Die comdirect bank AG übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen auf dem Gebiet des Steuerrechtes. Die zur Verfügung gestellten Informationen ersetzen keine persönliche Steuer- oder Rechtsberatung.