Nachhaltigkeit Megatrend mit Einfluss auf die Wirtschaft und meine Finanzen

Nachhaltigkeit – Megatrend mit Einfluss
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Der Begriff „Nachhaltigkeit“ begegnet uns in den Medien, beim Einkaufen, auf der Arbeit oder auch bei der Geldanlage immer wieder. Das ist nicht verwunderlich, denn schließlich geht es bei diesem Thema nicht nur um unser heutiges Leben, sondern auch um das Leben, das viele Generationen nach uns führen werden. Doch welche Rolle spielt Nachhaltigkeit im Finanzwesen und welchen Einfluss hat es auf die Finanzen? Ein Blick auf diesen unausweichlichen Megatrend.

Was bedeutet „nachhaltig“?

Im Alltagsgebrauch kann vieles nachhaltig sein, z.B. ein langlebiger Elektronikartikel, ein Mehrwegbecher oder ein E-Auto. Nachhaltigkeit wird meist besonders umweltfreundlichen Produkten zugesprochen, wie Bio-Gemüse oder Kleidung aus Bio-Baumwolle.

Dieser Begriff von Nachhaltigkeit umfasst überwiegend den Umweltschutz oder die Langlebigkeit von Produkt. Doch Nachhaltigkeit geht weit darüber hinaus. Wenn etwas nachhaltig ist, werden dafür möglichst wenig oder überhaupt keine endlichen Ressourcen auf unserem Planeten verwendet.

Das Konzept der Nachhaltigkeit ist schon über 300 Jahre alt

Ganz neu ist diese Idee nicht, denn schon im 18. Jahrhundert hat ein Deutscher, der Freiberger Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz in einer Abhandlung über die Forstwirtschaft von Nachhaltigkeit gesprochen. Für ihn war das ein stabiles Gleichgewicht zwischen Abholzung und Aufforstung. Dank seiner Idee der Nachhaltigkeit sollten immer nur so viele Bäume gefällt werden, wie in einem bestimmten Zeitraum wieder nachwachsen konnten. Das Ziel von Nachhaltigkeit im Sinne Carlowitz‘ war es, so den Baumbestand und die Forstwirtschaft langfristig zu sichern.

Nachhaltigkeit im Sinne der Vereinten Nationen

International wurde das Thema „Nachhaltigkeit“ durch den sogenannten „Brundtland-Report“ im Jahr 1987 definiert. Die Bezeichnung geht auf den ehemaligen norwegischen Ministerpräsidenten Gro Harlem Brundtland zurück, der für die Vereinten Nationen einen Bericht über den Zustand der Umwelt und deren Entwicklung erstellt hatte. Dort wurde Nachhaltigkeit so definiert:

„Humanity has the ability to make development sustainable – to ensure that it meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs.“

Quelle: UNESCO

“Die Menschheit ist in der Lage, die Entwicklung nachhaltig zu gestalten, d. h. sicherzustellen, dass sie die Bedürfnisse der Gegenwart erfüllt, ohne die Fähigkeit künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen.”

Mit der sogenannten „Agenda 2030“ haben die Vereinten Nationen im Jahr 2015 17 Nachhaltigkeitsziele festgelegt, die sogenannten „Sustainable Development Goals“, kurz SDG. Bis zum Jahr 2030 sollen Länder und Regierungen weltweit Maßnahmen in die Wege leiten, welche die Lebensverhältnisse der Menschen verbessern und die Erde für künftige Generationen bewahren sollen. Die Basis dieser nachhaltigen Entwicklung bilden neben dem wirtschaftlichen Fortschritt und dem Schutz der Umwelt auch die soziale Gerechtigkeit, indem Armut und Hunger bekämpft werden. Auch Klimaschutzprogramme gehören zur Agenda 2030 der UN.

Nachhaltigkeit in Deutschland

Deutschland hat sich aktiv zur Agenda 2030 der UN bekannt und bereits 2016 eine eigene Nachhaltigkeitsstrategie definiert. Zur konkreten Umsetzung der Agenda 2030 gehört das 2019 verabschiedete und 2021 novellierte Klimaschutzgesetz, das u.a. zum Ziel hat, die Treibhausgasemissionen in Deutschland bis zum Jahr 2045 zu neutralisieren.

Die Drei Säulen der Nachhaltigkeit
Die Drei Säulen der Nachhaltigkeit

Die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit lässt sich auf drei verschiedenen Ebenen erzielen:

  • Ökologische Nachhaltigkeit bedeutet, natürliche Ressourcen rücksichtsvoll und mit Weitsicht zu nutzen, um das Überleben der menschlichen Spezies auch in Zukunft zu sichern.
  • Ökonomische Nachhaltigkeit bedeutet, den wirtschaftlichen Ertrag zu steigern und dabei gleichzeitig die dafür notwendigen Ressourcen aufrecht zu erhalten.
  • Soziale Nachhaltigkeit bedeutet, mit dem eigenen Handeln zum Überwinden von Armut und Hunger beizutragen, Geschlechtergerechtigkeit und hochwertige Bildung zu fördern sowie menschenunwürdige Arbeit oder Kinderarbeit zu bannen.

Alle drei Dimensionen stehen dabei nicht für sich allein, sondern können sich auch untereinander bedingen.

Warum Nachhaltigkeit essenziell für unsere Zukunft ist

Nachhaltigkeit auf ökologischer, ökonomischer und sozialer Basis ist elementar für die Zukunft der Menschheit. So wird sichergestellt, dass der Mensch die ihm zur Verfügung stehenden Ressourcen sinnvoll und mit Rücksicht auf die nachfolgenden Generationen nutzt. Gleichzeitig wird der soziale Frieden durch soziale Nachhaltigkeit gefördert und mehr Menschen haben die Möglichkeit, ein besseres Leben zu führen. Aus wirtschaftlicher Sicht ist Nachhaltigkeit die Basis für Effizienz.

Earth Overshot Day

Auf das drängende Thema der ökologischen Nachhaltigkeit weist jedes Jahr der sogenannte „Earth Overshot Day“ hin. Er geht auf eine Kampagne der Organisation „Global Footprint Network“ zurück und gibt den Tag des Jahres an, an welchem der Verbrauch an nachwachsenden Rohstoffen die Kapazität zu deren Regeneration übersteigt. Es ist also der Tag, an welchem der Mensch mehr verbraucht als nachwachsen kann. Im Jahr 2021 fiel der Earth Overshot Day auf den 29. Juli.

Übersicht über den Earth Overshoot Day seit 1970
Übersicht über den Earth Overshoot Day seit 1970.

Staatliches Engagement für mehr Nachhaltigkeit

Innerhalb der EU und in Deutschland gibt es bereits verschiedene Maßnahmen und Programme, die Nachhaltigkeit fördern:

EU-Plastikverbot

Seit dem 3. Juli 2021 sind in der EU die Produktion sowie das Inverkehrbringen von Einweggeschirr und -besteck sowie weitere Einwegverpackungen aus Plastik verboten.

Klimaschutzprogramm 2030

Mit dem bereits 2019 verabschiedeten und 2021 novellierten Klimaschutzgesetz verfolgt die Bundesregierung ihr Klimaschutzprogramm 2030. Bis zum Jahr 2030 soll die Bundesrepublik im Vergleich zu 1990 55 Prozent weniger Treibhausgase ausstoßen. Die verabschiedeten Klimaziele sollen dabei wirtschaftlich nachhaltig und sozial ausgewogen sein. Im Zuge des Klimaschutzprogramms gibt es seit 2021 z.B. eine Bepreisung von CO2-Emissionen, die allgemein auch „CO2-Steuer“ genannt wird.

Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG)

Im Rahmen des Klimaschutzprogramms 2030 hat die Bundesregierung mit der BEG die bisherigen Förderprogramme für energetische Sanierungen oder Heizungssanierungen zusammengefasst und optimiert. Hausbesitzer erhalten staatliche Zuschüsse über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) oder Tilgungszuschüsse für Kredite der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), wenn sie z.B. alte Heizungen gegen moderne tauschen oder ein energieeffizientes Gebäude nach dem KfW-Standard kaufen oder bauen.

Auto-Prämie

Um den Umstieg auf Elektromobilität zu fördern, bietet die Bundesregierung einen Umweltbonus für Kauf oder Leasing von Elektroautos, die sogenannte „E-Auto-Prämie“, an.

Die Förderung von Nachhaltigkeit durch Bundesprogramme erfolgt vor allem durch finanzielle Anreize. Mit dem EU-Plastikverbot ebenso wie mit Vorgaben zum Emissionsschutz wie der Bundesimmissionsschutzverordnung wird Nachhaltigkeit mit Hilfe von gesetzlichen Vorgaben gestärkt.

Nachhaltige Geldanlagen

Wer Vermögen aufbauen möchte hat auch hier die Möglichkeit, nachhaltig zu handeln. Im Fokus stehen dabei vor allem die Unternehmen, in die mit Wertpapieren investiert wird oder entsprechende nachhaltige Fonds, die wiederum in nachhaltig wirtschaftende oder arbeitende Firmen investieren.

Was bedeutet nachhaltig Geld anlegen? Worauf kann ich als Anleger achten?

Eine nachhaltige Geldanlage (engl. „sustainable investments“ bzw. „social responsible investment“, SRI) kann sich auf die bereits oben genannten drei Dimensionen der Nachhaltigkeit beziehen.

Etabliert hat sich mittlerweile das Kürzel ESG für nachhaltige Geldanlagen. Es steht für „environmental, social, governance“ und beruft sich auf die von der UN definierten nachhaltigen Entwicklungsziele (SDG).

Entsprechend mit ESG-Kriterien beschriebene Geldanlagen berücksichtigen, dass Unternehmen ökologisch handeln, soziale Werte achten und selbst ethisch wie moralisch hohe Ansprüche haben.

Manche Fonds oder Zertifikate erhalten Namenszusätze wie „sustainable“, „nachhaltig“ oder „grün“ und sollen so den nachhaltigen Charakter des Investments hervorheben. Allerdings handelt es sich hier meist um Marketing-Bezeichnungen. Die ESG-Kriterien haben sich als Standards für nachhaltige Investments weitgehend durchgesetzt.

Unterschiedliche Nachhaltigkeitslabels für Geldanlagen.
Unterschiedliche Nachhaltigkeitslabels für Geldanlagen.

Es gibt keinen einheitlichen und anerkannten Standard für nachhaltige Investments

Auch wenn es das ESG-Label und andere mögliche Hinweise für nachhaltige Geldanlagen gibt, existieren bis dato keine einheitlichen Standards. Das hat u.a. folgende Ursachen:

Die aufgestellten Kriterien sind nicht verbindlich.

Bis dato (Stand: 08/2021) ist der Begriff „nachhaltig“ bei Geldanlagen nicht geschützt oder standardisiert. Ob ein Investment ökologisch oder sozial nachhaltig ist, kann jedes Unternehmen selbst definieren bzw. etwas Anderes damit bezeichnen.

Die ESG-Kriterien beziehen sich auf unterschiedliche Aspekte.

Um eine Geldanlage anhand der ESG-Kriterien zu beurteilen, nutzen Unternehmen oder Finanzdienstleister unterschiedliche Ansätze. So können die Geldanlagen z.B. entweder anhand von Positivkriterien (Es wird nur in Firmen investiert, die selbst nachhaltig wirtschaften oder die sich in besonderem Maße sozial engagieren.) oder Negativkriterien (Es werden Firmen vom Investment ausgeschlossen, die nicht nachhaltig wirtschaften und z.B. Öl fördern oder Waffen produzieren.) Manche Anbieter nutzen die ESG-Kriterien aber auch für einen „Best-of-Class“-Ansatz, um die Firmen innerhalb einer Branche oder Sektors auszuwählen, die am nachhaltigsten arbeiten. In diesem Fall können das trotzdem Firmen sein, die Kohle fördern oder zur Rüstungsindustrie zählen. Anleger wählen dann das „kleinere Übel“ beim Thema Nachhaltigkeit.

Die unterschiedlichen Ansätze zeigen, dass eine nachhaltige Geldanlage immer vom Blickwinkel des Anbieters und des Kunden selbst abhängt.

Die Ratings für Nachhaltigkeit werden unterschiedlich bewertet.

Viele Vermögensverwalter oder institutionelle Investoren nutzen sogenannte „ESG-Ratings“, um die Nachhaltigkeit von Geldanlagen zu beurteilen. Doch auch hier gibt es keine einheitliche Vorgehensweise der Agenturen. Manche nutzen öffentlich einsehbare Daten, andere wiederum greifen auf Informationen von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) zurück. Unternehmen selbst können ihre Nachhaltigkeitsberichte nach eigenen Kriterien erstellen, was die objektive Bewertung durch Ratingagenturen erschwert.

Taxonomie-Verordnung

Mit der sogenannten „EU-Taxonomie“ soll es ab 2022 (also erstmals für das Berichtsjahr 2021) ein einheitliches Klassifizierungssystem geben, das Nachhaltigkeit von Unternehmen anhand fester Prüfkriterien objektiv bestimmen kann.

So gilt eine Unternehmensaktivität als nachhaltig, wenn sie mindestens eines von sechs Kriterien zur Nachhaltigkeit erfüllt. Dazu zählen Klimaschutz, Anpassung an den Klimawandel, nachhaltiger Umgang mit und Schutz von natürlichen Ressourcen, Transformation zur Kreislaufwirtschaft, Verhinderung von Umweltverschmutzung sowie Schutz und Wiederherstellung von Ökosystemen.

Der „Investor Impact“ als Kriterium für eine nachhaltige Geldanlage

Allgemein kann eine Geldanlage als nachhaltig angesehen werden, wenn Investoren Unternehmen durch ihr Investment dazu bringen, nachhaltig zu handeln. In diesem Fall wird vom sogenannten „Investor Impact“ gesprochen, also von dem Einfluss des Investors.

Hier finden Sie umfassende Informationen zum Thema „Impact Investing“.

Als Beispiel: Sie investieren Ihr Geld in ein Aufforstungsprojekt zur nachhaltigen Waldwirtschaft. In diesem Fall würden Sie das Unternehmen direkt dazu bringen, nachhaltig zu wirtschaften.
Im Gegensatz dazu wäre eine Investition in die Aktien dieses Unternehmens nur eine indirekte Beteiligung, die das Unternehmen nicht zum nachhaltigen Wirtschaften auffordern würde. Es würden lediglich die Aktien den Besitzer wechseln.

Investoren können sich bei der Frage nach der Nachhaltigkeit ihrer Geldanlage immer fragen, wie hoch ihr Investor Impact tatsächlich ist.

Kriterien für Impact Investing
Kriterien für Impact Investing

Trend: Auch institutionelle Anleger setzen auf Nachhaltigkeit

Große institutionelle Anleger wie der Norwegische Staatsfonds oder auch der Fondsverwalter Blackrock setzen auf nachhaltiges Investments. So verringert der Norwegische Staatsfonds sukzessive seine Beteiligungen an Firmen aus dem Öl- oder Kohlesektor und investiert stattdessen verstärkt in den Bereich „Erneuerbare Energien“. Für Blackrock wird Nachhaltigkeit zum „Standard bei Anlagelösungen“. Dabei möchte das Unternehmen auf ESG-Faktoren zurückgreifen.

Eine Studie aus 2021 hat gezeigt, dass über 70 Prozent der institutionellen deutschen Großanleger Nachhaltigkeit bei ihren Investitionen berücksichtigen.

Nachhaltige Geldanlage – nur Greenwashing?

Auch wenn es bis dato noch keine einheitlichen Standards zur Bewertung nachhaltiger Investments gibt, bieten die ESG-Kriterien wichtige Anhaltspunkte für Anleger. Ob es sich bei den Unternehmen tatsächlich um nachhaltig wirtschaftende Firmen handelt oder ob es vielmehr um Marketing und das sogenannte „Greenwashing“ geht, kann dabei nicht immer eindeutig beurteilt werden. Allerdings werden die Kriterien für Nachhaltigkeit durch die EU-Taxonomie einheitlicher und vergleichbarer.

Anleger selbst können sich mit eigener Recherche zu ihren Investments sowie dem Verfolgen von Presseberichten und Unternehmensberichten zusätzlich ein Bild vom Umfang der Nachhaltigkeit in Unternehmen machen. Letztlich haben sie es mit ihrem Investment selbst in der Hand, ob sie ein Unternehmen auf dem Weg zur Nachhaltigkeit unterstützen oder nicht.

Nachhaltiges Bauen

Der Wohnraum in Großstädten wird immer knapper. Umso größer wird der Bedarf an Wohnungen und Häusern. Seit 2010 steigt deshalb jährlich die Zahl an fertiggestellten Wohnungen. Allein 2020 wurden über 300.000 Wohnungen in Deutschland geschaffen. (Quelle: Statista)

Allerdings ist jeder Neubau mit einem großen Aufwand an natürlichen Ressourcen verbunden. Gleichzeitig wird durch Gebäude, Wege und Straßen natürliche Fläche versiegelt. Aus diesem Grund spielt das Thema Nachhaltigkeit vor allem aus ökologischer Sicht eine zentrale Rolle beim Bauen.

Was bedeutet Nachhaltigkeit im Bau?

Nachhaltiges Bauen kann auf verschiedenen Ebenen definiert werden.

Umweltschutz und Energieeffizienz

Ein Gebäude verbraucht nicht nur bei der Errichtung Ressourcen und Energie, sondern auch bei der täglichen Nutzung. Nachhaltiges Bauen bedeutet demnach nicht nur beim Bau selbst möglichst wenig Energie und Ressourcen zu verbrauchen, sondern mit dem Gebäude bzw. der Art des Gebäudes und dessen technischer Ausstattung zum nachhaltigen Umgang mit Energie und Ressourcen beizutragen. Beim Bauen kommen statt Beton und Kunststoffen immer häufiger natürliche Materialien zum Einsatz. So erlebt das Bauen mit Holz eine Renaissance, ebenso wie die Wärmedämmung aus nachwachsenden Rohstoffen wie Holz oder Stroh.­ Die Gebäudetechnik wird immer energieeffizienter. Hier gibt es auch entsprechende Vorgaben über das Gebäudeenergiegesetz (GEG), welches seit 2020 das Energieeinspargesetz (EnEG), die Energieeinsparverordnung (EnEV) und das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) bündelt.

Wirtschaftlichkeit und Langlebigkeit

Nachhaltiges Bauen bedeutet auch, dass Gebäude langlebig sind und viele Jahre bestehen bleiben. Gleichzeitig soll ihr Betrieb so wenig Kosten wie möglich verursachen und Anpassungen sollen möglichst ohne großen finanziellen Aufwand ermöglicht werden können.

Komfort und Funktionalität

Nachhaltige Gebäude bieten Bewohnern den größtmöglichen Komfort sowie eine hohe Wohnqualität.

Landesbauordnungen fördern nachhaltiges Bauen mit Holz

Um den Bau nachhaltiger Gebäude zu fördern, wurden viele Landesbauordnungen 2020 bzw. 2021 novelliert. So umfasst z.B. die erneuerte Landesbauordnung in Bayern neue Regelungen zum Holzbau.

Staatliche Förderung für nachhaltiges Bauen und Sanieren

Der Bund bietet Hausbesitzern mit der Bundesförderung effizienter Gebäude (BEG) die Möglichkeit, Nicht-Wohngebäude und Wohngebäude gefördert energetisch zu sanieren oder Förderung für den Kauf bzw. Bau energiesparender Gebäude zu erhalten.

Die Förderung wird als Zuschuss für Einzelmaßnahmen (BEG EM) wie die Heizungssanierung mit einer Gas-Hybridheizung oder einer Erneuerbaren-Energien-Hybridheizung (EE-Hybridheizung) über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) ausgezahlt. Hausbesitzer können z.B. beim Austausch einer über 30 Jahre alten Ölheizung bis zu 45 Prozent an staatlicher Förderung auf die Investitionskosten erhalten.

Hier finden Sie alle Informationen zur Baufinanzierung mit comdirect.

Über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) lassen sich im Rahmen der BEG zinsgünstige Kredite für den Bau oder Kauf von Gebäuden beantragen. Kreditnehmer erhalten abhängig vom erreichten Energieeffizienzstandard außerdem Tilgungszuschüsse für ihr Darlehen.

E-Mobilität

Elektroautos, E-Bikes, E-Roller, E-Busse, Elektromobilität ist in aller Munde. Insbesondere der Markt für E-Autos wächst und in Deutschland wurden im ersten Halbjahr 2021 mehr Elektroautos zugelassen als Diesel-PKW.

Was bedeutet „Elektromobilität“?

Doch warum ist E-Mobilität nachhaltig? Ist sie es überhaupt? Ein Überblick.

Elektromobilität bezeichnet allgemein die Nutzung von Fahrzeugen mit Elektromotor. Dieser Motor bezieht seine elektrische Energie aus einem Akku, der wiederum über ein Stromnetz aufgeladen werden muss. Allgemein gilt Elektromobilität als nachhaltig, weil für diese Art von Antrieb keine fossilen Kraftstoffe verbrannt werden müssen. E-Mobilität ist somit theoretisch emissionsfrei und CO2-neutral.

Im Alltag wird E-Mobilität überwiegend auf Fahrzeuge für private Verbraucher bezogen, doch umfasst das Gesamtkonzept noch viel mehr. Elektromobilität umfasst auch den Güterverkehr und die gesamte Warenlogistik.

Damit Elektromobilität aus ökologischer Sicht nachhaltig ist, muss der dafür genutzte Strom klimaneutral erzeugt werden. Aus sozialer und ökologischer Sicht ist es außerdem erforderlich, dass das Rohmaterial für die Batterien (z.B. Lithium oder Kobalt) nicht in Krisenregionen geschürft oder mit Hilfe von Kinderarbeit gewonnen wird. Darüber hinaus sollte sichergestellt sein, dass die Akkus für die E-Mobile in hohem Maße recycelt werden können.

Lesen Sie hier mehr über den Durchbruch der E-Mobilität in Deutschland.

Vor- und Nachteile von Elektromobilität im Überblick

Vorteile:

  • Bei CO2-neutraler Stromerzeugung ist E-Mobilität emissionsfrei und klimaneutral.
  • Der Straßenverkehr wird leiser.
  • Die Umwelt wird nicht mehr durch Ölförderung beeinträchtigt.

Nachteile:

  • Die Reichweite von E-Fahrzeugen ist aufgrund der aktuellen Batterietechnik noch nicht vergleichbar mit der von Verbrennern.
  • Die bisherigen Batterien benötigen Bodenschätze, die oftmals unter fragwürdigen Bedingungen gewonnen werden, z.B. in Kriegsgebieten in der Demokratischen Republik Kongo (Kobalt oder Koltan).
  • Durch den Wegfall von Verbrennungsmotoren werden viele Arbeitsplätze bei Zulieferern in Deutschland überflüssig.

Antriebsarten E-Mobilität

Ziel der elektromobilen Zukunft ist, dass es im Straßenverkehr ausschließlich batteriebetriebene Fahrzeuge, sogenannte BEV (battery electric vehicles) gibt. Aktuell werden noch HEV (Hybrid-PKW mit Verbrennungs- und Elektromotor) sowie Mild-Hybrid und PHEV (plug-in hybrid electric vehicle) eingesetzt.

Insbesondere bei Hybrid-PKW ist fraglich, wie nachhaltig diese sind. Denn aufgrund ihrer zwei Motoren sind diese Autos deutlich schwerer und verbrauchen im Verbrennungsbetrieb deutlich mehr Kraftstoff.

Wo steht Deutschland bei der Elektromobilität?

Im Jahr 2020 wurden in Deutschland über 190.000 E-Autos zugelassen. Mehr als eine halbe Million Hybrid-Autos erhielten ebenfalls eine Zulassung. Im gleichen Jahr gab es laut Kraftfahrzeugbundesamt (KBA) hingegen noch über 48 Millionen Zulassungen für Verbrenner.

Allerdings weist der Trend bei der Zulassung von E-Autos deutlich nach oben. So betrug der Anteil an zugelassenen E-Autos für die privaten Nutzung bis Juni 2021 in Deutschland laut KBA 48,8 Prozent. Also ist mittlerweile fast jeder zweite neu zugelassene PKW in Deutschland ein E-Auto.

E-Mobilität weltweit

In den Vereinigten Staaten wurden schon 2018 über eine Million Elektroautos zugelassen.

Im Jahr 2020 erhielten auf der ganzen Welt über drei Millionen Elektrofahrzeuge ihre Straßenzulassung. Spitzenreiter war in jenem Jahr Europa mit 1,37 Millionen, gefolgt von China mit 1,2 Millionen Zulassungen.

Prognosen gehen davon aus, dass ab dem Jahr 2035 mehr E-Autos verkauft werden als PKW mit Verbrennungsmotor.

Bestand an E-Autos weltweit seit 2016.
Bestand an E-Autos weltweit seit 2016.

Wichtige Voraussetzung für die Ausweitung der E-Mobilität: Die Ladeinfrastruktur

Auch wenn der Verkauf an E-Autos in Deutschland stetig steigt, hinkt der Ausbau der Ladeinfrastruktur noch hinterher. Bis Ende 2020 gab es in Deutschland über 15.000 Ladepunkte für E-Autos. Geplant ist, diese Zahl bis 2030 auf über 100.000 zu steigern.

Ladestationen für E-Mobilität
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Ladestationen für E-Mobilität

Deutsche Autohersteller und Elektromobilität

Mittlerweile sind alle deutschen Autobauer auf dem Markt für E-Autos vertreten. VW hat mit der ID-Reihe eine eigene Marke für E-Autos entwickelt. Der Konzern plant mit bis zu 80 verschiedenen Modellen und möchte bis 2025 rund 30 Milliarden Euro in die Zukunftstechnologie E-Mobilität investieren. Der Konzern hat u.a. auf einer griechischen Ägäis-Insel ein E-Auto-Projekt zur Erforschung der Technologie gestartet.

Auch andere Hersteller wie Audi mit den E-Tron-Modellen, Mercedes mit den EQ-Fahrzeugen, BMW mit den i-Modellen sowie Porsche mit seinem Modell Taycan sind im Automobilsektor mit eigenen E-Autos vertreten.

In Europa sind Renault, Citroen und Fiat, in Asien Nissan und Toyota sowie in den USA Ford und GM in den Markt für E-Autos eingetreten.

Bis heute (Stand: 08/2021) ist der US-Autobauer Tesla noch weltweiter Marktführer bei E-PKW. Bis Ende 2020 hat das Unternehmen fast eine halbe Millionen Elektroautos auf den Markt gebracht. (Quelle: Statista). Mit dem Bau der neuen „Giga-Factory“ in Grünheide bei Berlin möchte das Unternehmen seine Marktstellung in Europa noch weiter ausbauen, mit eigener Batteriefabrik und der Produktion des Model Y.

Zukunftsfähigkeit der Elektromobilität

Mobilitätsforscher sehen in der Elektromobilität einen wichtigen Schritt zum nachhaltigen Verkehr. Ob die E-Mobilität jedoch der einzige Weg in eine fossilfreie automobile Zukunft ist, bleibt noch unklar.

So hängt die Nachhaltigkeit von E-Autos weiterhin von der Weiterentwicklung der Batterietechnik und den darin enthaltenen Rohstoffen ab. Außerdem ist es aus ökologischer Hinsicht wichtig, dass der Strom für E-Mobilität CO2-neutral produziert wird. Damit hängt die Nachhaltigkeit der Elektromobilität auch maßgeblich vom Ausbau erneuerbarer Energien ab.

Um E-Autos oder auch E-LKW und -Transporter flächendeckend einzusetzen, fehlt es immer noch an einem ausreichend dichten Netz an Ladepunkten.

Einige Länder schreiten jedoch voran, so zum Beispiel Norwegen, wo bereits über 60 Prozent der Fahrzeuge elektrisch fahren. Länder wie Spanien gehen ebenfalls konsequent den Weg in das Zeitalter der Elektromobilität und verbieten Verbrennungsmotoren ab 2040.

Alternativen zur E-Mobilität

Obwohl die Elektromobilität als neues Zeitalter ein wichtiger Megatrend im Bereich Nachhaltigkeit bleibt, gibt es auch Alternativen, deren Potenziale noch nicht ausgeschöpft sind.

Derzeit werden weiterhin Alternativen zu fossilen Brennstoffen erforscht. Der deutsche Autobauer Porsche forscht bereits an „E-Fuels“. Dabei handelt es sich um Kraftstoffe, die synthetisch aus CO2 und Wasserstoff hergestellt werden. Bei der Verbrennung sind diese Kraftstoffe klimaneutral.

Erfahren Sie hier, wie Sie mit comdirect in Wasserstoff investieren können.

Neben diesen Entwicklungen wird weiter am Wasserstoffantrieb sowie an der Brennstoffzelle geforscht. Sie gelten vor allem im Schiffsverkehr sowie im Güterverkehr mit LKW als mögliche nachhaltige Alternative zum fossilen Kraftstoff.

Erneuerbare Energien

Bei der Erzeugung von Wärme und Strom gehören Erneuerbare Energien zu einem wichtigen Baustein zu mehr Nachhaltigkeit. Sie tragen im Wesentlichen die Energiewende in Deutschland und die damit verbundene Abkehr von der Atomenergie.

In Deutschland wurde laut Umweltbundesamt 2020 mehr als 45 Prozent des Stroms mit Hilfe von Erneuerbaren Energien erzeugt, also mit Wind-, Wasser- und Sonnenkraft. Mehr als 15 Prozent der genutzten Wärme wurde ebenfalls mit Erneuerbaren geschaffen, mit Solarthermie, Geothermie und dem Verbrennen von Biomasse.

Was sind Erneuerbare Energien?

Erneuerbare Energien sind Energieträger, die nicht fossilen Ursprungs sind. Sie tragen zur nachhaltigen Energieversorgung bei. Wichtige Energieträger sind Sonnen- und Windenergie, aber auch Biomasse. In Deutschland betrug die Leistung der installierten Photovoltaik-Anlagen 2019 bereits 47,5 Gigawatt.

2020 erzeugten Windkraftanlagen in Deutschland 131 Terrawattstunden Strom bei einer Anlagenleistung von 62 Gigawatt.

Staatliche Förderung für nachhaltigere Wärmeerzeugung

Im Jahr 2019 wurden laut Bundeswirtschaftsministerium rund 14,7 Prozent des Endenergieverbrauchs an Wärme mit Erneuerbaren Energien erzielt. Um diesen Anteil zu erhöhen, bietet der Staat Haushalten die Möglichkeit, hohe Förderungen für die Sanierung der Heizungssysteme oder die energetische Sanierung von Gebäuden zu erhalten. Hierfür wurde die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) geschaffen. Sie bündelt alle bisherigen Programme.

Die staatliche Förderung ist eine Konsequenz der Klimaschutzziele der EU. So sollen die Treibhausgasemissionen innerhalb der EU bis zum Jahr 2030 um mindestens 55 Prozent niedriger ausfallen als im Vergleichsjahr 1990.

Hier lesen Sie mehr über KfW-Förderprogramme zur Heizungssanierung.

Ausblick für Erneuerbare Energien

An der zunehmenden Erderwärmung hat wissenschaftlich erwiesen der Mensch den größten Anteil. Um die Folgen des Klimawandels abzumildern, suchen Staaten weltweit nach Lösungen. Erneuerbare Energien spielen dabei als nachhaltige Form der Energiegewinnung eine zentrale Rolle. Wind-, Wasser- und Sonnenkraft sind weltweit verfügbar und deren Anteil an der gesamten, genutzten Primärenergie steigt kontinuierlich.

Wie comdirect zur Nachhaltigkeit beiträgt

comdirect fördert das Thema Nachhaltigkeit unter anderem mit der kuratierten Auswahl an „grünen“ Investments im Bereich „Motiv-Investing“.

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