Leverage-Effekt Definition der Hebelwirkung mit Fremdkapital

Ein Mann im Anzug rennt eine Treppe hinauf.
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Die Rentabilität der eigenen Geldanlage steigern: Der Leverage-Effekt soll genau das ermöglichen. Doch das Vorgehen ist nicht frei von Risiken. So kann die Hebelwirkung durchaus den Verlust vergrößern. Machen Sie sich daher mit den Vor- und Nachteilen und der Definition des Leverage-Effekts vertraut.

Einfach erklärt: Was ist der Leverage-Effekt?

Beim sogenannten Leverage-Effekt handelt es sich per Definition um ein beliebtes Mittel, um die Eigenkapitalrendite eines Unternehmens durch die Verwendung von Fremdkapital zu erhöhen. Der Leverage-Effekt beschreibt also, inwiefern sich Schulden zugunsten des wirtschaftlichen Erfolgs nutzen lassen. Voraussetzung ist, dass die Gesamtkapitalrentabilität größer ist als der für die Finanzierung aufzubringende Zinssatz. Denn sonst kann das Eigenkapital sogar negativ werden. Es gilt: Je größer die Differenz zwischen Gesamtkapitalrendite und Fremdkapitalkosten, desto größer kann der Effekt sein.

Da der Leverage-Effekt eine Erhöhung der Eigenkapitalrendite durch die Aufnahme von Fremdkapital beschreibt, wird er häufig auch einfach als Hebeleffekt bezeichnet.

Was ist die Eigenkapitalrendite?

Bei der Eigenkapitalrendite handelt es sich um eine Kennzahl zur Bestimmung der Rentabilität eines Unternehmens. Genauer gesagt handelt es sich um den Anteil des Erlöses, der sich aus einer Investition ergibt und dabei auf das Eigenkapital zurückzuführen ist. Da das Eigenkapital oft nicht ausreicht, um einen entsprechend hohen Erlös zu erwirtschaften, wird Fremdkapital beansprucht.

Was ist Fremdkapital?

Wie der Name bereits vermuten lässt, handelt es sich bei Fremdkapital um eine Finanzierung, die von außen zufließt. Das kann beispielsweise ein Darlehen oder der Kredit einer Bank sein. Auch das Eigenkapital eines anderen Kapitalgebers bzw. Investors, der das Geld zu einem bestimmten Zinssatz verleiht, wird als Fremdkapital bezeichnet.

Berechnung des Leverage-Effekts

Der Leverage-Effekt lässt sich am besten mithilfe einer mathematischen Formel berechnen, die die Eigenkapitalrentabilität angibt und dafür die Hebelwirkung des Fremdkapitals sowie den Verschuldungsgrad berücksichtigt. Der Fokus liegt auf der Ermittlung jenes Prozentsatzes der Rendite, der auf Basis des Eigenkapitals erwirtschaftet wird. Die Formel lautet:

Eigenkapitalrendite = Gesamtkapitalrendite + (Gesamtkapitalrendite – Zinssatz auf Fremdkapital) * (Fremdkapital / Eigenkapital)

Leverage-Effekt am Beispiel berechnen

Mit einer Modellrechnung lässt sich die Formel des Leverage-Effekts besser nachvollziehen. In dem beispielhaften Szenario investieren Sie 10.000 Euro in ein bestimmtes Projekt, das eine Investitionsrendite von 10 % abwirft. Ihr Gewinn beträgt also 1.000 Euro.

Beispielrechnung ohne Leverage-Effekt.
Beispielhaftes Szenario für Investment ohne Leverage-Effekt.

In der Berechnung ohne Leverage-Effekt beträgt die Eigenkapitalrendite 10 %. Wenn nun zusätzlich ein Bankkredit aufgenommen wird, kommt der Hebeleffekt durch die Verschuldung zum Tragen.

In dem Leverage-Effekt-Beispiel wird ein Bankdarlehen über 10.000 Euro gemeinsam mit dem Eigenkapital (10.000 Euro) investiert. Die Höhe des investierten Eigenkapitals bleibt also unberührt. Das investierte Gesamtkapital dagegen steigt auf 20.000 Euro. Bei einer gleichbleibenden Gesamtrendite von 10 % beträgt der Gewinn nun insgesamt 2.000 €.

Beispielrechnung mit positivem Leverage-Effekt.
Beispielhaftes Szenario für Investment mit positivem Leverage-Effekt.

Da das zusätzlich Kapital in der Regel verzinst wird, müssen Sie noch Darlehenskosten berücksichtigen und die Ausgaben vom Gesamtgewinn abziehen.

Unterschied positiver und negativer Leverage-Effekt

Durch die Zunahme von Fremdkapital verändert sich automatisch das Verhältnis zwischen Eigenkapitalrendite und Rendite des Gesamtkapitals. Bei einem positiven Leverage-Effekt wirkt sich das Fremdkapital positiv auf die Eigenkapitalrendite aus. Oder einfach erklärt: Der Investitionserlös erhöht sich, obwohl die Menge an Eigenkapital gleichbleibt. Experten sprechen dabei von der sogenannten Leverage-Chance.

Leverage-Chance: Fremdkapitalzins < Gesamtkapitalrendite

Bei einem negativen Leverage-Effekt zeigt sich der Erfolg dagegen nicht. Im Gegenteil: Nach der Rückzahlung des Darlehens bleibt weniger Erlös übrig als ohne Aufnahme des Fremdkapitals – die Eigenkapitalrendite ist also gesunken und die Fremdkapitalkosten übersteigen den Gesamtgewinn. In solchen Fällen ist auch vom Leverage-Risiko die Rede.

Leverage-Risiko: Fremdkapitalzins > Gesamtkapitalrendite

Ob sich der Leverage-Effekt als positiv erweist, hängt vor allem mit der Höhe des Fremdkapitalzinses zusammen. Je höher der Darlehensbetrag, desto höher sind in der Regel auch die Zinsen. Auch eine hohe Verschuldung sowie eine geringe Bonität stellen Risiken dar, die Fremdkapitalgeber dazu veranlassen können, höhere Zinssätze zu veranschlagen.

Vor- und Nachteile des Leverage-Effekts

Durch die Hebelwirkung des Leverage-Effekts kann der Erlös einer Investition signifikant gesteigert werden. In manchen Fällen ist Fremdkapital sogar eine Voraussetzung, um Investitionen überhaupt zu ermöglichen. Doch der Effekt wirkt sich nicht zwingend positiv auf die wirtschaftliche Situation aus. Mitunter droht Unternehmen beispielsweise eine Überschuldung infolge der Zinsbelastung.

Vorteile des Leverage-EffektsNachteile des Leverage-Effekts
Möglichkeit zur Investition trotz geringem Eigenkapital.Teurer Fremdkapitalzinssatz erhöht das Leverage-Risiko.
Hebelwirkung kann zu höheren Gewinnen führen.Hebelwirkung kann zu großen Verlusten bis hin zum Totalverlust führen.
In der Regel geringe Hürden für Aufnahme von Fremdkapital.Möglichkeit zur Kreditaufnahme begrenzt und dadurch ggf. geringer Effekt.

Fazit zum Leverage-Effekt

Der Leverage-Effekt entspricht einem Hebel, um das Eigenkapital mithilfe von Fremdkapital zu vergrößern. Einsetzbar ist der Leverage-Effekt nicht nur bei Aktien, sondern auch bei Derivaten, wie beispielsweise Zertifikaten. Das Vorgehen birgt Chancen, aber auch große Risiken. Neben einer ausführlichen Planung sollten Anleger daher stets auch die Rendite ganz genau im Blick behalten. Denn damit sich der Leverage-Effekt für die Geldanlage lohnen kann, muss ein Investor eine Rendite erwirtschaften, die höher ist als der Fremdkapitalzins für das aufgenommene Darlehen.

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