Als Energieträger der Zukunft wird Wasserstoff eine wichtige Rolle bei der Dekarbonisierung der Wirtschaft zugeschrieben und politisch gefördert. Dieser Artikel gibt einen groben Überblick über die Zukunft von Wasserstoff – etwa in der Mobilität – und beleuchtet die Chancen und Risiken für Anleger, die in Wasserstoff investieren möchten.
Wie ist die Zukunft von Wasserstoff?
Grüner – also umweltfreundlich hergestellter – Wasserstoff gilt heute als unverzichtbarer Baustein der Energiewende und wird deshalb politisch gezielt gefördert. Die Europäische Union plant erhebliche Investitionen in den Wasserstoffsektor, um ihre Klimaziele zu erreichen. Im Rahmen des European Green Deal sollen bis 2030 Elektrolyseure mit einer Leistung von mindestens 40 Gigawatt installiert und 10 Millionen Tonnen grüner Wasserstoff hergestellt werden. In der Initiative REPowerEU, mit der die EU die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen aus Russland im Zuge des Ukraine-Krieges rasch verringern will, spielt Wasserstoff ebenfalls eine Rolle. Auch Deutschland will mit seiner nationalen Wasserstoffstrategie eine globale Vorreiterrolle bei grünem Wasserstoff einnehmen.
Hat das Wasserstoffauto eine Zukunft?
Ob das Wasserstoffauto eine Zukunft hat oder sich Fahrzeuge mit Brennstoffzelle gegenüber batteriebetriebenen E-Autos sogar durchsetzen werden, ist unter Experten umstritten. Als größter Nachteil von Wasserstoff wird immer wieder der geringe Wirkungsgrad genannt. Das bedeutet, dass von der Erzeugung bis zur Umwandlung in Bewegung sehr viel elektrische Energie verloren geht. Berücksichtigt man den gesamten Prozess, hat das Wasserstoffauto einen Wirkungsgrad von etwa 30 %. Zum Vergleich: Der konventionelle Stromer kommt auf einen Wirkungsgrad von 64 %. Mit 1 kg Wasserstoff kann man durchschnittlich 100 bis 115 km zurücklegen.
Wann wird sich Wasserstoff durchsetzen?
Wann und ob Wasserstoff sich letztlich durchsetzen wird, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Zwar gilt Wasserstoff als wichtiger Bestandteil der Energiewende. Allerdings erfordert die Herstellung von Wasserstoff immer einen zusätzlichen Zwischenschritt, um ihn als Energieträger nutzen zu können. Zum Einsatz kommen soll Wasserstoff deshalb vor allem in den Bereichen, wo es technisch nicht möglich ist, erneuerbare Energie und erneuerbaren Strom direkt zu nutzen.
Welche Vor- und Nachteile hat Wasserstoff?
Um die Zukunftsfähigkeit von Wasserstoff auch aus Anlegersicht besser einschätzen zu können, sollte man die wichtigsten Vor- und Nachteile von Wasserstoff kennen.
| Vorteile von Wasserstoff | Nachteile von Wasserstoff |
|---|---|
| Vielfältig einsetzbar: Wasserstoff kann in verschiedenen Bereichen eingesetzt werden, z. B. in der chemischen Industrie, Stahlproduktion, Mobilität und der Energiewirtschaft. | Schwierig lagerbar: Wasserstoff ist sehr leicht und flüchtig und muss für die Lagerung deshalb extrem hohem Druck ausgesetzt oder als Flüssiggas bei sehr niedrigeren Temperaturen (–252,8 °C) eingespeichert werden. |
| Erneuerbar: Wasserstoff ist das mit Abstand am häufigsten vorkommende Element im Universum. | Teuer und aufwändig in der Herstellung: Die Erzeugung von grünem Wasserstoff durch Elektrolyse ist mit einem hohen Energieaufwand verbunden. |
| Emissionsfrei: Grüner Wasserstoff kann aus erneuerbarer Energie emissionsfrei hergestellt werden und hinterlässt beim Verbrennen praktisch keine Abgase. | Bislang fehlende Infrastruktur: Gerade die Tankstellenabdeckung für Wasserstoffautos ist in Deutschland aktuell noch gering. |
Wie kann ich in Wasserstoff investieren?
Für die Geldanlage in Wasserstoff stehen Anlegern verschiedene Optionen offen. Wer in Wasserstoff investieren will, kann mit Aktien, ETFs oder Fonds an der Wertentwicklung einzelner Unternehmen oder ganzer Branchenindizes partizipieren.
Investieren in Wasserstoff-Aktien
Inzwischen sind an der Börse zahlreiche Wasserstoff-Unternehmen notiert. Neben den „Pure Playern“, die ihre Geschäftsmodelle exklusiv auf Wasserstoff ausgerichtet haben, gibt es breiter aufgestellte Aktiengesellschaften, die unter anderem auch auf dem Wasserstoffmarkt aktiv sind. Wie bei allen Investitionen in Einzeltitel ist eine Fundamentalanalyse der wichtigsten Aktienkennzahlen unerlässlich, um zu entscheiden, in welche Wasserstoff-Aktien man investieren möchte. Gerade Anfänger sollten sich zudem ausführlich mit den Grundlagen und Tipps rund um den Aktienkauf beschäftigen.
In Wasserstoff investieren mit ETFs
Das Angebot an ETFs auf Wasserstoff ist derzeit noch begrenzt. Aktuell stehen deutschen Anlegern 4 Wasserstoff-ETFs zur Auswahl:
| ETF WKN | Ertragsver-wendung | Replikations- methode | Fondsdomizil |
|---|---|---|---|
| BNP Paribas Easy ECPI Global ESG Hydrogen Economy UCITS ETF A3E4Y5 | Thesaurierend | Physisch replizierend | Luxemburg |
| Vanek Hydrogen Economy UCITS ETF A2QMWR | Thesaurierend | Physisch replizierend | Irland |
| Global X Hydrogen UCITS ETF Acc USD A3E40P | Thesaurierend | Physisch replizierend | Irland |
| L&G Hydrogen Economy UCITS ETF USD Acc A2QMAL | Thesaurierend | Physisch replizierend | Irland |
Die Gesamtkostenquote (TER) dieser Wasserstoff-ETFs liegt zwischen 0,30 % und 0,55 %. Auch wenn ETFs generell eine breitere Risikostreuung ermöglichen als Einzelaktien, geht man mit einem Wasserstoff-ETF neben anderen Risiken ein Klumpenrisiko ein, weil die Rendite des ETFs von der Entwicklung einer einzigen Branche abhängt.
Investieren in Wasserstoff-Fonds
Auch mit aktiv gemanagten Fonds können Anleger in Wasserstoff investieren. Aktuell gibt es allerdings nur einen einzigen reinen Wasserstoff-Fonds, den E-Mobilität Wasserstoff Index: Das Morgan Stanley Zertifikat bildet die Wertentwicklung des E-Mobilität Wasserstoff-Index mit dem Faktor 1,0 ab. Zertifikate zählen zu den Derivaten, mit deren Handel gerade Privatanleger erhebliche Risiken bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals eingehen. Eine weitere Option zum Investieren in die Wasserstofftechnologie sind breiter gefasste Fonds zu erneuerbaren Energien. Ein Beispiel für einen Fonds, der auch Wasserstoff-Aktien enthält, ist der DNB Fund – Renewable Energy – Retail A EUR ACC (WKN: A0MWAL).

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Lohnt es sich, in Wasserstoff zu investieren?
In der Vergangenheit konnten vor allem die Aktien von Pure Playern enorme Kurszuwächse erzielen. Wasserstoff-Aktien schwanken jedoch in der Regel stark, sodass auf Höchststände häufig deutliche Kursrücksetzer folgten. Zudem lassen sich aus der Performance der Vergangenheit keine Rückschlüsse für die künftige Wertentwicklung einer Investition oder Anlage ziehen. Auch wenn die Herstellung von Wasserstoff politisch gefördert wird: Das Investieren in Wasserstoff ist immer auch eine Wette auf den künftigen Bedarf und niemand kann vorhersagen, welche Unternehmen sich am Ende am Wasserstoffmarkt durchsetzen werden.
Sollte man in Wasserstoff-Aktien investieren?
Angesichts der Wichtigkeit von Wasserstoff für den klimafreundlichen Umbau der Wirtschaft gehen manche Analysten und Experten davon aus, dass das Umsatzvolumen in der Wasserstoffwirtschaft in Zukunft deutlich wachsen wird. Gerade wer sich für nachhaltige Geldanlagen interessiert, sollte sich deshalb über die Chancen und Risiken einer Anlage in Wasserstoff-Aktien informieren. Allerdings handelt es sich bei der Wasserstoff-Branche um einen hochdynamischen Sektor, was sich auch in einer hohen Volatilität niederschlägt. Privatanleger müssen also mit starken Kursschwankungen rechnen und sich bewusst sein, dass sie mit einer Investition ein hohes Verlustrisiko bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals eingehen.

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Was sind die besten Wasserstoff-Aktien?
Die folgende Tabelle listet einige der meistgehandelten Wasserstoff-Aktien auf. Allerdings: Das Handelsvolumen ist kein Indikator für eine hohe Performance.
| Unternehmen | Geschäftsmodell | WKN |
|---|---|---|
| SunHydrogen | Herstellung von Solar-Wasserstoffgeneratoren | A2P662 |
| Plug Power Inc. | Herstellung von Brennstoffzellen | A1JA81 |
| Nel ASA | Lösungen für die Wasserstoff-Produktion | A0B733 |
| Ballard Power | Herstellung von Brennstoffzellen | A0RENB |
| ITM Power PLC | Herstellung von Elektrolysesystemen | A0B57L |
Warum fallen die Wasserstoff-Aktien so stark?
2021 kam es zu einem regelrechten Boom rund um Wasserstoff-Aktien. Manche Experten sprachen sogar von einer Blasenbildung. Fest steht: Gerade bei einem potenziellen Zukunftstrend wie Wasserstoff werden die Kurse teilweise von der Fantasie der Anleger getrieben. Lässt die anfängliche Euphorie nach, kommt es nicht selten zu deutlichen Kursrücksetzern.
Werden die Wasserstoff-Aktien wieder steigen?
Ob die Kurse von Wasserstoff-Aktien nach einem Rücksetzer wieder steigen werden, lässt sich nicht pauschal beantworten. Mehrere Faktoren spielen dabei eine Rolle:
- Situation des jeweiligen Unternehmens
- Entwicklung des Sektors
- Gesamtwirtschaftliche Entwicklung
- Politische Rahmenbedingungen
Gerade bei einem Zukunftsthema wie der Wasserstofftechnologie kann es allerdings sinnvoll sein, langfristige Anlageziele zu stecken und auch angesichts von kurzfristigen Schwankungen einschlägige Unternehmen im Blick zu behalten.
Fazit: Wasserstoff – eine Geldanlage mit Chancen und Risiken
Als Energieträger spielt Wasserstoff für den klimafreundlichen Umbau der Wirtschaft in Deutschland, Europa und weltweit potenziell eine wichtige Rolle. Wie sich der Sektor jenseits des jüngsten Hypes um Wasserstoff-Aktien entwickeln wird, kann allerdings nur die Zukunft zeigen. Anlegern stehen inzwischen zahlreiche Optionen zur Verfügung, um an dieser Entwicklung teilzuhaben. Neben den Chancen, die das Investieren in Wasserstofftechnologie bietet, müssen aber immer auch die Risiken berücksichtigt werden.
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