In Edelmetalle investieren Alternativen zum Goldinvestment

Ein Kipplaster fährt beladen mit Abbauprodukten durch eine Mine
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Bei Edelmetall-Investments fällt den meisten Anlegern als erstes Gold ein. Tatsächlich gilt Gold bei vielen Experten als „sicherer Hafen“ in unsicheren Zeiten und ist besonders gesucht, wenn die Angst vor Geldentwertung steigt. Aber man kann nicht nur in Gold als Edelmetall investieren. Mittlerweile sind auch Silber, Platin, Palladium und Rhodium ebenfalls beliebte Edelmetalle, die oft im Windschatten des Goldes stehen. Wir zeigen, wie man in Edelmetalle investieren kann, welche Edelmetalle dafür in Frage kommen und von welchen Faktoren die Wertentwicklung abhängt.

Was sind Edelmetalle und welche gibt es außer Gold noch?

Als Edelmetalle bezeichnet man Metalle, die in ihrer chemischen Zusammensetzung hochstabil und korrosionsbeständig sind. Sie reagieren bei normalen Temperaturen nicht oder allenfalls nur minimal auf Wasser oder Luft – im Gegensatz zu Eisen, was beim Kontakt mit Wasser zu rosten beginnt. Alle Edelmetalle sind Schwermetalle – also Metalle mit besonders hoher Dichte und entsprechendem Gewicht.

Zu den Edelmetallen zählen Gold (Au), Silber (Ag) und die Platinmetalle. Das sind neben Platin (Pt) einige weitere Metalle, die im chemischen Periodensystem „in Platinnähe“ stehen – konkret in der 5. und 6. Periode sowie in den Gruppen 8 bis 10. Es handelt sich um Ruthenium (Ru), Rhodium (Rh), Palladium (Pd) und Osmium (Os) sowie Iridium (Ir).

Edelmetalle im Periodensystem.
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Die verschiedenen Edelmetalle im Periodensystem.

Allen Edelmetallen ist gemein, dass sie in der Natur nur selten vorkommen und daher knapp sind. Als Handelsgüter sind deswegen seit der Antike vor allem Gold und Silber begehrt. Beide Edelmetalle werden seit Jahrtausenden zur Münzprägung und Schmuckherstellung genutzt. Platin galt lange als eher ungeliebtes „unreifes Gold“, wird aber in neuerer Zeit als wertvolles Material für Schmuck und zur Münzprägung geschätzt. Besonders begehrt ist Platin wegen seiner günstigen Eigenschaften für die hochwertige industrielle Verwendungen. Das gilt auch für die Platinmetalle Palladium und Rhodium.

Gut zu wissen: Als Handelsgüter haben sich auf den Finanzmärkten vor allem Gold, Silber und Platin etabliert.

Welche Faktoren bestimmen die Entwicklung von Edelmetallpreisen?

Wie generell auf Märkten, sind beim Edelmetallhandel die Gesetze von Angebot und Nachfrage preisbestimmend. Das Angebot wird zum einen durch die Fördermengen, zum anderen durch die zum Verkauf offerierten Edelmetallbestände bestimmt. Bei der Nachfrage sind unterschiedliche Faktoren relevant: der Bedarf für die Schmuckherstellung und industrielle Verwendung, spekulative Überlegungen und der Wunsch, Vermögen zu sichern und in „wertbeständige“ Sachwerte zu investieren. Dabei wird Edelmetallen oft mehr Wertsicherheit zugetraut als dem klassischen Papiergeld. Besonders Gold ist als Geldanlage seit jeher gesucht.

Das liegt auch daran, dass es lange eine zentrale Bedeutung in der internationalen Währungspolitik hatte. Noch bis zum Ende des sogenannten Bretton-Woods-Systems in den 1970er Jahren waren die wichtigsten Währungen über den Dollar indirekt an das Gold gekoppelt. Diese Goldverknüpfung besteht zwar nicht mehr. Dennoch halten nach wie vor fast alle Zentralbanken größere Goldreserven als disponible Währungsreserven. Für den Goldpreis hat daher stets auch die Goldpolitik der Zentralbanken eine gewisse Bedeutung.

Oft gibt der Goldpreis die Richtung für die Preise der anderen Edelmetalle vor. Wird Gold teurer, steigen auch die übrigen Edelmetallpreise und umgekehrt. Das ist allerdings kein Naturgesetz. Die einzelnen Edelmetallmärkte folgen ihren eigenen Regeln und das Verhältnis des jeweiligen Edelmetallpreises zum Goldpreis kann stark schwanken.

Wichtig zu wissen: Der Goldpreis und andere Edelmetallpreise werden üblicherweise pro Feinunze angegeben. Die Masse der Feinunze entspricht der Apotheker-Unze (1 Unze = 31,1034768 g) und bezieht sich stets nur auf den Edelmetall-Anteil in Metallstücken, zum Beispiel in Goldbarren oder in Goldmünzen.

In welches Edelmetall kann man investieren? – Ein Überblick

Die unterschiedlichen Edelmetalle weisen verschiedene Eigenschaften auf, die teilweise auch die Wertentwicklung mitbestimmen.

In Silber investieren

Silber wird oft als der „kleine Bruder des Goldes“ bezeichnet. Es dient ähnlich, wie Gold, als Wertaufbewahrungs- und Wertsicherungsmittel. Es ist aber wegen größerer Vorkommen wesentlich preiswerter. Silber findet ebenfalls gerne Verwendung in der Münzprägung und bei der Schmuckherstellung. Im Unterschied zu Gold ist Silber auch ein wichtiges Industriemetall – wegen exzellenter elektrischer Leitfähigkeit, guter Wärmeleitung und wegen seiner antibakteriellen Eigenschaften. Silber wird beispielsweise in der chemischen Industrie, in der Batterietechnik, bei Photovoltaik und in der Medizintechnik benötigt. Daher spielen bei der Nachfrage die konjunkturelle Entwicklung, sowie die Entwicklung der relevanten Industriebranchen eine wichtige Rolle. In der Vergangenheit hat sich der Silberpreis oft gleichgerichtet zu Gold entwickelt, unterlag aber meist stärkeren Schwankungen. Viele, die in Silber investieren, sehen es als „billige“ Alternative zum Gold – obwohl Silber ganz eigenen Markgesetzen folgt.

In Platin investieren

Platin ist ein extrem seltenes Edelmetall – deutlich seltener als Gold. Die jährliche Fördermenge liegt nur etwa bei einem Zehntel der Goldförderung. Früher wurde Platin eher als unerwünschtes Beiprodukt angesehen, welches manchmal bei der Goldgewinnung anfiel. Ähnlich wie Silber bietet Platin neben der Verarbeitung zu Schmuck und wertvollen Gebrauchsgegenständen oder der Münzprägung vielfältige industrielle Anwendungsmöglichkeiten. Die Bandbreite reicht von Thermotechnik und Medizintechnik bis hin zu Katalysatoren und Beschichtungen. Auch hier sind die Faktoren Konjunktur und Industrieentwicklung relevant. Wegen seiner Knappheit und der vergleichsweise kleinen Handelsmengen ist der Preis für spekulative Einflüsse prädestiniert. Anfang 2008 war Platin kurzzeitig doppelt so teuer wie Gold. Allerdings wird es mittlerweile schon länger deutlicher niedriger gehandelt als Gold. Das zeigt: Seltenheit allein ist noch kein Garant für einen hohen Preis. Das sollte man wissen, wenn man in Platin investieren möchte.

In Palladium und Rhodium investieren

Palladium und Rhodium sind zwei weitere Platinmetalle. Palladium kommt vergleichsweise häufig vor – der jährliche Palladium-Abbau ist dabei ergiebiger als die Platin-Förderung. Es ist daher grundsätzlich möglich, statt in Platin, auch in Palladium zu investieren. Rhodium gilt dagegen als seltenstes Edelmetall. Die jährliche Produktion beträgt um die 20 Tonnen – ein Zehntel der Platin-Menge. Platin, Palladium und Rhodium sind wegen ihrer katalytischen Eigenschaften unverzichtbar für die Katalysatoren-Herstellung. Palladium wird bevorzugt in der Automobilindustrie eingesetzt, aber auch bei Elektronik, in der Zahnmedizin und in Brennstoffzellen.

Palladium und Rhodium werden außerdem gerne für Weißgold- und Silber-Legierungen genutzt, weil sie das Anlaufen verhindern. Die Nachfrage der Automobilindustrie ist ein wesentlicher Parameter für den Palladium- und Rhodium-Preis. Palladium hat in den letzten Jahren eine starke Wertentwicklung erlebt. Wie alle Märkte, sind auch die Rohstoffmärkte für Palladium und Rhodium volatil und anfällig für Schwankungen. Wegen der geringen Produktionsmengen gilt dies besonders für den Rhodium-Markt, der in der Vergangenheit mit zum Teil extremen Ausschlägen überraschte.

Wie lässt sich in Edelmetalle investieren?

Wer Geld in Edelmetalle anlegen möchte, wird zunächst auf klassische Edelmetall-Investments in physischer Form durch den Kauf von Barren oder Münzen stoßen. Für Gold und Silber findet man zahlreiche Angebote in Barrenform, nach Platin-, Palladium- oder gar Rhodium-Barren müssen Anleger vergleichsweise lange suchen. Gold, Silber und Platin sind die gängigsten Münzmetalle. Allerdings stellt sich bei physischen Investments immer die Frage nach der sicheren Aufbewahrung.

Mittlerweile existieren jedoch Alternativen zu klassischen Investments in physischer Form. Mit Wertpapieren können Anleger verschiedene Edelmetalle in ihr Depot aufnehmen.

ETCs (Exchange Traded Commodities) mit EdelmetallbezugDabei handelt es sich um börsengehandelte Zertifikate, deren Wertentwicklung an bestimmte Rohstoffpreise gebunden ist. In der Regel bilden sie den Kassapreis nach. Edelmetall-ETCs sind eine Alternative zum physischen Edelmetallerwerb, die jedoch auch mit Risiken verbunden ist. Wie alle Zertifikate, können auch bei ETCs Verluste bis hin zum Totalverlust erzielt werden.
Edelmetall-AktienMittlerweile finden Anleger auch Aktien von Unternehmen, die sich mit der Edelmetallförderung oder dem Handel von Edelmetallen befassen. Die entsprechenden Aktien müssen sich jedoch nicht gleichläufig zum Edelmetall entwickeln und können in den Kursen stärker schwanken. Dadurch entsteht für Anleger ein ernstzunehmendes Risiko.
Investmentfonds mit Edelmetall-Aktien und Edelmetall-ETFs im PortfolioAnleger finden mittlerweile auch zahlreiche aktive und passive Fonds mit Edelmetallbezug. Fonds folgen dem Prinzip der Risikostreuung und investieren in eine Mehrzahl an Edelmetall-orientierten Aktien oder bilden entsprechende Indizes nach. Aktive Fonds versuchen hingegen, ihre Benchmark zu übertreffen, während passive ETFs sich auf möglichst exakte Nachbildung beschränken. Edelmetall-ETFs, die reine Edelmetallpreise abbilden, sind in der EU jedoch nicht zugelassen. Auch bei aktiven und passiven Fonds mit Edelmetallbezug müssen Anleger auf Grund der Volatilität mit Verlusten rechnen.
CFDs und weitere Derivate mit Edelmetallen als BasiswertenDifferenzkontrakte (Contracts for Difference = CFDs) sind hochspekulative Instrumente, die auf kleine Kursveränderungen sensibel reagieren und von Experten beim Trading genutzt werden. Daneben gibt es eine Reihe weiterer Derivate für Edelmetall-Spekulanten wie Optionsscheine, Zertifikate mit Hebeleffekt oder andere spekulative Konstrukte. Solche Instrumente eignen sich jedoch nicht für längerfristiges Investment und sind hochriskant.

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Vor- und Nachteile vom Investieren in Edelmetalle

Wer Geld in Edelmetalle investieren möchte, sollte sich mit den Vor- und Nachteilen eines Edelmetall-Investments beschäftigen.

VorteileNachteile
Edelmetalle werden von vielen Experten als krisenfeste Anlagemöglichkeit geschätzt.Keine Anlage ist krisensicher – auch Edelmetalle können starken Schwankungen unterliegen und können im Zweifel bis hin zum Totalverlust führen.
Privatanleger können bei Edelmetallen nicht nur in Wertpapiere, sondern auch in physischen Besitz investieren.Physische Anlagen müssen sicher verwahrt werden. Dafür entstehen in der Regel zusätzliche Kosten.
Anlageexperten nutzen die Investments in Edelmetalle zur Diversifikation des Portfolios, da die Preisentwicklungen der verschiedenen Anlagen in der Regel nicht parallel verlaufen.Edelmetalle unterliegen trotz ihres Rufs als „sichere Häfen“ regelmäßigen und teils starken Wertschwankungen. Auf Grund der hohen Volatilität handelt es sich bei Edelmetall-Investments um risikoreiche Investitionen.

Was ist bei Edelmetall-Investments zu beachten?

Reine Edelmetall-Investments bieten anders als verzinsliche Anlagen oder Aktien keine laufenden Erträge. Die Rendite lebt allein von den Kursentwicklungen. In Zeiten von niedrigen Zinsen hat sich dieser klassische Nachteil von Geldanlagen in Edelmetallen zwar relativiert, besteht aber weiterhin. Eine mögliche Wertbeständigkeit und den möglichen „realen“ Werterhalt können Edelmetalle unter Umständen vor allem auf längere Sicht bieten, eine Garantie dafür gibt es aber nicht.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (kurz BaFin) warnt angesichts mancher Anleger-Illusionen davor, Edelmetalle grundsätzlich als Wertanlage mit hoher Sicherheit zu sehen. Edelmetall-Investments seien vor allem eine „riskante und spekulative Geldanlage“. Auf bestimmte Preisentwicklungen zu spekulieren, ist ein ausgesprochenes Wagnis – nicht nur weil die Preise stark schwanken, sondern auch weil sie mit einer hohen Prognoseunsicherheit behaftet sind. Selbst ausgewiesene Experten liegen mit Vorhersagen zur Wertentwicklung von Edelmetallen oft falsch.

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