Geldanlagen bergen Risiken
Hexensabbat – Mystischer Wald im Nebel.
Hexensabbat – Mystischer Wald im Nebel.
© krstrbrt via Adobe Stock

Was ist der Hexensabbat an der Börse?

  • Der Hexensabbat oder große Verfallstag findet 4-mal im Jahr an den Börsen statt.
  • Am Hexensabbat verfallen Futures und Optionen auf Aktien und Indizes am selben Tag.
  • Privatanlegende sollten trotz heftiger Kursbewegungen die Ruhe bewahren.

Definition: Was bedeutet der Hexensabbat an der Börse?

Der große Hexensabbat ist ein Börsenphänomen, das viermal pro Jahr stattfindet. An diesem Tag verfallen an großen Terminbörsen wie der Eurex bestimmte Derivate wie z. B. Optionen und Futures auf Aktien und Indizes am selben Tag. Deshalb wird der Hexensabbat auch großer Verfallstag genannt.

An den US-Börsen wird dieses Ereignis als „Triple Witching Day“ (zu Deutsch: „dreifacher Hexensabbat“) bezeichnet. „Triple“ verweist dabei auf die 3 Arten von Derivaten, die an diesem Tag gleichzeitig verfallen: Index-Futures, Index-Optionen sowie Optionen auf einzelne Aktien.

Anders als der Name vermuten lässt, handelt es sich beim Hexensabbat nicht um ein übersinnliches Phänomen. Dennoch kommt es an dem Tag häufig zu scheinbar unerklärlichen Kursbewegungen an den Aktienmärkten, die sich nicht fundamental begründen lassen. Das Handelsvolumen und die Volatilität steigen deutlich. Das Ereignis erinnert manchmal an einen Börsencrash, hat aber nicht dieselben Auswirkungen und ist in der Regel von kurzer Dauer.

Neben dem vierteljährlichen großen Verfallstag gibt es den kleinen Verfallstag, der jeweils am 3. Freitag eines Monats stattfindet. Im Gegensatz zum Hexensabbat laufen an dem Tag nur Optionen auf einzelne Aktien aus. Index-Futures- und -Optionen sind nicht betroffen, sodass es in der Regel zu keinen starken Schwankungen ganzer Indizes kommt.

Wann ist der Hexensabbat?

Der Hexensabbat oder große Verfallstag findet jeweils am 3. Freitag im März, Juni, September und Dezember statt.

An diesem Tag verfallen Futures und Optionen auf Aktienindizes wie den DAX sowie auf einzelne Aktien.

An der European Exchange (Eurex), einer der weltweit größten Terminbörsen, erfolgt der Verfall gestaffelt:

12:00 Uhr: STOXX-Indizes

13:00 Uhr: DAX und TecDAX

13:05 Uhr: MDAX

17:30 Uhr: Aktienoptionen

In den USA findet der Triple Witching Day an denselben Quartalsterminen statt. Anders als in Europa laufen die Terminkontrakte jedoch nicht gestaffelt aus. In den USA steigt das Handelsvolumen besonders in der letzten Handelsstunde an, häufig begleitet von kräftigen Kursausschlägen.

Mit einem Termingeschäft schließen 2 Parteien einen Vertrag, der in der Zukunft erfüllt wird. Die kaufende Partei verpflichtet sich zur Abnahme einer bestimmten Menge eines Basiswerts zu einem festen Preis. Die verkaufende Partei verpflichtet sich zur entsprechenden Lieferung. Termingeschäfte wie Futures oder Optionen haben ein Verfallsdatum, an dem sie auslaufen bzw. abgerechnet werden.

Wann ist der Hexensabbat 2026 und 2027?

Die Tabelle zeigt, wann sich der Hexensabbat im Jahr 2026 und 2027 ereignen wird.

Hexensabbat Termin 2026Hexensabbat Termin 2027
1. Quartal20.03.202619.03.2027
2. Quartal19.06.202618.06.2027
3. Quartal18.09.202617.09.2027
4. Quartal18.12.202617.12.2027

Was passiert am Hexensabbat?

Große Verfallstage können die Finanzmärkte unabhängig von der aktuellen Nachrichtenlage stark bewegen.

Typisch für den Hexensabbat sind:

  • erhöhtes Handelsvolumen
  • deutliche Kursschwankungen
  • kurzfristige Marktverzerrungen

Besonders stark steigt das Handelsvolumen häufig bei großen, liquiden Standardwerten – den sogenannten Blue-Chips.

Kurz vor den jeweiligen Abrechnungszeitpunkten sind die Auswirkungen des Hexensabbats besonders stark. Auch in den Tagen rund um den Verfallstag kann die Volatilität erhöht bleiben.

Der Hexensabbat und der DAX

Die folgende Infografik zur saisonalen DAX-Entwicklung zeigt, dass es historisch betrachtet rund um den Hexensabbat regelmäßig zu Kursschwankungen kam. Der längerfristige Aufwärtstrend des Index blieb davon jedoch unberührt. Der Hexensabbat ist damit vor allem ein kurzfristiges Phänomen – für die Anlagestrategie von langfristig orientierten Anlegenden hat er in der Regel keine großen Auswirkungen.

Grafik zur saisonalen DAX-Entwicklung über einen Zeitraum von 28 Jahren
Saisonal musste der DAX rund um den Hexensabbat kurzfristige Rücksetzer hinnehmen.

Hexensabbat: Warum kommt es zu starken Kursbewegungen?

Die starken Bewegungen an den Börsen werden vor allem durch das Verhalten der großen Marktteilnehmenden verursacht. Institutionelle Investierende schließen Positionen, „rollen“ Kontrakte (bedeutet: sie verkaufen auslaufende Terminkontrakte – z. B. Futures – und kaufen gleichzeitig neue Kontrakte mit späterem Fälligkeitsdatum) oder sichern Engagements ab:

  1. Investierende schließen verlustreiche Positionen, um Risiken zu begrenzen.
  2. Stillhaltende decken sich mit dem Basiswert ein, um Lieferpflichten zu erfüllen.
  3. In Einzelfällen können große Marktteilnehmende versuchen, durch umfangreiche Käufe oder Verkäufe die Kursrichtung zu beeinflussen; man spricht dann von Kurspflege.

Am Verfallstag entscheidet der Settlement-Preis über Gewinn oder Verlust offener Kontrakte. Viele Transaktionen bündeln sich daher in engen Zeitfenstern. Das verstärkt die Kursbewegungen zusätzlich.

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Was bedeutet der Hexensabbat für Privatanlegende?

Wie Anlegende sich rund um den Hexensabbat verhalten sollten, hängt stark von ihrem Risikoprofil ab.

Für langfristig orientierte Anlegende hat der Hexensabbat in der Regel keine fundamentale Bedeutung. Meistens stabilisieren sich die Kurse kurz nach dem Verfallstag – sofern der Hexensabbat nicht gerade in eine Zeit fällt, in der die Märkte ohnehin durch Veränderungen im wirtschaftlichen Umfeld stark schwanken. Anlegende, die langfristig orientiert investieren, sollten an ihrer Strategie festhalten und sich nicht zu Panikverkäufen verleiten lassen.

Für Daytraderinnen oder Daytrader bietet die erhöhte Volatilität rund um den Hexensabbat Chancen. Erfahrene Anlegende mit kurzfristigem Anlagehorizont können von den starken Kursbewegungen profitieren. Aufgrund des stark erhöhten Handelsvolumens am Hexensabbat können Orders schnell ausgeführt und Positionen schnell geschlossen werden. Gleichzeitig steigt das Risiko deutlich, da die Kursbewegungen schwer kalkulierbar sind. Stop-Loss-Marken sollten nicht zu eng gesetzt werden. Das Handeln kurz nach Handelsbeginn oder vor der Schlussauktion sollte vermieden werden.

Welche Risiken birgt der Hexensabbat für Langfristanlegende?

Langfristanlegende sollten sich der möglichen Risiken des Hexensabbats bewusst sein.

  • Unberechenbarkeit: Am Hexensabbat sind die Aktienmärkte häufig von starken Kursschwankungen geprägt, die sich in der Regel nicht fundamental begründen lassen.
  • Kurspflege: Große Marktteilnehmende versuchen am Hexensabbat häufig, die Aktienkurse bis zum Verfallstermin in eine für sie günstige Richtung zu beeinflussen.
  • Psychologischer Druck: Gerade unerfahrene Privatanlegende könnten sich durch die plötzlichen heftigen Kursschwankungen zu Panikverkäufen verleiten lassen. Da Bewegungen am Hexensabbat aber häufig nur kurzfristiger Natur sind, sollten Anlegende sich nicht zu Fehlentscheidungen verleiten lassen.

Fazit: Hexensabbat an der Börse – Privatanlegende sollten Ruhe bewahren

So „mystisch“ die Kursbewegungen rund um den Hexensabbat auch wirken mögen – sie sind das Ergebnis strategischer Transaktionen institutioneller Marktteilnehmender. Am großen Verfallstag sichern Großinvestierende Positionen ab, „rollen“ Kontrakte oder begrenzen Verluste.

Für Privatanlegende mit langfristigem Anlagehorizont besteht in der Regel kein Handlungsbedarf. Die starken Schwankungen sind meist nicht fundamental begründet. Häufig normalisieren sich die Kurse bereits in den darauffolgenden Handelstagen wieder.

Wer langfristig investiert, fährt deshalb besser damit, Ruhe zu bewahren und an der eigenen Strategie festzuhalten.

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Autor
comdirect Redaktion
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