Frugalismus Informationen und Tipps für Sparer und Anleger

Eine Frau steht im Wald und hat die Augen geschlossen und die Arme weit ausgestreckt Verbindung mit der Natur
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Frugalismus steht für eine bescheidene Lebensform und finanzielle Unabhängigkeit. Wir zeigen, wie Frugalisten leben und geben Spartipps.

Mit 30 oder 40 Jahren schon in Rente gehen klingt für viele Menschen nach einem Traum. Frugalisten verfolgen genau dieses Ziel. Sie streben ein schlichtes und bescheidenes Leben an, um möglichst schnell eine finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen. In der Praxis führt dieser Lebensstil häufig zu Veränderungen und vor allem zu Verzicht. Nur wer eine konsequente Sparstrategie verfolgt, kann später sein Vermögen für sich arbeiten lassen. Wir zeigen, wie genau der Frugalismus in Theorie und Praxis funktioniert und geben praktische Spartipps.

Was bedeutet Frugalismus und welche Ziele haben Frugalisten?

Frugalismus leitet sich vom englischen Wort „frugal“ ab, was so viel bedeutet wie sparsam, bescheiden oder schlicht. Durch einen eingeschränkten Konsum wollen Frugalisten ein freieres und finanziell unabhängiges Leben erreichen. Mittlerweile hat sich ein frühes Renteneintrittsalter als einer der Kernpunkt des Frugalismus entwickelt. Allerdings wird die Lebensweise des Frugalismus heute vielfältig ausgelegt. Im Mittelpunkt steht nicht nur die finanzielle Unabhängigkeit, sondern auch ein bewusster Konsum und die persönliche Freiheit.

Wann genau der Frugalismus entstanden ist, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Häufig wird die Entstehung jedoch auf das 1922 erschienene Buch „Your Money or Your Life“ von Vicki Robin und Joe Dominguez zurückgeführt. Darin beschreiben die Autoren die Geschichte von Joe Dominguez, der als Investmentbanker bereits mit 31 Jahren in den Ruhestand ging und seine Lebenshaltungskosten nur noch über seine Kapitalerträge erwirtschaftete.

Zentral für den Frugalismus ist auch die amerikanische FIRE-Bewegung. FIRE steht für „Financial Independence, Retire Early“ – also finanzielle Unabhängigkeit, frühzeitiger Ruhestand. Die Ziele der Bewegung sind also ähnlich der Ziele von Joe Dominguez.

Wie funktioniert Frugalismus in Theorie und Praxis?

Um möglichst früh eine finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen, müssen sich Frugalisten stark in ihrem Lebensstil einschränken und frühzeitig konkrete Spar- und Investmentpläne verfolgen. Was theoretisch einfach klingt, ist in der Praxis jedoch nicht immer leicht umzusetzen. 

Frugalismus in der Theorie

In der Theorie werden zahlreiche Sparmodelle beschrieben. Gemeinsam haben diese Modelle jedoch, dass die Ausgaben auf das Nötigste beschränkt werden und so 50–75 % des Einkommens angespart werden können.

Um einen Großteil des Einkommens einsparen zu können, setzen Frugalisten verstärkt auf einen minimalistischen Lebensstil. Hohe Kostenfaktoren, beispielsweise Miete, Verträge und Versicherungen, sollten deshalb auf ein Minimum beschränkt werden. Statt einer 3-Zimmer-Wohnung im Stadtzentrum lässt sich mit einer 1-Zimmer-Wohnung am Stadtrand das Sparziel eher verwirklichen. Auch, wer sich hinsichtlich seiner persönlichen Ausgaben stark einschränkt, wird sein Sparziel wahrscheinlich schneller erreichen. Letztlich spielt jedoch auch die Höhe des monatlichen Einkommens eine Rolle. Mit einem geringeren Einkommen muss man in der Regel länger auf ein persönliches Sparziel hinarbeiten als mit einem höheren Gehalt. Zudem spielt auch das Anfangsvermögen eine entscheidende Rolle. Wer bereits ein gutes finanzielles Polster angelegt hat, kann schon zu Beginn investieren und erste Erträge aus seinen Kapitalerträgen einstreichen.

Frugalismus-Experten gehen davon aus, dass für die finanzielle Unabhängigkeit letztlich das 25-fache des eigenen Jahresbedarfs angespart werden sollte. Sobald diese Summe angespart und investiert ist, lässt es sich nach Meinung der Experten von den entsprechenden Kapitalerträgen leben. Ein Beispiel: Wer 75 % seines monatlichen Einkommens anspart und investiert, kann bereits nach 7 Jahren die vorgegebene Sparsumme erreichen. Wer hingegen die Hälfte seines Einkommens anspart und investiert, erreicht sein Sparziel erst nach 17 Jahren.

Entscheidend für das Erreichen der finanziellen Unabhängigkeit ist jedoch nicht nur das Sparen, sondern auch ein konkreter Sparplan und entsprechende Investitionen. Hier bieten sich vor allem Investitionen in verschiedene ETFs, Aktien und/oder Fonds an. Auch hier besteht jedoch das Risiko von Verlusten. Bei einem plötzlichen Wertverlust einer Geldanlage kann eine breite Aufstellung des Portfolios einen finanziellen Verlust unter Umständen abmildern. Generell setzen Investitionen der Frugalisten eher auf ein langfristiges Wachstum als einen schnellen Erfolg, weshalb ein Sparplan mit Fonds- und  ETFs eine beliebte Wahl bei Frugalisten ist. 

Darstellung der Anspar- und Entnahmephase
Typischer Sparverlauf von Frugalisten,
Quelle: www.zinsen-kreditrechner.de/frugalisten-rechner.php

Frugalismus in der Praxis

Wussten Sie schon, dass auch Ihr Arbeitgeber Ihnen beim Sparen helfen kann? Mit vermögenswirksamen Leistungen unterstützt unter Umständen auch der Arbeitgeber beim Vermögensaufbau. 

In der Praxis ist die Umsetzung jedoch häufig mit Einschnitten beim Lebensstil verbunden. Wer bisher konsumreich gelebt hat, wird sich daher eher einschränken müssen, als jemand, der sparsam und kostengünstig lebt. Frugalisten sparen vor allem bei den Lebenshaltungskosten und kostenintensiven Anschaffungen. Grundsätzlich gibt es jedoch nicht das eine Lebensmodell, das alle Frugalisten verfolgen und was letztlich zum Erfolg führt. Vielmehr muss jeder, der frugal leben möchte, individuell seine Bedürfnisse und Mittel bestimmen und anpassen. Allgemein liegt der Fokus auf einem bewussteren Konsum. Frugalisten hinterfragen ausführlich, ob beispielsweise Neuanschaffungen tatsächlich nötig sind. Auch bei den Lebenshaltungskosten werden vor allem Kostenfresser wie Miete, aber auch Versicherungen und sonstige Fixkosten, ausführlich überprüft und wenn möglich reduziert. Bei Kosten, die sich nicht vermeiden lassen, vergleichen Frugalisten in der Regel ausführlich Angebote und können so teilweise viel einsparen. Wer jetzt denkt, dass alle Frugalisten nur im Discounter einkaufen und in einer kleinen Wohnung auf dem Land leben, liegt jedoch falsch. Denn Ziel des Frugalismus ist ein bewussteres Leben und nicht die völlige Einschränkung. Wer allerdings früher die finanzielle Unabhängigkeit erreichen möchte, muss dafür auch disziplinierter sparen. 

Ab wann können Frugalisten in Rente gehen?

Wer sich über den Frugalismus informiert, findet häufig Berichte über Frugalisten, die mit 30 oder spätestens 40 Jahren in Rente gegangen sind. Wann genau Frugalisten in Rente gehen können, lässt sich so pauschal allerdings nicht beantworten. Schließlich hängt das angestrebte Rentenalter auch immer von den eigenen finanziellen Verpflichtungen ab. Einer der bekanntesten deutschen Frugalisten, Oliver Noelting (31), gibt beispielsweise an bereits vor seinem 40. Geburtstag in Rente gehen zu können. Als bekennender Frugalist veröffentlicht Noelting online seine konkreten Ausgaben, Spareinlagen und Anlagestrategien.

Letztlich gibt es jedoch auch beim Frugalismus keine Garantie, dass die finanzielle Unabhängigkeit zum gewünschten Zeitpunkt erreicht wird. Schließlich spielen auch unbeeinflussbare Faktoren eine große Rolle – beispielsweise Wirtschaftscrashs, die sich auf die Kapitalanlagen auswirken oder unvorhersehbare persönliche Ereignisse. Und nicht selten arbeiten auch Frugalisten noch nach Erreichen ihres persönlichen Sparziels weiter, um ihre finanzielle Unabhängigkeit noch weiter auszubauen.

Checkliste: Spartipps für Frugalismus-Einsteiger

Frugalismus klingt interessant? Wir zeigen, wie man schon mit einfachen Tipps frugal leben kann und so der finanziellen Unabhängigkeit näherkommt.

Fixkosten reduzieren

Miete/Nebenkosten, Handyverträge und Versicherungen machen einen Hauptteil der Ausgaben aus. Deshalb gilt hier: alle Fixkosten auf das Mindeste reduzieren. Nutzen Sie dafür unseren praktischen Sparcheck.

Haushaltsbuch führen

Wer über seine Ausgaben im Haushalt genau Buch führt, kann schnell Kostenfresser ausmachen und bares Geld sparen.

Ungenutzte Sachen verkaufen

Über Kleinanzeigenportale lassen sich ungenutzte Sachen leicht verkaufen und zu Geld machen.

Öffentliche Verkehrsmittel vermeiden

Öffentliche Verkehrsmittel sind in der Regel teuer. Wer hier sparen will, kann auf das Fahrrad zurückgreifen oder zu Fuß gehen.

Freizeit umgestalten

Anstatt mit Freunden ins Restaurant zu gehen, kann man einfach selbst kochen. Auch teure Fitnessstudiomitgliedschaften können durch kostenlose Workouts aus dem Internet leicht ersetzt werden. Auf Treffen mit Freunden muss niemand verzichten – statt auszugehen kann man sich jedoch auch zu Hause treffen.

Reparieren statt neu kaufen

Anstatt kaputte Produkte durch neue zu ersetzen, sollte man eine Reparatur in Erwägung ziehen. Häufig kann man kleinere Reparaturen auch kostengünstig selbst durchführen.

Impulskäufe vermeiden

Neuanschaffungen lassen sich nicht immer vermeiden. Wer eine Neuanschaffung plant, sollte sich jedoch nicht zu Spontankäufen verleiten lassen. Wer sich informiert und Angebote vergleicht, kann häufig viel Geld einsparen.

Bonusprogramme nutzen

Mittlerweile bieten zahlreiche Händler und Unternehmen eigenen Bonusprogramme an mit denen sich viel Geld einsparen lässt. Kennen Sie beispielsweise schon unser Bonus-Sparen mit dem Sie bei Online-Einkäufen und -Reisebuchungen profitieren?

Fazit: Frugalismus realistisch angehen

Der Frugalismus ist keine Garantie für ein frühes Renteneintrittsalter. Einsteiger sollten deshalb zunächst ihre Ausgaben analysieren und ein realistisches Sparziel festlegen. Wer dann mit einfachen Mitteln seine Ausgaben im Blick behält und diszipliniert spart, kann sich den Wunsch nach finanzieller Unabhängigkeit erfüllen.

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