- Die FIRE-Bewegung zielt auf persönliche und finanzielle Freiheit ab.
- Frugalisten legen einen Großteil ihres Einkommens an, um früher in Rente zu gehen.
- Mit einem Sparplan auf Aktien oder ETFs kannst du langfristig Vermögen aufbauen.
Definition und Bedeutung: Was versteht man unter Frugalismus?
Frugalismus leitet sich vom englischen Wort „frugal“ ab, was „sparsam“ oder „bescheiden“ bedeutet. Gemeint ist damit ein Lebensstil, bei dem man durch bewussten Konsum und Verzicht finanzielle Freiheit erreichen will.
Mittlerweile hat sich der Traum vom Vorruhestand zum Kernpunkt des Frugalismus entwickelt. Daher versuchen Frugalistinnen und Frugalisten, einen Großteil ihres Einkommens zu sparen, um möglichst früh nicht mehr für Geld arbeiten zu müssen.
Wofür steht FIRE?
Der Frugalismus hat sich aus der FIRE-Bewegung entwickelt. FIRE steht für „Financial Independence, Retire Early“ – also finanzielle Unabhängigkeit, frühzeitiger Ruhestand.
Was ist die FIRE-Bewegung?
Die FIRE-Bewegung ist in den 1990ern in den USA entstanden. Die Ziele der FIRE-Bewegung und des Frugalismus wurden allerdings schon 1922 in dem Buch „Your Money or Your Life“ von Vicki Robin und Joe Dominguez beschrieben.
Anhängerinnen und Anhänger der FIRE-Bewegung möchten durch einen sparsamen Lebensstil in möglichst kurzer Zeit ein möglichst großes Vermögen ansparen und anlegen, um finanziell unabhängig zu werden und im vorgezogenen Ruhestand von einem passiven Einkommen leben zu können.

In der finanz-heldinnen Podcastfolge #70 Mit 40 in Rente dank Frugalismus? spricht finanz-heldin Kathrin mit Oliver Noelting, einem der Vorreiter des Frugalismus in Deutschland. Oliver erzählt, wie er von der FIRE-Bewegung in den USA erfahren hat und das Konzept dann als Frugalismus nach Deutschland brachte.
Was ist der Unterschied zwischen Frugalismus und Minimalismus?
Frugalismus und Minimalismus sind verwandte Lebensweisen. Bei beiden geht es darum, sich im Alltag auf das Wesentliche zu reduzieren und sich von unnötigen Dingen zu befreien.
Menschen, die minimalistisch leben, legen ebenfalls Wert auf bewussten Konsum und die Freiheit, das zu tun, worauf sie Lust haben. Anders als Frugalistinnen und Frugalisten geht es minimalistisch lebenden Menschen aber nicht primär um den Vermögensaufbau durch Geldanlage und einen frühen Renteneintritt.
Wie lebt man als Frugalistin oder Frugalist?
Frugalistinnen und Frugalisten leben bescheiden, um möglichst viel Geld im Alltag zu sparen. Das größte Einsparpotenzial bieten Lebenshaltungskosten wie Miete, Ernährung, Bekleidung, Freizeit, Urlaub, Handy- und Internetverträge und Versicherungen.
Im Frugalismus ist Verzicht jedoch kein Selbstzweck. Im Mittelpunkt steht die Frage: Was brauche ich wirklich? Viele Frugalistinnen und Frugalisten möchten mehr Zeit mit der Familie, den Kindern, Freunden oder Hobbys verbringen. Dennoch gilt: Je stärker man seinen privaten Konsum reduziert, desto schneller erreicht man sein Sparziel.
Auch die Höhe des Einkommens spielt eine Rolle. Denn wer mehr verdient, kann auch mehr zurücklegen. Tatsächlich arbeiten viele Frugalistinnen und Frugalisten in Berufen, in denen sie überdurchschnittlich gut verdienen.

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Sparsam leben: Wie viel Geld braucht man für FIRE?
Wie viel Geld eine Frugalistin oder ein Frugalist braucht, ist individuell. Entscheidend ist, dass du jeden Monat so viel sparen kannst, dass du neben dem obligatorischen Notgroschen genügend Geld zurückzulegst, um frühzeitig finanziell unabhängig zu sein.
Generell streben Frugalistinnen und Frugalisten hohe Sparquoten von 70 % und mehr an. Zum Vergleich: Laut Statistischem Bundesjahr legte der durchschnittliche deutsche Privathaushalt im 1. Halbjahr 2024 saisonbereinigt 11,1 % seines Einkommens auf die hohe Kante. Entscheidend ist, mit steigendem Gehalt nicht der Versuchung der „Lifestyle-Inflation“ zu unterliegen, sondern stattdessen die Sparrate zu erhöhen.

Nicht nur für Frugalistinnen und Frugalisten gilt: Je früher du mit dem Sparen beginnst, desto besser. Mit der Frühstart-Rente möchte die deutsche Bundesregierung die private Altersvorsorge von Kindern und jungen Leuten ab 2026 fördern.
Checkliste: Geld sparen im Alltag
In unserer Checkliste haben wir wertvolle Spartipps für dich gesammelt. Ganz gleich, ob du nach dem Prinzip Frugalismus lebst oder nicht – achtsamer Konsum und clevere Routinen können deine Ausgaben reduzieren und deine Lebensqualität erhöhen.
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Sparplan: Wie investieren Frugalistinnen und Frugalisten ihr Geld?
Um Vermögen für die finanzielle Freiheit aufzubauen, legen Frugalistinnen und Frugalisten ihre Ersparnisse in der Regel langfristig an der Börse an.
Eine beliebte Form der Geldanlage ist der Sparplan, bei dem du monatlich einen bestimmten Betrag in Aktien, Fonds oder ETFs investierst. Die Idee dahinter ist, die eigenen Ersparnisse für sich arbeiten zu lassen, Vermögen aufzubauen und langfristig vom Zinseszinseffekt zu profitieren.
Dass du am Ende tatsächlich eine Rendite erzielst, ist jedoch nicht sicher. Denn auch mit einem Wertpapiersparplan ist wie generell mit dem Wertpapierhandel immer das Risiko verbunden, das eingesetzte Kapital zu verlieren.

Was ist die 4-%-Regel im Frugalismus?
Unter Frugalistinnen und Frugalisten ist die sogenannte 4-%-Regel weit verbreitet. Dabei handelt es sich um eine Entnahmeregel, die 1998 aus der Trinity Study hervorgegangen ist. Damals stellten sich Forschende die Frage, wie viel Geld man jedes Jahr von einem bestimmten Vermögen entnehmen kann, ohne dass das Geld irgendwann knapp wird.
Dazu wurde ein fiktives Vermögen über 30 Jahre in Wertpapiere angelegt. Das Ergebnis: Selbst unter ungünstigsten Börsenbedingungen blieb nach 30 Jahren noch Geld übrig, wenn man jedes Jahr konstant 4 % entnahm.
Die 4-%-Regel besagt also: Um von den eigenen Ersparnissen und Zinsen leben zu können, benötigst du 25-mal so viel Vermögen, wie du pro Jahr ausgibst. Wenn du also jährlich 20.000 Euro ausgibst, benötigst du 500.000 Euro, um von deinem angelegten Kapital leben zu können.
Wie viel Geld brauche ich, um mit 40 in Rente zu gehen?
Wie viel Geld du brauchst, um mit 40 in Rente zu gehen, hängt in erster Linie davon ab, welchen Betrag du dir im Ruhestand jährlich bzw. monatlich auszahlen möchtest. Geht man von der 4-%-Regel aus, benötigst du das 25-fache deines Jahresbedarfs.
Wenn du also später beispielsweise 18.000 Euro jährlich oder 1.500 Euro monatlich zur Verfügung haben möchtest, musst du ein Vermögen von 450.000 Euro ansparen. Dies gilt jedoch immer unter der Prämisse, dass du in der Entnahmephase eine durchschnittliche Rendite von 4 % erzielst, um den entnommenen Betrag auszugleichen.

Auch unter Frugalistinnen und Frugalisten ist die 4-%-Regel inzwischen umstritten. Kritisiert wird, dass die Trinity Study nur einen Zeitraum von 30 Jahren zugrunde legt. Wer aber schon mit 40 Jahren in Rente geht, muss vielleicht 40 Jahre oder länger von seinem Vermögen leben und kann entsprechend weniger Geld pro Jahr entnehmen. Zudem berücksichtigte die Studie weder Inflation noch Steuern.
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Wie viel Geld brauche ich, um mit 50 Jahren in Rente zu gehen?
Um mit 50 in Rente zu gehen, brauchst du theoretisch ein geringeres Vermögen als für die Rente mit 40. Das liegt daran, dass die Rentenzeit, in der du dir aus dem angesparten Vermögen Geld auszahlst, rein statistisch kürzer ist.
Generell kommt es aber auch beim Vorruhestand mit 50 auf deinen individuellen Lebensstil und somit auf den Betrag an, den du dir aus dem angesparten Vermögen auszahlen möchtest.
Ist Frugalismus sinnvoll? Vor- und Nachteile des FIRE-Trends
Finanzielle Unabhängigkeit und frühzeitiger Ruhestand – die Ziele und Versprechen der FIRE-Bewegung klingen vermutlich für die meisten Menschen attraktiv. Tatsächlich ist der Frugalismus als Lebensweise jedoch nicht für jede und jeden geeignet. Wir stellen dir hier die wichtigsten Vor- und Nachteile von FIRE und Frugalismus vor.
Pro Frugalismus
- Finanzielle Unabhängigkeit:
Frugalistinnen und Frugalisten streben durch einen sparsamen Lebensstil und hohe Sparquoten nach finanzieller Unabhängigkeit. - Weniger Konsumstress:
Wer bewusst konsumiert und Verzicht leistet, wird unabhängiger von Trends, Werbung und Statussymbolen und erlebt dadurch auch häufig mehr Zufriedenheit. - Nachhaltigeres Leben:
Wer weniger konsumiert, verbraucht auch weniger Ressourcen und produziert weniger Müll. Anstatt neue Produkte zu erwerben, kaufen Frugalistinnen und Frugalisten lieber gebrauchte Artikel oder reparieren defekte Dinge. - Mehr Freizeit:
Da du als Frugalistin oder Frugalist weniger Geld zum Leben brauchst, musst du auch weniger arbeiten und hast so mehr Zeit für Hobbys oder die Familie. - Vorzeitiger Ruhestand:
Wenn du deine Sparziele erreichst, kannst du teilweise deutlich früher in Rente gehen als andere Leute.
Contra Frugalismus
- Verzicht:
Der Frugalismus zwingt häufig dazu, zugunsten eines frühzeitigen Ruhestands auf Luxus wie Urlaubsreisen oder Restaurantbesuche zu verzichten. - Soziale Einschränkungen:
Ein übermäßig sparsamer Lebensstil kann zu Einschränkungen in deinem Sozialleben führen, wenn Familie und Freunde deine Werte nicht teilen und du dich konsequent aus sozialen Unternehmungen herausziehst, die Geld kosten. - Hohe Disziplin:
Auf die angenehmen Dinge des Lebens zu verzichten und die hohen Sparquoten des Frugalismus zu erfüllen, erfordert viel Disziplin und eine genaue Planung. - Hohes Einkommen:
Um die hohe Sparquote im Frugalismus zu erreichen, braucht man ein hohes Einkommen. Viele Frugalistinnen und Frugalisten arbeiten in Berufen, in denen sie überdurchschnittlich gut verdienen. - Fehlende Altersabsicherung:
Wenn du dich früher aus dem Berufsleben verabschiedest und weniger Rente beziehst, besteht das Risiko, dass deine Rücklagen nicht ausreichen, um im Ruhestand finanziell abgesichert zu sein.
Fazit: FIRE und Frugalismus – Verzicht für die finanzielle Freiheit
Frugalismus wird häufig mit Verzicht assoziiert. Dabei geht es vielen Frugalistinnen und Frugalisten eher darum, bewusster zu leben und sich auf die wesentlichen Dinge zu besinnen – z. B. Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen.
Indem sie weniger konsumieren und einen Großteil ihres monatlichen Einkommens gezielt anlegen, versuchen Anhängende des Frugalismus, möglichst frühzeitig finanzielle Freiheit zu erlangen und von ihrem angesparten Vermögen zu leben.
Die Rente mit 40 ist allerdings ein hehres Ziel, das nicht jede und jeder erreichen kann. Gerade vor dem Hintergrund drohender Altersarmut in Deutschland kann es jedoch sinnvoll sein, den ein oder anderen frugalen Spartipp im Alltag umzusetzen, um die eigene Sparquote zu erhöhen und Vermögen fürs Alter aufzubauen.
Auswirkung von Inflation: Grundsätzlich beeinflusst die Entwicklung der Inflationsrate deinen Anlageerfolg. Ein daraus resultierender Kaufkraftverlust betrifft sowohl die erzielten Erträge als auch dein investiertes Kapital.
Wenn du noch Fragen zu den Themen Anlegen und Investieren hast, kannst du gerne unsere Kundenbetreuerinnen und Kundenbetreuer kontaktieren – per Telefon unter 04106 – 708 25 00 oder über unser Kontaktformular. Unsere Kundenbetreuerinnen und Kundenbetreuer sind rund um die Uhr für dich erreichbar – 7 Tage die Woche, 24 Stunden am Tag.


