Geldanlagen bergen Risiken
Entnahmeplan – Ein Mann sitzt entspannt im hohen Gras unter einem Baum.
Entnahmeplan – Ein Mann sitzt entspannt im hohen Gras unter einem Baum.
© kegfire via Adobe Stock

ETF-Entnahmepläne im Vergleich

  • Mit einem Entnahmeplan zahlst du dir im Alter eine zusätzliche Rente aus.
  • Die Höhe der Entnahmen hängt von Kapitalvermögen, Rendite und Dauer ab.
  • Kapitalerträge aus ETFs musst du in Deutschland versteuern.

Was ist ein Entnahmeplan?

Ein Entnahmeplan – auch Auszahlplan genannt – ist eine Strategie, mit der du dir aus deinem angesparten Vermögen regelmäßig selbst einen festen Betrag auszahlst.

Ein Entnahmeplan definiert:

  • den Entnahmebetrag (wie viel?)
  • das Entnahmeintervall (wie oft?)
  • den Entnahmezeitraum (wie lange?)

Häufig dient ein Entnahmeplan dazu, angespartes Vermögen als private Rente zu nutzen und so die Rentenlücke zu schließen.

Ein Entnahmeplan kann auch in anderen Lebensphasen sinnvoll sein, etwa zur Finanzierung eines Studiums, eines Sabbaticals, eines Gap Years oder der Elternzeit.

Wie funktioniert ein ETF-Entnahmeplan?

In diesem Artikel gehen wir davon aus, dass du dich für die Altersvorsorge mit ETFs entschieden und dein Vermögen in ETFs investiert hast – etwa über einen regelmäßigen Sparplan oder als Einmalanlage.

Ein ETF-Entnahmeplan funktioniert wie ein umgekehrter Sparplan: Statt regelmäßig Geld anzulegen, entnimmst du nun in festen Abständen einen Betrag aus deinem Depot, indem du Anteile an deinen ETFs verkaufst. Höhe und Intervall der Auszahlung kannst du flexibel festlegen. Das verbleibende Kapital bleibt investiert und kann weiterhin Erträge erzielen.

Welche Arten von Entnahmeplänen gibt es?

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Grundsätzlich unterscheidet man 2 Arten von Entnahmeplänen:

  • Entnahmepläne mit Kapitalverzehr
  • Entnahmepläne ohne Kapitalverzehr

Auszahlplan mit Kapitalverzehr

Bei einem Auszahlplan mit Kapitalverzehr brauchst du dein angespartes Vermögen schrittweise auf. Du entnimmst dabei nicht nur laufende Erträge (also Zinsen und Aktien-Dividenden), sondern auch einen Teil des angesparten Kapitals aus deinem Depot. In der Regel legst du den Auszahlungsbetrag und den Entnahmezeitraum im Voraus fest.

Auszahlplan ohne Kapitalverzehr

Bei einem Auszahlplan ohne Kapitalverzehr bleibt das angesparte Kapital grundsätzlich erhalten. Du entnimmst überwiegend oder ausschließlich Erträge, etwa aus Zinsen, Dividenden und eventuellen Wertzuwächsen. Bitte beachte, dass Steuern, Kosten und Inflation deine Bruttorendite schmälern.  Außerdem richtet sich die Höhe deiner Auszahlungen nach der Marktentwicklung und kann schwanken. Einen festen Endzeitpunkt legst du in der Regel nicht fest – der Entnahmezeitraum bleibt offen und ist theoretisch unbegrenzt.

Welche Entnahmestrategie passt zu mir?

Die Wahl der passenden Entnahmestrategie hängt von deinen persönlichen Lebensumständen ab.

Entscheidend ist, wie viel Geld du regelmäßig aus deinem Ersparten benötigst, wie wichtig feste, planbare Beträge für dich sind und mit welchem Zeitraum du planst.

Auch die Frage, ob du dein Kapital vollständig aufbrauchen oder langfristig erhalten möchtest, beeinflusst die Strategie.

Die folgende Tabelle stellt die beiden Entnahmestrategien gegenüber und soll dir als Orientierung dienen.

EntscheidungskriteriumEntnahmeplan mit KapitalverzehrEntnahmeplan ohne Kapitalverzehr
Art der AuszahlungFeste BeträgeVariable Beträge
EntnahmequelleErträge und KapitalErträge
AuszahlungshöheTendenziell höher und konstantAbhängig von Erträgen und Marktentwicklung
ZeitraumKlar festgelegt (bis das Kapital planmäßig „aufgebraucht“ ist)Offen (unbegrenzt, da Kapital nicht angetastet wird)
PlanbarkeitHochEingeschränkt
FlexibilitätGeringHoch
ZielKapital aufbrauchenKapital erhalten, ggf. vererben
Zentrales RisikoKapital reicht nicht bis zum LebensendeEntnahmen decken (oft) nicht den gewünschten Lebensstil
Entnahmepläne im Vergleich

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Wie berechne ich die optimale monatliche Entnahmerate (bei Sparplan mit Kapitalverzehr)?

Die Höhe deiner monatlichen Entnahmerate ergibt sich aus 3 Faktoren:

  • Lebenserwartung
  • Renditeerwartung
  • Höhe des angesparten Kapitals

Voraussichtliche Lebenserwartung

  • Dein Vermögen sollte im Idealfall bis zum Lebensende reichen.
  • Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt in Deutschland bei rund 80 bis 85 Jahren.
  • Diese Werte sind durch Kindersterblichkeit statistisch nach unten verzerrt. Außerdem ist aufgrund des medizinischen Fortschritts mit einer weiterhin steigenden Lebenserwartung zu rechnen.
  • Plane daher lieber großzügig, um frühzeitigen Kapitalverbrauch zu verhindern.
  • Bei einem Alter von 65 Jahren sind mindestens 25 Jahre Entnahmedauer angebracht.

Renditeerwartung

  • Die Rendite bestimmt, wie viel Kapital du während der Entnahmephase weiter erwirtschaftest.
  • Langfristig erzielte eine Investition in den MSCI World hohe Durchschnittsrenditen.
  • Die Wertentwicklung eines Aktien-ETFs schwankt jedoch kurzfristig stark.
  • Für deinen Entnahmeplan solltest du daher konservativ rechnen.
  • Beachte auch, dass Kosten, Steuern und Inflation die reale Rendite schmälern.

Höhe des Kapitalvermögens

  • Die Höhe deines Kapitals begrenzt den maximal möglichen Entnahmebetrag.
  • Mehr Kapital ermöglicht höhere Entnahmen und bessere Ertragschancen.
  • Sinkt das Kapital, verringern sich auch die zukünftigen Erträge.

Im Frugalismus ist die sogenannte 4-%-Regel verbreitet. Diese Entnahmeregel besagt, dass du aus einem Vermögen, dass du über 30 Jahre in Wertpapiere angelegt hast, jedes Jahr konstant 4 % entnehmen kannst, ohne dein Kapital zu verzehren. Demnach bräuchtest du also 25-mal so viel Vermögen, wie du in einem Jahr ausgibst. Bitte beachte, dass Kapitaleinkünfte zu versteuern sind und ggf. auch entsprechende Versicherungsbeiträge anfallen.

Was sind Beispiele für einen Entnahmeplan mit 100.000 Euro?

Für eine beispielhafte Berechnung der möglichen monatlichen Entnahmerate betrachten wir zwei Szenarien: einen Entnahmeplan mit Kapitalverzehr und einen Entnahmeplan ohne Kapitalverzehr.

In beiden Fällen gehen wir von einem Anlagevermögen von 100.000 Euro und einer durchschnittlichen Rendite von 3 % pro Jahr aus.

Beim Entnahmeplan mit Kapitalverzehr legen wir einen Entnahmezeitraum von 25 Jahren zugrunde. Beim Entnahmeplan ohne Kapitalverzehr bleibt der Zeitraum offen.

In 2 weiteren Rechenbeispielen simulieren wir anschließend, dass du über einen Entnahmezeitraum von 25 Jahren jeden Monat einen festen Betrag von 1.000 Euro entnehmen möchtest.

Ermitteln wollen wir:

  • die Höhe des benötigten Anlagevermögens bei 3 % Rendite
  • die zu erzielende Rendite bei einem Kapital von 100.000 Euro

Rechenbeispiel 1: Entnahmerate bei einem Entnahmeplan mit Kapitalverzehr

  • Anlagevermögen: 100.000 Euro
  • Angenommene Rendite: 3 % p.a.
  • Entnahmeintervall: monatlich
  • Entnahmezeitraum: 25 Jahre

Monatliche Entnahmerate: 472,11 Euro

In diesem Szenario wird das Kapital über 25 Jahre vollständig aufgebraucht. Die Entnahmerate bleibt über den gesamten Zeitraum konstant.

Rechenbeispiel 2: Entnahmerate bei einem Entnahmeplan ohne Kapitalverzehr

  • Anlagevermögen: 100.000 Euro
  • Angenommene Rendite: 3 % p.a.
  • Entnahmeintervall: monatlich
  • Entnahmezeitraum: offen

Monatliche Entnahmerate: 246,63 Euro

In diesem Szenario werden überwiegend die Erträge entnommen. Das Kapital soll langfristig erhalten bleiben, weshalb die monatliche Auszahlung deutlich niedriger ausfällt und schwanken kann.

Rechenbeispiel 3: Benötigtes Anlagekapital für monatlich 1.000 Euro bei 3 % Rendite

  • Wunschrate: 1.000 Euro
  • Angenommene Rendite: 3 % p.a.
  • Entnahmezeitraum: 25 Jahre

Benötigtes Anlagekapital: 211.339 Euro

Um bei einer angenommenen Rendite von 3 % über 25 Jahre jeden Monat 1.000 Euro entnehmen zu können, benötigst du ein Anlagevermögen von rund 211.00 Euro – also mehr als das Doppelte von 100.000 Euro. Dieses Beispiel verdeutlicht den Zusammenhang zwischen Rendite und Kapitalvermögen: Je geringer die Rendite, desto höher muss dein Vermögen sein, damit regelmäßig hohe Entnahmen möglich sind.  

Rechenbeispiel 4: Erforderliche Rendite bei 100.000 Euro Anlagevermögen

  • Anlagevermögen: 100.000 Euro
  • Wunschrate: 1.000 Euro
  • Entnahmezeitraum: 25 Jahre

Erforderliche Rendite: ca. 12 %

Um aus einem Anlagevermögen von 100.000 Euro über 25 Jahre monatlich 1.000 Euro entnehmen zu können, müsstest du eine jährliche Rendite von rund 12 % erzielen. Eine solche Rendite über Jahrzehnte hinweg dauerhaft zu erreichen, ist für die meisten Anlegenden kaum realistisch.

Wie werden ETF-Entnahmepläne in Deutschland versteuert?

In unseren Rechenbeispielen blieben Inflation und Steuern bisher unberücksichtigt. Insbesondere die möglichen steuerlichen Aspekte solltest du aber auf jeden Fall beachten, wenn du deine finanzielle Planung angehst. Denn in Deutschland zahlst du auf Erträge aus der Geldanlage mit Aktien oder ETFs Abgeltungsteuer in Höhe von 25 %. Hinzukommen gegebenenfalls Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer.

Verkaufst du ETF-Anteile, werden nur die erzielten Kursgewinne besteuert – nicht das ursprünglich angelegte Kapital. Dabei gilt in der Regel das FIFO-Prinzip: Zuerst gekaufte Anteile gelten als zuerst verkauft. Das ist wichtig für die Berechnung der steuerpflichtigen Gewinne, da ältere Anteile häufig höhere Kursgewinne aufweisen.

Die depotführende Bank führt die Abgeltungsteuer automatisch an das Finanzamt ab.

Vorabpauschale bei thesaurierenden ETFs

Bei thesaurierenden Fonds kann jährlich die sogenannte Vorabpauschale anfallen, auch wenn du keine Anteile verkaufst. Sie dient der steuerlichen Gleichbehandlung von ausschüttenden und thesaurierenden Fonds. Beim späteren Verkauf der Anteile wird die bereits gezahlte Vorabpauschale auf die Abgeltungsteuer angerechnet.

Freistellungsauftrag

Erteilst du deiner Bank einen Freistellungsauftrag, kannst du den Sparerpauschbetrag nutzen. Dieser beträgt pro Jahr 1.000 Euro für allein veranlagte Personen und 2.000 Euro für gemeinsam Veranlagte (Stand: 2026). Bis zu diesen Beträgen bleiben Kapitalerträge steuerfrei.

Wenn dein persönlicher Einkommensteuersatz im Ruhestand unter 25 % liegt, kann sich eine Günstigerprüfung lohnen. In diesem Fall kann das Finanzamt deine Kapitalerträge mit dem niedrigeren Steuersatz besteuern.

Fazit: Entnahmeplan mit ETFs sinnvoll planen

Mit einem ETF-Entnahmeplan zahlst du dir im Ruhestand regelmäßig eine zusätzliche Rente aus. Ob du dich für einen Entnahmeplan mit oder ohne Kapitalverzehr entscheidest, hängt vor allem von deiner finanziellen Ausgangslage, deiner gewünschten Planungssicherheit und deinem zeitlichen Horizont ab.

Die Rechenbeispiele zeigen, wie eng Kapital, Rendite und Entnahmerate zusammenhängen. Eine realistische Planung mit konservativen Annahmen hilft dir, zu vermeiden, dass dein Kapital frühzeitig aufgebraucht ist oder deine Entnahmen nicht ausreichen, um deinen gewünschten Lebensstil im Alter zu sichern. Bitte berücksichtige ebenfalls die Aspekte Inflation und Steuern, um möglichst realistisch zu planen.

Auswirkung von Inflation: Grundsätzlich beeinflusst die Entwicklung der Inflationsrate deinen Anlageerfolg. Ein daraus resultierender Kaufkraftverlust betrifft sowohl die erzielten Erträge als auch dein investiertes Kapital.

Die steuerliche Behandlung hängt von den persönlichen Verhältnissen der jeweiligen Kundin oder des jeweiligen Kunden ab. Die Rechtsgrundlagen für die Besteuerung von Kapitaleinkünften können sich ändern. Die Commerzbank AG übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen auf dem Gebiet des Steuerrechtes. Die zur Verfügung gestellten Informationen ersetzen keine persönliche Steuer‐ oder Rechtsberatung.

Wenn du noch Fragen zu den Themen Anlegen und Investieren hast, nutze gerne unsere Volltextsuche auf www.comdirect.de. Dort findest du schnell und einfach viele Antworten auf die häufigsten Fragen. Solltest du dort keine passende Antwort finden, stehen wir dir gerne zur Verfügung – entweder über unser Kontaktformular auf der Website oder telefonisch unter 04106 – 708 25 00. Als comdirect Kundin oder Kunde halte bitte deine Zugangsdaten bereit.

Autor
comdirect Redaktion
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