Investment Crowdinvesting: Gemeinsam investieren in Immobilien und Co.

Ein Mann schaut aus einem Fenster auf eine Straße.
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Das Prinzip von Crowdinvesting ist einfach: Viele unterschiedliche Anleger finanzieren gemeinsam ein Projekt oder Unternehmen. Das Geld wird über eine Online-Plattform gesammelt und soll Rendite erwirtschaften. Das Risiko eines Totausfalls der Investition spielt aber stets mit. Wir zeigen, worauf Anleger achten sollten.

Definition: Was ist Crowdinvesting?

Die Finanzierungsform des Crowdinvestings setzt sich aus zwei englischsprachigen Begriffen zusammen, die das Vorgehen recht anschaulich beschreiben. Über eine Online-Plattform bildet sich eine bestimmte Anzahl an Anlegern („Crowd“) mit dem Ziel, gemeinsam zu investieren („Investing“).

Beim Crowdinvesting können also mehrere Privatpersonen eine Anlagesumme ansammeln, mit der sich dann verschiedene Projekte in diversen Branchen finanzieren lassen. In der Regel können sich Interessenten in Deutschland schon mit kleinen Beträgen beteiligen. Die Anleger profitieren anschließend von einer möglichen Rendite, die die finanzierten Projekte bzw. Unternehmen erwirtschaften können. Dabei sind jedoch auch Verluste bis hin zum Totalverlust möglich.

Gut zu wissen: Crowdinvesting ist eine bestimmte Ausprägung des Crowdfundings, dem Oberbegriff für Finanzierungsformen, bei der sich mehrere Anleger an einer Sache beteiligen.

Das Prinzip von Crowdinvesting in 3 Schritten.
Beim Crowdinvesting kommen Anleger via Online-Plattform zusammen, um gemeinsam ein Projekt oder Unternehmen zu finanzieren.

Bereiche von Crowdinvesting in Deutschland

Crowdinvesting kommt heutzutage in vielen Bereichen zum Einsatz. Vor allem im Immobiliensektor, aber auch bei der Finanzierung von Start-ups, kleinen und mittelständischen Unternehmen sowie bei Projekten im Bereich der erneuerbaren Energien wird Crowdinvesting als alternatives bzw. ergänzendes Finanzierungsinstrument eingesetzt. Die häufigsten Einsatzbereiche im Überblick:

  • Immobilien
  • Start-ups
  • kleine und mittelständische Unternehmen
  • erneuerbare Energien
  • Medizintechnik
  • Film-, Fotografie- und Musikindustrie

Gemeinsame Investitionen in Immobilien und Start-ups stellen die größten Teilbereiche beim Crowdinvesting dar. Mit Projekten im Immobilienbereich wollen Unternehmen Mezzanine-Kapital (Mischform zwischen Eigen- und Fremdkapital) beschaffen. So soll der Eigenkapitalanteil für Immobilienprojekte verringert, finanzielle Freiräume erschlossen und eine mögliche Eigenkapitalrendite gesteigert werden.

Für Start-ups ist Crowdinvesting dagegen schlicht und ergreifend ein alternativer Weg der Kapitalbeschaffung. Denn die jungen Unternehmen sind häufig noch zu klein, um Kapital über die Börse zu akkumulieren. Während Anleger bei Immobilienprojekten häufig mit festen Zinsen rechnen können, werden sie bei Start-up-Projekten in der Regel am Gewinn des Unternehmens beteiligt.

Gut zu wissen: Bei „Crowdinvestment“ handelt es sich um eine deutsche Wortschöpfung. Im internationalen Sprachgebrauch wird meist die Bezeichnung „equity-based Crowdfunding“ genutzt.

Vor- und Nachteile von Crowdinvesting

Crowdinvesting bietet Anlegern die Aussicht auf attraktive Renditen, die Finanzierungsform birgt aber auch einige Risiken. Genauso wie eine klassische Geldanlage in Aktien kann auch ein Crowdinvestment zu erheblichen finanziellen Verlusten bis hin zum Totalverlust führen. Interessenten sollten daher alle Chancen und Risiken genaustens abwägen und die vertraglichen Details hinreichend prüfen.

Auflistung von Vor- und Nachteilen von Crowdinvesting.
Die Vor- und Nachteile von Crowdinvesting im Überblick.

Wie sicher ist Crowdinvesting?

Läuft beim Crowdinvesting alles gut, bekommen die Investoren nach Abschluss des Projektes ihr eingesetztes Kapital inklusive Zinsen zurück. Doch das ist keineswegs garantiert. Denn Crowd-Kapital besitzt ein ähnliches hohes Risiko wie Eigenkapital. Scheitert ein Projekt, gehen Kleinanleger, die sich über eine Crowdinvesting-Plattform an der Finanzierung beteiligt haben, meist leer aus und werden nicht entschädigt. Die anderen Gläubiger werden nämlich zuerst ausgezahlt.

Für eine Entscheidung benötigt der Geldgeber daher so viele Informationen wie möglich. Dazu zählen neben dem Vermögensanlagen-Informationsblatt auch ein aktueller Jahresabschluss des Emittenten sowie eine konkrete Projektplanung und vieles mehr.

Gut zu wissen: Die Einlagensicherung existiert bei dieser Finanzierungsform nicht. Das Risiko eines kompletten Verlustes der Investition ist also jederzeit gegeben.

Wie funktioniert Crowdinvesting?

Bevor Crowdinvestoren mit ihrem finanziellen Vermögen in das Thema Crowdinvesting einsteigen, müssen sie zunächst ein bestimmtes Unternehmen bzw. Projekt auswählen, das unterstützt werden soll. Auf speziellen Internetplattformen buhlen Unternehmen daher um die Aufmerksamkeit von Kleinanlegern, indem sie dort unter anderem das Projekt und viele weitere Details vorstellen.

Die verschiedenen Crowdinvesting-Plattformen haben oftmals unterschiedliche Branchen als Schwerpunkt und sind vor allem im Bereich Immobilien, Gesundheitswesen und erneuerbare Energien angesiedelt. Nicht nur hinsichtlich der Branche, auch was die Höhe der Mindestanlage sowie die zu erwartenden Zinsen angeht, unterscheiden sich die Plattformen durchaus voneinander.

Meist können private Geldgeber bereits mit kleineren Beträgen in das Projekt ihrer Wahl einsteigen. Im Gegenzug bekommen sie dann eine vereinbarte Rendite oder eine andere Form der Gewinnausschüttung. Das finanzierte Unternehmen nutzt das Crowdinvesting als Geldquelle von außen – beispielsweise anstelle eines Bankkredites oder als Ergänzung.

Anleger können beispielsweise mit einer Eigenkapitalbeteiligung über Aktien Unternehmensanteile erwerben. Da nur wenige junge Unternehmen die hierfür benötigte Rechtsform einer Aktiengesellschaft (AG) oder einer Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) vorweisen können, kommen. Partiarische Darlehen häufiger zum Einsatz. Dabei wird dem Darlehensgeber ein Zins gewährt, der abhängig vom Gewinn ist.

Die Finanzierung läuft in vielen Fällen über ein sogenanntes Nachrangdarlehen, das für Geldgeber mit einem großen Nachteil behaftet ist. Kommt es zu einer Insolvenz des Unternehmens oder scheitert ein Projekt, wird der Investor beziehungsweise Gläubiger nämlich nachranging bedient. Bei der Verteilung der Insolvenzmasse stehen die Parteien als ganz hinten an.

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Fazit zu Crowdinvesting

Angesichts niedriger Zinsen sind Crowdinvesting-Projekte von Start-ups, Immobilienunternehmen und anderen Branchen für viele Anleger eine willkommene Alternative zu klassischen Geldanlagen. Die unterschiedlichen Investments sind jedoch mit vielen unterschiedlichen Risiken verbunden. Ganz entscheidend ist dabei das Prinzip der Nachrangigkeit. Geldgeber sollten daher stets die gesamte Finanzierungsstruktur prüfen, bevor sie sich für ein Crowdinvesting-Projekt entscheiden.

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