Cost-Average-Effekt Was der Cost-Average-Effekt für Anleger bedeutet

Seitenansicht einer jungen Frau, der der Wind durch die Haare weht.
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Der Cost-Average-Effekt – zu Deutsch: Durchschnittskosteneffekt – wird gerne als besonderer Vorteil bei regelmäßigem Sparen mit Wertpapieren wie ETFs, Fonds oder Aktien hervorgehoben, auch wenn er sich nicht immer als Vorteil erweisen muss. Es kommt auf die Art des Vergleichs an und auch Kursentwicklungen spielen eine Rolle. Die Vorteilhaftigkeit, die viele Anleger darin sehen, muss daher differenziert betrachtet werden. Wir erklären, was es mit dem Effekt auf sich hat und welche Bedeutung er tatsächlich für Anleger besitzt.

Der Cost-Average-Effekt einfach erklärt

Der Cost-Average-Effekt steht im Zusammenhang mit der regelmäßigen Anlage von konstanten Beträgen in Wertpapieren, die Kursschwankungen unterliegen – das ist zum Beispiel bei Wertpapier-Sparplänen wie Aktiensparplänen, Fondssparplänen oder ETF-Sparplänen der Fall.

Bei Sparplänen ist häufig vorgesehen, dass zu jedem Investment-Zeitpunkt immer der gleiche Betrag investiert wird. Dadurch werden in Hochkursphasen automatisch weniger Wertpapiere erworben als in Niedrigkursphasen. Werden zum Beispiel stets 300 Euro angespart, werden bei einem Kurs von 150 Euro zwei Anteile erworben, bei einem Kurs von 100 Euro dagegen drei. Durch diese „Politik des Investierens in gleichbleibenden Beträgen“ können sich im Bestand überdurchschnittlich viele „günstig“ eingekaufte Wertpapiere und unterdurchschnittlich viele „teuer“ erworbene ansammeln. Die Durchschnittskosten des Erwerbs liegen – von Extremkonstellationen abgesehen – dank dieser zeitlich gestreckten Investitionspolitik stets unter dem ungünstigsten Kurs, aber auch stets über dem günstigsten im Investment-Zeitraum. Von einem (positiven) Cost-Average-Effekt wird dann gesprochen, wenn die Durchschnittskosten im Vergleich zum regelmäßigen Kauf einer gleichbleibenden Wertpapier-Anzahl oder im Vergleich zu den Stückkosten einer Einmalanlage günstiger sind.

Regelmäßig Sparen mit und ohne Cost-Average-Effekt – ein Beispiel

Regelmäßig mit Wertpapieren sparen lässt sich auch, indem zu festgelegten Zeitpunkten immer die gleiche Anzahl an Wertpapieren erworben wird. Je nach Kursentwicklung sind in diesem Fall die Investmentsummen unterschiedlich. Dann kann allerdings kein Cost-Average-Effekt eintreten. Die Papiere im Bestand kosten stets so viel wie die Papiere am Markt zum jeweiligen Zeitpunkt. Dazu folgendes Beispiel: verglichen werden dazu zwei Sparpläne. Bei dem einen werden monatlich 100 Euro in einem (beliebig teilbaren) Wertpapier angespart, bei dem anderen wird monatlich ein Anteil des Wertpapiers gekauft. Im Betrachtungszeitraum werden in beiden Sparplänen jeweils 500 Euro investiert.

Kaufzeit-
punkte
Kurs zum Kaufzeit-punkt Sparplan: 100 € jeden MonatSparplan: 100 € jeden MonatSparplan: 1 Anteil jeden MonatSparplan:
1 Anteil jeden Monat
AnteileInvestmentAnteileInvestment
15. Januar 100 €1100 €1100 €
15. Februar 150 €2/3100 €1150 €
15. März 75 €1 1/3100 €175 €
15. April50 €2100 €150 €
15. Mai125 €0,80100 €1125 €
Summe Anteile bzw. Gesamt-investment 5,8500 €5500 €
Durchschnitts-kosten/Anteil100 €86,21 €100 €

Im Beispiel funktioniert der Cost-Average-Effekt „wie im Lehrbuch“. In der Praxis muss das nicht der Fall sein, das hängt ganz von der Kursentwicklung ab. Bei einem Gesamtinvestment von jeweils 500 Euro können bei konstanten Sparbeiträgen von 100 Euro/Monat 5,8 Anteile zu Durchschnittskosten von 86,21 Euro/Anteil erworben werden – beim Kauf eines Anteils jeden Monat dagegen nur 5 Anteile zu 100 Euro Durchschnittskosten/Anteil. Die Entwicklung des 100 Euro-Sparplans mit den Durchschnittskosten bei unterschiedlichen Kursen zeigt folgende Grafik:

Cost-Average-Effekt im Beispiel-Sparplan
Quelle: eigene Darstellung
Cost-Average-Effekt – Anteile und Durchschnittskosten bei Beispiel-Sparplan

Die Kursschwankungen gleichen sich im Beispiel im Zeitablauf ungefähr aus. Das muss nicht immer so sein. Die Kurse könnten auch plötzlich stark sinken, was sich negativ auswirken würde. Das erzielbare Ergebnis hängt sowohl absolut (Gewinn/Verlust) als auch relativ (positive/negative Rendite) vom Ausmaß, der Dauer und der Richtung der Kursbewegungen sowie vom erzielbaren Verkaufskurs ab.

Cost-Average-Effekt berechnen: Die Durchschnittskosten beim Cost-Average-Effekt errechnen sich aus dem sogenannten harmonischen Mittel nach folgender Formel (xn = Kurs zum Zeitpunkt n):

Harmonisches Mittel = n / ((1/x1)+(1/x2)(1/x3)+(…)+(1/xn))

Im Beispiel:

Durchschnittskosten = 5 / ((1/100)+(1/150)+(1/75)+(1/50)+(1/25)) = 86,21

Cost-Average-Effekt im Vergleich zur Einmalanlage

Als Alternative zum regelmäßigen Sparen kommt theoretisch auch eine Einmalanlage in Betracht. Anstatt jeden Monat 100 Euro zu investieren, nehmen wir zum Beispiel an, dass einmalig 500 Euro angelegt werden. Das Anlageresultat hängt dann davon ab, wie viele Anteile jeweils zu welchem Zeitpunkt erworben werden können.

Kaufzeit-
punkte
Kurs zum
Kaufzeit-
punkt
Sparplan: 100 € jeden MonatSparplan: 100 € jeden MonatEinmalanlage: 500 Euro Einmalanlage: 500 Euro
AnteileInvestmentAnteileInvestment
15. Januar100 €1100 €51 x 500 €
15. Februar150 €2/3100 €3 1/31
15. März75 €1 1/3100 €6 2/31 x 500 €
15. April50 €2100 €101 x 500 €
15. Mai125 €0,80100 €41 x 500 €
Summe Anteile bzw. Gesamt-investment 5,8500 €3 1/3 – 10500 €
Durchschnitts-kosten/Anteil 100 €86,21 €50 € – 150 €

Würden im Beispiel die 500 Euro zum 15. April (10 Anteile kaufbar) oder alternativ zum 15. März (6 2/3 Anteile kaufbar) jeweils komplett investiert, wäre die Einmalanlage gegenüber dem regelmäßigen Sparen (5,8 Anteile kaufbar) die überlegene Strategie, beim Kauf zu den anderen Zeitpunkten hingegen der unterlegene Ansatz. Denn es könnten dann stets weniger Anteile erworben werden als beim regelmäßigen Sparen. Das zeigt: anders als beim Sparplan kommt es bei der Einmalanlage auf den „richtigen“ Zeitpunkt an. Beim regelmäßigen Sparen stellt sich die Frage des Timings dagegen nicht, denn die Investment-Zeitpunkte stehen von vornherein fest, beim Sparen in konstanten Beträgen auch die Investment-Summen.

Vorteile und Nachteile im Überblick

Cost-Average-Effekt und regelmäßiges Sparen in konstanten Beträgen bedingen einander. Diese Form des Sparens bringt verschiede Vor- und Nachteile mit sich.

VorteileNachteile
Bei sich im Zeitablauf ungefähr ausgleichenden Kursschwankungen führt der Durchschnittskosteneffekt tendenziell zu überdurchschnittlich vielen „günstig“ erworbenen Papieren im Bestand. Bei kontinuierlich steigenden Kursen wäre es besser, möglichst früh möglichst viel zu investieren, regelmäßiges Sparen in gleichen Beträgen ist im Vergleich dazu der unterlegene Ansatz, weil immer weniger Papiere zu hohen Preisen zugekauft werden. Dadurch werden mögliche Kursgewinne „verpasst“.
„Fehlkäufe“ zu ungünstigen Zeitpunkte können unter Umständen durch Käufe zu besseren Zeitpunkten ausgeglichen werden.Bei kontinuierlich sinkenden Kursen werden bei regelmäßigem Sparen zwar immer mehr Papiere erworben, damit steigen aber auch die Verluste.

Wer regelmäßig mit einem Sparplan mit konstanten Beträgen in Wertpapieren spart, kann auf den Cost-Average-Effekt hoffen, eine Garantie für eine positive Wirkung gibt es selbstverständlich nicht. Ob der Effekt zum Tragen gekommen ist, lässt sich erst im Nachhinein feststellen. Und natürlich ist auch das Wertpapier-Sparen wie jede Form des Wertpapier-Investments mit Chancen und Risiken behaftet.

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Fragen Sie uns – wir antworten Ihnen!

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Wertpapiere unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Bei Wertpapieren in ausländischer Währung kann es zu Wertverlusten durch Wechselkursveränderungen kommen. Dieser Text dient ausschließlich Informationszwecken und stellt kein Angebot, keine Aufforderung und keine Anlageempfehlung dar. Sie soll lediglich Ihre selbstständige Anlageentscheidung erleichtern und ersetzt keine anleger- und anlagegerechte Beratung.