Bullen- und Bärenmarkt Grundlagen der Börsenkurse einfach erklärt

Junge Frau in einem Stadtbus liest auf ihrem Smartphone.
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Vor den Börsen in Frankfurt, London und New York stehen Skulpturen mit dem gleichen Motiv: Ein Bulle mit kräftigen Hörnern und ein großer Bär stehen sich gegenüber. Denn Bulle und Bär sind ikonische Symbole für Börsenmärkte im Auf- und Abschwung. Hier erfahren Sie, wofür Bullenmarkt und Bärenmarkt stehen, woher die Bezeichnungen stammen und welche Begriffe in diesem Zusammenhang außerdem eine Rolle an der Börse spielen.

Warum Bulle und Bär?

Bulle und Bär haben als Börsensymbole eine lange Tradition. Es ist jedoch unklar, welchen historischen Ursprung diese beiden Tiere in der Börsenwelt haben. Eine beliebte Legende besagt, dass im 17. Jahrhundert Schaukämpfe von Bären und Bullen in der Nähe des Londoner Handelsplatzes ausgetragen wurden. Eine andere Legende besagt, dass ein spanischer Schriftsteller sich von den Vorgängen an der holländischen Börse an ebensolche Schaukämpfe in seiner Heimat erinnert fühlte. Folglich hat er diese Analogie in seinen Börsenberichten verwendet. Auch das soll im 17. Jahrhundert passiert sein.

Unstrittig ist hingegen, warum Bullen für steigende Kurse und Bären für fallende Kurse stehen. Ein kämpfender Stier stößt mit seinen Hörnern von unten nach oben und triumphiert am Ende mit erhobenem Haupt. Ein Bär hingegen vermeidet lieber den Kampf und sucht einen Fluchtweg. Wird er aber zum Kampf gezwungen, so schlägt er gerne mit seiner starken Pranke von oben nach unten zu.

Gut zu wissen: Eine Eselsbrücke: Der Stier stößt die Kurse mit seinen Hörnern nach oben, der Bär schlägt sie mit seiner Pranke nach unten.

Der Bullenmarkt oder “Hausse”

Herrscht in einer Region oder einer Branche ein wirtschaftlicher Aufschwung, so führt dies in der Regel zu einem “Bullenmarkt” oder auch “Hausse”. Damit werden länger anhaltende Kurssteigerungen bezeichnet. Man sagt auch die Börse sei “bullisch” oder “bullish” in Phasen der Hochkonjunktur.

Gut zu wissen: Hausse ist französisch und wird ungefähr “Ohs” ausgesprochen.

Der Bärenmarkt oder “Baisse”

In Zeiten der wirtschaftlichen Flaute oder gar Rezession kommt es oft zu einem “Bärenmarkt” oder “Baisse”. Oft folgt der Bärenmarkt nach einer langen Phase der Kursstagnation auf einem hohen Niveau. Ein typischer anhaltender Bärenmarkt entsteht, wenn Anleger das Vertrauen in ein Wertpapier, eine Branche oder eine Region verloren haben. Die Börse ist dann für eine Zeit lang “bärisch” oder “bearish”.

Gut zu wissen: Baisse ist französisch und wird ungefähr “Bäss” ausgesprochen.

Was ist eine Bärenmarktrally?

Eine Bärenmarktrally beschreibt den Zustand einer starken Kurserholung, der direkt auf eine starke Abwertung während eines Bärenmarktes folgt. Der Markt ist hierbei noch nicht bullisch, stattdessen pendelt sich der Kurs bei einer Bärenmarktrally auf einem mittleren Niveau ein. Durch die beschriebenen panikartigen Verkäufe sinken Aktienkurse in einer Baisse nämlich unnatürlich stark – dies wird in einer Bärenmarktrally wieder ausgeglichen.

Was sind Bullenfallen im Finanzjargon?

In die Bullenfallen an der Börse tappen keine Bullen, sondern Anleger. Und zwar deshalb, weil sie kurzfristige Kurssteigerungen fälschlicherweise als Bullenmarkt interpretieren. Doch statt weiter anzusteigen, stagnieren oder sinken die Kurse dann. Die Bullenfalle schnappt zu und die Anleger sitzen auf Papieren, die sie erst einmal nur unter dem Einkaufswert verkaufen können.

Was sind Bärenfallen im Finanzjargon?

Auch in die Bärenfallen an der Börse tappen keine Bären, sondern Anleger. Hier werden Aktien aufgrund kurzfristig fallender Kurse verkauft. Anleger wittern einen Bärenmarkt – erholen sich jedoch die Kurse, so entgehen ihnen die Gewinne. Die Bärenfalle schnappt zu und die Anleger müssen zusehen, wie andere mit ihren gerade verkauften Papieren gute Geschäfte machen.

Wie können Anleger von Bullenmarkt und Bärenmarkt profitieren?

Um von bullischen und bärischen Märkten zu profitieren, muss man diese rechtzeitig erkennen, um dann zu kaufen oder zu verkaufen.

In jedem Fall gilt: Je länger ein Bullenmarkt oder Bärenmarkt andauert, desto misstrauischer sollten Anleger werden und besonders genau hinsehen, bevor sie ihre Entscheidungen fällen. Denn kein Bären- oder Bullenmarkt hält ewig!

Vom Bullenmarkt profitieren

Um von einer bullischen Marktphase zu profitieren, müssen Anleger diese frühzeitig erkennen und die entsprechenden Papiere kaufen. Für Laien ist es sehr schwierig, eine Hausse rechtzeitig zu erkennen. Es hilft aber, Nachrichten aus Wirtschaft und Börse aufmerksam zu verfolgen.

Ebenso wichtig wie der rechtzeitige Kauf ist der Verkauf zum richtigen Zeitpunkt. Unerfahrene Anleger verkaufen oft sehr früh, wenn die Aktienkurse gerade erst begonnen haben zu steigen. Der optimale Zeitpunkt zum Verkauf ist eigentlich dann, wenn die Kurse anfangen zu stagnieren oder wieder zu sinken, wenn also der Bullenmarkt zu Ende ist.

​Zusammengefasst:

  • Hausse rechtzeitig erkennen
  • Aktien früh in der Hausse kaufen
  • Aktien zum Ende der Hausse verkaufen​

Vom Bärenmarkt profitieren

Eine bärische Marktphase ist an der Börse eher eine Phase der Krise. Deshalb gilt es zunächst einmal, den Bärenmarkt rechtzeitig zu erkennen und die entsprechenden Papiere rechtzeitig zu verkaufen. So vermeiden Sie es, Papiere mit Verlust veräußern zu müssen.

Haben Sie Ihre Papiere rechtzeitig verkauft und den Bärenmarkt überstanden, dann ist oftmals ein guter Zeitpunkt, um in vielversprechende Wertpapiere zu investieren. Bärenmärkte bieten also immer auch Chancen. Doch Vorsicht: Nicht auf jeden Bärenmarkt folgt ein Bullenmarkt oder eine Bärenmarktrally. Oft stagnieren Kurse auch einfach lange auf einem gewissen Niveau oder fallen erneut.

Zusammengefasst:

  • Baisse rechtzeitig erkennen
  • Aktien früh in der Baisse verkaufen
  • Am Ende der Baisse Kaufmöglichkeiten checken

Während eines Bärenmarkts können fortgeschrittene Anleger aber nicht nur Verluste vermeiden, sondern auch proaktiv Gewinne einfahren. Und zwar über sogenannte “Put-Optionen” oder “Leerverkäufe” bzw. “Short-Positionen”. Das sind allerdings relativ komplexe und risikoreiche Instrumente, die nur von erfahrenen Anlegern genutzt werden sollten.

Was sind Hausse-Baisse-Klauseln?

Eine Hausse-Baisse-Klausel findet ihre Anwendung meist nicht an der Wertpapierbörse, sondern an Warenmärkten. Bei lang andauernden Geschäften besteht für Verkäufer und Einkäufer immer das Problem, dass sich die Marktpreise im Laufe der Zeit stark verändern können. Bei steigenden Preisen hätte der Verkäufer tendenziell einen Vorteil, bei fallenden Preisen hingegen profitiert der Käufer.

Eine Hausse-Klausel wird relevant, wenn Preise steigen. Steigen die Preise so sehr, dass der Käufer diese nicht mehr akzeptiert, so kann der Verkäufer vom Kaufvertrag zurücktreten. Er kann dann an einen anderen Käufer verkaufen.

Ein Baisse-Klausel hingegen wird relevant, wenn Preise fallen. Fallen die Preise so sehr, dass der Verkäufer die Preise nicht akzeptieren kann, so kann der Käufer vom Kaufvertrag zurücktreten. Er kann dann bei einem anderen Verkäufer kaufen.

Eine Hausse-Baisse-Klausel ist die Kombination aus beiden Klauseln und besonders beliebt, weil sie das Risiko für Käufer und Verkäufer gleich verteilt. Dies verringert das Risiko bei langfristigen Kaufverträgen für beide Seiten und macht dadurch den Abschluss langfristiger Verträge einfacher.

Infografik zu Hausse-Baisse-Klauseln

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