Big-Mac-Index Was ist der Big-Mac-Index und wofür wird er genutzt?

Ein junger Mann beißt auf der Straße genüsslich in einen Burger.
© anandaBGD via iStockphoto/Getty Images

Fast Food erfreut sich weltweit größter Beliebtheit. Was viele nicht wissen: eines der beliebtesten Fast-Food-Gerichte spielt auch für Ökonomen eine wichtige Rolle. Der sogenannte Big-Mac-Index vergleicht weltweit die Preise für den bekannten Burger bei der Fast-Food-Kette McDonald’s und wird für wichtige Aussagen über die Kaufkraft und die Bewertung einer Währung herangezogen. Wir erklären, warum ausgerechnet der Big Mac dafür ausgewählt wurde, wie sich der Big-Mac-Index berechnet und welche Schlüsse Anleger aus dem Indexwert ziehen können. Zudem gehen wir auf die Vor- und Nachteile des Messinstruments ein.

Was ist der Big-Mac-Index?

Der Burger-Index ist heute ein weltbekannter Wirtschaftsindex, der bereits 1968 von der Economist-Korrespondentin Pamela Woodall geschaffen wurde. Die Annahme und Definition hinter dem Big-Mac-Index: Der beliebte Hamburger wird überall auf der Welt nahezu identisch hergestellt und verkauft – also müsste er auch überall gleich viel kosten. Um das zu überprüfen wird von den Economist-Redakteuren jedes halbe Jahr der Preis für einen Big Mac in der jeweiligen Landeswährung abgefragt. Für eine bessere Vergleichbarkeit werden die Preise in US-Dollar umgerechnet und die Big-Mac-Preise dann in absteigender Reihenfolge sortiert. Denn das Preisniveau unterscheidet sich teils deutlich. Besonders teuer ist der beliebte Burger in der Schweiz, im Libanon und in Schweden. Besonders günstig ist er hingegen in der Türkei, Russland und Südafrika (Stand Juli 2020).

Gut zu wissen: Für einen weltweiten Kaufkraftvergleich benötigt man einen einheitlichen Warenkorb – also Produkte, die auf der ganzen Welt in der gleichen Weise hergestellt und verkauft werden. Da der Big Mac in über 120 Ländern in einer nahezu identischen Standardweise verkauft wird, eignet er sich nach der Ansicht von Ökonomen gut für einen weltweiten Kaufkraftvergleich.

Grafik zu den weltweiten Preisen eines Big Mac in US-Dollar.
Der Big-Mac-Index in der Übersicht.

Was misst der Big-Mac-Index?

Der bekannte Hamburger-Index kann helfen, Aussagen über die Kaufkraft und die Devisenmärkte zu treffen. Ein wissenschaftliches Instrument stellt er hingegen nicht dar.

Kaufkraftindex und Kaufkraftparität

Dem Big-Mac-Index liegt im Wesentlichen die Theorie der Kaufkraftparität, die der britische Wirtschaftswissenschaftler David Ricardo bereits im frühen 19. Jahrhundert entwickelte, zu Grunde. Danach sollen Waren und Güter eines bestimmten Warenkorbs trotz unterschiedlicher Währungen grundsätzlich zum gleichen Preis erhältlich sein. Dann herrsche die sogenannte Kaufkraftparität. Anhand dieser können die Preise gleicher Güter verglichen und dadurch mögliche Über- oder Unterbewertungen von Währungen abgelesen werden. Als sogenannter Kaufkraftindex werden beim Big-Mac-Index alle umgerechneten Währungen im Vergleich zum US-Dollar gesetzt. Liegt der umgerechnete Preis für einen Big Mac im Fremdland über dem eines Big Macs in den USA, so ist die Währung überbewertet. Liegt die Währung auf einem ähnlichen Niveau, herrscht hingegen eine Kaufkraftparität. Liegt der Burgerpreis hingegen unter dem US-Wert, so ist die Währung unterbewertet.

Grafik zu den weltweiten Preisen eines Big Mac in US-Dollar.
Ein Big Mac kostet in Deutschland so viel wie…

Big-Mac-Index und Arbeitszeit – Indikator für die Lohn-Kaufkraft

Mittlerweile wurde der Burger-Index von vielen Ökonomen und Institutionen aufgegriffen. So auch von der Schweizer Großbank UBS, die 2018 die durchschnittlichen Preise und Löhne in 72 internationalen Städten errechnete und die Kaufkraft anhand des Big-Mac-Preises berechnete. Dadurch erhielt man einen Überblick über die weltweite Lohn-Kaufkraft. Das Ergebnis: In Tokio arbeiteten Menschen im Jahr 2018 9 Minuten für einen Big Mac – in Berlin 16 Minuten. In der afrikanischen Stadt Nairobi waren es hingegen 84 Minuten.

Messinstrument zur Devisenanalyse

Ökonomen vergleichen mittels der bewerteten Kaufkraftparität und den errechneten Wechselkursen auch die Devisenmärkte. Anhand der Über- oder Unterbewertung einer Währung kann analysiert werden, ob sich der Devisenmarkt im Gleichgewicht befindet. Grundsätzlich gehen Experten in der Regel davon aus, dass die Kurse von überbewerteten Währungen künftig sinken, während die Kurse von unterbewerteten Währungen wieder steigen. Für diese Annahme gibt es allerdings keine Garantie.

Wie berechnet sich der Big-Mac-Index?

Zur Berechnung des jeweiligen Big-Mac-Index, wird zunächst der Preis eines Big Macs eines bestimmten Landes durch den US-Preis für einen Big Mac geteilt. Dadurch erhält man den Big-Mac-Wechselkurs. Anhand des offiziellen Wechselkurses kann nun beurteilt werden, ob eine Währung über- oder unterbewertet ist.

Ein Beispiel: Ein Big Mac kostet derzeit in Deutschland (Stand Juli 2020) 4,21 Euro und in der USA 5,71 US-Dollar.

Der errechnete Big-Mac-Wechselkurs beträgt demnach (4,21/5,71) = 0,74.

Der tatsächliche Wechselkurs beträgt hingegen 0,88 (Stand Juli 2020). Damit ist der Euro gegenüber dem US-Dollar 16,2 % unterbewertet.

Ein noch deutlicheres Beispiel entsteht beim Vergleich zwischen den USA und Russland. Der russische Vergleichspreis für einen Big Mac liegt bei 135 Rubel (Stand Juli 2020) – der US-Preis bei 5,71 US-Dollar. Der errechnete Wechselkurs beträgt damit 23,64. Allerdings beträgt der tatsächliche Wechselkurs 70,58 (Stand Juli 2020) – wodurch sich eine Unterbewertung von 66,5 % ergibt.

Eine Überbewertung besteht beispielsweise bei den Vergleichspreisen zwischen den USA und der Schweiz. Ein Big Mac kostet in der Schweiz (Stand Juli 2020) 6,50 Schweizer Franken. Der errechnete Wechselkurs liegt damit bei 1,14 – wohingegen der tatsächliche Wechselkurs bei 0,94 (Stand Juli 2020) liegt. Damit ist die Schweizer Währung 20,9 % überbewertet.

Was bedeutet der Big-Mac-Index für Anleger?

Auch Anleger können unter Umständen von den Aussagen des Big-Mac-Index profitieren. Denn was viele Anleger nicht wissen: auch Währungen beeinflussen Wertpapiere. Wer international investiert, holt sich damit auch Fremdwährungen ins Depot. Egal, ob Aktien oder Anleihen – die Entwicklung der Währungen hat auch Einfluss auf die unterschiedlichen Geldanlagen. Doch auch unter Anlegern ist der Burger-Index und seine Bedeutung nicht ganz unumstritten. Denn nicht jeder reagiert bei möglichen Währungseinbrüchen mit der Auflösung des Depots.

Gut zu wissen: Viele Anleger setzen verstärkt auf ETFs und Aktienfonds, da diese ihr Anlagevolumen weltweit verteilen. Dadurch sind sie nicht auf eine bestimmte Währung festgelegt. Allerdings sind Anleger auch bei ETFs und Aktienfonds nicht vor Verlusten geschützt.

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Bedeutung für Privatpersonen im Alltag

Auch Privatpersonen können die Aussagen des Big-Mac-Index nutzen, denn er gibt auch Auskunft über die Devisen. Die Über- oder Unterbewertung einer Währung zeigt beispielsweise Reisenden, wie viel ihr Geld im Ausland wert ist. In einem Land mit einer vergleichsweise schwächeren Währung, erhalten Reisende so mehr für ihr Geld. In einem Land mit einer überbewerteten Währung ist die Reise hingegen teurer.

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Kritik und Alternativen für den Hamburger-Index

Der Big-Mac-Index weist im Vergleich zu anderen Messinstrumenten den Vorteil auf, dass er sehr leicht zu ermitteln ist. Zudem weist der Big Mac als weltweit verfügbares Standardprodukt eine gute Vergleichbarkeit für den Weltmarkt auf. Allerdings stehen viele Experten dem Index auch kritisch gegenüber. Denn nach Ansicht von Ökonomen braucht es für eine Beurteilung der Kaufkraft mehr als nur ein Produkt. Dadurch wird die Beurteilung zwar einfacher, ist aber auch deutlich anfälliger für Schwankungen. Außerdem werde beispielsweise nicht berücksichtigt, wie beliebt der Burger in einigen Ländern ist. Und auch Faktoren wie Mietpreise, Steuersätze oder Lohnkosten würden vernachlässigt werden. Ferner gebe es auch bei einem klassischen Standardprodukt wie dem Big Mac Unterschiede. So werde er zum Beispiel in Indien mit Hühnerfleisch hergestellt.

Verschiedene Institutionen suchen deshalb seit einigen Jahren nach Alternativen. Die australische Bank Commonwealth Securities (CommSec) errechnete 2007 beispielsweise einen Index, der sich am Preis für einen Apple IPod Nano orientierte. Mittlerweile gilt bei vielen Ökonomen das Apple iPad Mini als Vergleichswert. Aber auch das berühmte Billy-Regal vom schwedischen Möbelriesen IKEA wird von Ökonomen gerne als standarisierter Vergleichswert genommen. Einige Kritiker des Big-Mac-Index setzen wiederum auf Flugreisen, da auch damit eine weltweite Standardleistung (Transport von A nach B) abgerufen werden kann.

Fazit

Der Big-Mac-Index kann bereits auf eine lange Geschichte zurückblicken. Noch immer gilt er unter Ökonomen als wichtiger Index zur Berechnung der Kaufkraft und zur Bewertung einer Währung. Die Aussagen des Burger-Index sind jedoch auch unter Experten nicht unumstritten. Denn viele sehen im berühmten Big Mac keinen repräsentativen Warenkorb, da der Burger nur ein explizites Produkt darstellt. Trotz der nicht ganz wissenschaftlichen Aussagekraft können Anleger und Privatpersonen den Index heranziehen, um beispielsweise die Bewertung einer Währung zu beurteilen.

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