Überblick: Was ist das bedingungslose Grundeinkommen?

Eine Frau tanzt auf einer Straße.
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Das bedingungslose Grundeinkommen (häufig auch BGE) wird seit Jahren diskutiert und hat auch in Deutschland viele Befürworter. Jeder Bürger eines Landes bekommt monatlich eine feste Summe vom Staat überwiesen. Dafür muss er keine Gegenleistung erbringen. Wir zeigen, wie das bedingungslose Grundeinkommen finanziert werden kann und welche Vor- und Nachteile es mit sich bringt.

Bedingungsloses Grundeinkommen einfach erklärt

Mit einem bedingungslosen Grundeinkommen (häufig auch universelles Grundeinkommen genannt) erhält jeder Mensch unabhängig von möglichen Beschäftigungsverhältnissen ein lebenslanges monatliches Einkommen. Es wird bedingungslos an alle Einwohner eines Landes gezahlt.

Was soll das bedingungslose Grundeinkommen bewirken?

Das Grundeinkommen verfolgt grundsätzlich das Ziel, dass die Existenz aller Menschen gesichert wird und eine gesellschaftliche Teilhabe stattfinden kann. Zudem soll es Armut vorbeugen und Menschen zu mehr individueller Freiheit verhelfen.

Gut zu wissen: Derzeit zahlt noch kein Staat seinen Bürgern ein flächendeckendes bedingungsloses Grundeinkommen.

Geschichte des universellen Einkommens

Die Überlegungen zu einem bedingungslosen Grundeinkommen sind schon sehr alt. Bereits in der Antike erprobte man erste Ansätze, allerdings ohne großen Erfolg. Und auch im 18. und 19. Jahrhundert befürworteten zahlreiche Philosophen die Einführung eines bedingungslosen Einkommens. Durchgesetzt hat sich die Idee allerdings auch nicht im 20. Jahrhundert, wo beispielsweise die Benachteiligung der afroamerikanischen Bevölkerung die Debatte in den USA erneut anheizte. Doch auch dadurch wurde kein flächendeckendes Grundeinkommen eingeführt.

Bedingungsloses Grundeinkommen: Erste Pilotprojekte

Seit einigen Jahren gibt es in Deutschland und anderen Staaten unterschiedliche Pilotprojekte zum bedingungslosen Grundeinkommen. Sie sollen zeigen, wie Menschen mit einem bedingungslosen Einkommen umgehen und welche Auswirkungen dies auf unsere Gesellschaft hat. Dazu bekommen mehrere Probanden aus unterschiedlichen sozialen Gruppen für eine bestimmte Zeit ein bedingungsloses Grundeinkommen gezahlt. Finanziert werden diese Modelle bislang von verschiedenen Vereinen und Institutionen.

Gut zu wissen: Noch immer können sich Personen bei Modellversuchen anmelden und so die Chance erhalten ein bedingungsloses Grundeinkommen zu gewinnen.

Wie hoch ist das bedingungslose Grundeinkommen?

Zur Höhe des bedingungslosen Grundeinkommens gibt es unterschiedliche Auffassungen. Der Hartz-IV-Satz für eine alleinstehende Person beträgt derzeit 446 Euro (Stand Oktober 2021). Als niedrigste Summe für das bedingungslose Grundeinkommen werden deshalb häufig 500 Euro genannt. Die bisher gelaufenen und aktuellen Modellstudien und Pilotprojekte gehen allerdings von höheren Sätzen aus. So werden in der Regel zwischen 1.000 und 1.500 Euro pro Monat verlost. Allerdings wird das monatliche Grundeinkommen in den Pilotprojekten auch nur über einen Zeitraum zwischen einem und drei Jahren gezahlt.

Wie beantrage ich das bedingungslose Grundeinkommen?

Bisher wird in Deutschland noch kein Grundeinkommen gezahlt, weshalb man es nicht einfach bei einer Behörde beantragen kann und dann auf das eigene Girokonto überwiesen bekommt. Allerdings verlosen verschiedene Vereine und Institutionen ein häufig über Crowdfunding finanziertes Grundeinkommen. Interessenten müssen sich dafür oft nur auf der jeweiligen Webseite registrieren und etwas Glück bei der Verlosung haben.

Grundeinkommen: Vor- und Nachteile

Das bedingungslose Grundeinkommen bringt verschiedene Vor- und Nachteile mit sich.

Die Vorteile des bedingungslosen Grundeinkommens

Der größte Vorteil ist, dass Geringverdiener und Sozialhilfeempfänger mehr Geld zur Verfügung hätten, denn das bedingungslose Grundeinkommen dürfte bei den meisten Sozialhilfeempfängern über den bezogenen Leistungen liegen. Das gilt insbesondere für Familien mit Kindern. Ein weiterer Vorteil ist, dass Menschen mehr Freiraum zur beruflichen Entfaltung gegeben werden kann. So kann beispielsweise eine berufliche Auszeit oder Weiterbildungsmaßnahme einfacher umgesetzt werden. Auch die Risiken für eine Unternehmensgründung könnten durch ein festes Grundeinkommen abgemildert werden. Viele Befürworter sehen auch eine Möglichkeit für die Förderung des ehrenamtlichen Engagements und insgesamt mehr Zeit für soziale und karitative Tätigkeiten.

Die Nachteile des bedingungslosen Grundeinkommens

Die Nachteile liegen vor allem bei den Kosten. Viele Staaten sind bereits stark verschuldet, wodurch eine beträchtliche Finanzierungslücke entstehen könnte. Zudem sehen Kritiker die Gefahr, dass Menschen keinen Anreiz mehr in Arbeit sehen könnten, da sie durch das Grundeinkommen abgesichert werden würden. Aus genau diesem Grund könnten Arbeitgeber auch niedrigere Löhne zahlen, da sie sich auf das Grundeinkommen als Absicherung verlassen. Gleichzeitig könnte auch die Motivation für eine berufliche Weiterentwicklung schwinden. Außerdem wäre zu befürchten, dass unattraktive Berufe noch unattraktiver werden.

Vor- und Nachteile in der Übersicht

VorteileNachteile
Mehr Geld, was sich besonders für Geringverdiener auswirkt.Hohe Kosten für den Staat.
Mehr Möglichkeiten zur freien beruflichen Entfaltung und mehr Zeit für ehrenamtliches Engagement.Schwindende Anreize für berufliche Weiterentwicklung. Unattraktive Berufe werden noch unattraktiver.
Abmilderung der Risiken bei einer Unternehmensgründung.Gefahr sinkender Löhne, da Arbeitgeber sich auf Grundeinkommen als Absicherung verlassen.

Finanzierung des bedingungslosen Grundeinkommens

Als wohl wichtigster Faktor bei der Umsetzung eines universellen Einkommens gilt die Finanzierung.

Finanzierungsmodelle

Die bisherigen Pilotprojekte wurden vor allem aus Spenden und Mitteln privater Investoren oder über Crowdfunding finanziert. Für dauerhafte und flächendeckende Modelle reicht dies allerdings nicht aus, weshalb die Finanzierung des universellen Grundeinkommens beispielsweise über die Steuern erfolgen könnte.

Einkommenssteuer: Es entsteht ein Grundeinkommen in Form einer Steuererstattung, die am Ende mit der Steuer zum Einkommen verrechnet wird. Ist die Steuerschuld geringer als das Grundeinkommen, wird der Betrag ausgezahlt. So wird Menschen ohne Erwerbstätigkeit beispielsweise das volle Grundeinkommen ausgezahlt – bei Personen mit Erwerbseinkommen reduziert sich hingegen die Steuerbelastung.

Umsatzsteuer: Bei dem Finanzierungsmodell über die Umsatzsteuer entfallen Einkommensteuer, Lohnsteuer und Sozialabgaben. Es bleibt lediglich die Umsatzsteuer bestehen, wodurch der Bruttolohn also Nettolohn ausgezahlt wird. Dafür wird der Konsum stark besteuert – Experten nennen dabei Mehrwertsteuersätze von beispielsweise 50 %. Wer dann viel kauft, zahlt auch viel in die Umlage zum bedingungslosen Grundeinkommen ein.

Alternativen: Bürgergeld und Steuerreformen

Das bedingungslose Grundeinkommen ist nicht der einzige Weg, um die Absicherung und das gesellschaftliche Zusammenleben zu fördern.

Bürgergeld: Das Bürgergeld verfolgt einen ähnlichen Ansatz wie das Grundeinkommen. Allerdings ist es an Bedingungen geknüpft. Wer sich ehrenamtlich engagiert oder in einem gesellschaftlich wichtigen Beruf, etwa in der Altenpflege oder im Sozialdienst arbeitet, hat Ansprüche auf das Bürgergeld. Der Einsatz für andere soll sich lohnen, so die Idee. Aber auch das Bürgergeld gibt es bislang nur als Konzept – eine praktische Umsetzung ist in Deutschland noch nicht erfolgt.

Steuerreform: Ein anderer Ansatz wäre eine umfassende Steuerreform, die höhere Einkommen mehr belastet. Mit den Mehreinnahmen könnten dann einkommensschwache Haushalte stärker unterstützt werden, etwa in Form von steuerlichen Entlastungen oder Zuschüssen.

Alternativen zum bedingungslosen Grundeinkommen in der Übersicht.
Das Bürgergeld und mögliche Steuerreformen gelten als Alternative zum Grundeinkommen.

Fazit: Wird aus der Utopie bald Wirklichkeit?

Das Konzept des bedingungslosen Grundeinkommens stößt bei vielen Bürgern auf eine zweigeteilte Meinung. Die einen sehen darin eine sinnvolle Maßnahme, um soziale Teilhabe zu stärken und Armutsfaktoren zu reduzieren. Die anderen fürchten die finanziellen und sozialen Folgen. Dennoch wird weiter über das bedingungslose Grundeinkommen diskutiert. Ebenso wie über Alternativkonzepte, etwa ein Bürgergeld oder Steuerreformen.

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