Aktienrückkauf – Blick von unten auf die verspiegelten Fassaden von Wolkenkratzern.
Aktienrückkauf – Blick von unten auf die verspiegelten Fassaden von Wolkenkratzern.
© VladFotoMag via Adobe Stock

Aktienrückkauf – Gründe & Bedeutung für Anleger

  • Bei einem Aktienrückkauf erwirbt ein Unternehmen eigene Anteile zurück.
  • Ein Aktienrückkauf erfolgt entweder über die Börse oder durch ein Rückkaufangebot.
  • Nach einem Aktienrückkauf steigt in der Regel der Aktienkurs.
  • Ein Aktienrückkauf birgt aber auch Nachteile für Anleger.

Definition: Was ist ein Aktienrückkauf?

Bei einem Aktienrückkauf zieht ein Unternehmen eigene Aktien vom Markt zurück, indem es sie von den Aktionären zurückkauft. Der Rückkauf von Aktien dient in der Regel dazu, überschüssiges Kapital an die Aktionäre zurückzugeben. Der Beschluss zu einem Rückkauf von Aktien wird vom Vorstand getroffen und muss von den Aktionären auf einer Hauptversammlung genehmigt werden. Unternehmen dürfen höchstens 10 % des Grundkapitals zurückkaufen. Das Aktienrückkaufprogramm muss innerhalb von 5 Jahren abgewickelt werden.

Das Unternehmen kann die zurückgekauften Aktien einziehen bzw. vernichten, also dauerhaft aus dem Handel ziehen, um sein Eigenkapital zu reduzieren und den Wert der Aktien zu erhöhen. Es kann die zurückgekauften Aktien aber auch verwahren, um sie später zu verkaufen, als Zahlungsmittel zu nutzen oder als Belegschaftsaktien auszugeben.

Du bist neu auf dem Börsenparkett? Im comdirect Magazin findest du hilfreiche Tipps und Informationen zum Aktienkauf für Anfänger und Einsteiger.

Wie funktioniert ein Aktienrückkauf?

Unternehmen können 2 Wege gehen, um eigene Aktien zurückzukaufen:

  1. Öffentliches Rückkaufangebot: Ein Unternehmen kann seinen Aktionären ein öffentliches Angebot zum Rückkauf der Aktien unterbreiten. Man spricht auch von einem Tender Offer. Bei dieser Variante gibt es in der Regel einen Aufschlag für die Aktionäre. Das heißt: Der angebotene Preis liegt über dem aktuellen Börsenkurs.
  2. Rückkauf über die Börse: Seit 1998 dürfen Aktiengesellschaften 10 % ihrer eigenen Aktien über die Börse zurückkaufen. Diese Form des Aktienrückkaufs erfolgt in der Regel über einen längeren Zeitraum, um die Kursentwicklung nicht zu beeinflussen. Der Erwerb über die Börse ist die häufigste Form des Aktienrückkaufs.

Muss ich meine Aktien bei einem Aktienrückkauf verkaufen?

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Als Anleger musst du deine Aktien bei einem Aktienrückkauf nicht zwangsläufig verkaufen. Wenn du deine Anteile am Unternehmen behältst, profitierst du weiterhin beispielsweise von Stimmrechten und einer möglichen Dividende. Es kann auch sein, dass der Aktienkurs im Zuge eines Aktienrückkaufprogramms steigt und deine Aktien anschließend mehr wert sind. Auch die Dividendenrendite kann sich erhöhen, wenn eine Aktiengesellschaft eigene Aktien zurückkauft.

Ein Aktienrückkauf birgt für dich als Anleger aber immer auch Risiken wie z. B. Kursverluste. Die wichtigsten Vor- und Nachteile von Aktienrückkäufen für dich als Anleger listen wir weiter unten in einer Tabelle für dich auf.

Aktienrückkaufprogramme: Was sind die Gründe und Auswirkungen?

Unternehmen kaufen aus verschiedenen Gründen eigene Anteilsscheine zurück. Dies sind die 5 wichtigsten Gründe für einen Aktienrückkauf:

Aktienrückkauf zur Kurspflege

Ein Aktienrückkauf wird vom Markt in der Regel positiv bewertet. Durch den Rückkauf verringert sich die Menge der umlaufenden Aktien. Dadurch steigt der Gewinn pro Aktie und der Aktienkurs legt theoretisch zu. Man spricht auch von der Aktienrückkaufrendite.

Aktienrückkauf als Schutz vor Übernahmen

Je weniger Aktien im Umlauf sind, desto schwieriger wird es für potenzielle Käufer, eine kontrollierende Beteiligung am Unternehmen zu erwerben. Mit einem Aktienrückkauf kann sich ein Unternehmen also vor feindlichen Übernahmen schützen.

Aktienrückkauf als Währung

Ein Unternehmen kann die zurückgekauften Aktien auch als Währung nutzen, um andere Unternehmen zu übernehmen. In diesem Fall dienen die zurückgekauften Aktien als Zahlungsmittel.

Aktienrückkauf zur Veränderung der Aktionärsstruktur

Ein Aktienrückkauf kann die Anzahl der Aktionäre verringern und die Unternehmensstruktur verändern. Weniger Aktionäre bedeuten weniger Mitspracherecht bei Hauptversammlungen. Gleichzeitig können die verbliebenen Aktionäre von höheren Dividenden profitieren, da sich der Gewinn auf weniger Aktien verteilt.

Unternehmen nutzen oft überschüssiges Kapital, um eigene Aktien zurückzukaufen, wenn sie keine besseren Investitionsmöglichkeiten sehen. Aktienrückkäufe können auch fremdfinanziert werden. Dadurch erhöht sich jedoch die Verschuldung des Unternehmen.

Was sind die Vor- und Nachteile von Aktienrückkäufen für Anleger?

Aktienrückkäufe haben sowohl Vor- als auch Nachteile, die du als Anleger kennen solltest.

Pro Aktienrückkauf

  • Kurssteigerung:
    Anleger können bei Aktienrückkäufen von steigenden Kursen profitieren oder ihre Aktien gewinnbringend zu einem Kurs verkaufen, der über dem aktuellen Marktpreis liegt.
  • Höhere Dividendenrendite:
    Da sich der Unternehmensgewinn auf weniger Aktien verteilt, können Aktionäre von einer höheren Dividende profitieren, wenn sie ihre Aktien halten.
  • Positives Signal:
    Ein Aktienrückkauf kann ein positives Signal an den Markt sein, dass das Unternehmen die eigene Aktie als gute Anlage betrachtet – und über ausreichend finanzielle Mittel verfügt, um die Aktien zu kaufen. Dies steigert häufig das Vertrauen der Anleger und kann langfristig zu steigenden Kursen führen.

Contra Aktienrückkauf

  • Kursmanipulation:
    Im schlechtesten Fall hat ein Aktienrückkauf nur kosmetische Wirkung auf den Aktienkurs und soll die eigentliche finanzielle Situation des Unternehmens verschleiern. Nach einem kurzfristigen Anstieg fällt der Kurs wieder.
  • Ausbleibende Investitionen:
    Das Geld, das Unternehmen für einen Aktienrückkauf verwenden, fehlt z. B. für höhere Investitionen in die Forschung und Entwicklung. Daher werden Aktienrückkäufe von manchen Anlegern als unternehmerisch einfallslos und wachstumsschädlich gewertet.
  • Vorstandsbonus:
    In manchen Unternehmen erhalten Vorstandsmitglieder eine erfolgsbasierte Vergütung für eine positive Wertentwicklung der Aktie. Ein Aktienrückkaufprogramm kann vom Vorstand also auch genutzt werden, um mehr Geld zu bekommen, und kommt dann nicht direkt dem Unternehmen zugute.

Kann ich auch mit ETFs von Aktienrückkäufen profitieren?

Mit ETFs kannst du gezielt in Aktien von Unternehmen investieren, die regelmäßig Aktienrückkaufprogramme durchführen. Solche Buyback-ETFs wollen die Vorteile von Aktienrückkäufen wie z. B. Kurssteigerungen ausnutzen. In Deutschland kannst du aktuell ETFs auf folgende Buyback-Indizes handeln:

  • S&P 500 Buyback Index: Bildet die Wertentwicklung von Aktien mit den höchsten Aktienrückkaufquoten im S&P 500 ab.
  • Nasdaq Global Buyback Achievers Index: Bietet Zugang zu Aktien von internationalen Unternehmen, die aufgrund einer soliden Unternehmensfinanzierung Aktienrückkaufprogramme durchführen.

Auch wenn Börsenkurse im Zuge eines Aktienrückkaufs in der Regel steigen, erzielst du mit Aktienrückkauf-ETFs nicht automatisch eine höhere Rendite. Auch mit einer Investition in Buyback-ETFs gehst du zum Teil hohe Verlustrisiken bis hin zum Totalverlust deines eingesetzten Kapitals ein.

Im Rahmen einer Core-Satellite-Strategie kannst du breiter gestreute Anlagen wie Welt-ETFs durch risikoreichere Nischen- oder Branchen-ETFs wie z. B. Aktienrückkauf-ETFs ergänzen, um deine Renditechancen zu erhöhen. Beachte jedoch, dass du gleichzeitig höhere Verlustrisiken bis zum Totalverlust deines Kapitals eingehst.

Fazit: Aktienrückkäufe – Vor- und Nachteile abwägen, Anlagestrategie beachten

Aktiengesellschaften können eigene Aktien zurückkaufen, um – ähnlich einer Dividende – überschüssige Mittel an Aktionäre zurückzugeben. Rückkäufe erfolgen meist über die Börse oder ein öffentliches Angebot. Anleger bewerten Rückkäufe oft positiv, da der Aktienkurs und Dividenden steigen können.

Kritik an Aktienrückkaufprogrammen gibt es jedoch auch: Manche Anleger sehen Aktienrückkäufe als wachstumsschädlich, da das aufgewendete Geld für Investitionen fehlt. Zudem besteht das Risiko von Insiderhandel, wenn die Unternehmensleitung die zurückgekauften Aktien später marktmanipulativ verkauft.

Als Anleger kannst du frei entscheiden, ob du deine Aktien verkaufst oder hältst. Wichtig ist, dass deine Entscheidung deiner Strategie und deinem Anlagetyp entspricht.

Auswirkung von Inflation: Grundsätzlich beeinflusst die Entwicklung der Inflationsrate deinen Anlageerfolg. Ein daraus resultierender Kaufkraftverlust betrifft sowohl die erzielten Erträge als auch dein investiertes Kapital.

1 Nach 3 Jahren bleibt die Depotführung kostenlos, wenn Sie mindestens 2 Trades pro Quartal tätigen, ein Girokonto bei comdirect führen oder regelmäßig in einen Wertpapiersparplan einzahlen (mindestens 1 Ausführung pro Quartal).

Wenn du noch Fragen zu den Themen Anlegen und Investieren hast, kannst du gerne unsere Kundenbetreuer kontaktieren – per Telefon unter 04106 – 708 25 00 oder über unser Kontaktformular. Unsere Kundenbetreuer sind rund um die Uhr für dich erreichbar – 7 Tage die Woche, 24 Stunden am Tag.

Autor
comdirect Redaktion
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