Aktienrückkauf Gründe und Auswirkungen für Unternehmen und Anleger

Junge Frau schiebt ihr Fahrrad und guckt auf ihr Handy.
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Ob internationale Schwergewichte wie Apple oder renommierte Dax-Konzerne wie Siemens oder Adidas – zahlreiche Unternehmen haben in der Vergangenheit bereits Anteilsscheine von Aktionären zurückerworben. Hinter der Maßnahme stecken oft verschiedene Gründe. In erster Linie erhoffen sich Aktiengesellschaften aber eine Steigerung des Aktienkurses. Aktionäre und Anleger können davon unter Umständen ebenfalls profitieren.

Was ist ein Aktienrückkauf?

Ist an den Börsen von Aktienrückkäufen die Rede, wissen nur wenige Anleger, worum es dabei wirklich geht. Wie der Name vermutet lässt ist die Definition von Aktienrückkäufen einfach: Bereits herausgegebene Aktien werden vom Emittenten (dem Aktienherausgeber) einfach zurückgekauft. Dahinter verbirgt sich oft eine komplexe Börsenstrategie, die Unternehmen aus unterschiedlichen Gründen verfolgen. So kann ein Aktienrückkauf bestimmte Signale an die Öffentlichkeit senden und positive Effekte an der Börse auslösen.

Voraussetzung für solch ein Vorgehen ist, dass ein Unternehmen von der Hauptversammlung dazu ermächtigt wird und über eine entsprechend hohe Liquidität verfügt. Der Aktienrückkauf erfolgt dann entweder mit Hilfe von Eigenkapital, oder eine Aktiengesellschaft nimmt einen Kredit auf, um eigene Aktien zurückzukaufen, dann kann der sogenannte Leverage-Effekt entstehen. Durch den Einsatz von Fremdkapital erhöht sich dabei die Eigenkapitalrendite.

Wie funktioniert ein Aktienrückkauf?

Um einen geplanten Aktienrückkauf tätigen zu können, muss das Vorgehen für ein Aktienrückkaufprogramm von der Hauptversammlung als Beschluss genehmigt werden. Dort wird auch festgelegt, welchen Anteil am Grundkapital das Unternehmen kaufen darf. Gesetzlich sind maximal 10 % des Grundkapitals erlaubt. Der Beschluss der Hauptversammlung gilt bis zu 5 Jahre und ermöglicht es Unternehmen, das Rückkaufprogramm innerhalb dieser vorgegebenen Zeit abzuwickeln. Die Einschränkungen haben im Übrigen einen einfachen Grund: In der Vergangenheit nutzten vor allem finanziell angeschlagene Unternehmen die Möglichkeit des Rückkaufs, um bestimmte Aktionäre vor einer drohenden Insolvenz zu bevorzugen.

In der Regel findet ein Aktienrückkauf an der Börse statt. Unternehmen können ihren Aktionären aber auch ein Rückkaufangebot unterbreiten. Das geschieht meist, wenn zu wenig Kaufoptionen bestehen oder der Preiseffekt an der Börse gemieden werden soll. Üblicherweise wird Aktionären dabei nicht nur der Kurswert, sondern darüber hinaus auch ein Prämienaufschlag bezahlt.

4 Gründe warum Unternehmen Aktien zurückkaufen

Es gibt viele Gründe, die Aktiengesellschaften dazu bewegen, eigene Anteile zurückzukaufen. Sie ermöglichen finanzielle sowie strukturelle Maßnahmen.

  1. Kurssteigerung: Mit einem Aktienrückkauf wird meist eine Kurssteigerung der Aktie angestrebt. Der Aktienrückkauf führt zu einer Verringerung der frei verfügbaren Anteilsscheine, wodurch sich die Nachfrage erhöht und der Aktienkurs letztlich steigt. In manchen Fällen lösen Unternehmen die aufgekauften Aktien auch einfach auf, was eine unmittelbare Wert- und Kurssteigerung der übrigen Aktien zur Folge hat.
  2. Absicherung: Infolge eines Aktienrückkaufs verringern sich nicht nur die verfügbaren Anteile auf dem freien Markt, die vorhandenen gewinnen außerdem automatisch an Wert. Andere Unternehmen haben es also schwerer, sich in den Konzern einzukaufen. Aktienrückkäufe schützen letztlich so vor einer drohenden Übernahme.
  3. Zahlungsmittel: Die zurückgekauften Aktien können auch als Zahlungsmittel bzw. als sogenannte Tausch- oder Transaktionswährung dienen, um einen anderen Konzern zu übernehmen. Bezahlt wird in solchen Fällen also mit den eigenen Unternehmensanteilen.
  4. Bündelung: Im Zuge eines Aktienrückkaufs verringert sich häufig die Anzahl der Aktionäre. Auf diese Weise verändert sich mitunter auch die Gesellschaftsstruktur des Unternehmens. So sinkt beispielsweise durch den Rückgang der Aktionäre auch die Zahl derer, die auf der Hauptversammlung mitbestimmen können. Gleichzeitig kann sich die Höhe der Dividende für die verbliebenen Aktionäre erhöhen. Denn die Gewinne, die an die Aktionäre ausgeschüttet werden, verteilen sich auf weniger Aktien als zuvor und das sogenannte Kurs-Gewinn-Verhältnis verändert sich zugunsten der Aktionäre.

Was bedeutet ein Aktienrückkauf für Aktionäre und Anleger?

Gut zu wissen: Manche Anleger verfolgen spezielle Strategien, die darauf abzielen, Aktiengesellschaften ins Depot aufzunehmen, die regelmäßig eigene Wertpapiere erwerben. Darüber hinaus existieren auch Fonds, die Aktien von Unternehmen bündeln, bei denen ein Rückkauf im Raum steht bzw. wahrscheinlich ist.

Ein Aktienrückkauf hat verschiedene Auswirkungen, die sowohl Aktionäre als auch potenzielle Anleger betreffen können. Aktionäre, die im Besitz ihrer Anteile bleiben, können teilweise auf eine Kurssteigerung hoffen. Denn durch die Verringerung der verfügbaren Aktien, steigt häufig auch der Anteil am Unternehmen, der verbleibt. Und weil weniger Aktien im Umlauf sind, erhöht sich in der Regel auch die Dividende.

Mit der Ankündigung eines Aktienrückkaufs signalisiert ein Unternehmen außerdem bereits im Vorfeld, dass die eigenen Aktien ein sinnvolles Investment sein können. Denn ein Aktienrückkauf bedeutet, dass das Unternehmen Maßnahmen einleiten möchte, die die perspektivische Ausrichtung langfristig verbessern. Interessierte Anleger können diesen Optimismus teilen, indem sie ebenfalls Aktien kaufen. Dadurch steigt der Aktienkurs letztlich im Idealfall über einen längeren Zeitraum.

Mögliche Probleme eines Aktienrückkaufes

Aktienrückkäufe können Aktionären und Anlegern durchaus positive Aussichten bieten – völlig unumstritten sind sie aber nicht. Insbesondere wenn Aktienrückkäufe ohne ein unternehmerisches Anliegen getätigt werden, kann das dazu führen, dass die Kurse nach einer kurzen Steigerung schnell wieder fallen. Und tritt eine Kurssteigerung nur kurzfristig ein, ist der Effekt, der mit einem Aktienrückkauf eigentlich bezweckt wird, nicht nur schnell verpufft, die Aktien verlieren auch langfristig an Attraktivität. Weiterhin fragen sich Investoren, ob dem Unternehmen keine anderen Möglichkeiten einfallen, das Kapital einzusetzen (z.B. durch höhere Investitionen in Forschung und Entwicklung).

Die Möglichkeit, Aktienrückkäufe auch mit Hilfe von Fremdkapital zu finanzieren, kann Unternehmen zudem in finanzielle Schieflagen manövrieren. Denn Kreditzinsen können nur so lange bedient werden, wie das Unternehmen Gewinne erwirtschaftet. Bleiben diese aus oder aber entwickelt sich der Kursverlauf nicht wie erhofft, droht der Aktiengesellschaft eine Überschuldung.

Fazit zum Aktienrückkauf

Aktienrückkäufe sind an der Börse ein beliebtes Mittel, um vor allem den Kurs auf kurze- und mittelfristige Sicht in die Höhe zu treiben. Auch können Aktionäre so unter Umständen von einer höheren Dividende profitieren. Wer den kurstreibenden Effekt für sich nutzen will, kann beispielsweise mit speziellen ETFs gleich eine ganze Auswahl solcher Firmen ins Depot aufnehmen.

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