finanzblog award Interview mit Oliver Noelting – der Gewinner des finanzblog awards 2020

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Mann mit schwarzen Haaren, hellgauer Brille ohne Rand und schwarzem Hemd vor einem verschwommenen See mit hohem gelbem Schilf
Oliver Noelting, Gewinner des finanzblog awards 2020

Du bist der Gewinner des finanzblog awards 2020. Was zeichnet für Dich den finanzblog award aus?

Der finanzblog award ist ja schon eine Institution in der Finanzblog-Community. An der jährlichen Preisverleihung schätze ich vor allem den Austausch mit anderen Blogger:innen, die Stärkung der Community und die Gelegenheit, neue, bisher unbekannte Blogs kennen zu lernen. Vielen Dank an euch, dass ihr das seit so vielen Jahren möglich macht!

Was genau bedeutet es eigentlich, ein Frugalist oder eine Frugalistin zu sein?

Frugalist zu sein heißt vor allem, sich ein möglichst glückliches und erfülltes Leben zu gestalten. Dabei spielt der effiziente und clevere Umgang mit Geld eine wichtige Rolle. Denn niedrige Ausgaben und angespartes Vermögen ermöglichen mir die Freiheit, tun und lassen zu können, was ich möchte. 

Was uns Frugalisten dabei in die Karten spielt: Die dinge, die nachweislich für ein glückliches Leben zentral sind, kosten kaum oder nur wenig Geld oder sind gar nicht erst für Geld käuflich: Gute soziale Beziehungen, Sport, gesunde Ernährung, Dankbarkeit, eine erfüllende Tätigkeit, lebenslanges Lernen. Weil wir uns auf diese Dinge fokussieren, können wir gleichzeitig ein gutes Leben führen und Geld sparen.

Was rätst du denjenigen, die ihre Ausgaben in den Griff bekommen wollen?

Wichtig ist erstmal, ein Bewusstsein zu schaffen – für die Finanzen, aber auch für Zufriedenheit und Lebensglück. Bei den Finanzen empfehle ich, alle persönlichen Ausgaben zu tracken – so wie man im Fitness-Bereich Kalorien oder gelaufene Kilometer zählen würde. Ich selbst trage seit über sieben Jahren alle meine Ausgaben in eine Google-Tabelle ein. So weiß ich genau, wo jeder Euro hingeht.
Anschließend kann ich optimieren: Fügt diese Ausgabe wirklich etwas Positives zu meinem Leben hinzu? Kann ich dieses Bedürfnis vielleicht günstiger befriedigen?

Dabei sollte man ruhig auch mal um die Ecke denken und die Komfortzone verlassen. Kann ich meine Wohnkosten senken, indem ich ein Zimmer untervermiete? Oder mit dem E-Bike statt mit dem Auto zur Arbeit fahren? 

Empfehlen kann ich auch, ein Dankbarkeitstagebuch zu führen. Jede Woche schreibe ich auf, was mir Gutes passiert ist oder mich glücklich gemacht hat: Der Spielplatz-Ausflug mit meiner Tochter. Eine Skate-Session an einem milden Sommerabend. Der Spieleabend mit den Nachbarn. Wenn ich eigenhändig einen Wickeltisch gebaut oder die Waschmaschine repariert habe. Fast immer sind es Dinge oder Erlebnisse, die kein oder nur wenig Geld kosten. Je mehr ich also mein Leben auf diese Aktivitäten ausrichte, desto glücklicher werde ich – und meine Ausgaben sinken ganz automatisch.

Hat sich an deinem Ziel, mit 40 in Rente zu gehen, etwas verändert?

Ursprünglich wollte ich mein Ziel der finanziellen Freiheit möglichst schnell erreichen und dafür Jahre lang Vollzeit arbeiten gehen. 

Heute sehe ich das lockerer, besonders seit ich Papa geworden bin. Meine Tochter ist nur einmal klein, die Zeit kommt so nicht noch einmal wieder. Außerdem habe ich schon über 150.000 € Vermögen angespart. Bei meinen derzeitigen Ausgaben würde das für mehr als 10 Jahre ohne Arbeit reichen. Darum arbeite ich bereits heute nur noch halbtags, bin nebenbei noch ein paar Stunden in der Woche selbständig. Auf diese Weise habe ich im Hier und Jetzt schon mehr Zeit für meine Familie und meine Hobbys.

Ich sehe finanzielle Freiheit mittlerweile weniger als fixes Ziel, sondern mehr als Spektrum. Je mehr Vermögen ich angespart habe, desto mehr Freiheit und Freizeit kann ich mir gönnen.

Du trittst dieses Jahr als Gastjuror für den #fba21 an. Worauf freust du dich dabei am meisten?

Ich bin vor allem gespannt darauf, den finanzblog award einmal als Jurymitglied hinter den Kulissen miterleben zu dürfen. Außerdem freue ich mich darauf, einige bekannte Gesichter wiederzusehen und auch neue Bekanntschaften zu schließen. Ich hoffe ja sehr, dass wir uns bald alle wieder persönlich bei einem finanzbarcamp oder gemütlich bei Bier und Pizza treffen können.