comdirect Realzins-Radar Phase der positiven Realzinsen nur vorübergehend

Podcast: Fed und Leitzins
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Dass der Realzins – also die Verzinsung nach Abzug der Inflation – im vierten Quartal 2020 zum zweiten Mal in Folge positiv ist und damit auf den höchsten Wert seit mehr als fünf Jahren steigt, könnte vermuten lassen, dass sich dahinter eine Trendwende verbirgt. Bei genauerer Betrachtung lässt sich darin jedoch nicht mehr als eine kurzfristige Entwicklung erkennen. Durch Auslaufen der Mehrwertsteuersenkung wird der Realzins künftig wieder sinken und Sparer werden somit wieder reale Wertverluste erleiden. Aktuelle Daten zeigen aber, dass in Deutschland eine andere Trendwende stattfinden könnte: weg von vermeintlich sicheren Spareinlagen hin zur Geldanlage über die Börse.

Der quartalsweise erscheinende comdirect Realzins-Radar betrachtet die Entwicklung auf Tages-, Festgeld-, Girokonten sowie anderer Spareinlagen abzüglich der Inflationsrate. Nach einem positiven Wert von 0,21 Prozent im dritten Quartal 2020 stieg der Wert im vierten Quartal sogar weiter auf 0,37 Prozent.

Der comdirect Realzins-Radar

Dadurch haben die Ersparnisse der Deutschen im vierten Quartal rund 2,3 Milliarden Euro an Wert gewonnen, also rund 28 Euro pro Kopf. Wer hierhinter jedoch eine Zinswende im Euroraum vermutet, freut sich zu früh. Denn Treiber dieser Entwicklung war die Inflationsrate, die in Deutschland im vierten Quartal auf minus 0,25 Prozent, den niedrigsten Wert seit mehr als 10 Jahren, gesunken war. Entsprechend lagen die Zinsen auf die Ersparnisse der Deutschen über der Inflationsrate und führten so zu einem positiven Realzins. Die negative Inflation war in Deutschland allein der befristeten Mehrwertsteuersenkung geschuldet. Seit Anfang des Jahres gelten wieder die ursprünglichen Mehrwertsteuersätze, hinzu kommt eine CO2-Abgabe – damit ist der Sondereffekt dahin. Und die Zinsen werden aufgrund der expansiven Geldpolitik der Notenbanken langfristig am Boden bleiben.

Auch die Betrachtung des Gesamtjahres 2020 zeigt, wie wenig diese kurzfristige Wende bewirkt hat: Der durchschnittliche Zinsertrag lag bei minus 0,39 Prozent. Das ergibt pro Kopf einen Verlust von 111 Euro, also insgesamt 9,2 Milliarden Euro.

Sparvolumen der Deutschen steigt erstmals auf über 2,5 Billionen Euro

Trotz dieser Zahlen haben die Deutschen im Jahr 2020 so viel gespart wie nie zuvor. Mit einer Sparquote von über 20 Prozent haben Sparer hierzulande insgesamt rund 2,5 Billionen Euro auf die hohe Kante gelegt. Vor allem die Unsicherheit und die Angst vor Jobverlust und Kurzarbeit haben das Sparverhalten im vergangenen Jahr geprägt. Hinzu kommt, dass auch manch größere Ausgabe wie beispielsweise für den Urlaub erst einmal verschoben werden musste.

Neue Anlegerkultur in Deutschland?

Doch gibt es dazu einen erkennbaren Gegentrend. Dies zeigt auch die sehr hohe Zahl an neu eröffneten Depots im Jahr 2020 bei comdirect. Nur im Jahr 2000 hat es bei comdirect eine noch höhere Anzahl an neuen Depots gegeben. Aufgrund der hohen Volatilität an den Börsen im Zuge der Corona-Pandemie haben immer mehr Menschen in Deutschland die Möglichkeiten der Geldanlage über Wertpapiere für sich entdeckt. Gerade bei jungen Menschen gewinnt der Aktienhandel weiter an Beliebtheit, wie eine Studie der „Aktion pro Aktie“ zur Aktienkultur in Deutschland herausfand. In der Altersklasse der unter 25-Jährigen stieg der Anteil derjenigen, die in Aktien investierten, von 26 Prozent in 2019 auf 39 Prozent in 2020.

In einer weiteren Studie von J.P. Morgan Asset Management von Dezember 2020 gaben immerhin 18 Prozent von 1000 Befragten an, im Jahr 2021 einen Fonds- oder Wertpapiersparplan abschließen und damit regelmäßig Geld anlegen zu wollen. Weitere 15 Prozent sagten, dass die Geldanlage über die Börse eine der finanziellen Prioritäten für 2021 sei. Und 14 Prozent interessierten sich für nachhaltige Geldanlagen.


Matthias Hach, Bereichsvorstand comdirect, Marketing & Digital Banking Solutions bei der Commerzbank, begrüßt diese Entwicklung: „Für den mittel- bis langfristigen Vermögensaufbau sind Investitionen in Wertpapiere unerlässlich. Sparbuch und Tagesgeld schützen zwar vor Risiko, aber nicht vor einem Wertverlust, wie wir regelmäßig mit dem comdirect Realzinsradar aufzeigen.“

Wertpapiersparpläne ab 25 Euro monatlich und digitale Vermögensverwaltungen wie cominvest bieten hierfür gute Einstiege.