Tag der Aktie Auf die deutsche Aktienkultur!

Skyline Frankfurt am Main mit Blick auf die EZB
© Imagesines via Getty Images/iStockphoto

Die Finanzjournalistin und leidenschaftliche Börsianerin Jessica Schwarzer schreibt anlässlich des Tags der Aktie am 29.10.2021 für das comdirect magazin.

Jessica Schwarzer

Jessica Schwarzer ist eine der renommiertesten Finanzjournalistinnen Deutschlands. Die langjährige Chefkorrespondentin und Börsenexpertin des Handelsblatts (2008 bis 2018) arbeitet heute selbstständig als Journalistin und Moderatorin. Die gebürtige Düsseldorferin hat mehrere Bücher über die Psychologie von Anlegern und Investmentstrategien geschrieben. Die deutsche Aktienkultur ist der leidenschaftlichen Börsianerin eine Herzensangelegenheit, für die sie sich auch mit Vorträgen und Seminaren, und bei der Initiative finanz-heldinnen stark macht.

Werden die Deutschen etwa doch noch zu Aktionären? Es tut sich auf jeden Fall etwas. Das Volk der Sparer entdeckt die Börse. Endlich! Mehr als jede*r Dritte investiert aktuell Geld in Aktien. Das ist das Ergebnis der aktuellen Befragung der „Initiative pro Aktie“, zu der sich comdirect, Consors Bank, ING und FlatexDegiro zusammengeschlossen haben. Vor allem in Fonds investierten die Deutschen (18 Prozent), gefolgt von Sparplänen (16 Prozent), Einzelaktien (14 Prozent) und ETFs (11 Prozent).

Da macht es doch gleich doppelt Spaß, den „Tag der Aktie“ zu feiern. Endlich setzen mehr Bundesbürger auf die langfristig erfolgreichste Anlageklasse: die Aktie. Mit einer durchschnittlichen Rendite von sechs bis acht Prozent schlagen Aktien auf lange Sicht jede andere Anlage – allen Schwankungen und Crashs zum Trotz. Gerade in Zeiten von Null- und Negativzinsen sollten niemand auf diese Anlageklasse verzichten. Selbst die konservativsten und vorsichtigsten Anleger sollten einen kleinen Teil ihres Ersparten an der Börse investieren. Diese Einsicht scheint sich mehr und mehr durchzusetzen. Und in der Corona-Krise ließen dem viele Taten folgen.

Denn im ersten Lockdown haben viele den Schritt an die Börse gewagt. Das hatte mich überrascht: Mitten im schnellsten und heftigsten Crash der vergangenen Jahrzehnte oder doch kurz danach die ersten Aktien zu kaufen? So viel Mut hätte ich den deutschen Sparern nicht zugetraut. Im Grunde habe sie es aber sehr richtig gemacht: Sie haben eine Schwächephase zum Einstieg genutzt.

Dass viele dabei auf Fonds und ETFs setzen, freut mich ebenfalls. Denn zu den obersten Geboten der erfolgreichen Geldanlage zählt die Risikostreuung, im Börsendeutsch Diversifikation genannt. Es gilt über viele Einzelaktien, Branchen und Regionen zu streuen. Das funktioniert wunderbar mit Fonds und ETFs.

Einzelaktien haben immer ein deutlich höheres Risiko. Wir erinnern uns an Wirecard: Als der einst gehypte Tech-Konzern im vergangenen Jahr pleite ging, rauschte der Aktienkurs in die Tiefe. Für die Aktionäre bedeutete das einen mehr oder weniger Totalverlust. Die Aktie ist nur noch wenige Cent wert. Im Dax, der damals die Entwicklung der 30 größten, börsennotierten deutschen Unternehmen widerspiegelte (heute sind es 40), hatte die Wirecard nur eine Gewichtung von knapp drei Prozent. Der Absturz des einstigen Börsenlieblings war in der Dax-Kurve noch nicht einmal eine Delle – der Risikostreuung sei dank.

Deshalb würde ich lieber einen ETF auf den Dax oder einen anderen Index kaufen, als zu viel Geld in einzelne Unternehmen zu investieren. In meinem langfristigen Depot sind deshalb auch nur ETFs. Einzelaktien landen ab und zu im Spielgeld-Depot. Dort investiere ich aber nur kleine Summen. Bleibt zu hoffen, dass diejenigen Börsen-Neulinge, die sich für Einzelaktien entschieden haben, ebenfalls auf eine gewisse Risikostreuung achten. Und natürlich kann man auch immer kombinieren: ein paar ETFs als Basisanlage, ein paar ausgewählte Einzeltitel als Beimischung. Es gibt viele Wege und Strategien, die zum Anlageerfolg führen. Und keine Strategie muss in Stein gemeißelt sein, wir können jederzeit nachjustieren.

„Es gilt über viele Einzelaktien, Branchen und Regionen zu streuen. Das funktioniert wunderbar mit Fonds und ETFs.“

Jessica Schwarzer, Finanzjournalistin und leidenschaftliche Börsianerin

Ob ETFs, Fonds oder Aktien – die deutsche Aktienkultur hat sich auf jeden Fall weiterentwickelt. Und das ist gut so. Es könnte sogar noch einen weiteren Schub für die deutsche Aktienkultur geben. Sowohl im Jahr 2020 als auch im Jahr 2021 hat rund ein Viertel der Nicht-Aktienbesitzer zumindest in Erwägung gezogen, in Aktien zu investieren, so die Studie der „Initiative pro Aktie“. Vielleicht nutzen einige von ihnen den „Tag der Aktie“ um ihren ersten ETF oder ihre ersten Einzelaktien zu kaufen. Am 29. Oktober 2021 entfallen nämlich an der Börse Frankfurt und bei den teilnehmenden Banken beim Kauf aller Dax-Aktien und ausgewählter ETFs weitgehend die Gebühren. In diesem Sinne: Auf die deutsche Aktienkultur!

Wertpapiere unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Dieser Text stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Er soll lediglich Ihre selbstständige Anlageentscheidung erleichtern und ersetzt keine anleger‐ und anlagegerechte Beratung. Bei den hier dargestellten Informationen und Wertungen handelt es sich um eine Werbemitteilung, die nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit einer Anlageempfehlung oder Anlagestrategieempfehlung genügt. Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect wieder.